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Spiegelneuronen - Erziehung als Spiegelung

Ausarbeitung 2011 13 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Was sind Spiegelneuronen?

2. Sitz und Funktionsweise der Spiegelneuronen

3. Die Entdeckung der Spiegelneuronen

4. Spiegelneuronen in Verbindung mit psychischen Krankheiten und Anwendung in der Psychotherapie

5. Autismus

6. Erziehung als Spiegelung

7. Fazit

1. Einleitung: Was sind Spiegelneuronen?

Spiegelneuronen sind ein weit verzweigtes neurobiologisches Resonanzsystem, das durch die Anwesenheit anderer Menschen aktiviert wird und sich in dem sogenann- ten „präfrontalen Cortex“, der Region für Handlungen, komplexes Verstehen, Pläne und kognitive Bereiche im Gehirn, befindet. Die Spiegelneuronen rufen aufgrund von emotionalen Resonanzvorgängen, spiegelbildlich und intuitiv die Gefühlszu- stände unseres Gegenübers in uns wach und „infizieren“ uns unter anderem mit sei- ner guten oder schlechten Laune, der Körperhaltung, der Mimik und Gestik, aber auch das „ansteckende“ Gähnen und Lachen zählt zu diesem Phänomen. Zusammen- gefasst wird die Fähigkeit Empfindungen, Motive und Absichten anderer intuitiv zu erkennen auch „Theory of Mind“ genannt. Verallgemeinernd begünstigen die Spie- gelneuronen die Tendenz etwas zu imitieren, jedoch leben Kleinkinder diese Ten- denz ganz ungebremst aus. Selbst Säuglinge neigen dazu, Gesichtsausdrücke bereits nach der Geburt zu imitieren, was eine erste, basale Form von Kommunikation dar- stellt und außerdem dazu führt, dass eine wechselseitige, soziale Einstimmung zwi- schen Mutter und Kind stattfindet. Das Imitationsverhalten bleibt bis in das Erwach- senenalter erhalten, denn je häufiger wir etwas beobachten, umso besser können wir letztendlich eine Aufgabe ausführen.

Zu Beginn dieser Arbeit werde ich folglich detailliert einen Einblick geben, was Spiegelneuronen sind und ihre Funktionsweise und ihren Sitz im Gehirn neurobiolo- gisch erläutern. Dem folgt ein Einblick in die Geschichte bzw. Entdeckung der Spie- gelneuronen, wobei auch der Kontext erläutert wird, in dem diese entdeckt wurden. Im folgenden Kapitel werde ich einige spezielle Krankheitsbilder analysieren, die durch Störungen der Spiegelneuronen verursacht werden, wie z.B. der Autismus. Zum Schluss der Arbeit stelle ich eine Verbindung zur Pädagogik her und zeige auf, wie Spiegelneuronen Einfluss auf die Erziehung nehmen.

2. Sitz und Funktionsweise der Spiegelneuronen

Spiegelneuronen wurden in nahezu allen Zentren des Gehirns gefunden, in denen Erleben und Verhalten gesteuert wird, weshalb sie in der Lage sind ein großes Spekt- rum an menschlichen Emotionen zu imitieren. Sie sitzen sowohl im prämotorischen

Cortex, welcher für Bewegungen verantwortlich ist und wo zielgerichtete Handlun- gen geplant und gesteuert werden, als auch im insularen Cortex, der für die Verarbei- tung von Gefühlen, wie Ekel zuständig ist. Darüber hinaus wurden die Speigelneuro- nen ebenfalls im somatosensorischen Cortex entdeckt, der Berührungen registriert.1 Die Spiegelneuronen werden gleichzeitig bei der eigenen motorischen Aktion und bei der Beobachtung einer zielgerichteten Bewegung aktiviert, was zu einer stillen, inneren Simulation dessen führt, was zuvor beobachtet wurde und verhilft uns dazu, Beobachtetes leichter nachzuahmen. Ein Hemmmechanismus verhindert hingegen, dass wir alle gesehenen Bewegungen marionettenartig imitieren und sorgt dafür, dass die Bewegungen lediglich innerlich nachvollzogen werden.2 Daher vermitteln Spie- gelzellen dem Beobachter einen schnellen, spontanen und vorausschauenden Ein- druck davon, was das Ergebnis einer beobachteten Handlung sein wird. Spiegelneu- ronen führen im miterlebenden Beobachter also nicht nur ein unterschwellig stattfin- dendes Simulationsprogramm, sondern sie informieren ihn auch über den, aufgrund bisheriger Erfahrungen, wahrscheinlichen Ausgang einer Handlungssequenz. „ Spie-

gelneuronen können beobachtete Teile einer Szene zu einer wahrscheinlich zu erwar- tenden Gesamtsequenz ergänzen.3

Jedoch verhelfen Spiegelneuronen uns nicht nur dazu Handlungen zu erahnen, son- dern auch Gefühlszustände und körperliches Empfinden eines anderen Menschen intuitiv wahrzunehmen, weshalb diese Nervenzellen ebenfalls für die Fähigkeit

„Empathie“ zuständig sind, wie das folgende Beispiel verdeutlicht: „Stellen Sie sich bitte vor, Sie sehen zufällig, wie sich jemand anders aus Versehen einen größeren Holzsplitter unter den Fingernagel stößt. Die meisten werden zustimmen, dass das, was man dabei empfindet, jenem Gefühl des Schmerzes nahe kommt, welches sich eingestellt hätte, wenn wir selbst das Opfer gewesen wären.“ 4

Anhand des Beispiels wird deutlich, dass die Spiegelneuronen auch für das Mitleiden verantwortlich und folglich ebenfalls im Schmerzzentrum vorhanden sind. Die Ner- venzellen feuerten nämlich nicht nur bei am eigenen Körper erlebten Schmerz, son- dern auch als der Beobachter zusah, wie sie sich jemand verletzte, was letztendlich sogar den Gemütszustand des Beobachters veränderte.5

Darüber hinaus ermöglichen die Spiegelneuronen es uns nicht nur Empfindungen und Gemütszustände unseres Gegenübers wahrzunehmen, sondern stellen uns auch eine neurobiologische Basis für das gegenseitige emotionale Verstehen zur Verfü- gung. Die sogenannte Spiegelresonanz setzt spontan und ohne Nachdenken ein, wes- halb dieses intuitive Verstehen auch als „Theory of Mind“ bezeichnet wird. Zusam- mengefasst ist sie in der Lage im Beobachter Gefühle und Gedanken einer beobach- teten Person hervorzurufen und somit den eigenen biologischen Körperzustand zu verändern. Aber damit die beobachteten Bilder das „richtige Format“ für das Spie- gelsystem haben, müssen sie zunächst im sogenannten Aufbereitungs- und Interpre- tationssystem, welches mit der Sehrinde über Nervenfaser verbunden ist und seinen Sitz im Temporallappen hat, verarbeitet werden. Von dort aus werden die verarbeite- ten Informationen an den inferioren parietalen Cortex weitergeleitet, der für die Vor- stellung von Empfindungen zuständig ist. Die dort nachbereiteten Informationen werden schlussendlich an, die in der prämotorischen Hirnrinde befindlichen Hand- lungsneuronen, weitergegeben. Aktiv wird das Aufbereitungs- und Interpretations- system nur dann, „wenn die Sehrinde Bilder von lebenden, handelnden Akteuren liefert.“ Demnach bestehen zum einen die Hauptaufgaben dieses Systems darin, in- dem die Spiegelneuronen in Resonanz versetzt werden, uns intuitiv über Absichten und Empfindungen anderer Personen zu informieren und Bewegungen, Mimik, Ges- tik und andere Gefühlsregungen auszuwerten und zum anderen uns folglich mit Ge- fühlszuständen und Gefühlsregungen, wie Gähnen, Lachen oder guter Laune zu „in- fizieren“.6

[...]


1 Vgl. http://www.nlp-hh.de/NLP-Artikel/NLP_und_Neurobiologie/nlp_und_neurobiologie.html

2 Vgl. Interview Nadia Zaboura über Spiegelneurone ://www.youtube.com/watch?v=I5w6AomMvLg [Zugriff am 06.08.2011]

3 Bauer,J.: Warum ich fühle, was du fühlst. München 2006, S. 31

4 Bauer, J.: Kleine Zellen, große Gefühle- wie Spiegelneuronen funktionieren. Die neurobiologischen

Grundlagen der >>Theory of Mind<<. In: Herrmann, U. (2009): Neurodidaktik. Weinheim: Beltz S.53f

5 Vgl. Bauer, J.: Kleine Zellen, große Gefühle- wie Spiegelneuronen funktionieren. Die neurobiologi- schen Grundlagen der >>Theory of Mind<<. In: Herrmann, U. (2009): Neurodidaktik. Weinheim: Beltz S.53f

6 Vgl. Bauer, J. : Warum ich fühle, was du fühlst. München 2006, S. 53 f

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656399698
ISBN (Buch)
9783656401360
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211989
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
Spiegelneuronen Erziehung

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Titel: Spiegelneuronen - Erziehung als Spiegelung