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Das New Great Game in Zentralasien

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom great game zum new great game

3. Bodenschätze in Zentralasien
3.1 Erdöl
3.2 Erdgas
3.3 Wasser

4. Die Akteure und ihre Interessen
4.1 Russland
4.2 USA
4.3 Europa
4.4 China
4.5 Zentralasiatische Staaten
4.6 Andere beteiligte Akteure

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

“Eurasien ist das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird.” Bereits mit diesem Zitat des polnisch-amerikanischen Politikwissenschaftlers Zbigniew Brzeziński aus seinem Buch The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives aus dem Jahr 1998 wird deutlich, welche enorme Bedeutung der eurasischen Region und insbesondere Zentralasien beigemessen wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über das sogenannte new great game, welches sich nach dem Ende der Sowjetunion in Zentralasien entwickelt hat, zu geben. Hierfür ist es von großer Bedeutung, die Hintergründe und Entwicklungen dieses „neuen großen Spiels“ zu verstehen.

Was war das „alte große Spiel“? Wie ist es zu dem „neuen großen Spiel“ gekommen? Welchen Einfluss haben die Bodenschätze in Zentralasien und welche Akteure sind in der Region mit welchen Intentionen involviert? Welche unmittelbaren Auswirkungen hat das „neue große Spiel“ auf die Region und ihre Staaten? Ist das „große Spiel“ eine Chance für die Region oder eher ein Risiko? All diese Fragen werden im Laufe der Arbeit erläutert und versucht zu beantworten.

Zunächst sollte erklärt werden, was das „alte“great game war und wieso man heutzutage vom new great game spricht.

2. Vom great game zum new great game

Der Begriff great game bezieht sich auf einen Konflikt aus dem 19. Jahrhundert, der sich zwischen dem russischen Reich und Großbritannien ereignete. Die Bezeichnung great game wird vor allem Arthur Conolly, einem britischen Geheimdienstoffizier, der von 1835-1840 in Mittelasien seinen Dienst leistete, attribuiert. (Kurečic 2010: 22) Beim great game zwischen Russland und Großbritannien ging es um die Vorherrschaft in Zentralasien. Der britische Diplomat und Historiker Fraser-Tytler vertrat den Standpunkt, das „große Spiel“ habe mit der Legitimierung der East India Company als Handelsmonopolist in Indien im Jahr 1599 begonnen und erst knapp 350 Jahre später mit dem vollständigen Abzug britischer Kolonialverwaltung und der gleichzeitig gewährten Unabhängigkeit von Indien und Pakistan im Jahr 1946 geendet. (Kreutzmann 2002) Großbritannien hatte damit die Vorherrschaft in Indien, welches zu diesem Zeitpunkt aufgrund seiner Reichtümer ein sehr begehrtes Land war, an sich gerissen und wollte seine Macht auf keinen Fall wieder verlieren. Essenz des great game war also die Sicherung der britischen Vormachtstellung. Da Großbritannien eine herausragende Seemacht war, galten die indischen Küsten unter britischer Herrschaft weitestgehend als abgesichert vor feindlichen Übergriffen. Gefahr drohte überwiegend von der Landseite, im Speziellen aus Zentralasien. (Grewlich 2010: 9ff) Zentralasien nahm schon zu dieser Zeit eine geostrategische Schlüsselposition ein. (Abilov 2010: 32) Dies allein erklärt jedoch noch nicht den Begriff great game. Es ist die Geschichte junger britischer und russischer Offiziere, die als Pferdehändler, buddhistische Bettelmönche und muslimische Pilger verkleidet, geheime Pässe kartographierten, Geländekenntnisse zusammentrugen und auf diese Weise versuchten Großbritannien bzw. Russland entscheidende Vorteile zu verschaffen. Sie waren die „Spieler“ im „großen Spiel“ und einige von ihnen wurden berühmt. Viele mehr jedoch kamen aus den Einsätzen nicht wieder zurück. (Grewlich 2010: 9ff) Durch diese tapferen „Spieler“ entstand der Begriff great game.

Das new great game begann mit dem Ende der Sowjetunion 1991, als in Zentralasien mit Kasachstan, Turkmenistan, Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan fünf souveräne Staaten entstanden. Anders als im historischen Konflikt zwischen Großbritannien und Russland traten inzwischen nicht mehr nur die Staaten als Interessensgruppen innerhalb des Machtstreits auf, sondern auch nicht-staatliche Organisationen wie zum Beispiel internationale Großkonzerne, die sich im Wettkampf um die Energiereserven des kaspischen Raums befinden. (Altuglu 2006: 52) Zudem sind die zentralasiatischen Staaten, welche zur Zeit des great game nur „Spielfiguren“ der großen Mächte Großbritannien und Russland waren, nun selbst zu „Spielern“ erwachsen, die ihre eigene Vorstellung vom Ausgang des new great game haben. Sie sind darauf bedacht, dass keiner der beteiligten Akteure alleine zu viel Macht gewinnt und dass sie selber eine größere wirtschaftliche Bedeutung erlangen. (Grewlich 2010: 16) Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 rückte Zentralasien in den Fokus der Sicherheitspolitik vieler Staaten. Besonders der Westen mit den USA und Europa versucht seitdem verstärkt die Region Zentralasiens weiter zu demokratisieren, um die Rückzugsmöglichkeiten für Terroristen zu verkleinern.

Noch bedeutender sind jedoch die enormen Rohstoffvorkommen in Zentralasien für die beteiligten Akteure des new great games. Auf diesen Punkt wird im nächsten Teil der Arbeit eingegangen.

3. Bodenschätze in Zentralasien

Zentralasien verfügt über gewaltige Rohstoffvorkommen. Sowohl Erdöl als auch Erdgas sind in reichlicher Menge vorhanden. Auch die Wassermengen in einigen Regionen bieten beeindruckendes Potential zur Energiegewinnung. Zur Zeit der Sowjetunion blieb die Förderung von Erdöl und Erdgas deutlich unter ihren Möglichkeiten. Das ist dadurch zu erklären, dass die UdSSR aus politischen Gründen den westsibirischen Energiereserven den Vorzug gegeben hatte. (Westphal 2007: 463) Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es einen regelrechten Wettlauf um die bekannten Öl- und Gasreserven in Zentralasien. Aus rohstoffwissenschaftlicher Perspektive ist es sinnvoll, zu dem Begriff Zentralasien nicht nur die fünf postsowjetischen Staaten zu zählen. Denn gerade im Kaspi-Raum, welcher neben den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgistan und Tadschikistan auch Aserbaidschan und die unmittelbar an das kaspische Meer grenzende russischen Republiken Dagestan und Kalmükien sowie das Gebiet Astrachan beinhaltet, lagern große Vorkommen der Energierohstoffe Erdöl und Erdgas. (Rempel et al. 2007: 433ff) In welchem Umfang sie vorhanden sind und welche Möglichkeiten und Probleme daraus resultieren, wird im nächsten Teil der Arbeit erläutert.

3.1 Erdöl

Ohne Erdöl ist unsere heutige Industriegesellschaft nicht mehr vorstellbar. Es handelt sich dabei jedoch um einen endlichen Rohstoff, der zunehmend knapper wird. Gerade das zentralasiatische Erdöl ist deshalb nach dem Ende der Sowjetunion für viele globale Spieler interessant geworden. Auch wenn rein quantitativ die Erdölvorkommen in Zentralasien im Vergleich nicht überragen und in etwa nur vier Prozent (Stand Ende 2006) der Weltreserven betragen, so stellen sie dennoch bedeutende Reserven und Ressourcen dar. Denn im Vergleich zu beispielsweise Europa verfügen die zentralasiatischen Staaten über mehr als das Dreifache an Ölreserven. Der größte Teil (ca. 76%) der weltweiten Erdölreserven entfällt auf die OPEC[1] -Länder, die dadurch eine sehr große Macht auf die Gestaltung des Erdölpreises haben. (Rempel et al. 2007: 436ff) Das zentralasiatische Erdöl ist wichtig, um den Preiseerhöhungen auf dem Weltmarkt entgegen wirken zu können.

Neben den USA (Pennsylvania), Rumänien, Polen und Deutschland zählt die zentralasiatische Region zu den ältesten Erdölregionen der Welt. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Aserbaidschan Erdöl gefördert und an der Wende zum 20. Jahrhundert war es sogar weltweit führend bei der Erdölförderung. Auch Kasachstan kann auf eine über hundertjährige Erfahrung in der Erdölförderung zurückschauen und hatte in den 1970er Jahren die höchsten Erträge, bevor es zum Zerfall der Sowjetunion kam. Nach der Auflösung der UdSSR ging die Gesamtfördermenge in Zentralasien zunächst stark zurück, um dann in den 1990er Jahren kontinuierlich und sehr stark anzusteigen. Diese Entwicklung ist damit zu erklären, dass es durch die Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten, für internationale Konzerne möglich wurde, Verträge zur Ölförderung mit diesen Staaten zu unterzeichnen und die Erschließung neuer Erdölfelder voran zu treiben. Besonders die Erschließung des Tengis-Felds in Kasachstan und der Feldergruppe Aseri-Tschirag-Guneschli in Aserbeidschan sind dabei als die wichtigsten zu nennen. Laut den Prognosen für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Anstieg der Erdölförderung zu rechnen. (Rempel et al. 2007: 438ff) Dieser Anstieg ist dadurch bedingt, dass weltweit immer mehr Erdöl benötigt wird und die Konsumenten nicht nur von der OPEC abhängig sein wollen. Besonders China ist an der erhöhten Nachfrage und der damit verbundenen Verengung der globalen Energiemärkte verantwortlich. Allein China ist für fast die Hälfte der weltweiten Steigerung der Nachfrage verantwortlich. (Westphal 2007: 464ff) Ein Problem der Erdölförderung in Zentralasien ist der Transport des Öls zu den Importeuren. Denn die Haupabnehmer von Erdöl zur heutigen Zeit sind die USA, Europa, China und Japan. Dorthin muss der Rohstoff transportiert werden können. Zentralasien ist eine sogenannte landlocked Region, grenzt also an kein großes Meer und alle transportfähigen Flüsse münden in inländische Seen. Deswegen ist die günstigste Transportart, die über das Wasser, quasi nicht vorhanden. Der Transport über Land per Tankwagen bietet keine ökonomisch vertretbare Alternative, deswegen gab und gibt es zahlreiche Pipeline Projekte, mittels derer das Öl vom Förderungsort zum Konsumenten transportiert werden soll. Via Pipeline müssen jedoch große Distanzen zurück gelegt werden, von denen lange Streckenteile durch andauernde und vorübergehende Konfliktherde in der Region um Zentralasien führen, deswegen ist es von oberster Priorität, sichere und ökonomisch sinnvolle Routen für die Pipelines zu finden, die dieses Problem umgehen. (Altuglu 2006: 54)

[...]


[1] OPEC: Organization of the Petroleum Exporting Countries

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656403234
ISBN (Buch)
9783656406006
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211718
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
great game zentralasien

Autor

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