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Entwicklung und Bedeutung international tätiger Unternehmen

Seminararbeit 2004 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung und Gang der Arbeit

2. Terminologische Grundlagen

3. Messung der Internationalität

4. Indikatoren für die Entwicklung internationaler Unternehmenstätigkeit
4.1. Entwicklung des Welthandels
4.2. Entwicklung der Direktinvestitionstätigkeit
4.3. Entwicklung einzelner Unternehmungen

5. Struktur und Organisation international tätiger Unternehmungen

6. Gründe für die Internationalisierung von Unternehmungen
6.1. Der eklektische Ansatz von Dunning
6.2. Der Principal-Agent Ansatz
6.3. Die Behavioristische Internationalisierungstheorie von Aharoni
6.4. Erfolgshypothesen der Internationalisierungstheorien

7. Gesamtwirtschaftliche Bedeutung international tätiger Unternehmungen

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Entwicklung von Weltindustrieproduktion, Welthandel und Direktinvestionen von 1973-1997 S. 4

Abb.2 Internationalisierungsprofil der Hoechst AG 1970 und 1994 S. 6

1. Problemstellung und Gang der Arbeit

Die Diskussionüber international tätige Unternehmen steht im Zentrum der Globa- lisierungsdebatte. Diese Unternehmen prägen die Globalisierung durch den welt- weiten Transfer von Technologie, Kapital und Managementwissen. Kritiker werfen den internationalen Konzernen vor, auf Kosten von Umwelt und Bevölkerung im In- und Ausland rücksichtslos den shareholder value zu steigern, Befürworter se- hen in ihnen die Möglichkeit, effizient und kostengünstig zu produzieren, techni- schen Fortschritt zu verbreiten und die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Aufgrund dieser Kontroverse scheint es geboten, die Entwicklung internationaler Unternehmungen und deren Bedeutung für Industrie- und Entwick- lungsländer genauer zu untersuchen.

Im ersten Schritt wird dabei der Begriff der international tätigen Unternehmung definiert und eingeordnet. Danach soll die Entwicklung der internationalen Unternehmenstätigkeit anhand empirischer Daten aufgezeigt werden. Hauptteil 5 gibt einen kurzenÜberblick, wie sich die Organisation von Unternehmungen im Laufe des Lebenszyklus entwickelt. Antworten auf die Frage, warum Unternehmen international tätig werden, liefern Internationalisierungstheorien, von denen die bedeutendsten im sechsten Kapitel dargestellt werden. Im Schlussteil sollen die Auswirkungen der Existenz und die Bedeutung multinationaler Unternehmungen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht näher beleuchtet werden.

2. Terminologische Grundlagen

Zu Beginn der Arbeit ist zu definieren, was unter dem Begriff "international tätige Unternehmung" zu verstehen ist. In einer weiten Definition bedeutet dies, dass die betreffende Unternehmung Wirtschaftsbeziehungen mit ausländischen Wirtschafts- subjekten unterhält.1

Diese Definition wird jedoch als zu weitgehend betrachtet, da ein großer Unter- schied darin besteht, ob eine Unternehmung im Inland produziert und die Produkte nur ins Ausland exportiert oder ob sieüber eigene Produktionspotentiale im Ausland verfügt. Daher wird das Vorhandensein von ausländischen Produktionsstätten als konstitutives Merkmal der internationalen Unternehmung angesehen.2 Dieses Kriterium wird weltweit von ca. 44.000 Unternehmungen erfüllt, dieüber 280.000 Tochtergesellschaften im Ausland verfügen.3

Produktion im Ausland stellt an das Management ungleich höhere Anforderungen als reiner Export: Die Unternehmung bewegt sich dann in einem heterogenen Um- feld, unterschiedliche rechtliche, politische und kulturelle Systeme sind zu berück- sichtigen, da sie einen wesentlichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg ausüben. Durch das Auslandsengagement ist die Unternehmung politischen Risiken, Wäh- rungs- und Eigentumsrisiken und mitunter auch Risiken für Leib und Leben der Angestellten ausgesetzt. Kapital, Wissen und Humanressourcen sindüber Länder- grenzen hinweg zu transferieren und zu organisieren. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Anpassung an die lokalen Gegebenheiten und internationaler Standardi- sierung, sowie zwischen Dezentralität und Zentralität in Organisations- und Ent- scheidungsstrukturen.4

Multinationale Unternehmungen müssen nicht unbedingt große Konzerne sein, die häufig als Feindbild der Globalisierungskritiker herhalten müssen. Gerade in jüngster Zeit wagen immer mehr kleine Unternehmungen den Schritt der Internationalisierung. Diese „Mini-Multinationals“ sind häufig Spezialisten für bestimmte Produkte und besetzen damitäußerst lukrative Nischen.5

Bei der geographischen Verteilung der Heimatnationen der 500 größten multinationalen Unternehmungen dominieren die USA, Europa und Japan. Aus Entwicklungsländern stammen nur sehr wenige Unternehmen.6

Bei der Analyse international tätiger Unternehmungen stellt sich die Frage, wie man deren Zustand und Entwicklung messen kann. In der Literatur werden qualita- tive und quantitative Merkmale vorgeschlagen. Bei den qualitativen Merkmalen handelt, es sich z.B. um das "globale Denken des Managements" oder die „Bedeu- tung des Auslandes für den Unternehmenserfolg“.7 Da dies empirisch nur schwer nachzuprüfen ist, ist es sinnvoll, sich auf quantitative Merkmale zu beschränken. Um einen allgemeinenÜberblicküber die Entwicklung der internationalen Unter- nehmenstätigkeit zu erhalten, kommt die Analyse von Makro-Daten, die von natio- nalen und internationalen Institutionen erhoben werden, in Frage, z.B. die Zah- lungsbilanzstatistiken der Notenbanken oder FDI-Erhebungen der UNCTAD oder der Weltbank. Die Entwicklung der Direktinvestitionen im Ausland ist ein wichti- ger Faktor, um internationale Unternehmenstätigkeit beurteilen zu können. Durch Direktinvestitionen erhalten Unternehmungen im Ausland direkte Kontrolleüber Produktionsfaktoren, indem sie dortige Unternehmen aufkaufen oder selbst Produk- tionsstätten errichten (Greenfield-Investment). Es bietet sich ferner an, die Entwick- lung des Welthandels zu betrachten, da dieser den Warenaustausch zwischen den Ländern abbildet. Dabei ist i.d.R. zumindest der Exporteur eine Unternehmung.

Ist die Betrachtung der Entwicklung einzelner Unternehmungen von Interesse, kann auf entsprechende Mikro-Daten zurückgegriffen werden. Dazu können die Jahresabschlüsse der internationalen Unternehmungen selbst analysiert werden.8

Aus den Daten dieser Informationsquellen lassen sich eine Vielzahl von Indikatoren generieren, z.B. Anzahl der ausländischen Tochtergesellschaften oder Niederlas- sungen, Anzahl der Länder, in denen die Unternehmung vertreten ist, Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, des im Ausland erzielten Gewinnes am Ge- samtgewinn oder der Anteil der Mitarbeiter im Ausland an der Gesamtbelegschaft. Um den Grad der Internationalisierung und die Verteilung der ausländischen Pro- duktionsfaktoren zu bestimmen, bieten sich z.B. statistische Konzentrationsmaße, wie der Herfindahl-Index oder der Gini-Koeffizient an.9 Die Indikatoren können

sowohl für Längsschnittstudien (d.h. die Betrachtung der Entwicklung einer einzel- nen Unternehmung im Zeitablauf) als auch für Querschnittstudien (Vergleich ver- schiedener Unternehmungen zu einem bestimmten Zeitpunkt) verwendet werden.

4. Indikatoren für die Entwicklung internationaler Unternehmenstätigkeit

4.1. Entwicklung des Welthandels

Abb. 1 zeigt, dass der Welthandel im Zeitabschnitt zwischen 1973 und 1997 deut- lich stärker als das Welt-Bruttosozialprodukt gestiegen ist. Auf annuisierter Basis stieg das Welthandelsvolumen im betrachteten Zeitabschnitt durchschnittlich um Abb.1: Entwicklung von Weltindustrieproduktion, Welthandel und Direktinvestionen von 1973-1997 (Indexiert: 1973 × 100)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Siebert (1999)

4,8%, d.h. mit der doppelten Wachstumsrate der Industriepro- duktion.10 Die Begründung für diese Entwick- lung liegt im Abbau von tarifären Handelshemmnissen und sinkenden Transportkosten. Zudem fanden die im Export tätigen Unternehmungen durch den Fall des Eisernen Vor- hangs zu Beginn der Neunziger Jahre neue Absatzmärkte in den Staaten von Mittelund Osteuropa. Bei der geographischen Verteilung der Handelsströme wird deutlich, dass ein Großteil zwischen den drei geographischen Regionen Nordamerika, Europa und Ost-/Südostasien stattfindet.

Knapp die Hälfte der Importe in Industrienationen besteht aus Vor- bzw. Zwi- schenprodukten sowie Rohstoffen.11 Besondere Beachtung wurde in jüngster Zeit dem intra-firm trade geschenkt, dem Handel von Gütern, Dienstleistungen und Know-How innerhalb multinationaler Unternehmungen. Es wird geschätzt, dass ein Drittel des gesamten Welthandels auf Leistungsbeziehungen zwischen Konzernge- sellschaften zurückzuführen ist.12 Der intra-firm trade ist aus Sicht der National- staaten problematisch, da es sich beim zollrechtlich zugrunde gelegten Warenwert nicht um frei entstandene Marktpreise handelt, sondern um konzerninterne Ver- rechnungspreise. Diese Transferpreise können so gestaltet werden, dass Zölle und Steuern minimiert werden, z.B. indem Gewinne in Niedrigsteuerländer verlagert werden.

4.2. Entwicklung der Direktinvestitionstätigkeit

Aus Abb. 1 wird ersichtlich, dass im Zeitraum von 1973 bis 1997 die weltweite Direktinvestitionstätigkeit noch stärker als der Welthandel angestiegen ist. Diese Entwicklung lässt sich ebenfalls durch neue Anlagemöglichkeiten in den MOE- Staaten in den Neunziger Jahren erklären, sowie durch den weltweiten Trend zum Abbau von Investitionsschranken in bestimmten Märkten, die zuvor nur Inländern zur Verfügung standen. Insbesondere im Bereich der Dienstleistungen profitieren multinationale Unternehmungen vom technischen Fortschritt, Liberalisierung, Pri- vatisierung und einer Öffnung der Märkte, z.B. auf den Telekommunikations- und Energieversorgungsmärkten.13 Ein Großteil der Direktinvestitionen fließt zwischen Industriestaaten, auch hier ist die Triade aus Nordamerika, Europa und Ost- /Südostasien sichtbar. 64,2% aller Direktinvestitionen im Zeitraum 1993-98 verblieben in Industrienationen, 1996 erhielten China und südostasiatische „Tiger- Staaten“ 2/3 aller Direktinvestitionen, die in Entwicklungsländern getätigt wur- den.14

[...]


1 Vgl. Glaum, M. (1996), S. 7.

2 Vgl. Glaum, M. (1996), S. 7.

3 Vgl. Hemmer, H.-R. (2002), S. 331.

4 Vgl. Rugman, A.M. (2003), S. 37.

5 Vgl. Hill, C.W.L. (2003), S. 20f.

6 Vgl. Rugman, A.M. (2003), S. 38f.

7 Vgl. Glaum, M. (1996), S. 9.

8 Vgl. Dunning, J. (1998), S. 3.

9 Vgl. Glaum, M. (1996), S. 12f.

10 Vgl. Kleinert, J. (2001), S. 2.

11 Vgl. Kleinert, J. (2001), S. 18.

12 Vgl. Kleinert, J. (2001), S. 24.

13 Vgl. UNCTC (1991), S. 18f.

14 Vgl. Kleinert, J. (2001), S. 4f.

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638248105
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21116
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Lehrstuhl VWL IV
Note
2,0
Schlagworte
Entwicklung Bedeutung Unternehmen Seminar Angewandte

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