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“Gossip der Postmoderne“– Welche Bedeutung hat das Handy für junge Frauen der Großstadt Wien?

Eine Gruppendiskussion zu ausgewählten Szenen aus der Großstadtserie Sex and the City

Forschungsarbeit 2012 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Erkenntnisinteresse

Theorie

2 Von der Moderne zur Postmoderne
2.1 Medienkultur vs. Mediengesellschaft
2.2 Vom kommunikativen Handeln zum telekomm. Handeln

Forschungsstanda

3 Klatsch & Tratsch
3.1 Mobile Gossip

Empirischer Teil

4 Forschungsfragen und -design
4.1 Szenen und Probandinnenreaktionen

5 Resumée und Ausblick

6 Bibliographie

Anhang

7 Leitfaden für die Gruppendiskussion 2012-07-15
7.1 Exemplar eines Teilnehmerinnenblattes

1 Einleitung und Erkenntnisinteresse

„ You can only see and observe a certain amount. With gossip you can know about 100,000 people without knowing them. “ (Macrae: 2009)

Mit der Entwicklung zum Homo erectus wurde die Sprache immer zentraler für den sozialen Zusammenhalt. Die Größe der zusammenlebenden Gruppen schrumpfte mehr und mehr - die körperliche Fellpflege verlor, und die Sprache gewann an sozialer Bedeutung. Der Inhalt des Gesprochenen wurde weitgehend mit sozialen Informationen gefüllt: Gossip war “geboren“ (vgl. Dunbar 20026: 115). Etwa 1990 Jahre später wurde dann ein flächendeckende Technologie erweitert, mit Hilfe deren das Gossipen raum-zeitlich erleichtert werden konnte: Das Handy.

Das mobile Telefon entwickelte sich in kurzer Zeit rasch zum Allzweckgerät - vom Prestigeobjekt zum Massenmedium. Dabei hat es jedoch zunächst 20 Jahre gedauert bis das Mobiltelefon 1 Milliarde Nutzer zählen durfte, aber nur 40 Monate bis die zweite und nur 24 Monate bis die dritte Milliarde geknackt wurde (vgl. Lasén 2011: 84). Was danach folgte war die flächendeckende Nutzung dieser Technologie, losgelöst von örtlichen Beschränkungen. Diese Allerortnutzbarkeit ließ das Mobiltelefon zu einem Gerät werden, welches es versteht Privates mit Öffentlichen zu verschmelzen (vgl. Fallend 2010: 188). Das Mobiltelefon offenbart dabei sowohl die Möglichkeit als auch den Zwang der ubiquitären Erreichbarkeit (Höflich 2010: 97). Parallel zu dieser Entwicklung werden wir aufgrund der Schnelllebigkeit unserer modernen Gesellschaft, sowohl quantitativ als auch qualitativ in unserer sozialen Kommunikation eingeschränkt. „Mobile Gossip“ stellt dieses Gefühl der Verbindung und Gemeinschaft wieder her und hilft uns durch Anekdoten den Druck und die Entfremdung des modernen Lebens zu überwinden (vgl. Fox 2001). Die rasche Adaption des Mobiltelefons und die treibende Kraft der Informationsgesellschaft, rechtfertigen in jedem Fall die Erforschung dieser technologischen Entwicklung und seinen sozialen Folgen (vgl. Lasén 2011: 84).

Mitte der 1990er begannen dann vereinzelte Forscher sich den sozialen Aspekten der raschen Adaption des Mobiltelefons zu widmen. Eine der ersten großen nationalweiten Studien beschäftigte sich mit den sozialen Konsequenzen der rasanten Handyadaption (vgl. Katz 2006: 62). Heutige Studien gehen tiefer in die Materie und erforschen spezifische Themen, wie „Emotional Attachment and Mobile Phones“ (Vincent 2006) oder die ethischen Aspekte mobiler Kommunikation (Ling/McEwan 2010). Zahlreiche Studien zu ähnlichen sozialen Aspekten folgten, vor allem verstärkt seit 1999. Insbesondere Dr. Kristof Nyiri’s Werke und Wirken bereicherten die Community und trugen zur Erweiterung des Wirkungskreises der Wissenschaftler bei. Auch wenn heutige Studien über den technischen Wandel des Mobiltelefons hinaus publizieren, wurde das Thema „Mobile Gossip“, so wie es in diesem Werk behandelt wird, aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, noch nicht betrachtet. Kate Fox (2001) und ihr Team gelten hier als Pioniere, diese erarbeiteten die Thematik aus sozialanthropologischer Sicht (siehe Forschungsstand). Die für dieses Werk zentralen Studienergebnisse finden sich in der Niederschrift wider, helfen und haben die forschungsleitende Frage dieses Werkes geprägt.

Theorie

2 Von der Moderne zur Postmoderne

Ebenso wie es keine eindeutige Begriffsverwendung für das Nomen Medium gibt, existiert kein allgemeingültiger Konsensbegriff für die Postmoderne. Viele Wissenschafter verorten die Moderne im 20.Jahrhundert, die spätestens in den 1970er Jahren von der Postmoderne abgelöst wurde. Die folgenden postmodernen Entwicklungen seien charakterisiert durch Emotionalität und Gemeinschaftsdenken. Die postmoderne Interpretation für das Handy-Zeitalter geht davon aus, dass das was die Moderne zurück gedrängt hatte, nun eine Rennaissance erfährt.

Das Mobiltelefon fördert aber sowohl die postmodernen Entwicklungen (Informationsbeschaffung als vorwiegend außerpersönlich und technisiert; Erstarkung der massenmedial transportierte Kommunikation auf den Rücken der zwischenmenschlichen), als auch die tiefen, ursprünglichen, menschlichen Kommunikationsbedürfnisse (vgl. Nyíri 2006: 194).

„Die Mobilkommunikation [...] verspricht im Leben der postmodernen Gesellschaft einige der Eigenschaften wieder zu beleben, durch die sich früher genuine lokale Gemeinschaften auszeichneten.“ (Nyíri 2006: 194). Das Mobiltelefon verdankt seine rasche Etablierung gewissermaßen unserem menschlichen Verlangen nach sozialen Kontakten, deren Erhaltung und unserem Bedürfnis nach Inklusion in soziale Gruppen (vgl. Vincent 2006: 41). Dabei entstanden bereits vor etwa 10.000 Jahren Grundmuster für die medial vermittelte Kommunikation, nämlich phonologische, ideologische und bildliche Symbolsysteme (vgl. Nyíri 2006: 185f.). Laut Burkart kommt die ungehemmte mündliche Kommunikation in der Postmoderne, auch unter Nutzung des Handys, wieder vermehrt zu seinem Recht (vgl. Burkart 2007: 153) Die Möglichkeit des “perpetual contacts“ ist eines der wesentlichen Vorteile, fragt man Probanden nach den wichtigsten Vorteilen, die ein Handybesitz mit sich bringt (vgl. Burkart 2007: 51). „ Sie [gemeint ist die ubiquit ä re Erreichbarkeit] tr ä gt zu einer noch dichteren Vernetzung von Individuen bei, nicht nur jenseits der Situationen, in denen sie körperlich anwesend sind - das hat ja auch das alte Telefon schon ermöglicht-, sondern eben in jeder beliebigen Situation, unterwegs, im Freien, im Nirgendwo. “

(Burkart 2007: 52). Kritiker gehen dabei jedoch davon aus, dass der postmoderne Diskurs einfach nur die wiederkehrende Auseinandersetzung zwischen Aufklärung und Romantik, Vernunft und Gefühl und zwischen Universalismus und Romantik aufkeimen lässt (vgl. Burkart 2007: 154)

Anthony Townsend, amerikanischer Forscher und Spezialist im Bereich Mobilität und Urbanisierung, spricht davon, dass die allerorts Nutzbarkeit entweder dazu führt, dass wir unsere Ressourcen, vor allem Zeit, effizienter nutzen können oder aber dass ein dramatischer Anstieg der urbanen Metabolismus statt findet (vgl. Townsend 2000: 98). Der postmoderne Urbanismus ist geprägt durch Fragmentierung, das Handy darin wandelt chaotische, dezentrale in zentralisierte Netzwerke (vgl. Townsend 2000: 101).

Je mobiler die Menschen werden, desto häufiger wird jedoch auch ihre Mobilität durch Staus, Wartezeiten, Schlagen gestört. Burkart stellt die These auf, dass wir als moderne Menschen diese Wartezeiten als zunehmend sinnlos empfinden und daher versuchen diese Zeitfenster zu nutzen. Das Mobiltelefon ist hierfür ein Katalysator, er hilft Brücken zwischen den Situationen vor und nach Transport- bzw. Wartezeiten zu bauen(vgl. Burkart 2007: 59). Dabei stört der Telefonierende mehr oder weniger die Anwesenden, abhängig von der sozialen Situation in der sich der Telefonant und seine Mitmenschen befinden. Wissenschaftlich belegt stört das Handy eher in geschlossenen Räumlichkeiten und umso mehr je kleiner der Raum ist, des weiteren umso stärker je intimer das Telefongespräch ist (vgl. Burkart 2007: 87). In diversen Filmen und Serien sehen wir dieses soziale Phänomen aufgegriffen (siehe Gruppendiskussionsausschnitt: Sex and the City, Staffel 6, Folge 09: Die telefonierende Protagonistin Samantha wird in einem Restaurant vom Kellner mit den Worten „ Madam, we do not allow cellphones... “ zu Recht gewiesen.)

Anthony Townsend, Forscher und Großstadttheoretiker, unterstellt also der Postmodernen, dass sie nichts anderes ist als die Ablöse der Modernen ist und seiner Fähigkeit Kohärenz von Zeit und Raum im 20. Jahrhundert herzustellen. Im Kern hilft das Handy heutzutage dem einzelnen dabei diese Kräfte, also Zeit und Raum, alleine zu managen, ja sogar sie zu seinen Gunsten zu manipulieren, so wie dies großen Institutionen schon seit Dekaden möglich ist (vgl. Townsend 2000: 102).

Nyíri scheint postmodernpessimistisch zu eifern: „ Das Mobiltelefon ist eine Antwort auf die postmoderne Herausforderung - und zugleich verst ä rkt es nat ü rlich die fortgesetzte Dezentralisierung noch mehr. “ (Nyíri 2006: 194)

2.1 Medienkultur vs. Mediengesellschaft

Nachdem diese Arbeit nun einen akteurs-bezogenen Einstieg im Bezug auf das Handy gewählt hat, gilt es eine makroskopische Rahmung zu finden:

Aus makroperspektivischer Sichtweise ist es für diese Arbeit evident eher von einer Medienkultur als von einer Mediengesellschaft zu sprechen. Medienkultur erweist sich [...] gegenüber Mediengesellschaft als das Konzept, das dieser Arbeit einen theoretisch geeigneten Rahmen verleiht: Medienkultur ist anschlussfähig an den in dieser Arbeit implizit verstandenen Medienbegriff. Der Ansatz berücksichtigt explizit die Prozesshaftigkeit medial vermittelter Deutungsproduktion und damit symbolischer Kommunikation allgemein (vgl. Thomas/Krotz 2008: 25).

Im Kontext der zunehmenden Medialisierung bzw. Mediatisierung unseres Alltages obliegt es den Sozialwissenschaften diesen Wandel zu reflektieren. Dabei sollten nicht die technischen Strukturen der Medien im Vordergrund stehen, sondern das was die Menschen mit den Medien machen. Der Gebrauch der Medien macht Medienstrukturen zu sozialen Bindegliedern, die das Bedürfnis nach Mobilität, Transkonnektivität und sozialer Flexibilität befriedigen können (vgl. Bauer 2011: 155)

„ Zunehmend lernt die Kommunikationswissenschaft Medien weniger als technisches Instrumentarium zu begreifen, das dann Kommunikation (nicht nur technisch) ermöglicht, sondern (sozialtheoretisch geordnet) als den Ort der Vereinbarung und des nachhaltigen Vertrages im Hinblick auf wechselseitig unterstellbare (generalisierte) Erwartungen und die Erf ü llung von Erwartungen (Bauer 2011: 152). “

Nicht die Medien befinden sich im Wandel, sondern u.a. die Soziabilität die zunehmend technisch-medialen Eigenschaften aufweist (vgl. Bauer 2011: 152). Die Menschen haben Bedürfnisse nach mehr Artikulationsmöglichkeit, Nähe, sozialer Interaktion, Informationsaustausch etc. und (be-)nutzen das ihnen am geeignetsten erscheinende Medium, um diese zu befriedigen. Manchmal kann diese aktuelle „Bedürfnisbefriedigung“ soweit gehen, dass der physisch anwesende Partner vom telefonierenden Menschen für die telekommunikative Gesprächsdauer ignoriert wird. Günter Burkart spricht in dieser kommunikativen Situation nicht von einem Akt der Ignoranz, wie es auf dem ersten Blick scheinen mag, sondern von einer Art „Inszenierung des mobilen Selbst“: Der Telefonierende signalisiert allen anderen Anwesenden, dass er absent present ist. Raum und Zeit spielen in der Kommunikation kaum eine Rolle, die Ortlosigkeit und das postmoderne Nomadenleben bestimmen, überspitzt formuliert, den Mobiltelefonbesitzer (vgl. Burkart 2009: 204).

2.2 Vom kommunikativen Handeln zum telekommunikativen Handeln

Wie eingangs besprochen, setzt die Arbeit als Prämisse voraus, dass wir in einer postmodernen Gesellschaft leben. Das Wort „Postmodern“ bezieht sich in erster Linie auf die radikale Dezentralisierung und Fragmentierung der sozialen Kommunikation (vgl. Nyíri 2006: 194). Viel wurde basierend auf den Theorien der post-modernen Kommunikationsgesellschaft über die Einsamkeit, Isolation und Entfremdung des modernen, urbanen Lebens philosophiert und publiziert (vgl. Fox 2001). Im begrenzten Theorieangebot zur Kommunikationstechnologie Mobiltelefon stößt man jedenfalls auf kontradiktorische Positionen (vgl. Geser 2006: 25). Einige wenige ForscherInnen sehen das Mobiltelefon als Antagonist zu bösen, neuartigen, entfremdeten Kommunikationstechnologien (vgl. Fox 2001). Näher betrachtet, ist das Telefon sogar „regressiv“, zumindest in dem Sinne, dass es die älteste Art des verbalen Austausches unterstützt: die mündliche Kommunikation. Ambivalent fördert das Gespräch am Mobiltelefon die Abgrenzung zu anderen, mehr noch als sie dabei förderlich ist, neue Bekanntschaften zu erschließen (vgl. Geser 2006: 25fff.).

Suchen wir also nach einem theoretischen Fundament für die mediatisierte interpersonale Kommunikation, eröffnet sich uns eine kleine Herausforderung - einfache dyadische Sender-Empfänger-Kommunikationsmodelle greifen zu kurz. Auf der einen Seite befindet sich Ego, der nicht-physische Kommunikationspartner, auf der andern Seite Alter, der physisch-anwesende Partner, dazwischen steht der Dritte, gemeinsam haben sie den dritten physischen Partner, hier das Mobiltelefon. Über dieses Kommunikationsmittel werden in Abhängigkeit der interpersonalen Beziehung, dem Kontext und der Situation im übersituativen Rahmen kommuniziert (vgl. Höflich 2010: 108) bzw. mobil geklatscht. Zwar bemühen sich unterschiedliche soziologische, kommunikations- und medienwissenschaftliche Forschungsrichtungen inzwischen ernsthaft, so ist jedoch festzuhalten, dass nach wie vor noch viel zu wenig über die individuellen und sozialen Folgen der Mediatisierung der Kommunikation bekannt ist (vgl. Gebhardt 2008: 15). Mediatisierung beeinflusst das soziale bzw. kommunikative Handeln. Daher rückt hier die Frage in den Mittelpunkt, was sich wie ändert - im Alltag, Kultur und Gesellschaft (vgl. Krotz 20063: 134).

Die mediatisierte interpersonale Kommunikation kann sowohl unter den Gesichtspunkten des „Symbolischen Interaktionismus“ (Georg Herbert Mead), als auch unter der „Theorie kommunikativen Handelns“ (Jürgen Habermas) (vgl. Burkart/Hömberg 20074: 12) betrachtet werden. Auch die Uses-and-Gratifications- Forschung analysiert mediatisierte interpersonale Kommunikationstechnologien und fragt, was die Menschen mit dem Medium, hier Mobiltelefon, machen und welche kommunikationsbezogenen Gratifikationen mit diesem Medium verbunden sind (vgl. Gebhardt 2008: 49).

Scheint der Nutzen- und Belohnungsansatz auf den ersten Blick als kommunikationswissenschaftliches als ein zu banales Theorem für diese Thematik bzw. schlichtweg ein Ansatz der zu kurz greift, kann ihm doch, an Hand der Leung/Wei Studie betrachtet, ein praxisnahe a priori Erkenntnis für das Nutzungsverhalten „Mobile Gossip“ zugeschrieben werden. Leung und Wei (2000) ermittelten mittels einer Faktorenanalyse insgesamt sieben grundlegende Nutzungsdimensionen für den Handygebrauch, hier nach aufsteigender Wichtigkeit gereiht:

(7) Mode und Status (z. B. „um mit der Mode zu gehen“, „um nicht altmodisch zu wirken“ oder „um andere Menschen zu beeindrucken“)
(6) Sozio-Emotionalität („um mich meiner Familie näher zu fühlen“, „um für andere da zu sein“ oder „um sich weniger einsam zu fühlen“ etc.)
(5) Unterhaltung (bspw. „um mit anderen den neuesten Klatsch auszutauschen“, „um mir die Zeit zu vertreiben“ oder „um mich zu entspannen“)
(4) Mobilität („um nicht mehr vor einer öffentlichen Telefonzelle warten zu müssen“ oder „um anderen eine Verspätung mitteilen zu können“ usw.)
(3) ständige Erreichbarkeit (etwa „um immer und überall erreichbar zu sein“, „um in Notfällen Hilfe herbeirufen zu können“)
(2) Instrumentalität (bspw. „um geschäftliche Dinge zu erledigen“, „um Bestellungen aufzugeben“ oder „um Informationen mit anderen auszutauschen“) sowie
(1) Rückversicherung („um mich sicherer zu fühlen“, „um Termine kurzfristig verschieben zu können“ oder „um mich nach dem Wohlbefinden anderer zu erkundigen“ etc.) (vgl. Leung/Wie 2000: 312f.)

Das Handy weist einerseits idente als auch eigene Gratifikationsdimensionen im Vergleich mit dem häuslichen Telefon auf, insbesondere die sozio-emotionale Dimension und die Rückversicherung sind zu wichtigen Aspekten für den mobilen Handynutzers avanciert. Wir interagieren mit unserem Mobiltelefon, wie mit keinem anderen computer-basierten Gerät.

“ we fondle it, we clutch it in times of crisis ready to turn to it and dial for help or solace, and we know that our loved ones are doing the same, probably at the same time ” (Vincent 2006: 42).

Die Gratifikationsforschung greift dabei aber meist insofern zu kurz, indem sie kommunikationsbezogene Bedürfnisse und Mediengratifikationskalkulationen kaum gemeinsam berücksichtigt. So ruft man die Freundin nicht nur an, um Informationen auszutauschen, sondern eben auch weil man sich melden möchte, sich einsam fühlt, einen Rat einholen will (siehe Kapitel „Szenen und Probandinnenreaktionen“; Szenen „A woman’s right to shoes“ und „Catch-38“) oder einfach tratschen möchte (vgl. Gebhardt 2008: 54). Das Handy erleichtert also ebenso informelle, spontane Formen der sozialen Kooperation, nicht im Sinne des Uses-and-Gratifications-Ansatzes als Konzept nutzenmaximierender, bewusst und rational kalkulierter Mediennutzung (vgl. Gebhardt 2008: 52) und fördert so kollektiv agierende Netzwerke, die auf der untersten Ebene in soziale Interaktionen treten (vgl. Geser 2006: 36). Für die Autorin wird klar, dass Luckmann und Schütz mit ihrem Lebenskonzept und der sozialen Vermitteltheit kommunikativen Handelns handlungstheoretisch tiefer greifen, als es die Uses-and-Gratifications-Forschung scheinbar jemals vorhatte.

[...]

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656397106
ISBN (Buch)
9783656397472
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211259
Institution / Hochschule
Universität Wien – Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Note
2.0
Schlagworte
Mobile Gossip Handy Großstadt mobil Mobiltelefon Einsamkeit Großstadtphänomen Postmoderne Gruppendiskussion

Autor

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