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Alterssicherungssysteme im Vergleich. Das demografische Risiko beim Umlageverfahren und beim Kapitaldeckungsverfahren

Seminararbeit 2013 27 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die gesetzliche Rentenversicherung
2.1 Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung
2.2 Vorteile des Umlageverfahrens
2.3 Nachteile des Umlageverfahrens

3. Das Kapitaldeckungsverfahren
3.1 Funktionsweise des Kapitaldeckungsverfahrens
3.2 Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens
3.3 Nachteile des Kapitaldeckungsverfahrens

4. Die Alterssicherungssysteme und das demografische Risiko
4.1 Der demografische Wandel in Deutschland
4.2 Analyse der Alterssicherungssysteme hinsichtlich des demografischen Risikos

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionsweise des Umlageverfahrens

Abbildung 2: Funktionsweise des Kapitaldeckungsverfahrens

Abbildung 3: Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 2010 - 2060

1. Einleitung

Das von Norbert Blüm, dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung der CDU, geprägte Zitat „Die Renten sind sicher“ suggerierte im Wahlkampf 1986 eine Sicherheit der gesetzlichen Rentenversicherung, die schon damals nicht mehr gegeben war.[1] Zwar können Anspruchsberechtigte auch heute noch relativ sicher sein, Leistungen aus dem gesetzlichen Alterssicherungssystem in Deutschland zu erhalten, wie hoch diese ausfallen, ist jedoch ungewiss. Eine Altersstruktur, in der immer weniger junge Menschen nachrücken und die sich immer mehr in Richtung älterer Generationen bewegt, setzt die sozialen Sicherungssysteme zunehmend unter Druck.[2]

In Diskussionen und politischen Debatten zu diesem Thema wird immer wieder ein Wechsel vom Umlageverfahren, mit welchem die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland finanziert wird, hin zum Kapitaldeckungsverfahren thematisiert und oft auch als die Optimallösung hinsichtlich des demografischen Wandels dargestellt.[3] Mit der als „Riester-Reform“ bezeichneten Rentenreform im Jahr 2001 wurde bereits ergänzend zur gesetzlichen Rentenversicherung eine freiwillige, kapitalgedeckte Altersvorsorge eingeführt. Damit erfolgte ein Paradigmenwechsel: die gesetzliche Rentenversicherung wurde von nun an nicht mehr als System gesehen, welches allein in der Lage sein muss, den Lebensstandard im Alter zu sichern.[4]

Welche Vor- und Nachteile beide Verfahren bieten und inwiefern sich das zunehmende demografische Risiko in Deutschland auf diese Systeme auswirkt, soll Gegenstand dieser Ausarbeitung sein. Dazu wird nach dieser Einleitung zunächst die grundlegende Funktionsweise des Umlageverfahrens in Kapitel 2 und des Kapitaldeckungsverfahrens in Kapitel 3 mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen erläutert. Anschließend erfolgt in Kapitel 4 eine Analyse beider Verfahren hinsichtlich des demografischen Risikos. In Kapitel 5 erfolgt dann abschließend ein Fazit zur Fragestellung, ob das demografische Risiko beim Umlageverfahren größer ist als beim Kapitaldeckungsverfahren.

2. Die gesetzliche Rentenversicherung

2.1 Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist eine staatlich organisierte Absicherung gegen finanzielle Einbußen, die dadurch entstehen, dass die Erwerbsfähigkeit der Versicherten nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt vorhanden ist. Die Hauptaufgaben der Rentenversicherung umfassen: Rehabilitationsleistungen, Renten- und Zusatzleistungszahlungen, Beitragszahlungen zur Kranken- und Pflegeversicherung von Rentnern sowie Beratungsleistungen.[5]

In der Bundesrepublik Deutschland ist die staatliche Rentenversicherung, als Zweig der Sozialversicherung, nach dem Umlageverfahren, welches in § 153 SGB VI geregelt ist, organisiert. Beim Umlageverfahren werden die Zahlungen der Rente laufend aus den aktuellen Einnahmen der Träger der Rentenversicherung vorgenommen.[6] Dies bedeutet, dass die Beiträge, die in einem Kalenderjahr von den Versicherten und den Arbeitgebern erbracht werden, auch in diesem Kalenderjahr an die Bezugspersonen ausgezahlt werden.[7] Reichen diese Einnahmen nicht aus, so muss die Finanzierungslücke durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen werden.[8] Damit die aktuellen Beitragszahler auch sicher gehen können, dass sie ebenfalls abgesichert sind wenn sie anspruchsberechtigt sind, existiert der sog. Generationenvertrag. Dieser stellt einen verfassungsrechtlich geschützten Anspruch auf Leistungen aus der Rentenversicherung dar. Die zurzeit im Berufsleben stehende Generation (t) finanziert also jeweils immer die Renten (At-1) der sich aktuell im Ruhestand befindenden Generation (t-1) und nicht die eigene Alterssicherung (At). Sie kann aber, verfassungsrechtlich abgesichert, darauf vertrauen, dass, wenn sie selbst rentenbezugsberechtigt ist (Altersphase At), diese Renten wiederum von der dann arbeitenden Generation (t+1) finanziert werden.[9] Bevor nun in den beiden folgenden Kapiteln die Vor- und Nachteile des Umlageverfahrens betrachtet werden sollen, wird in Abbildung 1 noch einmal die Funktionsweise dieses Verfahrens veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionsweise des Umlageverfahrens[10]

2.2 Vorteile des Umlageverfahrens

Grundsätzlich ist ein Vorteil des bzw. eines Umlageverfahrens, dass es ab dem ersten Tag seiner Einführung funktioniert. Es muss also nicht erst über einen längeren Zeitraum eine Kapitalsumme angesammelt werden, wie dies etwa beim Kapitaldeckungsverfahren der Fall wäre. Ab dem Zeitpunkt der Einführung können also bereits Auszahlungen vorgenommen werden. Ein Vorteil, den das Umlageverfahren bietet, ist weiterhin, dass es unabhängig vom Finanzmarkt ist. Das bedeutet, dass dieses Verfahren von unweigerlich eintretenden Schwankungen des Zins- und Renditeniveaus nicht beeinflusst wird.

Die Ausdehnung des Systems (und damit eine gewisse Flexibilität) ist relativ problemlos möglich, solange die Bevölkerung bzw. die Zahl der Erwerbstätigen wächst und in einem entsprechenden Verhältnis zu den Leistungsbeziehern steht. (Ein finanzielles Gleichgewicht des Systems besteht, wenn die Einnahmen die Ausgaben mindestens decken, besser jedoch überschreiten.)[11] Dies wurde nach der Wiedervereinigung mit den Bürgern der DDR bewiesen, auch wenn hier als Kritik oft die gestiegenen Bundeszuschüsse durch den Staat genannt werden.[12]

Das Umlageverfahren ist, wie bereits erwähnt, an die laufenden Einkommen angebunden und daher auch größtenteils gegen Inflationseinflüsse resistent. Es enthält zudem Komponenten, die einen sozialen Ausgleich über verteilungs- und arbeitsmarktpolitische Instrumente (Umverteilungen) ermöglichen. So werden beispielsweise während einer Zeit der Arbeitslosigkeit eines Beitragszahlers, dessen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung von der Arbeitslosenversicherung entrichtet. Außerdem richtet sich die Höhe der Altersrente eben nicht nur nach den Beträgen, die eingezahlt wurden. So können auch beispielsweise die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen berücksichtigt werden.[13]

Einen entscheidenden Vorteil bietet das Umlageverfahren auch hinsichtlich der Absicherung. Es ermöglicht nämlich auch die Absicherung von nicht absehbaren Gefahren, wie z.B. die Frühinvalidität. Hier können dann Erwerbsunfähigkeitsrenten gezahlt werden, die über das Umlageverfahren finanziert werden.

Beim Umlageverfahren existiert, abgesehen von einer „Schwankungsreserve“, kein Kapitalbestand.[14] Dies mindert das Risiko, dass die eingezahlten Gelder zweckentfremdet verwendet werden. Ebenso ist eine Reduzierung des Kapitals durch eine ungünstige Entwicklung einer Anlage am Finanzmarkt (Investitionsrisiko) damit ausgeschlossen.

2.3 Nachteile des Umlageverfahrens

Ein entscheidender Nachteil des Umlageverfahrens ist, dass dieses System von der demographischen Entwicklung der Bevölkerung abhängig ist. Verringert sich die Zahl der Rentenbeitragszahler, wie dies aktuell der Fall ist, müssen immer mehr Rentenbezieher von einer sinkenden Zahl an Beitragszahlern finanziert werden.[15]

Aktuell beträgt das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenbeziehern in Deutschland etwa 3,5 : 1 und ein weiteres Absinken auf ein Verhältnis von 1,7 : 1 in der Zukunft wird prognostiziert. Dies bedeutet, dass 1,7 Beitragszahler dann zukünftig die Rentenzahlungen für 1 Rentner aufbringen müssten. Die Tatsache, dass weniger Beitragszahler eine relativ hohe Zahl Rentner finanzieren, führt zwangsläufig entweder zu höheren notwendigen Beitragszahlungen zur Rentenversicherung oder aber zu geringeren Auszahlungen (Renten). Ein Kompromiss aus beiden Varianten stellt hier einen weiteren möglichen Ansatz dar.[16] Auch die Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung und damit auch der Beschäftigung ist als ein Nachteil des Umlageverfahrens anzuführen. Eine Abnahme der Zahl der Erwerbstätigen, beispielsweise durch Entlassungen in Zeiten einer Rezession, und ein damit einhergehendes ungünstigeres Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenbeziehern haben unmittelbare Auswirkungen. So müssen als Konsequenz auch hier entweder die Beiträge zur Rentenversicherung erhöht oder die Rentenzahlungen verringert bzw. ein Kompromiss aus diesen beiden Möglichkeiten angestrebt werden.[17] Sowohl bei der demographischen Entwicklung als auch bei der konjunkturellen Abhängigkeit des Systems wird deutlich, dass ein ausreichendes Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern notwendig ist, damit das Umlagesystem funktioniert.

[...]


[1] Vgl. Deutscher Bundestag (2012), o.S.

[2] Vgl. Schmeisser/Bischoff (2003), S. 1.

[3] Vgl. Walla et al. (2006), S. 163.

[4] Vgl. Lueg et. al (2003), S. 4.

[5] Vgl. Deutsche Rentenversicherung (2010a), o.S.

[6] Vgl. Deutsche Rentenversicherung (2010b), o.S.

[7] Vgl. § 153 Abs. 1 SGB VI.

[8] Vgl. § 153 Abs. 1 und 2 SGB VI.

[9] Vgl. Deutsche Rentenversicherung (2010b), o.S; Deutsche Rentenversicherung

(2010c), o.S.

[10] Werner (2009), S. 40; Schacht (2003), S. 209.

[11] Vgl. Ruff (2002), S. 113.

[12] Vgl. Wagner (2001), S. 2.

[13] Vgl. Ruff (2002), S. 115; Deutsche Rentenversicherung (2012), S. 7 ff.

[14] Vgl. Ruff (2002), S. 113.

[15] Vgl. Schmähl (2004), S. 109; Ruff (2002), S. 116.

[16] Vgl. Wagner (2001), S. 2.

[17] Ebd.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656393894
ISBN (Buch)
9783656394600
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211386
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Sozialpolitik Rente Umlageverfahren Kapitaldeckungsverfahren Die Rente ist sicher Demografischer Wandel Generationenvertrag Alterssicherungssysteme Vergleich Wirtschaftspolitik Demografisches Risiko Alterung Überalterung gesetzliche Rentenversicherung Vorteile Nachteile Bevölkerungsentwicklung Deutschland BWL Politik

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Titel: Alterssicherungssysteme im Vergleich. Das demografische Risiko beim Umlageverfahren und beim Kapitaldeckungsverfahren