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Tiberius Gracchus und die Agrarreform

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprünge der Reformbewegung
2.1 Agrarkrise
2.2 Krise der Militärverfassung

3. Die Agrarreform
3.1 Tiberius Sempronius Gracchus
3.2 Das Auflehnen des Tiberius Gracchus gegen die politische Führung
3.3 Der Inhalt der Agrarreform

4. Die Revolution
4.1 Das Duell zwischen Octavius und Gracchus
4.2 Die Absetzung des Octavius

5. Die Eskalation des Konflikts
5.1 Politische Isolation und Radikalisierung des Tiberius Gracchus
5.2 Tod des Tiberius Gracchus

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rom wurde einerseits vom Orient wegen seiner Macht gefürchtet, andererseits als die mächtige „Republik des Westens“1 bewundert. Dies weil die Römer es schafften mit ihren Verbündeten dauerhaft Frieden zu halten und in einem demokratischen System frei von Neid und Zwietracht miteinander zu leben, entgegen den meisten anderen Völkern dieser Zeit.2 Am Ende des zweiten punischen Krieges hatte das römische Reich seine Vorherrschaft im Mittelmeerraum, sowohl zu See als auch zu Land endgültig durchgesetzt. Dies hatte allerdings Auswirkungen auf die innenpolitischen Verhältnisse. Boris Dreyer stellt eine „Krise der politischen Führung,“3 eine „Agrarkrise, “4 und eine „Krise der Militärverfassung und des Bundesgenossensystems“5 fest. Als Hauptursache der Krise identifiziert er den nachlassenden Zusammenhalt innerhalb der römischen Führungsschicht.6

Bedingt dadurch, dass Roms Feinde politisch vernichtet worden waren, veränderte sich die Politik der Führungsschicht. Nach aussen hin wurde die Regierung tatenlos. Der Leitgedanke der Politikergeneration dieser Epoche war die Erhaltung ihrer über die Jahre angesammelten Privilegien sowie deren Steigerung.7

Nachdem Ich nach dieser kurzen Kontextualisierung die Hausarbeit zeitlich situiert habe und die Probleme im römischen Reich angesprochen habe, möchte ich nun die sich daraus ergebene Problematik vorstellen die von mir erörtert werden wird. Die Hausarbeit hat den römischen Politiker Tiberius Gracchus zum Thema und behandelt dessen größtes politisches Unternehmen: Die Lex Sempronia Agraria. Im Rahmen dieser Erklärung werden nun die zentralen Themen behandelt, die das Einführen einer solchen Agrarreform unsausweichlich machten. In einem ersten Punkt werden dem Leser die Ursprünge der Reformbewegung des Tiberius Gracchus offenbart, welche sich bereits vor dessen Geburt finden. In einem zweiten Punkt wird die Agrareform des Tiberius Gracchus in Bezug auf deren Hintergrund und Inhalt genauer vorgestellt. Im Anschluss wird die eigentliche Revolution beleuchtet, wobei insbesondere auf das Duell zwischen den Volkstribunen Octavius und Gracchus eingegangen wird. Dieses Duell illustriert stellvertretend den sich zuspitzenden Konflikt zwischen der Aristokratie und den plebs. Die Absetzung des Octavius markiert gleichzeitig den Sieg von Tiberius und das Durchsetzen seiner Agrarreform. In einem letzen Punkt wird verdeutlicht, wieso sich Tiberius plötzlich in einem Teufelskreis befand, der ihn von der Gunst des Volkes abhängig machte. Abgeschlossen wird die Arbeit mit dem Tode Tiberius‘. Diese Hausarbeit hat also zum Ziel herauszuarbeiten inwiefern die Agrarreform Roms Innenpolitik beeinflusste und veränderte. Das Grundgerüst dieser Hausarbeit bildet das Buch Die Innenpolitik der Römischen Republik von Boris Dreyer, das 2012 erschien. Das zweite wichtige Werk zu dem die Erkenntnisse Dreyers verglichen werden ist das Buch Könige und Konsuln aus der Reihe Römische Geschichte von Theodor Mommsen, einem der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1902 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Abschliessend ist hervorzuheben, dass auch Plutarchs Originalschriften im Rahmen dieser Hausarbeit eingesehen wurden und ausgewählte Passagen mit aktueller Fachliteratur verglichen wurden.

2. Ursprünge der Reformbewegung

Für den Historiker Dreyer ist die Krise politischen Ursprungs. Die politische Elite verlieh sich selbst eine „exklusive Stellung“8 innerhalb des Senats und sah dies als gerechtfertigt an, aufgrund der vielen, anhaltenden Erfolge, die Rom zum Status einer Weltmacht verholfen hatten.9

Folglich ist die Agrarkrise, mit der sich diese Arbeit insbesondere befasst, eine Konsequenz der erbeuteten Reichtümer und Ländereien nach Ende des zweiten punischen Krieges.

2.1 Agrarkrise

Insbesondere in Süditalien standen wieder große Landesteile zur Verfügung. Die römische Armee war ein Bürgerheer und deshalb konnte sich ein jeder als Sieger fühlen. Alle hatte einen Anspruch auf Entlohnung, nicht nur die politische Machtelite. Dieses Bürgerheer bestand zum Großteil aus Bauern, denen es nicht möglich gewesen war, während ihrer Abwesenheit „den Acker zu bestellen“10 und somit ihren Hof zu erhalten. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen. Soviel neuen Reichtum und Besitz er den reichen Nachbarn der Bauern auch brachte, in dem selben Maße hatte er diese aber auch geschädigt. Die durch den Krieg gewonnen Ländereien wurden rasch von der politischen Elite aufgekauft, somit hatten die bereits verarmten Bauern bald keine Aussicht mehr darauf, neues Land zu erhalten. Man beraubte sie ihrer Existenzgrundlage11. Sie gerieten in eine Abwärtsspirale, die sie zwang ihren Hof zu verkaufen, zu verpachten, oder aber nach Rom zu ziehen. Der Krieg brachte viele neue Sklaven nach Rom. Durch das daraus entstehende Überangebot an Sklaven wurden die Bauern überflüssig. Die reichen Senatorenfamilien kauften nun aus Habgier die Ländereien auf, um sie mithilfe der Sklaven zu kultivieren und somit ihren eigenen Profit zu maximieren.12

Dieses Vorgehen setzte einen Teufelskreis in Gang, der das Funktionieren der römischen Republik in ihren Grundfesten erschütterte.

2.2 Krise der Militärverfassung

Das römische Heer bestand im Kern aus Bauern. Ihnen hatte das römische Reich seine Expansion zu verdanken und die Führungselite ihre militärisch- politischen Erfolge. Die Bauern mussten ihre Ausrüstung selbst kaufen, was ihnen jedoch aufgrund der Verarmung nicht mehr möglich war. Das römische Heer hatte also schon sehr bald ein Personalproblem. Folglich war die „Krise der Militärverfassung“13 die unausweichliche Konsequenz der „Agrarkrise“14.15

Die Personalprobleme innerhalb des römischen Heeres brachte die Nobilität dazu, zur Einsicht und zu Erkenntnis, dass das Einführen von Reformen im Agrarsektor unausweichlich war16.

Aus diesem Sachverhalt heraus lässt sich schlussfolgern, dass das Aufrechterhalten der Truppenstärke für die Nobilität von großer Bedeutung war, da ihr Wohlergehen mit der Eroberung neuer Ländereien durch die römische Armee eng zusammenhing. Die römische Armee bildet also das Rückgrat des römischen Imperiums und war somit ein entscheidender Faktor, der die Sicherheit und das Wohlergehen des römischen Volkes sicherte. Um das Wohlergehen der Bauern wiederherzustellen, sowie das Fortbestehen des römischen Wohlstands und um die Stärke der römischen Armee zu sichern, war das Einführen einer Agrarreform unabdingbar.

[...]


1 MOMMSEN, Theodor, Könige und Konsuln. Die Caesaren (Römische Geschichte in zwei Bänden, Bd. 1), (Bearb. v. Leonhardt, Herbert Gütersloh, s.d.) S. 471.

2 Vgl. hierzu: MOMMSEN, Könige und Konsuln (Anm. 1), S. 471f.

3 DREYER, Boris: Die Innenpolitik der Römischen Republik. 264-133 v. Chr. Darmstadt 2006, S.121.

4 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121.

5 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121.

6 Vgl. hierzu: DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121f.

7 Vgl. hierzu: MOMMSEN, Könige und Konsuln (Anm. 1), S. 471f.

8 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S.

9 Vgl. hierzu: DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121f.

10 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 125.

11 Vgl. hierzu: KORNEMANN, Ernst, Römische Geschichte. Erster Band, Die Zeit der Republik (Kröners Taschenausgabe, Bd. 132), München 1938 (Bearb. v. Bengston, Hermann Stuttgart, ⁷1977), S. 375. Dieses Zitat untermauert die Missstände: „ Die Männer aber, die für Italien kämpfen und sterben, haben wohl an Luft und Licht, aber an nichts anderem Anteil. Obdachlos und Heimatlos irren sie mit Weib und Kind umher.“

12 Vgl. hierzu: DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 124f.

13 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121.

14 DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121.

15 Vgl. hierzu: DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 121 u. 125.

16 Vgl. hierzu: DREYER, Innenpolitik (Anm. 3), S. 127.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656397892
ISBN (Buch)
9783656398325
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211712
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg
Note
15/20
Schlagworte
Tiberius Gracchus Rom Geschichte Antike Reform Agrar lex Sempronia agraria Ackergesetz Gracchen Agrarkrise Republik reformversuch senat land landverteilung

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