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Die Wirkung von TV-Duellen am Beispiel Stoiber vs. Schröder (Bundestagswahl 2002)

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Geschichte der TV-Duelle
2.2 Informationen zur Bundestagswahl

3 Einflussfaktoren auf die Wahlentscheidung
3.1. Interne und externe Einflussfaktoren
3.1.1 Interne Einflussfaktoren
3.1.2 Externe Einflussfaktoren
3.2 Der Einfluss der Medien

4 Der Einfluss der Faktoren auf die Wahlentscheidung
4.1 Der Einfluss der internen Faktoren
4.2 Die Einfluss der Medien als externer Faktor

5 Die Wirkung der Duelle im Allgemeinen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wahlergebnis der Bundestagswahl

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wichtigster Faktor für die individuelle Wahlentscheidung. Bedeutung von Kandidat, Themen und Parteibindung

1 Einleitung

Als John F. Kennedy im Jahr 1960 die Wahl gegen Richard Nixon gewann, kam die Frage der Wirkung von TV-Duellen das erste Mal in Amerika auf. Nicht nur diese Fragestellung hat ihren Ursprung in den USA, auch die TV-Duelle an sich sind eine amerikanische Erfindung. Dennoch beschäftigen sich auch in Deutschland viele Forscher mit der Frage, ob, wie und in welchem Maße solche TV-Debatten die Wahl, bzw. das Wahlverhalten und die Wahlentscheidung der Bürger beeinflussen. Diese Fragestellung soll die Grundlage der Hausarbeit sein, die sich an der Bundestagswahl 2002 und den dazugehörigen TV-Duellen zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber orientiert. Um diese Frage zu beantworten, wird die Thematik im ersten Teil der Hausarbeit in den geschichtlichen Kontext eingeordnet, sowie Angaben über die Bundestagswahl 2002 und ihrer TV-Duelle. Weiter wird ein Einblick über die verschiedenen Faktoren gegeben, die den Wähler in seiner Wahlentscheidung beeinflussen können. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in einem weiteren Schritt auf die Wahl 2002 angewendet werden, um auf Basis des theoretischen Teils einen genaueren Überblick durch die praktische Anwendung zu erhalten. Hierbei konzentriert sich die Anwendung nicht nur auf die Debatten an sich, sondern auch auf die damit verbundene mediale Nachberichterstattung der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender, sowie der Printmedien. Denn Fakt ist, dass ein Großteil der Zuschauer ebenfalls die Analyse-Sendungen der Debatten im direkten Anschluss sahen und ebenfalls von den Berichten der Printmedien Kenntnis nahmen. Eine Einzelbetrachtung der Duelle wäre also unzureichend und nahezu unmöglich, um die Wirkung dieser Duelle zu identifizieren.

In einem letzten Schritt sollen die gewonnen Erkenntnisse im Sinne eines Fazits zusammengefasst werden.

2 Theoretische Grundlagen

Um einen besseren Überblick über die geschichtliche Entwicklung von TV-Duellen zu erhalten, soll im Folgenden sowohl ein kurzer Einblick zur Entstehung von Rededuellen in der Amerikanischen Geschichte, als auch der deutschen Entwicklung von TV-Debatten gegeben werden. Außerdem erfolgt eine kurze Einführung zur Entstehung der Mythen im Hinblick auf den Einfluss der Wähler.

2.1. Die Geschichte der TV-Duelle

Der Ursprung politischer Rededuelle findet sich bereits 1858, weit vor Erfindung des Fernsehens, als Abraham Lincoln und Stephan Douglas über die Zukunft der Sklaverei diskutierten.[1] Erst 1948 kam es zur ersten Rundfunk-Debatte zwischen zwei Republikanern zum Verbot der Kommunistischen Partei. Duelle als Mittel des Wahlkampfes finden sich aber erst fast ein Jahrzehnt später, als sich zwei demokratische Politiker in einer Vorwahl 1956 im Fernsehen gegenüberstehen.

Doch die eigentliche Geschichte der TV-Duelle beginnt erst mit der Präsidentschaftswahl 1960, als Richard Nixon und John F. Kennedy in einem Duell über verschiedene Themen debattieren.

Erst hier begann der Mythos um den großen Einfluss von TV-Duellen auf die Wahlentscheidung der Wähler. Grund dafür war folgendes Szenario: Richard Nixon, durch längere Krankheit angeschlagen, wirkte blass und fahl und vermittelte auf Grund seines Bart-Schattens einen düsteren Eindruck beim Publikum. Dem gegenüber stand der jungendlich frisch wirkenden John F. Kennedy. Den unterschiedlichen körperlichen Zuständen und den ungünstigen Kameraeinstellungen zum Nachteil Nixons wurde der Ausgang des Duells zugeschrieben. Denn auffällig war, dass Bürger, welche das Duell am Fernseher verfolgten, eindeutig Kennedy für den Gewinner der Debatte hielten, Radio-Hörer jedoch Nixon als Sieger festmachten.

Aus diesem Zusammenhang entstand die Hypothese, dass TV-Duelle eine enorme Wirkung auf die Wahrnehmung der Zuschauer im Hinblick auf die Kandidaten haben. Untermauert wurde die Annahme durch den Ausgang der Wahl, welche Kennedy gewann. Fraglich war also, ob eine andere Darstellung Nixons den Ausgang der Wahl

hätte verändern können oder ob die Wähler ihre Wahl unabhängig von den TV-Duellen getroffen hatten.[2]

Diese Spekulationen hatte zur Folge, dass sich bei den Politikern eine erhebliche Abneigung gegen TV-Duelle entwickelte, sodass das nächste Duell fast ein weiteres Jahrzehnt auf sich warten lies.

1976 traten sich Gerald Ford und Jimmy Carter gegenüber. Erst jetzt wurde auch der Einfluss der Nachberichterstattung diskutiert. Diese Debatte wurde mitunter auch als Geburtsstunde der sogenannten „Instant Analysis“, der Analyse von Stärken und Schwächen im Auftreten der Kandidaten benannt.

Eine Aussage Fords im zweiten von drei Duellen, welche faktisch falsch war, den Zuschauern jedoch nicht als unwahr aufgefallen war, wurde am Tag nach der Debatte in den Massenmedien thematisiert. Die Folge war ein Umschwung der Sicht der Zuschauer, die Ford nun für den Verlierer hielten. Auch damals hatten die Journalisten bereits Bedenken, ob eine solche Beeinflussung der Zuschauermeinung rechtens war. Dennoch haben sich diese Analysen mittlerweile etabliert.

In Deutschland begann der Trend der TV-Duelle erst 1969, als der damalige Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat Willy Brandt den regierenden Kurt Georg Kiesinger zum Duell nach amerikanischem Vorbild herausforderte. Dieser aber weigerte sich, an einem solchen Duell teilzunehmen. Mit den Worten „Es steht dem Kanzler der Bundesrepublik nicht gut an, sich auf ein Stühlchen zu setzen und zu warten, bis ihm das Wort erteilt wird.[3] machte er seine Meinung zu solchen Debatten deutlich, lenkte jedoch aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks ein. Das Duell gestaltete sich jedoch nicht wie ein Duell, sondern wie ein Frage-Antwort-Spiel mit vorgefertigten Fragen, an dem mehrere Politiker teilnahmen.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Herausforderungen zu Duellen durch verschiedene Politiker, wobei diese Herausforderungen nur selten angenommen wurden und sich auf Wahlen außerhalb der Bundestagswahl beschränkten.

Das erste TV-Duell zu einer Bundestagswahl war das zur Wahl 2002, bei dem sich Amtsinhaber Gerhard Schröder und Amtsanwärter Edmund Stoiber gegenüberstanden. Dieses Duell soll nun im Hinblick auf seine Wirkung analysiert werden.[4]

2.2 Informationen zur Bundestagswahl 2002

Die 15. Bundestagswahl fand am 22.09.2002 statt. Dem damals regierenden SPD-Politiker Gerhard Schröder stand der Oppositionsführer Edmund Stoiber von der Union gegenüber.

Gerhard Schröder, einstiger Jura-Absolvent, begann seine politische Karriere als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen im Jahre 1990, bis er 8 Jahre später zum Bundeskanzler gewählt wurde. Edmund Stoibers politische Anfänge liegen im Jahre 1993, als er ebenfalls als Ministerpräsident sein Amt in Bayern antrat. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte seine Karriere als er sich 2002 gegen die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel als Unionskandidat zur Bundestagswahl durchsetzte.

Die Bundestagswahl 2002 bot zum ersten Mal eine im Fernsehen übertragene politische Debatte zu einer Bundestagswahl, in der sich lediglich die zwei Spitzenkandidaten gegenüber standen.[5] Insgesamt debattierten die beiden Kanzler-Kandidaten zwei Mal über verschiedene politische Themen. Den Anfang machte das Duell am 28.08.2002, ausgestrahlt bei RTL und Sat1. Dem folgte das zweite Duell am 08.09.2002 im ZDF und in der ARD. Die Duelle erreichten Marktanteile von bis zu 45% und somit ungefähr 22 Millionen Zuschauer, die mindestens eines der beiden Duelle sahen, womit diese die meist gesehensten Wahlsendungen im Fernsehen waren.[6]

Die Wahl war eine der knappsten Wahlen die es je gab, da SPD und CDU den gleichen Stimmanteil erhielten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wahlergebnis der Bundestagswahl 2002

(Quelle:http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/wahlreport-deutschland/2002/)

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[1] Vgl. Maurer; Reimann [2003] , S.10

[2] Vgl. Holzt-Bacha [2002], S.23

[3] Delhaes; Müller [2009]

[4] Vgl. Wikipedia

[5] Vgl. Zubbayr; Gerhard [2002], S.586

[6] Vgl. Dehm [2006], S.600

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656399582
ISBN (Buch)
9783656401087
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212028
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
Schlagworte
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