Lade Inhalt...

Indien in der deutschen Literatur. Eine Analyse der Werke Hermann Hesses

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 35 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Indien in der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert

3. Reale Vermittlung von Kenntnissen über Indien
3.1 Familie und Kindheit Hermann Hesses
a) Die Beziehung zu Indien in der Familie Hesses
3.1.1 Konfrontation mit dem Religiösen
b) Die Auseinandersetzung mit den Eltern
3.1.2 Zweifel am Christentum Seite 7,
3.1.3 Abstand vom herkömmlichen Christentum
3.2. Die literarischen Quellen für die Kenntnis Indiens bei Hermann Hesse

4. Das Indienbild im Werk Hermann Hesses vor der Indienreise

5. Die Indienreisen Hesses

6. Siddhartha - eine metaphorisch-metaphysische Reise nach Indien
6.1 Siddhartha Inhaltsangabe
6.2 Siddharthas Entstehung
6.3 Siddhartha Rezeption
6.4 Siddhartha und Hesses lndienwahrnehmung

7. Hermann Hesses Indien
7.1 Kindheit des Zauberers

8. Hermann Hesses Verhältnis zu Indien

9. Hermann Hesse und Indien- ein Kapitel der Missverständnisse
9.1 Die Aspekte, die für das Verständnis der indischen Einflüsse bei Hesse von Bedeutung sind

10. Hermann Hesses Indien bild- Dichtung und Wahrheit
10.1 Selbstbildung und Bewusstseinserweiterung durch Lesen- Theoretische Vorbereitung

11. Erinnerung an Indien

12. Schluss

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit befasse ich mich mit dem Thema" Süd- und Ostasien in Deutschland:

Hesses Indien". Ich gehe auf folgende Themen ein und habe die Hausarbeit wie folgt gegliedert:

- Indien in der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert
- Reale Vermittlung von Kenntnissen über Indien, hierbei gehe ich auf Hesses Kindheit
und seine Familie ein
- Das Indienbild im Werk Hermann Hesses vor der Indienreise
- Die Indienreise Hesses
- Siddhartha- eine metaphorisch-metaphysische Reise nach Indien
- Hermann Hesses Indien
- Hesses Verhältnis zu Indien
- Hermann Hesse und Indien- ein Kapitel der Missverständnisse
- Hesses Indienbild-Dichtung und Wahrheit
- Erinnerungen an Indien

Ich habe mich für diese Gliederung entschieden, weil ich es für sinnvoll halte, dass ich erst auf

das Thema Indien in der deutschen Literatur eingehe und dann aufzeige, wie Hermann Hesse

mit Indien in Berührung kam und wie sich seine Begeisterung für dieses Land auswirkte. Als

ich mir das Thema zu meiner Hausarbeit aussuchte, habe ich mich zuerst eingehend mit Hesses

Familie und seiner Kindheit beschäftigt.

Seine Indienreise und sein Werk "Siddhartha" sind in meinen Augen ein Höhepunkt, weil er

durch seine Reise, das Land nicht nur durch Erzählungen und Bücher kennen lernt, sondern

durch seine Sinnesorgane das Land:

- mit seinen eigenen Augen Indien sieht,
- mit seiner Nase die indische Luft riecht,
- mit seinen Ohren die indische Sprache hört
- und mit seinem Mund das indische Essen schmeckt.

Und deshalb habe mich für diesen Hauptteil entschieden. Am Ende zeige ich welche

Erinnerungen Hesse an Indien hatte, als er an seine Indienreise zurück dachte.

2. Indien in der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert

Wenn man das Auftreten indischer Elemente in der deutschen Literatur zurückverfolgt, dann

stellt man fest, dass schon im Mittelalter indische Motive in den Werken verschiedener Dichter

vorkommen. Je verschiedenartig die Motive sind, um so eindeutig ist die Vorstellung: Indien ist

das Land eines Heidenvolkes, das nur durch die christliche Religion erlöst werden kann.

3. Reale Vermittlung von Kenntnissen über Indien

3.1 Familie und Kindheit Hermann Hesses

b) Die Beziehung zu Indien in der Familie Hesses

Die Familienmitglieder Hermann Hesses waren nicht nur dem Namen nach, sondern auch im

Leben und in der Tat Christen. In diesem vom Protestantismus beeinflussten Haus herrschte

eine aufgeschlossene Atmosphäre gegenüber Fremden, was ungewöhnlich für das ländliche

Schwaben war. Die Familie hatte des öfteren Gäste aus verschiedenen Nationen, und Hesse

verspürte schon früh neben dem Geist Luthers und Bengels auch den indischen. Bei Dr.

Hermann Hesse, dem Großvater väterlicherseits, fand Hermann Hesse "die weitgereisten

fremden Gestalten indischer Missionare alle mit der gleichen einfachen Herzlichkeit

aufgenommen".[1]

Der Großvater mütterlicherseits, Dr. Hermann Gunde1t, kam 1836 als Heidenmissionar nach

Indien und lebte sich dort gut ein, so dass er später schrieb:" ... glaubet mir: nicht der Heirat

wegen bleibe ich in Indien, sondern weil ich in Indien bleiben will und muss, heirate ich.". Nach

einiger Zeit beherrscht er die indischen Sprachen Bengali, Telugu, Tamil und Malajalam. Ein

großer Verdienst außerhalb seiner missionarischen Tätigkeit war das Malajalam Lexikon,

welches noch heute zu den wichtigsten grundlegenden Werken indischer Sprachforschung zählt.

Die Mutter des Dichters, Maria Hesse, fördert das Interesse Hesses für Indien in seiner

Kindheit. In ihrem Tagebuch schreibt sie, dass "Hermannle" sich schnell entwickelt, alle Bilder

sofort erkennt, ob sie aus China, Afrika oder Indien stammen.

Johannes Hesse, welcher der Vater des Dichters ist, fährt ebenso als Missionar 1865 nach

Indien, kehrt aber im Frühjahr 1873 aus gesundheitlichen Gründen nach Europa zurück.

Für Johannes Hesse bildet die konsequente, praktisch gelebte Imitation Christi die innere Mitte seines Glaubens. Er versucht seinen Sohn Hermann zu dieser Art Christentum hinzuführen, was jedoch missglückt, weil Hesse für sich diesen Gottesbegriff ablehnt. Johannes Hesse sieht einen

Unterschied zwischen dem "verantwortungsbereiten persönlichen Christentum und dem

unpersönlichen Asien".

Die Beziehung seiner Familie zu Indien wirkt sich auf Hermann Hesse schon als Kind aus. Er

hat sich an vielen und wichtigen Stellen seines Werkes geäußert. Er kommt besonders auf die

christliche und internationale Atmosphäre seiner Familie zurück. Als das größte Erlebnis und

Erbe seiner Kindheit betrachtet er den Versuch seiner Eltern und Großväter, ihr Leben als Leben

von Gott anzusehen und nicht im egoistischen Trieb, sondern als Dienst und Opfer vor Gott zu

leben.

Mit vier Jahren scheint Hermann Hesse Indien ein Begriff geworden zu sein. In dem Brief an

seinen Vetter Hermann Gundert, den Hesse seiner Mutter diktiert, spricht er seinen Vetter als

"Lieber indischer Mann" an. Hermann Hesse wird indisch-christlich erzogen. Die Konfirmation

findet nach alter indischer Sitte statt.

3.1.1 Konfrontation mit dem Religiösen

b) Die Auseinandersetzung mit den Eltern

Hesses Kindheit ist von ständigen Auseinandersetzungen mit der Schule bzw. Bildung,

Erziehung und Eltern bestimmt. Die ersten Jahre zeigen einen großen Meinungsunterschied im

religiösen Bereich. Es lag daran, dass Hesse auch in der Schule kein großes Interesse für

Religion hatte. Er besucht eine Schule, in der Protestanten, Katholiken und Juden vereint

werden. Mit "Johannes Classen", dem Theosophen, kommt Hesse in Berührung und wird von

seinen Gedanken angeregt. Hesse besteht sein Landesexamen und besucht das Seminar in

Maulbronn im Herbst 1891, somit wird er mit dem Religiösen konfrontiert. Circa ein halbes

Jahr bleibt er im Priesterseminar in Maulbronn, bis er dann flüchtet.

3.1.2 Zweifel am Christentum

Für den Dichter beginnt eine Zeit der Missgefühle und Einwände gegen den kirchlichen und

dogmatischen gebundenen Glauben. Hesse verehrt seine Eltern, aber ist nicht dazu bereit, alles

zu akzeptieren, wie es ihm angeboten wird. Er glaubt, den Unterschied zwischen seinen Eltern

und sich selbst festgestellt zu haben. Seine Eltern haben "... andere Wünsche, Anschauungen,

Hoffnungen, andere Ideale ...". Er schreibt an die Eltern: "Ihr seid Christen, und ich nur ein

Mensch."

Hesses Widerstand vergrößert sich so stark, dass er von seinen Eltern nichts über Christus,

Liebe und Seligkeit hören will. Er mahnt sie, es werde sehr viel über Christus und Liebe, Gott

und Seligkeit geredet, aber es würde nur Hass und Feindschaft überall zu finden sein. In einem

Brief von Hesse, kommt ein entscheidender Gedanke zum Ausdruck, der ihm weiterhilft, seinen

derzeitigen Glauben zu formulieren: "Ich bin ein Mensch, so gut wie Jesus, sehe den

Unterschied zwischen Ideal und Leben so gut wie er, aber ich bin nicht so zäh wie der Jude,

ich!"

3.1.3 Abstand vom herkömmlichen Christentum

Hesse beginnt, einen Abstand vom Christentum zu nehmen, in dem er aufwächst und das von

seinen Eltern und Großvätern bejaht wird. Er versucht, den Sinn des Lebens zu ermitteln.

Er trennt sich von dem Herkömmlichen, von dem durch die Kirche propagierten Christentum

und will nicht die Ansichten seiner Eltern und Großvätern teilen.

3.2. Die literarischen Quellen für die Kenntnis Indiens bei Hermann Hesse

Hesse unterscheidet sich von vielen seiner Zeitgenossen, die auch in ihren Werken indische

Motive verwenden, dadurch, dass er in einer Familie aufwächst, die jahrelang eine Beziehung

zu Indien besaß. Deshalb erlebte er die Religion in zwei Formen; einerseits als Kind und Enkel

rechtschaffender Protestanten und andererseits als Leser indischer Werke.

In seiner "Bibliothek der Weltliteratur", erwähnt der Dichter alle Bücher über Indien, die er

gelesen hat. Das Ziel seiner Lektüre ist, "eine Ahnung zu bekommen von der Weite und Fülle

des von Menschen Gedachten und Erstrebten, und zur Gesamtheit selbst, zum Leben und

Herzschlag der Menschheit, in ein belebendes, mitschwingendes Verhältnis zu kommen."

Die Quellen, aus denen Hesse sein Wissen füllte, gehören nach ihm jener Epoche an, " ... in der

die Menschheit... des Denkens am fähigsten war, ... etwa 9. bis 4. Jahrhundert vor Christus ...

Was später philosophiert wurd", war für ihn von geringer Bedeutung.[2]

4. Das Indienbild im Werk Hermann Hesses vor der Indienreise

Bis zu seiner Indienreise beschäftigte sich Hesse insbesondere mit der Aneignung theoretischer

Kenntnisse über Indien. In dieser Zeit entstehen zwei Erzählungen, die bisher für die Frage nach

dem Indienbild Hesses von der Forschung vernachlässigt wurde.

1. „Anton Schievelbeyn‘s ohn-freywillige Reise nacher Ost-Indien"

In dieser Erzählung geht es um einen Mann, der von seiner Frau überlistet und auf einem Schiff

weggeschickt wird, damit er sein Leben ändert. Anton trifft die Heiden, hat manche

unglückliche Erlebnisse und kehrt als ein guter Christ nach Hause zurück. Hesse gelang es

durch die bis in die Orthographie historisierende Sprache und die Ich-Perspektive der

Erzählung, einen deutlichen Abstand vom dargestellten Sachverhalt zu nehmen. Er kritisierte

indirekt die Bevormundungsversuche und den Alleingültigkeitsanspruch der Christen gegenüber

Anhängern andere Glaubensformen.

[...]


[1] Vridhagiri Ganeshan: Das Indienerlebnis Hermann Hesses. 2. Auflage, Bonn: Bouvier Verlag, 1980, S. 13.

[2] Vridhagiri Ganeshan: Das Indienerlebnis Hermann Hesses. 2. Auflage, Bonn: Souvier Verlag, 1980, S.

19-27.

Details

Seiten
35
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656404255
ISBN (Buch)
9783656406976
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211774
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Geistes- und Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
süd- ostasien deutschland hermann hesses indien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Indien in der deutschen Literatur. Eine Analyse der Werke Hermann Hesses