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Tristan und Isolde - Analyse zwischen Gottfrieds von Straßburg "Tristan" und der Rezeption im Film "Tristan" von 2006

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mittelalter-Rezeption
2.1. Forschungsüberblick
2.2. Formen der Mittelalter-Rezeption

3. Rezeption im Film
3.1. Unterschiede zwischen Gottfrieds Textvorlage und der Verfilmung in Bezug auf den Prolog, der Elternvorgeschichte und dem Kampf gegen Morolt
3.2. Unterschiede in Bezug auf Tristans Irlandreisen und dem Aufeinandertreffen zwischen Tristan und Isolde
3.3. Die Bootsszene
3.4. Das Werkende

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Liebesgeschichte zwischen „Tristan und Isolde“ ist der mit am häufigsten bearbeitete mittelalterliche Stoff der deutschen Literaturgeschichte. Die genaue Herkunft des Stoffes lässt sich nicht vollständig nachvollziehen. Man geht aber davon aus, dass hierbei auch keltische Einflüsse am wahrscheinlichsten sind.[1] Die Gründe, die hierbei angeführt werden, sind die historischen und lokalen Begebenheiten. Die Tatsache dass es sich um den Stoff um eine „Spielmannsdichtung“ handelt wird in der Forschung als schwierig angesehen. Diese wurden zunächst mündlich tradiert. Durch diese Form der Überlieferung gelangte die Dichtung auf das europäische Festland, wobei sie vorerst in einer altfranzösischen Fassung festgehalten wurde. Diese Vorlage nutzte Eilhart von Oberg, um diesen Stoff in das Deutsche zu übernehmen. Man geht davon aus, dass Obergs Fassung Ende des 12. Jahrhunderts entstand.[2] Neben Obergs Tristan Fassung erreichte vor allem Gottfrieds von Straßburg Tristan- Roman einen großen Bekanntheitsgrad und gilt noch in der heutigen Forschung als Gradmesser. Gottfrieds Tristan entstand vermutlich im 13. Jahrhundert, ist in Versform geschrieben und ist nur als Fragment erhalten geblieben.[3] Er gilt als klassischer Stoffrepräsentant des Mittelalters. Zahlreiche Autoren des Mittelalters, aber auch der Neuzeit griffen den Tristanstoff erneut auf, um diesen zu interpretieren oder um Gottfrieds Fassung mit einem Ende zu versehen.[4] Auch in der heutigen Zeit sind mittelalterliche Texte noch immer aktuell. So werden diese in literarischen Texten erneut aufgegriffen und neu inszeniert. Auch finden sich immer wieder Stoffe aus dem Mittelalter in unseren heutigen Filmen wieder. So wurde auch der Tristanstoff einige Male verfilmt.

In dieser Arbeit soll ein kurzer Forschungsüberblick der Tristan-Rezeptionen gegeben und auch die Frage geklärt werden was Mittelalter-Rezeptionen in der heutigen Zeit noch immer interessant erscheinen lässt. Am Beispiel der neuesten Tristan Verfilmung soll untersucht werden, inwiefern sich diese an den Stoff von Gottfrieds von Straßburg Tristan anlehnen und wo diese Unterschiede aufweisen sowie welche Funktionen diese eventuell haben könnten. Im Anschluss soll hierbei ein Fazit entstehen, welches die Frage klären soll; warum mittelalterliche Stoffe noch immer ein aktuelles Thema sind und wie diese mit Hilfe der Originaltexte rezipiert werden.

2. Mittelalter-Rezeption

Die Mittelalter-Rezeption erfreute sich damals wie auch heute einer großen Beliebtheit. Schon im Barock und auch im späteren 19. und 20. Jahrhundert wurden mittelalterliche Stoffe aufgegriffen und entweder neu interpretiert oder erfuhren eine Neuauflage des eigentlichen Stoffes.[5] Im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, der NS- Zeit, wurde die Mittelalter-Rezeption bewusst als Instrument benutzt und indoktriniert, somit entstanden neben der Mediävistik „Pseudowissenschaften“.[6] Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts findet sich die Mittelalter- Rezeption nicht nur alleine in der Literatur wieder. Zu dieser gehören ebenso die Musik, der Film oder beispielsweise die immer beliebter werdenden Mittelalterfeste bzw. Mittelaltermärkte. Dies wirft die Frage auf, wie die Wissenschaft und somit die aktuelle Forschung, die Mittelalter-Rezeption bewertet und was diese darunter versteht. Im Allgemeinen versteht man unter Mittelalter- Rezeption den subjektiven und bewussten Umgang mit Stoffen, Überlieferungen oder dem Gedankengut aus dem Mittelalter. Hierbei steht in erster Linie das wahrnehmende Subjekt im Vordergrund und weniger die eigentliche Rezeption.[7] Dies führt oft dazu, dass der mittelalterliche Stoff nicht immer originalgetreu wiedergegeben wird, sondern in erster Linie der angesprochene Rezipient befriedigt werden soll. Günther Schäfer-Hartmann hält es deswegen für notwendig, neben dem Begriff der Mittelalter-Rezeption zwei weitere einzuführen, um eine klarere Struktur für den Begriff der Mittelalter- Rezeption zu erhalten. Da es, wie eben angesprochen, zahlreiche Möglichkeiten für Mittelalter-Rezeption gibt, die neben Reproduktion von mittelalterlichen Texten das Zitieren aus mittelalterlichen Texten, das Paraphrasieren, die Adaption, die Anspielung auf mittelalterliche Texte, bis hin zur Neuschöpfung in Inhalt, Gattung und Tendenz beinhalten können, ist eine solch klare Struktur unverzichtbar.[8] Neben der Mittelalter-Rezeption spricht sich Hartmann für die Begriffe der Mittelalterkonstruktion sowie der Mittelalterrekonstruktion aus.[9] Somit ist das Endprodukt aus der Rezeption eindeutiger einzuordnen. Die Trennung zwischen fachwissenschaftlicher Rezeption und künstlerisch auszeichnender, sowie der massentauglich populären Rezeption fällt bei einer solchen Unterteilung leichter. Zur Funktion der Mittelalter-Rezeption lässt sich sagen, dass mittelalterliche Stoffe bewusst aufgegriffen werden. Dies dient zum einen dem Pflegen des Kulturgutes und zum anderen „[…] sagt die Rezeption des Mittelalters mehr über die Nachgeborenen als über die Vergangenheit aus […].“[10] Für die Forschung wird aus eben dieser Rezeption ein höherer Zweck nutzbar gemacht, der neben der Geschichte des eigenen Volks auch die eigene Kultur bewahren soll, sowie gegebenenfalls neu erfahren bzw. neu interpretieren soll. Somit ist Mittelalterrezeption nicht in erster Linie die Beschäftigung mit der Vergangenheit oder eine Hinwendung zum Mittelalter, sondern widmet sich der Beantwortung von Fragen, betreffend der Intention und den Interessen der damaligen Zeit bzw. der Autoren.

[...]


[1] Mertens, Volker: Der Tristanstoff in der europäischen Literatur. In: Wagner Spectrum- Schwerpunkt- focusing on Tristan und Isolde. Verlag Königshausen & Neumann Würzburg 2005, Seite 11.

[2] Winkelmann, J.H.: Die Brückenpächter- und die Turmwächterepisode im „Trierer Floyris“ und in der „Version Aristocratique“ des altfranzösischen Florisromans. Amsterdam 1977, Seite 4.

[3] Voß, Rudolf: Die deutschen Tristan- Romane des Spätmittelalters- Variationen eines problematischen Themas. In: Schulz, Rudolf: Tristan und Isolt im Spätmittelalter: Vorträge eines interdisziplinären Symposiums. Atlanta 1999, Seite 331ff.

[4] Tomasek, Thomas: Gottfried von Straßburg. Reclam Verlag Stuttgart 2007, Seite 303ff.

[5] Adam, Wolfgang: Die Zeitschrift „Euphorion“ in den Jahren 1950-1970. In: Deutsche Literaturwissenschaft 1945-1965. Fallstudien zu Institutionen, Diskursen, Personen. Hg. von Petra Boden und Rainer Rosenberg. Akademie Verlag Berlin 1997, Seite 256.

[6] vgl. Tomasek, Thomas: Gottfried von Straßburg. Reclam Verlag Stuttgart 2007, Seite 307.

[7] Krohn, Rüdiger: „So erklärt und ergänzt die alte Zeit die neue, und umgekehrt“. Überlegungen zur mediävistischen Erforschung der Mittelalter- Rezeption. In: Materialien und Beiträge zur Mittelalter- Rezeption. Band 1. Hg. v. Rüdiger Krohn. Göppingen 1986, Seite 187.

[8] Krohn, Rüdiger: „So erklärt und ergänzt die alte Zeit die neue, und umgekehrt“. Überlegungen zur mediävistischen Erforschung der Mittelalter- Rezeption. In: Materialien und Beiträge zur Mittelalter- Rezeption. Band 1. Hg. v. Rüdiger Krohn. Göppingen 1986, Seite 187ff.

[9] Schäfer- Hartmann, Günter: Literaturgeschichte als wahre Geschichte. Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften Frankfurt/ Main 2009, Seite 18f.

[10] Köhn, Rolf: „Was ist und soll eine Geschichte der Mittelalterrezeption?“. In: Mittelalter- Rezeption IV. Medien, Politik, Ideologie, Ökonomie. Hg. v. Irene Burg et. al. Göppingen 1991, Seite 415.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656393054
ISBN (Buch)
9783656394433
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211249
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – ÄdL
Note
3,0
Schlagworte
tristan isolde analyse gottfrieds straßburg rezeption film

Autor

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Titel: Tristan und Isolde - Analyse zwischen Gottfrieds von Straßburg "Tristan" und der Rezeption im Film "Tristan" von 2006