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Die Gesellschaft in der Epoche des Realismus bei 'Frau Jenny Treibel' von Fontane

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext
2.1 Politische Entwicklungen
2.2 Historische Entwicklung Berlins

3. Die Gesellschaft im Roman
3.1 Das Besitzbürgertum
3.2 Das Bildungsbürgertum
3.3 Der Adel
3.4 Der vierte Stand/Arbeiterklasse

4. Abschließende Betrachtung

B Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bei der ausgiebigen Sichtung des Seminarplans des MMOP-Seminars „Kommunikationskulturen im Realismus“ musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass der Roman Frau Jenny Treibel zur Lektüre vorgesehen war. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit, in der ich den Roman bereits in der Sekundarstufe I lesen musste. Ich empfand den Roman als ausgesprochen handlungsarm und keineswegs altersangemessen und für eine 8. Klasse kaum adäquat. Auch die Lust am Lesen stellte sich mit fortschreitender Seitenzahl ein. Nachdem ich den Roman im Seminar nun erneut las, entdeckte ich jedoch die Wirkung und den Reiz des Romans, die Ironie und die einhergehende Kritik. Es stellte sich mir die Frage, ob es lediglich zur Kritik des Besitzbürgertums kommt; ist es nicht plausibler, wenn alle Schichten der Gesellschaft kritisiert würden? Dies wäre zweifelsohne im Sinne des Realismus, da in dieser Epoche eine wirklichkeitsgetreue Schilderung bevorzugt wurde.[1] Ferner stellte ich mir die Frage, inwiefern der Roman Frau Jenny Treibel eine Projektion der Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts darstellt und ob diese Darstellung mit biographischen Daten des Autors Theodor Fontane korreliert. Beginnend soll jedoch der geschichtliche Hintergrund, insbesondere die Entwicklung der Gesellschaft in Berlin, dargelegt werden.

2. Historischer Kontext

Die Darlegung und Beachtung des historischen Kontexts der Epoche des Realismus ist für eine tiefgreifende und detaillierte Analyse des Romans Frau Jenny Treibel unbedingt vonnöten. Es sei darauf hingewiesen, dass vor allem die Ausprägungen und Entwicklung des Bürgertums für das Verständnis des Romans unabdingbar sind.

2.1 Politische Entwicklungen

Die Epoche des Realismus beginnt mit der Märzrevolution 1848 und endet 1890 mit dem Rücktritt des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. In Folge der Märzrevolution tagte am 18. Mai 1848 das erste deutsche Nationalparlament in der Frankfurter Paulskirche und arbeitete eine Verfassung aus. Es wurde festgelegt, dass die Staatsform die konstitutionelle Monarchie sein solle. Ferner wurde erklärt, dass König Friedrich Wilhelm IV. als Kaiser fungieren solle, Gesetzgebung und Regierungskontrolle sollte jedoch vom Bundestag ausgehen. Diese Einigungen lehnte Friedrich Wilhelm ab, sodass das Parlament von den Fürsten mit Hilfe des Militärs aufgelöst wurde. Somit scheiterten die Nationalversammlung und die Einheit Deutschlands. 1862 wurde Otto von Bismarck vom preußischen König Wilhelm I. zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Das Ziel Bismarcks war ein starker Nationalstaat Preußens ohne Österreich. Aufgrund dessen kam es 1866 zum Preußisch-Österreichischen Krieg, der zugunsten Preußens entschieden wurde und zu einer Auflösung des Deutschen Bundes führte. Nach der Auflösung des selbigen kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes, wodurch Frankreich seine Vormachtstellung in Europa gefährdet sah; folglich begann 1870 der Deutsch-Französische Krieg, bei dem Frankreich nach schweren Niederlagen kapitulierte. Nachdem Frankreich hohe Kriegsentschädigungen zahlen musste, gelangen große Summen Geld ins Land, wodurch viele Investitionen getätigt wurden. Diese reichten von der Ausbesserung der Infrastruktur bis hin zum Bau von diversen Fabriken und führten zu einem enormen wirtschaftlichem Wachstum. Das Ende des Deutsch-Französischen Krieges war ferner auch für die Einheit Deutschlands ein bedeutendes Ereignis, da aus diesem die Gründung des Deutschen Reiches hervorging. Der preußische König wurde zum Kaiser und Otto von Bismarck zum Reichskanzler. Mit dieser Reichsgründung gingen zahlreiche Veränderungen einher; um die verschärften sozialen Gegensätze zu bekämpfen, wurden Sozialgesetze verabschiedet. Ferner gab es Unstimmigkeiten mit den liberalen Parteien und den Sozialdemokraten, sowie einen Kulturkampf zwischen dem Staat und der katholischen Kirche. Des Weiteren war Bismarcks Amtszeit von einer friedlichen Außenpolitik inklusive einer Isolation Frankreichs und einer Annäherung an Österreich-Ungarn geprägt. Diese friedliche Außenpolitik wurde mit dem Rücktritt Bismarcks 1890 von seinem Nachfolger Wilhelm II nicht weitergeführt, vielmehr kam es zu einer Aufrüstung und einer ausgeprägten Kolonialpolitik.[2]

2.2 Historische Entwicklungen Berlins

Die Stadt Berlin nahm in den Jahren von 1848 bis 1890 eine herausragende Stellung ein, insbesondere nach der Gründung des Deutschen Reiches. Die Einwohnerzahl der Stadt wuchs stetig durch Zuzüge und Eingemeindungen. Die Einwohnerzahl betrug 1871 826.815 Einwohner, sechs Jahre später hatte Berlin mehr als 1.000.000 Einwohner. Es lässt sich festhalten, dass Berlin als Hauptstadt des Deutschen Reiches immens an politischer Bedeutung gewann und somit das politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Zentrum war. Neben der Gründung zahlreicher Fabriken und Großbetriebe kam es auch zur permanenten Entwicklung der Wissenschaft in Berlin.

Neben diesen Entwicklungen veränderte sich auch die Gesellschaft in der Hauptstadt des Deutschen Reiches. Die Industrialisierung verhalf vielen Menschen zum rapiden gesellschaftlichen Aufstieg, sodass das Besitzbürgertum, die Bourgeoisie, permanent an gesellschaftlichem Anteil gewann. Mit Hilfe der Fabriken und deren Gewinne nahmen Reichtum, Selbstbewusstsein und Ansehen selbiger zu. Auch kam es durch den Ausbau des Hochschulsystems und der Wissenschaft zu einer „Expansion der Berufe mit höherer Bildung und akademischer Qualifikation“[3]. In den darauffolgenden Jahren gelang es dem Besitzbürgertum, sich dem Adel permanent anzunähern und sich der Arbeiterklasse weiter zu entfernen.[4]

3. Die Gesellschaft im Roman

Im Roman Frau Jenny Treibel werden die gesellschaftlichen Schichten des Besitzbürgertums, des Bildungsbürgertums, des Adels und der Arbeiterklasse durch verschiedene Charaktere dargestellt. Im Folgenden soll eine Analyse dieser Charaktere und gesellschaftlichen Schichten erfolgen.

[...]


[1] Claudio Mende: „Realismus. 1848 bis 1890“, http://www.literaturwelt.com/epochen/real.html (17.03.2012).

[2] Claudia Stockinger: Das 19. Jahrhundert. Zeitalter des Realismus. Berlin: 2010, S. 25-30.

[3] Jürgen Kocka: „Bürger und Bürgerlichkeit im Wandel“, in: APuZ 9 (2008) 10, S. 3-9, hier S. 6.

[4] Burkhard Kirste: „Geschichte der Stadt Berlin“, http://userpage.chemie.fu-berlin.de/BIW/d_berlin-hist-short.html (17.03.2012).

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656396772
ISBN (Buch)
9783656397489
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211898
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
1,3
Schlagworte
gesellschaft epoche realismus beispiel romns frau jenny treibel

Autor

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Titel: Die Gesellschaft in der Epoche des Realismus bei 'Frau Jenny Treibel' von Fontane