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Zur Unvereinbarkeit von Feminismus und Neoliberalismus

Seminararbeit 2013 11 Seiten

Geschlechterstudien / Gender Studies

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in den Gegenstand

2. Emotionalität

3. Annäherung an den Neoliberalismus

4. Unvereinbarkeit der Grundideen

1. Einführung in den Gegenstand

Das Ziel dieser Arbeit ist es festzustellen, dass die Bewegung des Feminismus mit den Grundideen des Neoliberalismus unvereinbar ist und sich somit sichtlich von diesem System zu distanzieren hat. Wenn ich hier von Feminismus spreche, so beziehe ich mich konkret nur auf den europäischen Feminismus, die sogenannte zweite Frauenbewegung, nicht aber auf andere Theorien und Bewegungen, wie z.B. Black Feminism. Ich beschränke mich aus zwei Gründen nur auf den europäischen Feminismus:

1. Die verschiedenen feministischen Theorien widersprechen einander in mehreren Fällen und eine Abhandlung aller Standpunkte würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen
2. Der Neoliberalismus ist in Europa sehr stark verbreitet und wurde bzw. wird von vielen hiesigen Theoretikerinnen befürwortet.

Frauen kämpfen in Europa seit Jahrhunderten um Gleichberechtigung. Sie engagieren sich in Revolutionen und bei politischen Kampagnen und müssen immer wieder mitansehen, wie ihre Arbeit im Nachhinein wieder zur Nichte gemacht wird. Man kann es ihnen also nicht verübeln, wenn sie verbissen und rücksichtslos ihre Ziele weiterverfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass die Bewegung ihre Grundsätze aufgeben darf, um ihre kurz­fristigen Ziele zu erreichen.

Die Frauenbewegungen sind nicht aus dem nichts entstanden und haben sich auch nicht nur engagiert, weil sie Frauen aus der Unterdrückung heben wollten. Es gab bestimmte revolutionäre Grundsätze, die diese Gedanken überhaupt erst ermöglicht haben. So schreibt Ute Gerhard zurecht „[...] im Zentrum der Bestrebungen liegt nicht mehr aber auch nicht weniger, als die Einlösung demokratischer Prinzipien der Freiheit und Gleichheit aller Menschen und die Anerkennung ihrer gleichen Menschenwürde – Prinzipien, die seit der Französischen Revolution als Kennzeichen einer rechtsstaatlichen demokratischen Ord­nung gelten.“ (Gerhard 2009, S.6)

Während Frauen in der Geschichte unterdrückt wurden, so haben sie selbst an die gleichen Prinzipien geglaubt, wie ihre männlichen Mitstreiter.

2. Emotionalität

Bei der Lektüre neuer feministischer Texte fehlt oft ein Fokus auf diese Grundsätze. Statt­dessen werden die heißgeliebten wissenschaftlichen Kategorien und Begriffe, die über Jahrzehnte hinweg mühsam erarbeitet wurden (dem Laien von der Straße aber nichts bedeuten) immer und immer wieder vorgetragen. Das Hauptziel ist der Bruch mit der patriarchalen Hegemonie und mit den damit verbundenen Geschlechtskategorien. Wer diese Begriffe kennt und weiß was dahintersteckt, versteht diese Forderungen. Aber in der wirklichen Welt, hat nicht jeder Mensch Politikwissenschaft oder Gender Studies studiert. Daher befinde ich es auch hier für notwendig sich auf die Grundwerte des Feminismus zu besinnen und diese auch offen unter die Leute zu tragen, anstatt nur unter den wenigen Bildungseliten einen Diskurs zu führen.

Als Grund für die geschlechtliche Rollenverteilung in der Gesellschaft werden vor allem das fordistische Produktionsmodell, welches durch Eingriffe in die Lebens- und Denkweise der Gesellschaft versucht hat effizientere (männliche) Arbeiter zu schaffen (vgl. Gundula 2007, S. 199f) und die Arbeiten von Max Weber, auf denen unsere Gesellschaft basiert, genannt.

Birgit Sauer hat 2007 dazu einen Text verfasst, der vor allem als Gegenargument zu Webers „Politik als Beruf“ zu sehen ist. Weber ist der Ansicht, dass Politik nur mit dem Kopf gemacht werden kann. Sie schreibt dazu: „Diese Vorstellung von Rationalität im Sinne von Zweckmäßigkeit, Sachlichkeit und Interesselosigkeit wurde mit Emotions­losigkeit gleichgesetzt. Gute, allgemein verbindliche Entscheidungen, Wissen um und Einsicht in die Ordnung der Gesellschaft standen Gefühlen diametral entgegen. Rationalität sollte nach Weber der dominante Modus des modernen Staates sein: Der >>Leidenschaft<< adliger herrschaft wird das >>vernünftige< bürgerliche interesse entgegengesetzt, das politisch planbar, berechenbar, regelbar und vor allem in geld ausdrückbar war.“ (sauer 2007, ) Rationalität an sich ist nichts schlechtes und ich bin auch der Meinung, dass überdachtes Handeln, impulsivem emotional getriebenem Handeln vorzuziehen sind. Diese Denkweise wird jedoch zum Problem, wenn Rationalität nur Männern zugeschrieben wird und Frauen alle als emotional abgestempelt werden. Genau das wird durch den Feminismus auch kritisiert. Gleichzeitig bedeutet Rationalität nicht Interesselosigkeit und auch nicht das Fehlen von Emotionen. Emotionalität ist wichtig. Jeder Mensch hat Gefühle, ob er/sie will oder nicht und Gefühle sollten nicht vergraben werden; vor allem Wut nicht, aber Wut soll auch nicht unkontrolliert ausgelebt werden. Dort wo es politisches Engagement gibt, gibt es auch immer Extremisten und diese fordern meistens zu Gewalttaten auf. Unsere Ge­sellschaft basiert aber auf bestimmten Rahmenbedingungen, selbstverständlich sind viele Dinge nicht ideal, manche sogar sehr schlecht und bedürfen einer Änderung. Aber eine strikte Ablehnung unserer Gesellschaft ist lächerlich. Wer nur in Extremen denkt und mit Gewalt etwas verändern will, verhöhnt die Demokratie, für die so lange gekämpft wurde. Bedauerlicherweise fehlt es dem Feminismus (wie auch dem Rest der modernen Politik) an Ideen und Konzepten. Es wird sowohl vom Volk als auch von den PolitikerInnen nur noch Politik konsumiert und reproduziert. Alle Handlungen sind kurzfristig; es wird protestiert, es werden neue Gesetze verfasst, aber langfristige Veränderungen werden überhaupt nicht angestrebt und dieser politische Stillstand führt nur dazu, dass die Vertreter der neo­liberalen Ideologie sich in ihrem Glauben, das letzte (und beste) Konzept einer Welt­ordnung erschaffen zu haben, weiterhin bestätigt fühlen.

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Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656397878
ISBN (Buch)
9783656397984
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211719
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
1
Schlagworte
Feminismus Frauenbewegung Neoliberalismus Ideologie Widerspruch Unvereinbarkeit Kapitalismus

Autor

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Titel: Zur Unvereinbarkeit von Feminismus und Neoliberalismus