Lade Inhalt...

Die Slawen in Mitteldeutschland. Entwicklungstendenzen der Sozial- und Gesellschaftsstruktur in den östlichen Marken

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einwanderung

3. Siedlungsformen:

4. Soziale Organisation

5. Ostbesiedlung und Folgen für die Slawen:

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die slawischen Stämme und Völkerschaften, über die hier berichtet werden soll, hatten eine bewegte Geschichte. Der Prozess des Übergangs von den Verhältnissender späten Urgesellschaft zur feudalen Klassengesellschaft bestimmte das historische Geschehen“[1]

Die Slawen sind, entgegen lang angenommener Vermutungen, eng mit dem deutschen Volk verbunden und ein wesentlicher Bestandteil für den ostdeutschen Entwicklungsprozess im Mittelalter.

Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, diese These zu untersuchen und, wenn möglich, zu bestätigen. Hierbei soll im Einzelnen auf die Bedingungen der Einwanderung in die östlichen Marken und die Ansiedlung in den selbigen eingegangen werden. Danach wird das Leben der Slawen im Allgemeinen untersucht, wobei besonderer Wert auf den sozialen Aspekten liegen wird. Es soll das soziale Zusammenleben untereinander, in den Stämmen, aber auch mit der bereits ansässigen Bevölkerung beleuchtet werden. Abschließend soll das Leben der Slawen nach der Ostexpansion ab dem 12. Jahrhundert betrachtet und beurteilt werden. Der Betrachtungszeitraum wird vom 6. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert festgesetzt. Das Untersuchungsgebiet ist das östliche Elbe-Saale-Gebiet.

Auf den letzten Punkt soll der Schwerpunkt gelegt werden. Der vorherige Teil soll daher eine Einführung in die Slawenwelt geben und erklären, wie sich dieses Volk im Laufe von mehr als acht Jahrhunderten behauptet und entwickelt hat. Am Schluss sollen die Anfänge mit den Ergebnissen aus dem 14. Jahrhundert verglichen und die Entwicklungen aufgezeigt werden, die sich über die Jahrhunderte ergeben haben.

2. Einwanderung

Die Einwanderung der als Slawen zusammengefassten Stämme beginnt im 6. Jahrhundert. Hier muss man den Begriff „Slawen“ bereits das erste Mal einschränken. Es handelt sich bei den einwandernden Stämmen um die Westslawen, da sie von ihrem angestammten Besiedlungsgebiet, im heutigen Polen und Tschechien, zwischen Weichsel und Dnestr, begrenzt von den Karpaten im Osten[2], westwärts in die östlichen Marken des deutschen Reiches einzogen. Namentlich lassen sich hier einige Stämme und deren Niederlassungsorte nennen:

- Milzener (Lausitz)
- Lusitzi (Lausitz)
- Heveller (Havel)
- Wilzen (Mecklenburg- Vorpommern)
- Abodriten (Mecklenburg-Vorpommern)
- Obodriten (Mecklenburg-Vorpommern)

An den Ansiedlungsgebieten lässt sich bereits ablesen, dass sich die Stämme schnell aufteilten und sich verschiedene Siedlungsgebiete suchten. Der Weg aus dem Osten war jedoch immer der Gleiche: Sie bewegten sich, aus Osten und Südosten kommend, entlang der großen Flüsse, der Elbe, der Oder und der Donau. Hier stießen sie auf die fruchtbaren Böden, z.B. im Elbe-Saale-Mulde-Delta. Dieses Gebiet war weitestgehend unbesiedelt, die Siedlungen der germanischen Bevölkerung endete östlich der Saale, hier lebten nur vereinzelt einige Warnen.[3]

Einige Stämme, wie die Obodriten, zogen nun im Laufe des 7. Jahrhunderts über die Elbe weiter nach Norden und siedelten sich schließlich im Westen des heutigen Mecklenburg an. Sie kamen dabei durch die Gebiete der Altmark, die sich jedoch aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht für den Ackerbau eignete, weshalb hier die Landnahme erst etwas später, im 8. Jahrhundert begann[4]. Die großen Flüsse bildeten dabei jeweils die Herrschaftsgrenzen, die Slawen kamen nur sehr vereinzelt und ohne großen Erfolg über die westlichen Flussufer der Elbe oder Saale hinaus und auch die Germanen, die es mehr als einmal probierten, hatten doch bis ins 10. Jahrhundert hinein keinen dauerhaften Erfolg in der Landnahme[5].

Doch auch wenn die Gebiete, in denen sich die Slawen ansiedelten, dünn besiedelt waren, so waren sie nicht menschenleer[6]. Östlich der Saale lebten noch vereinzelte Stammesmitglieder der germanischen Warnen.[7] Es stellt sich also die Frage, wie die aufeinandertreffenden Völker aufeinander reagierten.

Der Platz, der zum Besiedeln blieb, war beengt. Riesige Urwälder machten Roden mühsam und schieden die einzelnen Besiedlungsfelder voneinander. (Slawen in Deutschland, S. 18-20). Die gerade angekommenen Slawen machten sich also den bereits vorhandenen Platz zu Eigen und bauten ihre Hütten auf verlassenen Germanensiedlungen auf oder stellten ihre Dörfer und Weiler direkt neben germanische.[8] Diese erste Kontaktaufnahme scheint größtenteils friedlich von statten gegangen zu sein. Einige Hinweise auf friedliches Miteinanderleben sind die vielen slawischen Orts- und Gewässernamen, die es teilweise heute noch gibt. So lässt sich beispielsweise der Name der Spree auf das slawische Wort Spreva und für die Oder auf das slawische Wort Obla oder Odra zurückführen. Ähnlich verhält es sich mit den Namen vieler Siedlungen und Dörfer. Einen sprachlichen Austausch zwischen Germanen und Slawen muss es also in jedem Fall gegeben haben. Hierbei muss beachtet werden, dass dies nicht einseitig war, sondern dass beide Völker neue Worte und Bezeichnungen des jeweils anderen übernahmen.[9] Man kann von der Annahme ausgehen, dass es auch gemischte Dörfer mit sowohl germanischen als auch slawischen Bewohnern gegeben hat, einzelne Ausgrabungsfunde legen dies nahe.[10]

3. Siedlungsformen

Burgen wurden bei den Slawen von Anfang an, d. h. schon direkt nach ihrer Landnahme im 6. Jahrhundert in den östlichen Marken, gebaut. Sie dienten damals jedoch nicht als ständiger Wohnsitz einer Herrscherfamilie oder des Häuptlings. Das lässt sich von der Tatsache ableiten, dass bei Ausgrabungen innerhalb des Burgwalls keine nennenswerten größeren Gebäude nachgewiesen werden konnten, die als Wohnraum hätten dienen können.[11] Die Dauernutzung setzte sich erst mit Herauskristallisierung von Fürstenhäusern ab dem 9. Jahrhundert und der damit verbundenen Ständegesellschaft durch.[12]

Die hauptsächliche Siedlungsform war der Weiler oder der Zusammenschluss mehrerer dieser Weiler zu kleinen Dörfern. Da die Slawen Landwirte und Viehzüchter waren, war es für sie sinnvoller, sich direkt auf ihrem Land und in Nähe zu ihrem Vieh zu befinden. Die Slawen führten mit der Landnahme im 6. Jahrhundert eine Siedlungsform ein, die sich sogar die Siedler aneigneten, als sie den Osten im 12. Jahrhundert wieder besiedelten – den so genannten „Rundling“. Der Name verrät hier bereits die zu erwartende Form: die Häuser werden im Kreis, also rund, angeordnet. Es gab auch hier nur eine Öffnung, die nachts mit einem Tor verschlossen werden konnte. So war auch das Dorf leicht zu verteidigen, zumal es genau wie die Burg vorzugsweise an schlecht zu erreichenden Stellen, beispielsweise Landzungen, Inseln oder in moorigen Gebieten, errichtet wurde und somit schon ein natürlicher Schutz gegeben war. Zusätzlich umgab das Dorf oft noch eine hohe Hecke.[13] Dies gab dem Dorf bereits einen burgenähnlichen Charakter, wenn auch bei weitem nicht so stark befestigt.[14] Geöffnet war das Dorf dabei immer hin zur Wasserquelle.[15]

Der Rundling kannte verschiedene Ausprägungsformen, so gab es unter anderem den Halbrundling, der konsequenterweise nur eine halbrunde, hufeisenförmige Form hatte.[16] Da die Slawen keine Vorratshaltung im großen Stil kannten, benötigten sie keine Scheunen, Lagerhäuser oder Ställe. Das Vieh wurde ganzjährig draußen gehalten und des Nachts auf dem Dorfplatz zusammengetrieben. Zudem begann hinter jedem Haus das jeweilige Ackerland des Bauern. Diese Art der Landwirtschaft machte die Slawen flexibel in ihrem Standort, sie konnten jederzeit weiterziehen und ihre aus Holz und Lehm gebauten Häuser an anderer Stelle wieder errichten. So ließ es sich in Dessau-Mosigkau rekonstruieren, der einzigen Dorfstelle, die aus der Einwanderungszeit im 6. Jahrhundert festgestellt werden konnte.[17]

[...]


[1] Herrmann, Joachim: Die Slawen in Deutschland: Geschichte und Kultur der slawischen Stämme westlich von Oder und Neiße vom 6. Bis 12. Jahrhundert; ein Handbuch, Berlin 1985, S. 1.

[2] Vgl. Herrmann, Joachim: Welt der Slawen: Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Leipzig 1986, S. 21.

[3] Vgl. U. a. Eichler, Ernst: Das Verhältnis zwischen slawischen Einwanderern und germanischer Restbevölkerung., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 35.

[4] Vgl. Walther, Hans: Die Ausbreitung der slawischen Besiedlung westlich von Elbe/Saale und Böhmerwald., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S.42.

[5] Vgl. ebenda, S. 36-38.

[6] Vgl. Higounet, Charles: Die deutsche Ostbesiedlung im Mittelalter, Berlin 1986, S. 32.

[7] Vgl. Eichler, Ernst: Das Verhältnis zwischen slawischen Einwanderern und germanischer Restbevölkerung., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 33.

[8] Vgl. Walther, Hans: Die Ausbreitung der slawischen Besiedlung westlich von Elbe/Saale und Böhmerwald., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 36.

[9] Vgl. U. a. Eichler, Ernst: Das Verhältnis zwischen slawischen Einwanderern und germanischer Restbevölkerung., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 33-35.

Vgl. Walther, Hans: Die Ausbreitung der slawischen Besiedlung westlich von Elbe/Saale und Böhmerwald., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 36, S. 43.

Vgl. Herrmann, Joachim: Slawen und Baiern im Donaugebiet., in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 44.

[10] Vgl. Herrmann, Joachim, 1985, S. 36.

Vgl. Gerlinde Schlenker: Bäuerliche Verhältnisse im mittleren Elbe- und Saalegebiet vom 12. bis 15. Jahrhundert, Halle an der Saale 2000, S. 87.

Vgl. Higounet, Ch., 1980, S. 32.

[11] Vgl. Herrmann, Joachim; Coblenz, Werner: Burgen und Befestigungen, in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 207.

[12] Vgl. ebenda, S.187.

Vgl. Herrmann, Joachim; Engel, Evamaria: Gesellschaftliche und politische Struktur, in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 253.

[13] Ostbesiedlung im Mittelalter, S. 257.

[14] Vgl. Herrmann, Joachim; Coblenz, Werner: Burgen und Befestigungen, in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 187-188.

[15] Vgl. Herrmann, Joachim: Siedlungsweise und Siedlungsform, in: Herrmann, Joachim (Hrsg.): Slawen in Deutschland, Berlin 1985, S. 163.

[16] Vgl. ebenda, S. 164.

[17] Vgl. ebenda, S. 162-163.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656403265
ISBN (Buch)
9783656406228
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211646
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
slawen mitteldeutschland entwicklungstendenzen sozial- gesellschaftsstruktur marken

Autor

Zurück

Titel: Die Slawen in Mitteldeutschland. Entwicklungstendenzen der Sozial- und Gesellschaftsstruktur in den östlichen Marken