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„legales Doping“ – wie sich Höhentraining auf die Leistung und den Organismus eines Radprofis auswirkt

Hausarbeit 2008 21 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Ablauf des Höhentrainings
1.1 Voraussetzungen und Vorbereitung zur Ausübung bzw. Durchführung eines Höhentrainings
1.2 Trainingsphase, während des Höhenaufenthalts
1.2.1 Grundlagenausdauertraining
1.2.2 Grundlagenausdauertraining
1.2.3 Belastungssteuerung
1.3 Nachbereitungsphase des Höhentrainings

2 Auswirkungen des Höhentrainings
2.1 Auf den menschlichen Organismus
2.2 Auf die Ernährungszufuhr
2.3 Auf die Leistung

3 Schlussteil

4 Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich habe das Thema meiner Hausarbeit „„legales Doping“ – wie sich Höhentraining auf die Leistung und den Organismus eines Radprofis auswirkt“ gewählt, weil ich mich in erster Linie sehr für diese Sportart interessiere. Ich tätige mehrfach Radtouren quer durch das Lipperland und schaue mir jede Liveübertragung, die über den Fernsehbilschirm ausgestrahlt wird, mit großer Begeisterung und Faszination an. All dies, obwohl auch in diesem Jahr bereits mehrere Skandale die Radsportwelt nicht zum ersten Mal stark erschüttert haben. An dieser Stelle ist insbesondere der Dopingskandal um Dr. Fuentes aus Spanien zu nennen, der bislang immer noch nicht aufgeklärt ist und immer weitere erschreckende Neuigkeiten und potenzielle Dopingsünder hervorbringt. Für viele ist der Radsport gleichgestellt mit Doping. Ich muss mir in meinem Familien- und Freundeskreis ständig den Satz anhören: „Warum interessierst du dich für Radsport überhaupt noch? Die sind doch eh alle gedopt.“

Es ist mir wohl bewusst, speziell nach den jüngsten Dopinggeständnissen von Jörg Jaksche, Patrick Sinkewitz, Christian Henn, Rolf Aldag, Erik Zabel, um nur die bekanntesten zu nennen, dass im Profiradsport nicht alles „ganz sauber“ abläuft und die Beurteilung eines Erfolges nicht sehr einfach ist und hinterfragt werden sollte. Aber dennoch steht für mich der Sport an sich im Mittelpunkt des Interesses, unabhängig von irgendwelchen Dopinggerüchten und Spekulationen, die bei den Radsportübertragungen, speziell bei den TV- Sendern ARD und ZDF, als einzigen Themenbereich des Radsports aufgegriffen und ausschließlich thematisiert werden.

Ich möchte mit dieser Hausarbeit alle Pessimisten und Personen, die im Bezug auf den Radsport voreingenommen sind, darauf aufmerksam machen, dass es an Hand des Beispiels Höhentraining auch legale „Mittel und Wege“ gibt seine Leistung zu steigern.

Im Laufe der Hausarbeit gehe ich im Hauptteil als erstes auf die Voraussetzung und Vorbereitung zur Ausübung bzw. Durchführung eines Höhentrainings ein. In den nächsten Unterkapiteln des Hauptteils wird die Trainingsphase unter Höhenbedingungen, Kapitel 2.2, und die spezifische Nachbereitung im Flachland, Kapitel 2.3, thematisiert. In Kapitel 2.2 werden die wesentlichen Trainingsmethoden, wie Grundlagenausdauertraining 1 und 2 sowie Kraft- und Schnellkrafttraining, genannt, die während des Höhentrainings eine wesentliche Rolle spielen. In Kapitel 2.3 wird die Reakklimatisationsphase, sprich die Rückanpassung des Radsportlers an Bedingungen im Flachland, beschrieben. In den folgenden Kapiteln werden einerseits die Auswirkungen des Höhentrainings auf den menschlichen Organismus beschrieben. Dabei wird beispielsweise auf das Herz – Kreislauf System und die Ernährung eingegangen. Andererseits wird im am Anschluss daran die Auswirkungen des Trainings in der Höhe auf die Leistungen thematisiert. Im Schlussteil erfolgt eine kurze und knappe Zusammenfassung der Arbeit sowie eine eigene Einschätzung und ein Ausblick auf mögliche Konsequenzen für die Praxis. Zum größten Teil werden einschlägige Literaturquellen wie Monographien, Sammelbänder und Zeitschriften aus der Bibliothek der Universität Bielefeld und der Stadtbücherei Lemgo in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit verwendet. Quellen aus dem Internet werden sehr wenig benutzt und eher gemieden.

1 Ablauf des Höhentrainings

Radsport und Doping sind zwei Begriffe, die - so scheint es – fast untrennbar miteinander verbunden sind, speziell nach den jüngsten Dopinggeständnissen bekannter deutscher Radprofis. Doping wird laut G. Schnabel und G. Thiess wie folgt definiert:

„Leistungssteigerung mit einer unphysiologischen Substanz (Droge) bzw. mit Hilfe einer physiologischen Substanz, die unphysiologisch dosiert oder dem Körper auf unphysiologischem Weg einverleibt wird. Ein Sportler, der Dopingmittel verwendet, verschafft sich auf ungerechtfertigte Vorteile gegenüber seinem Gegner, und gefährdet seine Gesundheit. Die Dopingsubstanzen sind zumeist über ihre Abbauprodukte im Urin nachweisbar. Doping ist verpönt und verboten“ (Schnabel & Thiess., 1986, S. 47).

Doch es gibt es auch legale Mittel und Wege seine Leistung auf erlaubter Weise zu steigern, um im Wettstreit um Siege und Medaillen eine „Radlänge“ vor der Konkurrenz zu sein (vgl. A.S.O., 2007, S.1). Zu diesen Mitteln und Wege gehört auch das Höhentraining. In der Sportwelt hat das Höhentraining einen festen Platz in der Trainingsgestaltung der weltbesten Sportler aller Ausdauersportarten eingenommen. Bereits 1968 wurde der positive Einfluss der Höhenbedingungen zur legalen Leistungssteigerung bei Wettkämpfen unter Normalbedingungen erkannt. Speziell das überdurchschnittliche Abschneiden von Sportlern aus Kenia und Äthiopien, die auf Grund der geographischen Lage dieser Länder ganzjährig unter Höhenbedingungen sowohl leben und als auch trainieren, zeigt den leistungssteigernden Effekt des Aufenthalts und Trainings in der Höhe. Unter Höhentraining, auch Hypoxietraining genannt, wird das sportliche und körperliche Training in Höhen zwischen 1800 und 3000 m über Normalnull angesehen. Höhentraining wird in Sportarten verwendet, in denen eine sehr gute Ausdauerleistung bzw. Grundlagenausdauer von Nöten ist. Neben dem Radsport sind besonders die Sportarten Skilanglauf, Langenstreckenlaufen, Triathlon, Schwimmen und Biathlon als Beispiele zu nennen. In Wolfgang Lindners Monographie „Erfolgreiches Radsporttraining“ (1993) werden zwei unterschiedliche Gründe genannt, um ein Höhentraining zu absolvieren.

1. „Wettkämpfe die in der Höhe statt finden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Sportler darauf vorbereitet sein müssen, unter den in der Höhe wirkenden physischen und physikalischen Bedingungen Höchstleistungen zu bringen.

2. Training und Wettkämpfe in der Höhe, die genutzt werden, um Wettkämpfe unter NN vorzubereiten. Der Nachhöheneffekt hat bei dieser Variante die Dominanz“ (Lindner, 1993, S.187).

worauf im Laufe dieser Hausarbeit noch intensiver und detaillierter Bezug genommen wird.

1.1 Voraussetzungen und Vorbereitung zur Ausübung bzw. Durchführung eines Höhentrainings

Die komplexen und hoch komplizierten Vorgänge im menschlichen Körper, auf die in Kapitel 3.1 eingegangen wird, erfordern eine besondere und gründliche Vorbereitung sowohl des Radsportlers als auch des Trainers. Folgende Regeln und Aufgaben sind in der Vorbereitungsphase zu treffen, um einen problemlosen Ablauf des Höhentrainings zu gewährleisten.

Wie in jeder Sportart, gleichgültig ob Profisportler oder Breitensportler, ist ein sehr guter gesundheitlicher Zustand Grundlage zum Sporttreiben. Viele Lehrbücher raten, dass ein Besuch des Hausarztes vor dem mehrwöchigen Aufenthalt in der natürlichen Höhe Pflicht ist, um alle grundlegenden Köperfunktionen zu überprüfen und somit die Effektivität des Höhentraining nicht zu mindern oder womöglich eine vorzeitige Rückreise wegen Infektionen, Krankheiten etc. zu verhindern. Dort wird in der Regel eine leistungsdiagnostische Voruntersuchung durchgeführt, da ein sehr guter konditioneller Zustand, insbesondere ein sehr gutes aerobes Leitungsniveau, als elementare Voraussetzung für das Training der Höhe angesehen wird. Deshalb ist es auch sinnvoll vor dem Beginn des Höhentraining einige Tage aktive Erholungsphasen bzw. ausreichende Regenerationszeiträume nach vorangegangen Trainings- und Wettkampfbelastungen zu haben, denn eine direkte Anreise nach einem schweren Wettkampf o.ä. ist stets zu vermeiden. Trainingswissenschaftler sprechen daher von einer guten allgemeinen psycho-physischen Frische zu Beginn des Höhentrainings.

Eine weitere Voraussetzung, unabhängig ob in der Höhe oder im Flachland, ist das Tragen zweckmäßiger und angemessener Bekleidung, da speziell in der Höhe sehr große Wetterumschwünge- und Schwankungen in Form von wechselnder Temperaturen und plötzlich auftretenden Niederschlägen auftreten können. Auch ist die Mitnahme von Sonnenschutzmittel zu berücksichtigen, da die ultraviolette Strahlung, umgangssprachlich UV-Licht bzw. UV-Strahlung genannt, wesentlich höher ist, als die im Flachland. Des weiteren ist es empfehlenswert die gegebenen topographischen Bedingungen im Voraus, falls der Sportler zum ersten Mal in die Höhe weilt, zu studieren bzw. zu erkunden, um das Rennrad mit den entsprechenden Übersetzungen auszurüsten. In der Regel übernimmt ein Betreuer oder Mechaniker diese Aufgabe.

Eine weitere Aufgabe des Trainer- und Betreuerstabs ist die Koordination der Trainings- und Erholungsphase. Es muss eine gute Mischung aus intensiven und reduzierten Trainingsumfängen sowie die Planung einer gewissen Freizeitgestaltung gefunden werden. Auch die Wahl des Ortes, die sowohl vom Sportler als vom Trainer entschieden wird, spielt eine maßgebliche Rolle für den Nachhöheneffekt, denn bei Höhen unter 1800 m ist der Effekt der Höhenwirksamkeit nicht optimal und bei über 3000 m Höhe muss die Trainingsintensität zurück „geschraubt werden“ (vgl. Lindner,1993, S.181).

„Denn es herrschen in den meisten europäischen Höhentrainingszentren von etwa Ende Oktober bis Anfang Mai meist Winterortbedingungen, die ein spezifisches Training der Ausdauersportarten im Freien nicht gestatten (...) In den außereuropäischen, näher zum Äquator gelegenen Höhentrainingsorten entfallen diese Einschränkungen. Dafür sind die Monate der Regenzeit für das Trainingslager ungeeignet und die höheren Temperaturen belasten den Flüssigkeitshaushalt zusätzlich“ (Fuchs, 1990, S.17).

Im Großen und Ganzen ist es ratsam die oben genannten Punkte vor Beginn des Höhentrainings zu beachten und einzuhalten, um eine erfolgreiche Trainingsphase, die im folgenden Kapitel thematisiert wird, absolvieren zu können.

1.2 Trainingsphase, während des Höhenaufenthalts

Der Höhenaufenthalt gliedert sich in mehrere Phasen und hat bestimmte Grundregeln, die es bei den Trainingsvorgängen und -abläufen zu beachten gilt. Die erste Phase fungiert als eine vier bis sechs tägige Vorbereitungsphase. Sie beinhaltet, wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, eine Gesundheitsüberprüfung und die Kontrolle des aeroben Ausdauerniveaus. Das Training in dieser Phase sollte sich in der Regel auf aerobe Ausdauerbelastungen konzentrieren. Hohe und intensive Trainings- und Wettkampfbelastungen, deren Regeneration eine längere Zeit in Anspruch nimmt und daher die Anpassung an die Höhe erschweren können, sind zu vermeiden (vgl. Reiss,1998, S.22f.). Um nun ein effektives Höhentraining zu absolvieren, heißt es in der Trainingswissenschaft, dass ein Aufenthalt mindestens 21 Tage, optimal wären 28 Tage, lang sein sollte, um einen entsprechenden Leistungsschub und den Nachhöheneffekt des Höhentrainings voll auszuschöpfen. Man unterscheidet während einem Höhenaufenthalt eine Anpassungsphase bzw. Adaptionsphase, die sogenannte Akklimatisationsphase, die Haupttrainingsphase und die Reakklimatisationsphase unter Normalbedingungen. Unter Akklimatisation wird die Anpassung an die Summe der auftretenden Einflussfaktoren in der Höhe verstanden.

Das genaue Gegenteil davon ist die Reakklimatisationsphase, die die Anpassung im Flachland darstellt. Falls der Radsportler zum ersten Mal in der Höhe trainiert, dauert die Anpassungsphase ca. acht Tage, vorausgesetzt das Training wird in anderen Klima- und Zeitzonen absolviert. Ohne Klima- und Zeitzonenwechsel und bereits zuvor mehrfach durchgeführten Trainingsaufenthalten in der Höhe reduziert sich die Akklimatisationsphase auf drei bis vier Tage. Wichtig ist, dass in dieser Phase das Training zeitlich begrenzt wird, so dass Ausdauerbelastungen bzw. die Trainingseinheiten auf dem Rennrad lediglich mit sehr geringer Intensität und geringen Rennstunden absolviert werden.

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Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656398158
ISBN (Buch)
9783656398691
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211899
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Abteilung Sportwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Sport Sportsoziolgie Doping Höhentraining Training Radsport

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Titel: „legales Doping“ – wie sich Höhentraining auf die Leistung und den Organismus eines Radprofis auswirkt