Lade Inhalt...

US-amerikanische Kulturpolitik im besetzten Deutschland von 1945 – 1947

Propaganda und Kulturproduktion

Seminararbeit 2013 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Amerikanische Kulturproduktion in Deutschland von 1945 –
1. Definition von Kulturproduktion nach amerikanischem Verständnis
2. Institutionen der Kulturproduktion
3. Demokratisierung Deutschlands als übergeordnetes Ziel
3.1 Anti-Nazi Propaganda
3.1.1 Ziele
3.1.2 Konfrontationspolitik
(1) Mittel
Konfrontationsbesuche
Filme, visuelle Elemente und Presse
(2) Wirkungen
3.1.3 Demokratisierung der Medien
(1) Antifaschistische Personalpolitik
(2) Wirkungen
3.2 Vermittlung von amerikanischen Werten
3.2.1 Ziel
3.2.2 Mittel
(1) Film
(2) Presse
3.2.3 Wirkungen

III. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Sowohl politische als auch wirtschaftliche Machtpositionen spielen in der Weltpolitik eine große Rolle und werden zu Propagandazwecken strategisch genutzt. Zusätzlich ist einer dritten Kraft, die für Propaganda eingesetzt werden kann, Bedeutung beizumessen: Der Produktion von Kultur. Denn auch der kulturelle Einfluss von Staaten kann über den Aufstieg und Fall dieser entscheidend sein (vgl. Hixon 1998: xi). Daher stellt sich die Frage, wie Kultur zu Propagandazwecken strategisch genutzt werden kann.

Diese Arbeit widmet sich den ersten beiden Jahren der US-amerikanischen Kulturpolitik im besetzten Deutschland (1945 – 1947). Zentraler Aspekt ist, zu klären, welche Rolle diese als Teil der strategischen Propaganda für die Demokratisierung Deutschlands spielte.

Im Folgenden soll daher die Kulturproduktion der USA, die im besetzten Deutschland ab 1945 zu Propagandazwecken eingesetzt wurde, dargestellt werden. Dabei soll zunächst verdeutlicht werden, was im Sinne der USA unter Kulturproduktion zu verstehen ist (1.) und welche Institutionen die Kulturpolitik im Rahmen der Propaganda im besetzten Deutschland steuerten (2.). Anschließend soll die Rolle, die die US-Kulturpolitik von 1945 – 1947 für die Demokratisierung Deutschlands spielte untersucht werden (3.). Dabei werden die zwei bis 1947 vorherrschenden Propagandastrategien, welche die USA einsetzten, um mit Hilfe von Kulturproduktion die Umerziehung der deutschen Bevölkerung zur Demokratie durchzusetzen, hinsichtlich ihrer Ziele, Mittel und Wirkungen beschrieben. Welche Ziele verfolgte die Kulturproduktion jeweils im Rahmen der Anti-Nazi Propaganda und der Propagierung amerikanischer Werte? Welche Mittel, d.h. welche praktischen Anwendungen, welche Art von Kultur bzw. Medien wurden zur Realisierung der Propagandaziele eingesetzt und welche Wirkungen hatten die einzelnen Mittel auf die deutsche Bevölkerung und damit letztendlich für die Etablierung der Demokratie? Welche Propagandaziele wurden also erreicht? Einhergehend mit diesen Untersuchungsaspekten stellt sich auch fortwährend die Frage, ob die einzelnen Propagandastrategien lediglich eigene Interessen der USA, d.h. die kulturelle, politische und wirtschaftliche Vorherrschaft in Deutschland und Europa durchsetzen sollten, oder ob sie in erster Linie der Demokratisierung und Entnazifizierung und damit dem Wohlergehen der deutschen Bevölkerung dienten.

II. Amerikanische Kulturproduktion in Deutschland von 1945 – 1947

Nach dem zweiten Weltkrieg stellte das besetze Deutschland erneut eine Kampffront dar. Im Rahmen der sog. „psychologischen Kriegsführung“ kämpften in Deutschland nach 1945 die vier Alliierten um die ideologische und kulturelle Vorherrschaft. Dabei waren die USA und die Sowjetunion die Hauptkontrahenten. Im Jahre 1949 setzen diese zur „psychologischen Kriegsführung“ alle Kanäle der Massenkommunikation und Kulturverbreitung ein. Zeitungen, Zeitschriften, Spiel- und Dokumentarfilme, Poster, Radio, Musik, Literatur, Theater, Karikaturen, und die bildenden Künste wurden dazu genutzt kulturelle Botschaften zu verbreiten. Die Produktion von Kultur war damit Teil einer strategischen Propaganda. (vgl. Goldstein 2009: 1).

1. Definition von Kulturproduktion nach amerikanischem Verständnis

Fraglich ist zunächst, was unter „Kultur“ im amerikanischen Sinne in diesem zeitlichen und historischen Kontext zu verstehen ist. Die Begriffe „Kultur“ und „Kulturpolitik“ können nicht eindeutig definiert werden, sondern werden von Nationen situationsgebunden unterschiedlich interpretiert. Dabei ist jedoch immer „die historische Situation, die zentrale Dimension der Politik, der nationalen politischen Interessen und Ziele“ (Hahn 1997: 19) ausschlaggebend für die Begriffsbestimmung eines Staates von Kulturpolitik. Das amerikanische Kulturverständnis wird typisiert mit dem Schlagwort des „American way of life“, worunter die „gesamten menschlichen Verhaltensweisen und zwischenmenschlichen Beziehungen“ fallen (vgl. Hahn 1997: 19 f.). Der amerikanische Kulturbegriff umfasst folglich weniger „höhere Kultur“, sondern vielmehr ein „gemeinsames System von Einstellungen und Gebräuchen, die jedem zugänglich sind“. Kultur beinhaltet damit nach amerikanischem Verständnis neben „höherer Kultur“ vor allem auch Populärkultur (vgl. Gienow-Hecht 1999: 29). Eine umfassende Kulturproduktion, insbesondere „höhere Kultur“ hatte im Rahmen der amerikanischen Kulturproduktion keine hohe Priorität. Lediglich kleine Gruppen des Office of Military Government U.S. in Germany nahmen sich diesem kulturellen Feld an. (vgl. Goldstein 2009: 13)

2. Institutionen der Kulturproduktion

Fünf Monate nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen wurde am 1. Oktober 1945 das Office of Military Government US in Germany (OMGUS) eingerichtet, welches für Stabilität sorgen und die “fünf D’s“ Denazifizierung, Demokratisierung, Demilitarisierung, Demontage und Dezentralisierung durchsetzen sollte. Dies beinhaltete eine politische, soziale und eben auch eine kulturelle Restrukturierung Deutschlands. (vgl. Goldstein 2009: 10) Beamte des OMGUS waren der Ansicht, dass ein u.a. neues, demokratisches Mediensystem vor Ort ausschlaggebend für den Erfolg der Umerziehung der Deutschen sein würde. Daher wurde im Dezember 1945 die Information Control Division (ICD) eingerichtet, welche alle kulturellen Angelegenheiten wie z.B. Literatur, Theater, Musik, Film, Radio und alle Printmedien kontrollierte. Die ICD stellte Lizenzen aus und überwachte die neue Presse. (vgl. Gienow-Hecht 1999: 23) Die Filmpolitik wurde neben der ICD von der Civil Affairs Division (CAD) überwacht (vgl. Goldstein 2009: 41).

3. Demokratisierung Deutschlands als übergeordnetes Ziel

Die Kulturpolitik der USA im besetzten Deutschland stand im Dienste der „reeducation“. Im Rahmen der Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands zielten das OMGUS und die ICD zunächst darauf ab, die Einstellungen der Deutschen sowohl gegenüber dem Dritten Reich als auch gegenüber den USA zu ändern. Die Deutschen sollten mit der US Armee und der militärischen Regierung kooperieren und die öffentliche Meinung sollte in die Richtung der amerikanischen Agenda gelenkt werden. Damit musste zum einen jeglicher Einfluss der Nazis auf die deutsche Kultur und Medien unterbunden, zum anderen mussten die Prinzipien der liberalen Demokratie und westliche Werte eingeführt werden. (vgl. Goldstein 2009: 12 f.) Der Sektor Kultur wurde dabei als ideal erachtet, menschliche Denk- und Verhaltensweisen zu verändern (vgl. Hahn 1993: 4). Folglich kontrollierte und zensierte die ICD die komplette Kulturproduktion in Deutschland, von Zeitungen und Zeitschriften über Film bis hin zu Literatur, Theater und Musik. Mithin wurden alle Inhalte, die entweder nationalsozialistischen Inhalt hatten oder Widerstand gegen die USA enthielten, verboten (negative Kulturpolitik). Zum anderen begann die ICD ab 1945 mit der Produktion eigener kultureller Inhalte um die amerikanischen Wertvorstellungen einer liberalen Demokratie zu propagieren (positive Kulturpolitik). Hier lag der Fokus vor allem auf Film und Presse. (vgl. Goldstein 2009: 12 f.) In den ersten beiden Jahren der Besatzungszeit von 1945-1947 standen die Abkehr vom Faschismus und die Propagierung demokratischer Werte wie eine pluralistische Presse, Meinungsvielfalt und Freiheit im Vordergrund. Zudem wurden während der ganzen Besatzungszeit amerikanische Werte propagiert. Ziel war es, die Deutschen dazu zu bringen, amerikanische Wertvorstellungen anzunehmen und folglich eine Demokratisierung durchzusetzen.

3.1 Anti-Nazi Propaganda

3.1.1 Ziele

Nach der Niederlage der Deutschen Wehrmacht im Mai 1945 und der darauffolgenden Besetzung Deutschlands durch die Alliierten begann der Kampf gegen den Faschismus und damit die Entnazifizierung Deutschlands. Der Nationalsozialismus sollte „zerstört“ und aus der deutschen Gesellschaft „gänzlich beseitigt“ werden. (vgl. Hartenian 1987, 145 f.)

3.1.2 Konfrontationspolitik

Um das Ziel der vollkommenen Entnazifizierung zu erreichen, verfolgten die USA nach der Befreiung der KZs im Westen und Süden Deutschlands im April 1945 zunächst eine Konfrontationspolitik. Der erste Schritt im Zuge der „reeducation“ war, der Deutschen Bevölkerung ein Gefühl der Kollektivschuld zu vermitteln und eine moralische Schuld sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft zu propagieren. (vgl. Hartenian 1987:. 148 f.) Die USA wollten mittels bildlicher Darstellungen die Grausamkeit der Nazis zu verdeutlichen, die Kollektivschuld der Deutschen Bevölkerung zu beweisen und die moralische Überlegenheit der Alliierten in den Vordergrund zu stellen. Diese Konfrontationspolitik zwang die Deutschen zu einer Auseinandersetzung mit den Grausamkeiten des Nazi-Regimes. (vgl. Goldstein 2009: 21, 28) Eine Überzeugung mittels aggressiver Deklamation sollte dabei vermieden werden. Vielmehr wollte man die Bevölkerung objektiv informieren und damit eine schlichte Akzeptanz der „Tatsache“ der Kollektivschuld erzielen. Offensichtlich persuasive Propaganda kam nicht zum Einsatz – so konnten die Deutschen Vertrauen in eine objektive und informative amerikanische Berichterstattung fassen. (vgl. Hartenian 1987: 150)

(1) Mittel

Konfrontationsbesuche

Erster Schritt dieser Konfrontationspolitik war, deutsche Zivilisten dazu zu zwingen die Konzentrationslager zu besuchen. Ziel war, die Kriminalität der Nazis zu beweisen, bei den Deutschen ein Gefühl der Kollektivschuld hervorzurufen, den Krieg zu rechtfertigen und die moralische Überlegenheit der Alliierten in den Vordergrund zu stellen (vgl. Goldstein 2009: 21, 28).

Filme, visuelle Elemente und Presse

Eine große Rolle im Rahmen der Anti-Nazi Propaganda und für die Demokratisierung Deutschlands spielten die Medien. Diese wurden von der US-Militärregierung gezielt für die Verbreitung von Anti-Nazi-Propaganda in der Besatzungszone eingesetzt. Neben den Konfrontationsbesuchen machten sich die Amerikaner alle Medien für die Konfrontationspolitik zunutze und setzten v.a. visuelle Elemente wie Broschüren, Plakate und Filme mit grausamen Inhalten ein. (vgl. Goldstein 2009: 21) Vor allem Filmen wurde wegen ihrer großen Suggestivkraft für die Erreichung der Besatzungs- und Umerziehungsziele große Bedeutung beigemessen. Die „schwierig zu vermittelnden Aspekte der Demokratie“ (Hahn 1993: 21) konnten so verständlich gemacht werden, gleichzeitig erreichte man viele Menschen gleichzeitig und konnte punktuell einheitliche Botschaften verbreiten. (vgl. Hahn 1993: 21 f.) Mit Filmen konfrontierte man die Bevölkerung mit dem verbrecherischen Kriegsgeschehen, der Aussichtlosigkeit dessen Erfolges und versuchte sie zur Reue zu bringen. So widmete z.B. die von Briten und Amerikanern gemeinsam produzierte Wochenschau „Welt im Film“ eine komplette Ausgabe den Konzentrationslagern. Auch der Film „Todesmühlen“ sollte den Horror und die Bedeutung der Todeslager verdeutlichen. (vgl. Culbert 1985: 177) Sowohl „Welt im Film“ als auch „Todesmühlen“ enthielten Material, das die Amerikaner bei der Befreiung der KZs gefilmt hatten: abgemagerte Leichen, Massengräber, Krematorien, „Gasduschen“ und fast verhungerte Überlebende (vgl. Goldstein 2009: 51).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656400264
ISBN (Buch)
9783656401377
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212023
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Note
1,3
Schlagworte
us-amerikanische kulturpolitik deutschland propaganda kulturproduktion

Autor

Zurück

Titel: US-amerikanische Kulturpolitik im besetzten Deutschland von 1945 – 1947