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Gesellschaft in filmischen Dystopien als Systemversagen anhand der Filme "V wie Vendetta", "Sin City" und "I am Legend"

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Vorgehen bei der Ausarbeitung
1.3. Begriffsdefinitionen

2. Annäherung an den dystopischen Film
2.1. Systemversagen in der Dystopie

3. Drei Beispiele dystopischer Verfilmungen von 2007, 2006 und 2005
3.1. I am Legend (2007)
3.2. V wie Vendetta (2006)
3.3. Sin City (2005)

4. Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Von der romantisierenden Ansicht, dass „die wahre Bedeutung des Kinos im Reich der Träume liegt“ (Pierre-Quint 1927: 24) scheint auch heute noch ein großer Reiz auszugehen. Besonders die Ungewissheit über das Leben in der Zukunft und alternative Gesellschaftsentwürfe beflügelte im Laufe der Geschichte die Phantasie vieler Kreativer und liefert bis heute den Stoff, aus dem Filmutopien gemacht werden. Folgt man den Spuren der Filmgeschichte, so schien Autoren und Regisseuren dabei allerdings die Auseinandersetzung mit der optimistischen Utopie des Friedens und der Gerechtigkeit wenig reizvoll erschienen zu sein. Vielmehr erzählen viele Filme von alptraumhaften Gesellschaften, in denen Unterdrückung und Ungerechtigkeit an der Tagesordnung sind. Einige der bekanntesten Filmvorlagen sind die negativ-utopischen Romanklassiker A Clockwork Orange (1962), 1984 (1949) und Brave New World (1932) (vgl. Zirnstein 2006). Nun sind sowohl die Romane als auch deren Verfilmungen mehrere Jahrzehnte her. Welche negativen Utopien hat die Filmgeschichte der letzten 20 Jahre hervorgebracht?

1.1. Fragestellung

Die vorliegende Arbeit analysiert die in drei Filmen aus den Jahren 2007, 2006 und 2005 präsentierten Gesellschaftsentwürfe, die aus Buchvorlagen der 1980/90er Jahre schöpfen. Hierbei soll die konkrete Auseinandersetzung mit negativ-utopischen Gesellschaftsentwürfen anhand der Filme V wie Vendetta, Sin City und I am Legend geschehen. Was macht Gesellschaft in diesen Filmen aus und wie ist sie strukturiert?

1.2. Vorgehen bei der Ausarbeitung

Nach der Einleitung in die Thematik, der Ausformulierung forschungsrelevanter Fragen und Begriffsdefinitionen folgt der Kernabschnitt. Hier schließt sich einer Annäherung an den negativ-utopischen Film eine Erläuterung der negativen Utopie aus systemtheoretischer Sicht an. Es folgt die Vorstellung der drei Verfilmungen. Im Schlussteil werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick auf weitere Fragen zum Thema gegeben.

1.3. Begriffsdefinition en

Im Duden Herkunftswörterbuch steht unter dem Begriff der Utopie folgendes:

„Utopie ‚als undurchführbar geltender Plan, nicht realisierbare Idee; Zukunfts-, Wunschtraum, Hirngespinst‘: Das seit dem frühen 19. Jh. gebräuchliche Fremdwort ist – vermutlich unter dem Einfluss von gleichbed. frz. utopie – aus älterem Utopia (auch: Utopien) ‚erdachtes Land, Traumland, in dem ein gesellschaftlich-politischer Idealzustand herrscht‘ aufgekommen. ‚Utopia‘ wurde im 16. Jh. aus gelehrtenlat. Utopia übernommen, nach dem Titel eines 1516 erschienenen Werkes des englischen Humanisten Thomas Morus (1478-1535), in dem das Bild eines republikanischen Idealstaates entworfen wird. Das Wort ist eine Bildung zu griech. ou ‚nicht‘ und griech. tópos ‚Ort, Stelle, Land‘ und bedeutet demnach eigentlich ‚Nichtland, Nirgendwo‘“ (Drosdowski 1989: 774-775).

Wenn im Folgenden von negativen Utopien als Umkehrung eines Idealzustandes die Rede sein wird, soll in Anlehnung an Zirnstein (2006) dem Begriff der Dystopie gegenüber dem Begriff der negativen Utopie aus sprachlichen Gründen der Vorzug gegeben werden.

2. Annäherung an den dystopischen Film

Zu negativen Utopien, Dystopien genannt, merkt Zirnstein an:

„Das politisch-utopische Denken der Moderne, das sich spätestens seit Herbert George Welles gegen sich selbst richtet, hat noch einen weiteren Strang hervorgebracht, der die beunruhigenden Tendenzen ihrer Zeit weiter spinnt und auskundschaftet, die sogenannte Dystopie, die im 20. Jahrhundert besonders für das Medium Film zunehmend an Bedeutung gewinnt“ (Zirnstein 2006: 42).

An der Beeinträchtigung utopischen Denkens waren gesellschaftliche Faktoren wie unter anderem der wissenschaftliche Fortschritt (vgl. Booker 1994: 5), die beiden Weltkriege und wirtschaftliche Krisen (vgl. Zirnstein 2006: 42/43) beteiligt. Vor diesem Hintergrund wurden spätere Versuche, der desillusionierten Öffentlichkeit positive Zukunftsentwürfe zu präsentieren, von kritischen Stimmen als Eskapismus stigmatisiert (vgl. Booker 1994: 2). Die Konsequenz ist, dass in der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts an die Stelle herkömmlicher Philosophie Dystopien und Ideologien treten, in denen sich die durch negative Erfahrungen geschürte Angst vor zukünftigen Entwicklungen ausdrückt (vgl. Zirnstein 2006: 43). Beim „Siegeszug“ der dystopischen Filmhandlung darf jedoch nicht der Einfluss der Unterhaltungsfunktion des Films als Produkt des „Leistungssystem[s] […] Unterhaltung“ (Görke 2002: 65) vergessen werden: Ein erhöhtes Vorkommen dystopischer Gesellschaftsentwürfe könnte schlicht in deren erhöhtem Unterhaltungspotenzial begründet sein, denn eine problemfreie Welt bietet kein für eine spannende Handlung notwendiges Konfliktlösungspotenzial, außer die Problemfreiheit wird als problematisch empfunden, was die positive Utopie jedoch wieder zur Dystopie macht.

Der dystopische und positiv-utopische Film können gleichermaßen Zerr- beziehungsweise Spiegelbild der Realität oder ihrer Elemente, aber auch Illusion im Sinne eines guten oder bösen Traumes sein (vgl. Kroner 1973: 12). Dieser Ansatz weist auf die Verankerung des Films in den jeweiligen aktuellen beziehungsweise historischen gesellschaftlichen Verhältnissen hin und zeigt, wie eng Realität und Fiktion miteinander verwoben sind und einander aufarbeiten. Es scheint, da in allen verfilmten Utopien ein realpolitischer Zusammenhang sichtbar ist (vgl. Zirnstein 2006: 181), als würden sie sich folgenden Leitsatzes bedienen: „Nur wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart. Ohne Geschichte keine Zukunft“ (Zit. nach Hickethier 1989: 7). Obwohl vieles in der Dystopie anders funktioniert als in der jetzigen oder historischen Wirklichkeit, sind in ihr daher bekannte Strukturen ausmachbar. Manchmal spielen sich im Rahmen dieser Strukturen Handlungen ab, die durch reale Vergangenheit inspiriert wurden, manchmal sind es neuartige Szenarien wie beispielsweise die Ankunft Außerirdischer. Wobei auch hier immer Bezüge zur Vergangenheit gezogen werden können, wenn man in diesem Fall beispielsweise die entfernt verwandte Ankunft der Europäer in Südamerika heranzieht.

Bei der Untersuchung fiktiver Gesellschaften kann man sich somit anhand von Kriterien orientieren, die der Gesellschaft wie wir sie kennen immanent sind. Die systemtheoretische Perspektive beschreibt einige der für die Bewertung der Funktionsweise dystopischer Gesellschaftsentwürfe notwendigen Kriterien.

2.1. Systemversagen in der Dystopie

Aus systemtheoretischer Perspektive definieren sich moderne Gesellschaften dadurch, dass sie funktional in verschiedene Teilsysteme differenziert sind (vgl. Gerhards/Neidhardt 1991: 35). Diese Systeme zeichnen sich durch unterschiedliche Sinnorientierungen und Strukturen aus und sind auf unterschiedliche Bezugsprobleme der Gesellschaft spezialisiert: „Wirtschaft, Wissenschaft, Familie, Erziehungssystem, Recht, Politik, Kunst und Gesundheit“ (Gerhards/Neidhardt 1991: 36) sind demnach autonome Systeme, die spezifische Funktionen anhand von systemeigenen Kriterien erfüllen. Strukturell werden diese Teilsysteme durch einen Code oder durch Organisationen mit Leistungs- und Klientelrollen charakterisiert (vgl. Gerhards/Neidhardt 1991: 36/37). Gerhards/Neidhardt stellen hierbei eine übergeordnete und doppelte Sonderstellung des politischen Systems fest, das sowohl als Problemadressat als auch als Problemlösungssystem agiert (vgl. Gerhards/Neidhardt 1991: 37). Diese Machtposition mit der Lizenz zur „Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen“ (Gerhards/Neidhardt 1991: 37) ist verbunden mit der Problematik einer Systemkontrolle, die in der Demokratie durch die „[…] Bindung der Entscheidungsträger an die Meinungen und Wünsche der Bürger“ (Gerhards/Neidhardt 1991: 38) gewährleistet wird. Agieren die Bürger nicht als Kontrollinstanzen, kommt es aus demokratischer Perspektive zu einem politischen Systemversagen, das zu Problemen für die anderen Teilsysteme und ernstzunehmenden gesellschaftlichen Konsequenzen führt. Als ein Beispiel für politisches Systemversagen mit Einfluss auf alle anderen Teilsysteme kann der Film V wie Vendetta (vgl. Kap. 3.2.) gesehen werden. In I am Legend (vgl. Kap. 3.1.) geht die totale gesellschaftliche Veränderung vom Wissenschafts- beziehungsweise Gesundheitssystem aus, was zeigt, dass der entscheidende Einfluss auch von einem anderen Teilsystem als dem politischen ausgeübt werden kann . Sin City (vgl. Kap. 3.3.) zeichnet ein fehlerhaftes politisches und Rechtssystem aus. Die Dystopie wird somit aus unserer Perspektive durch Systemversagen gekennzeichnet: Die Teilsysteme der Welt wie wir sie kennen sind inexistent, funktionieren nicht oder nur unbefriedigend.

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Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656390718
ISBN (Buch)
9783656391623
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211328
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
gesellschaft dystopien systemversagen Topic_Dystopien

Autor

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