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Die Stellung der deutschen Sprache in Afrika. Am Beispiel von Nigeria

Masterarbeit 2012 81 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einführung
1.1 Forschungsstand
1.2 Vorgehensweise
1.3 Quellenlage

2. Sprachförderung als Kernbereich der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik

3. Der historische Kontakt zwischen Deutschland und Sub-Sahara-Afrika
3.1 Die deutsche Sprache in den deutschen Kolonien und Kolonialschulen

4. Die deutsche Auswärtige Kulturpolitik und Sprachförderung in Afrika heute
4.1 Die deutschen Mittlerorganisationen im Sub-Sahara-Afrika...
4.1.1 Das deutsche Auslandsschulwesen
4.1.2 Die Rolle des Goethe-Instituts in der Sprachförderung
4.1.3 Die Tätigkeit des Deutschen Akademischen Austauschdienstes

5. Die Sprachensituation und Sprachenpolitik in Nigeria
5.1 Die deutsche Sprache in Nigeria

6. Schlussfolgerungen: Überlegungen zur Verbesserung der Stellung der deutschen Sprache in nigerianischen Schulen

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und zählt zu den größten Volkswirtschaften des Kontinents. In Afrika gehört es zu einem der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands. Im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern, weisen die kulturellen Beziehungen Defizite auf vor allem im Bereich der gegenseitigen Förderung der Sprachen der jeweiligen Länder. Obwohl die deutsche Sprache eine lange Geschichte in Nigeria hat, ist ihre derzeitige Position im Land im besten Fall ziemlich wackelig, insbesondere im Bildungsbereich

Nur zehn der über 140 öffentlichen Hochschulen Nigerias haben Deutschangebote. An drei von ihnen kann man Deutsch bzw. Germanistik als Hauptfach studieren, während die anderen Hochschulen Deutsch als Nebenfach oder Wahlfach anbieten. In öffentlichen Grund- und Sekundarschulen gibt es jedoch überhaupt kein Deutschangebot. Seit 1962 besteht nur ein Goethe-Institut und momentan gibt es nur eine DAAD-Lektorin im ganzen Land. Gründe für diese traurige Situation gibt es, sowohl seitens der Bundesrepublik Deutschlands, als auch seitens der nigerianischen Regierungen, die zurzeit mit Politiken arbeiten, die der Stellung der deutschen Sprache in Nigeria nicht vorteilhaft gegenüber stehen. Die bestehenden Politiken sind von besonderer Bedeutung, wenn man es sich vornimmt, sich mit der Situation der deutschen Sprache in Nigeria auseinanderzusetzen. Sie haben nämlich sowohl direkte, als auch indirekte Auswirkungen auf die jetzigen Fördermaßnahmen für die deutsche Sprache in Nigeria, beziehungsweise das Fehlen solcher Maßnahmen. In diesem Sinne versucht die vorliegende Studie die folgende Fragestellung zu beantworten: Wie beeinflussen die jetzige deutsche Auswärtige Kultur- und Sprachpolitik in Afrika und die interne nigerianische Sprachenpolitik die Stellung der deutschen Sprache in Nigeria? Dabei wird die Stellung der deutschen Sprache sowohl innerhalb des nigerianischen Bildungssektors, als auch außerhalb des Bildungsbereichs in Betracht gezogen. Um diese Frage antworten zu können, werden überwiegend alle vorhandenen einschlägigen Texte, einschließlich Gesetzestexte, und Dokumente qualitativ analysiert

1.1 Forschungsstand

Während die Stellung der deutschen Sprache in Afrika keinen neuen Untersuchungsgegenstand darstellt, existiert nur eine Handvoll sowohl afrikanischer, als auch deutscher Wissenschaftler wie Ihekweazu, Moustafa, Harnischfeger, Witte, Bedi und Böhm, die sich mit dieser Thematik beschäftigten und noch beschäftigen. Viel weniger ist die Zahl der Wissenschaftler, die sich speziell mit der Situation in Nigeria beschäftigen, vor allem in Bezug auf die Sprachpolitiken von beiden Ländern. Nur Böhm (2003) und Bedi (2006) benutzen die Sprach und Kulturpolitiken als Ausgangspunkt ihrer Forschungen. Laut Aulbach (2004) beschreitet Böhm mit seiner 2003 in Augsburg als Dissertation vorgelegten Studie „Deutsch in Afrika“ neue Wege, indem er die verfügbaren Informationen über die Stellung der deutschen Sprache in allen 54 afrikanischen Ländern erfasst. Er greift dabei auf eine breite Basis von publiziertem Datenmaterial zurück, das durch Angaben staatlicher Behörden in Deutschland und deren Vertretungen im Ausland ergänzt wird. Darüber hinaus führt er zahlreiche persönliche Gespräche mit Vertretern des Faches Deutsch vor Ort, den Goethe-Instituten, Fachberatern und DAAD-Lektoren. Dimensionen der infrastrukturellen Konditionen, die bekanntermaßen meist als sehr schwierig eingestuft werden müssen, werden in seiner Forschung auch berücksichtigt wie die Einbettung des Deutschangebotes in die allgemeine Schul- und Hochschullandschaft, die Sprachenpolitik und die allgemeine Bildungssituation. Die Studie versucht, Deutsch sowohl isoliert als auch im nationalen Kontext zu betrachten und manchmal Erklärungen für ein bleibendes, steigendes oder nachlassendes Interesse zu finden. Des Weiteren werden kritische Anmerkungen gemacht und Empfehlungen ausgesprochen, wie man die Stellung der deutschen Sprache in konkreten Kontexten konsolidieren könnte. Die Arbeit untergliedert sich in drei Kapitel von sehr unterschiedlichem Umfang. Es beginnt mit einer Darstellung der „Auswärtigen Kulturpolitik und Sprachförderung“ (S. 23 - 53). Hier werden, nach einer historischen Einführung über die deutsche Sprachförderung seit dem Kaiserreich, die Institutionen (Auswärtiges Amt, StaDaF, ZfA etc.) und Mittlerorganisationen (vor allem das Goethe-Institut, der DAAD und verschiedene Stiftungen) und ihre Relevanz für die Auswärtige Kulturpolitik in Afrika vorgestellt

Das zweite Kapitel widmet sich (S. 54 - 171) der Stellung der deutschen Sprache auf dem Kontinent. Zunächst werden kurz interne und externe Faktoren, die für die Stellung der deutschen Sprache in dem jeweiligen Land relevant sind, dargestellt. Eine Aufteilung in 7 Staatengruppen wurde vorgenommen (Nordafrika, Frankophone Staaten West- und Zentralafrikas, Anglophone Staaten Westafrikas, Östliches Afrika, Portugiesischsprachige Staaten, Staaten im indischen Ozean und Südliches Afrika). Diese wird, anschließend auch in den umfangreichen „Länderberichten“ des 3. Kapitels beibehalten. Abschließend kommt Böhm zu dem Schluss, dass Afrika, nicht zum Schwerpunktgebiet der deutschen Auswärtigen Sprach- und Kulturpolitik gehört und dass dies die Förderung der deutschen Sprache in dieser Region, besonders Subsahara Afrika beeinträchtigt. Seine Schlussfolgerung begründet er durch die geringe Anzahl von Deutschen Präsenzen und Institutionen in dieser Region. Daher plädiert er dafür, dem afrikanischen Kontinent mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auf der nigerianischen Seite, meint Böhm, dass Nigeria aufgrund seiner schon extrem komplexen multilingualen Situation, nicht an einer Einführung von Deutsch als Schulfremdsprache interessiert ist, was der Stellung der deutschen Sprache auch schädlich ist (Böhm 2003: S. 398)

An die Arbeit von Böhm knüpft Bedi (2006) mit seiner sprach- und kulturpolitisch orientierten Dissertation an. Er verbindet die Bestandsaufnahme mit der Darstellung der Legitimitätsfrage und stellt Vorschläge für eine bedarfsorientiertere Germanistik in Afrika bereit, die er vor allem in der Einführung eines neuen Schwerpunkts - Fach- und Berufssprache Deutsch. Sein Ziel ist es, „die Analyse der Verbreitung der deutschen Sprache in Afrika, besonders im Schul- und Hochschulbereich, und den damit verfolgten Zielen sowohl der Deutschen als auch der Afrikaner sowie die Relevanz der Lehre der deutschen Sprache als Fremdsprache für Afrika darzustellen“ (S. 6). Für die Fallstudien wählt Bedi drei frankophone und zwei anglophone westafrikanische Länder aus: die Côte d’Ivoire als sein Heimatland und das Land, wo die Deutschlehrerausbildung begann, Senegal mit einem sehr fortschrittlichen Deutschangebot und Togo als ehemalige deutsche Kolonie mit der höchsten Anzahl an Deutschlehrer. Hinzu kommen die anglophonen Länder Ghana und Nigeria. In den jeweiligen Fallstudien geht er für jedes einzelne Land auf die allgemeine Sprachenlandschaft, auf den Deutschunterricht in Schulen und Hochschulen und auf die Probleme und Perspektiven von Deutsch als Fremdsprache ein. Die Fallstudie zu Côte d‘Ivoire basiert auch auf einem empirischen Datensatz aus Fragebögen für Schüler und Deutschstudierende, welcher Auskunft über die Motivation zum Deutschlernen, die Zufriedenheit mit den Lehrmethoden und die anvisierten Berufsmöglichkeiten gibt. Tabellen und Grafiken werden dazu aufgelistet. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Legitimationsdebatte zu Deutsch in Afrika. Auch Bedi kommt zu dem Schluss, dass Afrika nicht zu den kulturpolitischen Prioritäten der Bundesrepublik Deutschland gehört

Aus den Studienergebnissen von Böhm und Bedi lassen sich folgende Hypothese ableiten: Die jetzige deutsche auswärtige Kultur- und Sprachpolitik in Subsahara-Afrika und die interne nigerianische Sprachenpolitik sind der Position der deutschen Sprache in Nigeria, vor allem im Schulbereich, abträglich

Neben Böhm und Bedi gibt es andere Forschungen über die Situation der deutschen Sprache in Afrika, zum Beispiel die Arbeit von Witte (2006). Im Unterschied zu Böhm und Bedi, die versuchen, einen Überblick über den gesamten afrikanische Kontinent zu schildern, beschränkt sich Witte (1996) nur auf Nigeria, und zwar auf die Didaktik und Methodik des DaF-Studiums in Nigeria. Weiter möchte er dem außerafrikanischen Fachpublikum faktische Probleme der DaF-Studenten und Dozenten in Nigeria vorstellen. Methodisch versucht Arnd Witte in seiner Arbeit induktiv vorzugehen, da es auf diese Weise möglich sei, die vielfältigen Vorprägungen der DaF-Studenten von der allgemeinen sozio-kulturellen Ebene über die engere institutionelle und die noch engere psychische analytisch zu erfassen. (S. 12). Diese Vorgehensweise führt ihn dazu, Disziplinen wie Anthropologie, Ethnologie, Psychologie, Geschichte, Soziologie, Politologie, Linguistik, Pädagogik und Germanistik, die er Bezugswissenschaften nennt, zu berücksichtigen. Diese Methode scheint mit dem 'interpretativen Paradigma' Lamneks kompatibel zu sein, welches das Ziel verfolgt, den "Konstitutionsprozeß von Wirklichkeit zu dokumentieren, analytisch zu rekonstruieren und schließlich durch das verstehende Nachvollziehen zu erklären" (S. 16). Der Corpus der Arbeit besteht aus einer Kombination von Fragebogen und problemzentriertem Interview

Wittes Arbeit ist in sieben Kapitel aufgegliedert: fünf davon beschreiben die Situation des Faches Deutsch als Fremdsprache in Nigeria unter Berücksichtigung der schon erwähnten Bezugswissenschaften; die zwei letzten stellen jeweils eine unterrichtspraktische Analyse und die aus der empirischen Unterrichtspraxis gewonnenen Ergebnisse für die zukünftige Praxis des DaF-Unterrichts in Nigeria dar. Abschließend plädiert er dafür, die „subjektiven Theorien“ der DaF-DozentInnen in Nigeria anzuerkennen, zu würdigen und zu ihrer Verbesserung beizutragen. Mit den sogenannten „subjektiven Theorien“ ist nichts anderes gemeint als der elitenorientierte Frontalunterricht, der mit Projektarbeit und Rollenspielen ergänzt werden soll (S. 348). Da dieser am geeignetsten für die nigerianischen Deutschlerner sei

Ein Jahr später (1997) stellte Harnischfeger, ein Ethnologe und Afrikanist, die geschichtliche Entwicklung und Besonderheiten der Germanistik an nigerianischen Hochschulen in seinen Aufsätzen „Germanistik in Nigeria“ und „Berufsbezogen studieren? Germanistikstudium und Arbeitsmarkt in Nigeria“ vor. Seitdem lassen sich relevante Publikationen von ihm in diesem Bereich nicht mehr finden. Obwohl er sich mit Nigeria weiterhin beschäftigt, befinden sich seine Hauptinteressen in anderen Forschungsgebieten wie Religion und Politik. In ihren zahlreichen Aufsätzen greift auch Ihekweazu in den 80er Jahren die Thematik der Sprache Deutsch in Afrika und ganz besonders in Nigeria auf. In ihren Ausätzen „German Studies in Nigeria and the Inter-Cultural Concept“ (1987) und „Afrikanische Germanistik. Ziele und Wege des Faches in der ‚Dritten Welt‘ am Beispiel Nigeria“ (1985) spricht sie das Thema der interkulturellen Germanistik und der Afrikanisierung der Germanistik an. Aufgrund ihres Todes im Jahr 1991, konnten ihre Forschungen nicht weitergeführt werden. In Anbetracht der geringen Anzahl von Germanisten, die sich mit der Situation der deutschen Sprache in Nigeria beschäftigen, existiert ein großer Mangel an einschlägigen Literaturen in diesem Bereich. Und genau zur Behebung dieses Mangels will die vorliegende Arbeit beitragen. Aber im Unterschied zu den Werken von Witte, Harnischfeger und Ihekweazu, in denen die Sprach- und Kulturpolitiken nicht im Mittelpunkt stehen, setzt die vorliegende Arbeit diese Sprach- und Kulturpolitiken in Vordergrund und sieht sie als ausschlaggebend für die Verbesserung der Stellung der deutschen Sprache in Nigeria. Insofern richtet sich diese Untersuchung nach den Standpunkten Böhms und Bedi. Im Gegensatz zu Böhm und Bedi beschränkt sich diese Studie jedoch nur auf Nigeria und nicht auf den gesamten afrikanischen Kontinent

1.2 Vorgehensweise

Das vorliegende Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Das erste Kapitel stellt die Einführung dar. Darunter befinden sich der Forschungsstand, die Vorgehensweise und die Quellenlage meiner Untersuchung . Im zweiten Kapitel wird die deutsche Auswärtige Kulturpolitik in Augenschein genommen. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Sprachförderung und ihre Rolle in der allgemeinen auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland gelegt

Im dritten Kapitel wird der historische Kontakt zwischen Deutschland und Sub-Sahara-Afrika in Betracht gezogen. Hier werden die ehemaligen deutschen Kolonien (Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und Togo) betrachtet. Ganz besonders wird die Stellung der deutschen Sprache in diesen Kolonien berücksichtigt. Der Grund für diese Inbetrachtziehung der deutschen Kolonien ist es, herauszufinden, ob es eine Korrelation zwischen der Förderung der deutschen Sprache in diesen Kolonien damals und der gegenwärtigen Stellung der deutschen Sprache in diesen Ländern besteht. Erwähnenswert ist es, dass die vorliegende Studie sich nur auf Sub-Sahara-Afrika konzentriert. Die Gegebenheiten im Nordafrika bezüglich der deutschen Sprache werden daher außer Acht gelassen. Der Grund für diese Beschränkung lässt sich in der Tatsache finden, dass die subsaharischen Staaten zahlreiche historische, kulturelle, ethnische und sprachliche Gemeinsamkeiten aufweisen, die in den nordafrikanischen Ländern nicht zu finden sind. In Bezug auf die deutsche Sprache bestehen auch Unterschiede zwischen beiden Regionen: In Nordafrika genießt die deutsche Sprache eine nicht unbedeutende Rolle. Dies liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die deutsche Regierung Nordafrika und den Nahen Osten in ihren Kategorisierungen meistens zusammenführt (Goethe-Institut Jahrbuch 2010/2011) und stellen zusammen ein Schwerpunktgebiet der deutschen auswärtigen Kulturpolitik und der deutschen Sprachförderung im Unterschied zu den subsaharischen Ländern

Im vierten Kapitel wird die gegenwärtige Auswärtige Sprach- und Kulturpolitik Deutschlands in Sub-Sahara-Afrika erwogen. Dabei werden die Aufgaben und Tätigkeiten dreier deutscher Mittlerorganisationen (des deutschen Auslandsschulwesen, des Goethe-Instituts und des Deutschen Akademischen Austauschdiensts) zum Vorschein gebracht. Obwohl es andere Mittlerorganisationen gibt, beschränkt sich diese Studie nur auf die obengenannten drei, weil diese am aktivsten in Afrika sind. Dieses Kapitel ist für diese Untersuchung von besonderer Bedeutung, denn um über die Stellung der deutschen Sprache in Nigeria zu diskutieren, ist es nicht ohne Belang, sich zuerst einen Überblick über die deutsche auswärtige Kulturpolitik in der ganzen Region zu verschaffen. Es gibt nämlich keine einzelne Kulturpolitik für jedes Land, sondern eine Kulturpolitik für die ganze Region, worunter auch Nigeria sich befindet. Das fünfte Kapitel setzt sich mit der internen Sprachensituation und Sprachenpolitik in Nigeria auseinander und damit, welche Wirkung dies auf die deutsche Sprache in Nigeria hat. Ein geschichtlicher Abriss der Existenz der deutschen Sprache in Nigeria und der Lage der nigerianischen Germanistik lassen sich auch in diesem Kapitel finden. Im sechsten und letzten Kapitel findet die Schlussfolgerung der vorliegenden Untersuchung statt. Hier werden auch Vorschläge zur Besserung der Stellung der deutschen Sprache in Nigeria, ganz besonders im Schulbereich, eingebracht

1.3 Quellenlage

Um einen Einblick in die Sprachenpolitiken von beiden Ländern (Nigeria und Deutschland) zu schaffen, werden Gesetzestexte, Protokolle und Berichte von Parlamentssitzungen betrachtet. Diese lassen sich gut zugänglich auf den Internetsauftritten von staatlichen Einrichtungen wie Ministerien und Parlamenten finden. Deutsche staatliche Einrichtungen, die als Quellen für die vorliegende Arbeit dienen, sind das Auswärtige Amt und der Deutsche Bundestag. Seitens Nigerias dienen die nigerianische House of Senate, House of Representatives und Ministry of Education als Quellen. In Bezug auf aktuelle Statistiken werden Jahrbücher und Jahresberichte der in dieser Arbeit vorkommenden deutschen Mittlerorganisationen, nämlich des deutschen Auslandsschulwesens, des Goethe-Instituts und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, verwendet. Vorangegangene Untersuchungen wie die von Witte (1996), Böhm (2003), Bedi (2006) und Oyedele (2012) dienen auch als sehr hilfreiche Quellen

2. Sprachförderung als Kernbereich der deutschen auswärtigen

Kulturpolitik

In diesem Kapitel geht es um die Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland und im Besonderen um die Sprachförderung. Die Situation in einer bestimmten Weltregion, in diesem Fall Afrika bzw. Nigeria, kann man erst dann sinnvoll beurteilen, wenn die historische Entwicklung, die heutige Ausrichtung, die allgemeinen Ziele und Probleme der auswärtigen Sprachförderung der Bundesrepublik bekannt sind. Deshalb wird hier ein geschichtlicher Abriss der Auswärtigen Kulturpolitik und Sprachförderung Deutschlands, ein Überblick über die momentane Situation und ein Ausblick auf die Zukunft gegeben

In der vorliegenden Arbeit wird ganz bewusst der Begriff „Sprachförderung“ benutzt. Diese Entscheidung ist nicht unwillkürlich getroffen. Für „Sprachförderung werden in der Soziolinguistik auch die Begriffe „Sprachverbreitungspolitik“ und „Auswärtige Sprachpolitik“ verwendet. Ammon (1991: S. 524f) spricht von „Sprachverbreitungspolitik“, weil dies einerseits den Sachverhalt exakter beschreibe als „Sprachförderung“, andererseits nur die Politik den Begriff „Sprachförderung“ bevorzuge (Ammon 2001:S. 1379). Dagegen bevorzugt Schneider (2000: S. 21) den Terminus „Auswärtige Sprachpolitik“:

Zum einen verwendet die Bundesregierung diesen Ausdruck in den 80er und 90er Jahren sehr häufig für auslandsbezogene, in staatlichem Auftrag durchgeführte Maßnahmen zur Verbreitung des Deutschen. Zweitens gibt er im Gegensatz zu ‚Förderung der deutschen Sprache im Ausland‘ den politischen Charakter der Maßnahmen zur Sprachverbreitung wieder

Ammon (in Maaß 2005: S. 87) unterscheidet zwischen Sprachverbreitung und Sprachförderung. Nach ihm ist erstere die Ausdehnung einer Sprache auf neue Sprecher oder neue Domänen; letztere ist dagegen nicht unbedingt expansiv, sondern zielt ab auf den Erhalt des Bestandes an Sprechern oder Domänen. Allerdings dient der Ausdruck „Sprachförderungspolitik“ manchmal zur Verschleierung von tatsächlicher Sprachverbreitungspolitik. In dieser Studie wird jedoch der Terminus „Sprachförderung“ verwendet, weil er sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik insgesamt am häufigsten zu finden ist. Des Weiteren wird er allgemein als neutraler betrachtet als der Begriff „Sprachverbreitungspolitik“, der von vielen Sprachwissenschaftlern und Politikern mit Sprachimperialismus verbunden wird. Dass der Begriff „Sprachförderung“ nicht explizit den politischen Charakter der Sprachverbreitung betont, spricht nicht wirklich gegen seine Verwendung

Die deutsche Auswärtige Kulturpolitik orientiert sich an den grundlegenden Werten und Zielen der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gehören Demokratie, Sicherung des Friedens und die Wahrung der Menschenrechte. Die Auswärtige Kulturpolitik trägt zu diesen Zielen bei, indem sie den Dialog zwischen den Kulturen fördert und damit auch zur Vermeidung von Konflikten. Seit den siebziger Jahren werden in der Auswärtigen Kulturpolitik die Grundsätze des „erweiterten Kulturbegriffs“ und das „Prinzip der Partnerschaft“ verfolgt (Böhm 2003: S.23). Das bedeutet, dass deutsche Kultur im Ausland vermittelt werden soll, im Gegenzug soll aber auch ausländischen Staaten und ihren Kulturinstituten die Möglichkeit gegeben werden, sich in der Bundesrepublik darzustellen. Die Programmarbeit in der Auswärtigen Kulturpolitik soll dabei helfen, Deutschland im Ausland als Kulturnation anzuzeigen. Im Zentrum der Programmarbeit stehen die Bereiche Musik, Film, bildende und darstellende Kunst. Zu den wichtigsten Instrumenten der Programmarbeit zählen u.a. die Literaturförderung (Publikationsförderung, Versorgung von deutschen Bibliotheken im Ausland, bibliothekarische Verbindungsarbeit), die Filmförderung und die Unterstützung von Ausstellungen, Gastspielen von Theater- und Musikgruppen sowie von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen. Außerdem gewinnt die Medienpolitik zunehmend an Bedeutung

Das Auswärtige Amt (ed. 2000: S. 2) definiert die Schwerpunkte der Auswärtigen Kulturpolitik folgenderweise:

Schwerpunkte sind die Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft, der internationale Kulturdialog, der Kunst-, Kultur- und Personenaustausch, die Nutzung und Entwicklung der Medien in der internationalen Zusammenarbeit, die Erhaltung und Stärkung der deutschen Sprache als Schlüssel zur deutschen Kultur sowie das Auslandsschulwesen

Die Sprachförderung wird vom Auswärtigen Amt als eine Kernaufgabe der Auswärtigen Kulturpolitik bezeichnet:

Viele ihrer Maßnahmen [der Auswärtigen Kulturpolitik] dienen diesem Ziel [der Sprachförderung] direkt durch Sprachunterricht und Aus- und Fortbildung von Deutschlehrern, aber auch indirekt durch deutschsprachige Wortveranstaltungen, Theateraufführungen und Filmvorführungen oder durch Stipendien an ausländische Studenten und Wissenschaftler zu Studien- und Forschungsaufenthalten in Deutschland (Auswärtiges Amt 2000: S.3)

Diese Schwerpunktsetzung ist auch in der Verteilung der Mittel zu sehen: Etwa die Hälfte des für die Auswärtige Kulturpolitik vorgesehene Kulturhaushalts des Auswärtigen Amts bekommt die Sprachförderung. Das Auswärtige Amt stellt damit die meisten Mittel für die Sprachförderung zur Verfügung. Außerdem tragen auch die Bundesländer zur Sprachförderung bei. So der Deutsche Bundestag (Auswärtiges Amt (ed.) 2001: S.16):

Die Förderung der deutschen Sprache im Ausland ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern, bei der sie eng zusammenarbeiten. Die Länder engagieren sich mit erheblichen Mitteln für diese Aufgabe. Besonders sichtbar wird dies beim Lehrerentsendeprogramm und bei der Entsendung von Fachberatern. [] Da kein vollständiger Überblick über die Aufwendungen für die Förderung der deutschen Sprache im Ausland seitens der Länder und Kommunen vorliegt, ist es nicht möglich, deren prozentuale oder absolute Anteile an den Gesamtaufwendungen anzugeben

Die Sprachförderung kristallisierte sich in den letzten Jahrhunderten zunehmend als eigenständiger Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik heraus. Die Hauptzielgruppen der Sprachförderung sind aktuelle und zukünftige Führungskräfte in den ausländischen Staaten und Angehörige deutschsprachiger Minderheiten, aber auch die sogenannten Multiplikatoren (vor allem Deutschlehrer). Deutschland orientiert sich mit der Sprachförderung an den Wünschen der Partnerländer, aber auch an den eigenen Möglichkeiten:

Über die Erhaltung, Verstärkung oder Reduzierung von Angeboten an Deutschunterricht entscheiden in der Regel die ausländischen Regierungen und Privatschulen, nicht jedoch die Bundesregierung. Mit direkter finanzieller Unterstützung der Bundesregierung werden lediglich die Sprachkurse der GIIN (Goethe-Institute Inter Nationes), die DAAD-Lektorate und natürlich die deutschen Auslandsschulen organisiert. () Die Förderung soll helfen, den Deutschunterricht im Ausland zu verbessern (Deutscher Bundestag 2001: S. 10)

Die Bundesrepublik Deutschland hielt und hält es für die Aufgabe des größten deutschsprachigen Staats, eine im Ausland existierende Nachfrage nach Deutsch durch entsprechende Angebote zu befriedigen. Überdies gibt es aber noch weitere Gründe, weshalb die Bundesrepublik Deutschland Sprachförderung im Ausland betreibt:

Die Förderung der deutschen Sprache ist kein Selbstzweck. Deutsche Sprachkenntnisse erleichtern den Zugang zur deutschen Kultur und Wirklichkeit. Die Förderung des Deutschen leistet einen Beitrag zur Verständigung unter den Völkern. Gleichzeitig kann Deutschunterricht im Ausland Sympathie für und Bindungen an Deutschland schaffen. Damit trägt die Verbreitung von Deutschkenntnissen nicht zuletzt dazu bei, die wirtschaftliche Position Deutschlands in der Welt zu sichern“ (Aus dem Strategiepapier „Förderung der deutschen Sprache“ des Auswärtigen Amts, 2000)

Es geht bei der Sprachförderung also nicht nur um die Vermittlung deutscher Kultur und Sprache um ihrer selbst willen, sondern sie dient auch ganz pragmatischen wirtschaftspolitischen Zielen. Die in diesem Bereich eingesetzten Mittel werden letztlich auch als Investition in eigene politische und wirtschaftliche Interessen gesehen. Dies kommt ganz besonders deutlich im Bericht der Bundesregierung zur Auswärtigen Kulturpolitik 1994/95 zum Ausdruck:

Darüber hinaus dient eine attraktive Sprachpolitik auch den legitimen Interessen der deutschen Exportwirtschaft. Sie leistet damit auch einen Beitrag zur Sicherung des Industriestandorts Deutschland. Die Bundesregierung ist entschlossen, diesen Kernbereich der Auswärtigen Kulturpolitik auch weiterhin konsequent zu fördern und auszubauen sowie die hierfür angemessenen Haushaltmittel zur Verfügung zu stellen (Deutscher Bundestag (ed.) 1996: S. 5)

Auch Berchem (1996: S. 44f) sieht in wirtschaftlichen Interessen einen Hauptgrund für die Förderung der deutschen Sprache im Ausland:

Für Deutschland, das aufgrund seiner Geschichte mehr noch als andere darauf angewiesen ist, immer wieder aufs Neue ein zutreffendes Bild seiner Gegenwart zu vermitteln, geht es dabei nicht allein um politische Aspekte. Auch wirtschaftliche Interesse stehen auf dem Spiel, und in diesem Sinne hat auswärtige Kulturpolitik zugleich mindestens indirekte Funktion von globalem Marketing zu erfüllen. () Der Anknüpfung und Aufrechterhaltung von Geschäftsbeziehungen kann es nur guttun, wenn wir im Ausland Partner haben, die unsere Sprache verstehen

Auch die gezielte Stipendienvergabe an ausländische Wissenschaftler und Studenten für Aufenthalte in Deutschland ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Mit diesen Programmen wird eine Bindung ausländischer Eliten an Deutschland abgezielt. Gerade diese Stipendiaten dienen in ihrer Heimat als Multiplikatoren für die deutsche Sprache und Kultur und tragen am Ende indirekt dazu bei, ein positives Bild von Deutschland zu vermitteln. Aber natürlich geht es nicht nur um die Absicherung der politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands. Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt in der Welt ist auch ein Ziel der Förderung der deutschen Sprache. Sprachkenntnisse tragen zur Völkerverständigung im wahrsten Sinne des Wortes bei. Da die Auswärtige Kulturpolitik auf gegenseitige Verständigung abgezielt ist, bedeutet dies für Deutschland neben der Förderung des Deutschen im Ausland aber auch, Fremdsprachenkenntnisse in Deutschland zu fördern. Nur wenn die Mehrsprachigkeit auch im Inland durch entsprechende politische Maßnahmen unterstützt wird, kann die Sprachförderung im Ausland glaubwürdig zu den oben genannten Zielen beitragen (Böhm 2003: S. 27)

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Auswärtige Kulturpolitik und Sprachförderung im Ausland aus mehreren Gründen betrieben werden. Inwieweit die verschiedenen Ziele jedoch erreicht werden, ist nur schwer zu sagen

3. Der historische Kontakt zwischen Deutschland und Sub-Sahara-

Afrika

In diesem Kapitel wird versucht, einen Überblick über die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika zu schildern. Aber ganz besonders richtet dieses Kapitel seine Aufmerksamkeit auf die damalige Sprachpolitik des deutschen Reichs in seinen afrikanischen Kolonien und besonders im Schulbereich, und darauf ob diese Politik irgendeine Rolle bei der momentanen Position der deutschen Sprache in Subsahara-Afrika spielt

Erst Anfang des neunzehnten Jahrhunderts begann Deutschland, das sich bis zu dieser Zeit zurückgehalten hat, sich in der Kolonialexpansion zu engagieren. Die Aufhebung der napoleonischen Kontinentalsperre 1813, die von England erlassenen Navigationsgesetze und der Erlass des Soziallistengesetzes 1878/1879 sind manche der Gründe, die das Interesse mancher deutschen Politiker an der Kolonialexpansion weckten (Stoecker 1977: S.10ff). Bis zu jenem Zeitpunkt waren die Deutschen hauptsächlich mit innenpolitischen Fragen befasst und hatten, im Gegensatz zu den europäischen Kolonialländern Frankreich, Belgien, England, Spanien oder Portugal keine Kolonien in Afrika erworben. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Deutschen nicht früher versucht hatten, an die Kolonialexpansion teilzunehmen. Schon im Jahr 1651 beauftragte der Herzog Jakob von Kurland den Forschungsreisenden Pieter Schulte, das Land an der Gambiamündung in Westafrika zu erforschen, welches jedoch in holländische und britische Hände fiel. 1680/1681 schickte der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine brandenburgische Flotte unter dem holländischen Admiral Benjamin Raule nach Westafrika, um eine Kolonie zu gründen. Die dort von den Brandenburgern erworbenen Kolonien wurden 1717 an eine holländische Kompanie verkauft (Schnee 1935: S. 7 f.). Aber diese Versuche wurden von Privatgesellschaften und Kurfürsten und nicht vom Reich durchgeführt. Erst 1880 unter Bismarck wurde eine ernsthafte national Kolonialpolitik mit der Samoa-Vorlage betrieben. Viele deutsche Gruppen führten zunehmend lukrative Geschäfte in französischen oder englischen Kolonien, aber auch in „herrenlosen Gebieten“. In Afrika gab es zum Beispiel den „Deutschen Kolonialverein unter dem Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg (1882), der 1887 mit der im Jahre 1884 gegründeten „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ von Dr. Karl Peters fusionierte und in „Deutsche Kolonialgesellschaft“ umbenannt wurde sowie die Gruppen der hanseatischen Kaufleute (aus Hamburg und Bremen) oder die „Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika“ vom Kaufmann Lüderitz. Diese Gesellschaften und Gruppen, die nicht mehr mit und unter englischer Herrschaft arbeiten wollten, forderten für eine effiziente Arbeit immer mehr staatliche Unterstützung, sowohl finanziell als auch logistisch und personell. Aber als es Bismarck endlich gelang Schutztruppen für sie nach Afrika zu schicken kamen Proteste der dort schon ansässigen Kolonialmächte. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse des deutschen Staates, eigene Kolonien in Afrika zu erwerben, und um Konfrontationen zwischen den Kolonialmächten wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen Belgiern, Franzosen und Portugiesen im Kongo-Gebiet zu vermeiden, berief Bismarck von November 1884 bis Februar 1885 die Berliner Konferenz, welche die schon begonnene Aufteilung Afrikas friedlich anhand gesetzlicher Richtlinien beenden sollte (Rohrbach 1939: S. 125). Auf dieser Konferenz bekam Deutschland Deutsch-Südwestafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika als Kolonien

3.1 Die deutsche Sprache in den deutschen Kolonien und Kolonialschulen

Die Sprachpolitik in den Schulen der deutschen Schutzgebiete war neben dem Unterrichtsinhalt die bedeutsamste Frage der Eingeborenen-Ausbildung. Im Unterschied zu den Missionen, die nur die eingeborenen Sprachen für ihre Bekehrungsarbeit benutzten, wollte die Kolonialverwaltung die deutsche Sprache als Medium ihrer Arbeit in den Kolonien einführen. Für sie sollte die deutsche Sprache die Ausbildungssprache in den Kolonien sein. So die Koloniale Rundschau von 1913 (S.9):

In einer Sitzung vom 23. Oktober 1896 empfahl der Kolonialrat der Regierung unter Berücksichtigung der in Betracht kommenden Verhältnisse darauf hinzuwirken, dass, wenn in den Schulen (d.h. innerhalb der deutschen Schutzgebiete) neben der Sprache der Eingeborenen noch eine andere gelehrt wird, die deutsche Sprache in den Lehrplan aufgenommen werde

Die Mission jedoch war für die Weiterbenutzung anderen europäischen Sprachen (Englisch und Französisch) und die einheimische Sprache. Sie begründete ihre Stellungnahme mit einem pädagogischen Gesichtspunkt, nämlich damit, dass ein sinnvoller Fremdsprachenunterricht, wie im europäischen Fremdsprachenausbildungskonzept allgemein akzeptiert, auf einer soliden Elementarbildung in der Muttersprache aufbauen kann. Daher fand die Mission eine Unterstützung des Unterrichts in den Eingeborenen-Sprachen auch notwendig. Ein weiterer Grund für die Stellungnahme der Mission bezieht sich auf ihre angespannte finanzielle Lage. Der Gebrauch von Lehrkräften für die Einführung der deutschen Sprache an Stelle des Englischen und Französischen wäre zu teuer gewesen. Die Kolonialverwaltung zeigte sich einverstanden mit der Einstellung der Mission beschloss aber, den Missionen nur in Form von Beihilfen für den Deutschunterricht entgegen zu kommen (Eggert 1970: S. 68)

Trotz der eingeschränkten Akzeptanz dieses Beihilfeprinzips durch die verschiedenen Kirchen (stärker bei den katholischen als bei den evangelischen) konnte man graduell erhebliche Fortschritte bei der Verbreitung der deutschen Sprache in den Kolonien feststellen. Außer Deutsch-Ostafrika, wo das Suaheli sich als Verkehrssprache schon festigte und von den Deutschen auch als leicht zu erlernen betrachtet wurde, wurde Deutsch allmählich zur Verkehrssprache der anderen Schutzgebiete. In Deutsch-Südwestafrika, in Kamerun und in Togo hatte man keine gesprochene Gemeinsprache, sondern mehrere miteinander konkurrierende Eingeborenensprachen, unter denen die dominierenden als für die Deutschen sehr schwer zu erlernen eingeschätzt wurden. Allein in Kamerun gab es ungefähr 200 Sprachen, in Togo circa 40 Sprachen. in Deutsch-Südwestafrika dagegen gab es weniger als 10 Sprachen. Aber weil die deutsche Kolonialverwaltung vorhatte, dort die einzige Siedlungskolonie in Afrika zu gründen, kam es nicht in Frage, eine afrikanische Sprache zu fördern, sondern Deutsch sollte die Landessprache Deutsch-Südwestafrikas sein. In Deutsch-Ostafrika, wo das Suaheli schon als Landessprache galt, existieren ebenfalls ungefähr 130 andere Stammessprachen (Bedi 2006: S. 68). Neben der praktischen Schwierigkeit der Festlegung einer einzigen einheimischen Sprache als Verkehrssprache in diesen drei Kolonien gab es auch politische und religiöse Gründe für die Entscheidung für die deutsche Sprache. Die deutsche Kolonialverwaltung hatte Angst davor, zersplitterte Stämme zu vereinigen oder gar zu provozieren. In Kamerun und Togo hatte man Angst, durch die Bevorzugung des Haussa zur allgemeinen Verkehrssprache, dem Islam Vorschub zu leisten. Die Haussas waren Muslime, die in Nordkamerun, Nordtogo sowie in Niger, Nordnigeria, Nordbenin und Nordghana angesiedelt waren und durch ihren regen Handel und ihre nomadische Eigenschaft ihre Sprache in ganz Westafrika weit verbreitet hatten. In Kamerun, wo Duala schon in vielen Missionsschulen gelehrt wurde, hätte die allgemeine Annahme dieser Sprache zur Verärgerung der anderen Sprachvölker geführt, denn die Dualas machten weniger als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Kameruns aus und verdankten ihren Status nur ihrer Küstenlage, die sie zu den ersten Kontaktvölkern des Landes machten. In Deutsch-Südwestafrika wirkte die bedeutende deutsche Siedlung gegen die allgemeine Annahme des Herero oder des Nama

Von dieser Sprachpolitik der Mission kann man ableiten, dass sie die afrikanische Kultur zu schützen versuchte. Stoecker (1977: S. 200) dagegen sieht eine andere Motivation dahinter, nämlich die Angst vor einem afrikanischen Intellektualismus. Er zitiert dabei sogar eine offizielle christliche Stimme, den Ausschuss der evangelischen Missionsgesellschaften, der „bereits 1897 vor der durch die Verbreitung europäischer Sprachen in Afrika heraufziehenden ‚ Gefahr‘ des ‚Aufkommens eines anspruchsvollen und leicht auch aufrührerischen gebildeten Proletariats‘ warnte.“ Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass es einige Missionare gab, die gegen die Sprachpolitik der Missionen in den Kolonien waren. Zum Beispiel Ernst Johanssen, deutscher Missionar in Deutsch-Ostafrika, trat für ein intensives Erlernen europäischer Sprachen in den Missionsschulen ein, was seiner Ansicht nach den Afrikanern den Zugang zu mehr europäischem Wissen erlauben sollte. Er warnte die Mission:

„es wäre sehr töricht, wenn wir uns einbildeten, die Mission sei in der Lage oder gar dazu berufen, das Eindringen abendländlicher Zivilisation zu verhindern, bei solchen und ähnlichen Versuchen werden wir kläglich scheitern, wir würden in den Augen der Eingeborenen uns lächerlich oder verhasst machenEs ist ein Jammer, zu sehen, wie viel edle Kraft in solchen Kämpfen vergeudet wird.“ (Johanssen 1930: S. 211)

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Details

Seiten
81
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656396710
ISBN (Buch)
9783656397380
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212051
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Deutsch als Fremdsprache
Note
2,0
Schlagworte
Kulturpolitik Deutsch als Fremdsprache Auswärtige Sprach- und Kulturpolitik Afrika Nigeria Nigerianische Sprachenpolitik

Autor

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Titel: Die Stellung der deutschen Sprache in Afrika. Am Beispiel von Nigeria