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Pädagogik der Anerkennung nach Axel Honneth und die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung im Kindergarten

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Die Bedeutung des Anerkennungsbegriffs im wissenschaftlichen Diskurs
2.2 Was meint der Begriff „positive Selbstbeziehung“?

3. Die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth
3.1 Eine Einführung in das Anerkennungsdenken Honneths
3.2 Die drei Formen der Anerkennung
a) Affektive Anerkennung: Liebe
b) Moralische Anerkennung: Recht
c) Soziale Wertschätzung/Solidarität
3.3 Zusammenfassung

4. Anerkennung in der Erziehungswissenschaft
4.1. Die Bedeutung von Anerkennung und der Einfluss des Anerkennungsmodells Axel Honneths in der Pädagogik
4.2 Anerkennung im Kindergarten
a) Liebe
b) Recht
c) Solidarität

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis
6.1 Verwendete Bücher
6.2 Verwendete Internetquellen

1. Einleitung

Der Begriff der Anerkennung findet seit dem 16. Jahrhundert seine Verwendung und entstand historisch gesehen in der Philosophie. So wandten ihn bereits vor mehreren Jahrhunderten bekannte Philosophen wie Johann Gottlieb Fichte, Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau und Georg Wilhelm Friedrich Hegel an,und setzten sich in ihren Werken intensiv damit auseinander.

Heute lässt sich der Begriff nicht ausschließlich im philosophischen Bereich finden, sondern beispielsweise auch in der Soziologie, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaft. Dort wird er meist bezüglich ethisch-moralischer Fragen diskutiert.

In dieser Arbeit soll die Bedeutung der Anerkennung für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung geklärt werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Praxisfeld des Kindergartens, da im Kindergartenalter eine wichtige Entwicklungsphase für die Ich-Identität stattfindet und somit auch für die Beziehung, die man zu sich selbst aufbaut. So werden in diesem Alter u.a. der Selbstwert und die Selbstachtung gegründet.

Im Folgenden soll zunächst festgelegt werden, was man unter den Begriffen „Anerkennung“ und „positive Selbstbeziehung“ versteht.

Anschließend werde ich das Anerkennungsdenken des Sozialphilosophen Axel Honneth in seinen drei Anerkennungsmustern darstellen, welches dieser Arbeit als Grundlage dient.

Zudem wird erläutert, welche Bedeutung Anerkennung und das Honnethsche Anerkennungsmodell in der Erziehungswissenschaft beigemessen wird.

Anhand dieses Strukturmodells soll dann abschließend ergründet werden, ob und inwiefern eine Pädagogik der Anerkennung im Kindergarten positiv dazu beiträgt, dass das Kind eine gelungene Beziehung zu sich selbst aufbaut. Dazu werde ich die Umsetzbarkeit der drei Anerkennungsformen im Kindergarten etwas näher betrachten.

2. Begriffsklärung

2.1 Die Bedeutung des Anerkennungsbegriffs im wissenschaftlichen Diskurs

In der Wissenschaft beinhaltet der Begriff der Anerkennung zum einen, dass man eine Person bestätigt – so beispielsweise auch ihre Fähigkeiten und Eigenschaften – und zum anderen die ethisch-moralische Aufforderung dazu, einem Menschen Wertschätzung und Respekt entgegen zu bringen.

Die Bestätigung einer Person kann beispielsweise durch Formen der Ermutigung, des Lobes oder der Achtung hervorgerufen werden. Sie ist unabdingbar im Leben eines Individuums und eine wichtige Bedingung für die Subjektwerdung und somit auch für die Identitätsbildung (vgl. Balzer/Ricken 2010, S. 42).

Betrachtet man die philosophische Bedeutung von Anerkennung, so taucht eng damit verknüpft der Begriff der Bejahung auf, welche sich meist auf eine Aussage bezieht.

In pädagogischen Nachschlagewerken lässt sich nur selten eine Definition von Anerkennung finden, wenn dann jedoch überwiegend im Zusammenhang mit Lob und Tadel im Sinne von Erziehungsmaßnahmen.

Laut Borst bietet das Lexikon der Pädagogik in 3 Bänden, das 1950 erschienen ist, die ausführlichste Begriffserklärung hierzu und wird als traditioneller Anerkennungsbegriff der geisteswissenschaftlichen Pädagogik angesehen.

Demnach wird Anerkennung auch hier als Bejahung beschrieben, welche nicht an bestimmte Leistungen oder Erfolge geknüpft ist. Im Blickpunkt steht bei dieser Definition das Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling (vgl. Borst 2003, S. 107f.).

In dieser Wechselbeziehung „(…) wird Anerkennung nicht nur im Sinne instrumenteller Disziplinierung verstanden, sondern als zentraler Aspekt für die Persönlichkeitsentwicklung ausdifferenziert. Vor allem dem Respekt vor der Individualität und der Ehrfurcht vor der Menschlichkeit wird ein hoher Wert beigemessen“

(ebd., S. 107).

Auch wird in dieser Definition die Anerkennungsform „Liebe“ mit einbezogen,

welche ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens eines Menschen darstellt, wie im Laufe der Arbeit auch anhand Honneths Anerkennungsmodell ersichtlich wird (vgl. ebd., S. 108).

Bereits hier wird deutlich, dass Anerkennung scheinbar eine wichtige Bedeutung in der Erziehung und grundsätzlich in zwischenmenschlichen Beziehungen spielt.

2.2 Was meint der Begriff „positive Selbstbeziehung“?

Eine gelungene bzw. positive Beziehung zu sich selbst aufgebaut zu haben, bedeutet, ein gewisses und gesundes Maß an Selbstvertrauen, Selbstwert(gefühl), Selbstachtung, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zu besitzen. Im Folgenden werde ich mich jedoch ausschließlich auf die ersten drei oben genannten Formen der Selbstbeziehung konzentrieren und deren Bedeutung aufzeigen, da diese auch die zentralen Selbstbeziehungsformen für die später ausgeführte Anerkennungstheorie von Axel Honneth darstellen.

Selbstvertrauenumschreibt das Gefühl, dass der Mensch an sich selbst und an seine Fähigkeiten glauben kann. Aus dieser Überzeugung heraus ist er in der Lage dazu, sich Schwierigkeiten im Alltag zu stellen und generell sein Leben zu bewältigen. Das Vertrauen in sich selbst und der Glaube an die eigenen Handlungsmöglichkeiten bilden sich infolge positiver Erfahrungen aus, durch die das Individuum lernt, dass es Herausforderungen mit Hilfe seiner eigenen Fähigkeiten bestreiten kann. Besteht ein hohes Maß an Selbstvertrauen, so fördert dies grundsätzlich die eigene Leistung, denn es nimmt Einfluss auf das Handeln eines Menschen (vgl. Waibel 1994, S. 134).

Der Begriff derSelbstachtungliegt in seinem Bedeutungsgehalt dem des Selbstwertes schon sehr nahe. Selbstachtung soll heißen, dass man sich selbst anerkennt, achtet und mag. Daran richtet sich dann auch das eigene Verhalten aus. Sie kann sich dort entwickeln und existieren, wo einem Beachtung und Achtung von anderen Menschen entgegengebracht werdem und eine Selbstbeachtung besteht (vgl. ebd., S. 134f.).

Letzteres soll heißen:

„Nur wer sich selbst beachtet, kann zur Selbstachtung kommen. Sich beachten heißt, sich sorgfältig und sensibel wahrnehmen. Daraus kann in einem nächsten Schritt die Achtung vor sich erwachsen (…)“ (ebd., S. 135).

DerSelbstwertbzw. dasSelbstwertgefühlstellt das Gegenteil zum Minderwertigkeitsgefühl dar. Ein Individuum, das bereits ein Selbstwertgefühl aufgebaut hat, nimmt sich selbst sowie seine Anlagen und Fähigkeiten als wertvoll wahr, und verfügt über eine Wertschätzung seiner selbst. Kurz gefasst kann man sagen, dass der Mensch somit eine positive Einstellung zu sich selbst einnimmt (vgl. ebd., S. 135f.).

Aber wovon hängt es ab, ob ein Mensch sich schätzen kann?

„Der Selbstwert entwickelt sich nicht aus sich selbst heraus, sondern aus der Auseinandersetzung mit der Umwelt, die zur Einordnung des eigenen Wertes führt“ (ebd., S.136).

Grundlegend beeinflusst die eigene Wertschätzung das menschliche Verhalten in sozialen Kontexten und Leistungssituationen (vgl. ebd.).

Abschließend zu diesen Begriffserläuterungen erscheint es mir wichtig anzuführen, dass diese drei Selbstbeziehungsformen sich nicht völlig voneinander abgrenzen lassen, sondern teilweise ineinander übergehen bzw. sich auch gegenseitig bedingen.

3. Die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth

3.1 Eine Einführung in das Anerkennungsdenken Honneths

Der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth (geb. 1949) setzte sich bereits in einer Vielzahl seiner Arbeiten mit dem Anerkennungsbegriff auseinander.

Sein einflussreichstes Werk im deutschsprachigen Raum hierzu ist „Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte“, das 1992 erstmals erschienen ist. Darin stellt er seine Anerkennungstheorie vor, die auf der Sozialphilosophie G.W.F. Hegels und der Sozialpsychologie von George Herbert Mead basiert.

Sowohl Hegel als auch Mead haben sich mit der Subjektbildung und der Identität des Menschen beschäftigt. Honneth teilt mit den beiden Sozialwissenschaftlern den Ausgangspunkt, „(…) daß vor der Entwicklung eines Selbstbewusstseins die Wahrnehmung eines Anderen steht“ (Borst 2003, S.113).

Die intersubjektive Anerkennung bildet somit die Grundlage für die Autonomie und das Selbstbewusstsein eines Menschen. Demnach muss sich der Mensch durch einen Anderen bzw. durch Andere anerkannt fühlen, um ein Selbst entwickeln zu können.

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Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656394952
ISBN (Buch)
9783656395096
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211799
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Pädagogik
Note
Schlagworte
Axel Honneth Anerkennung Pädagogik der Anerkennung Kindergarten positive Selbstbeziehung

Autor

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