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Eindeutig weiblich oder männlich? Zur Darstellung von geschlechterstereotypem Verhalten in Dora Heldts „Tante Inge haut ab“

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Allgemeine Informationen und Bemerkungen zu Werk und Autorin

3 Theoretische Grundlagen der Analyse

4 Darstellung weiblicher Figuren
4.1 Darstellung der Figur „Inge Müller“
4.2 Darstellung der Figur „Christine Schmidt“

5 Darstellung männlicher Figuren
5.1 Darstellung der Figur „Johann Thiess“
5.2 Darstellung der Figur „Heinz Schmidt“

6 Kontrastierende Gegenüberstellung der betrachteten Figuren

7 Abschluss und Fazit

8 Bibliografie

1 Einleitung

Die Konstellation von Mann und Frau ist sowohl im geschichtlichen Rückblick als auch heute spannungsgeladen und wird kontrovers diskutiert. Sicherlich wird es auch in Zukunft so bleiben. „Mann“ und „Frau“ werden häufig als mitunter sehr gegensätzliche Pole, im Sinne von „Mann sein“ gegenüber „Frau sein“, betrachtet und dabei als vermeintlich klar voneinander abgrenzbar verstanden. Doch eine strikte Unterscheidung in Schwarz-Weiß-Manier wäre zu einfach und würde dieser Konstellation nicht gerecht werden können.

Die Gesellschaft ist in Bewegung und verändert sich beständig. Also sind auch stets Themen, die die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen betreffen, an der Tagesordnung und teilweise brisant und heiß diskutiert. Ein kurzer Exkurs in die gegenwärtige Politik kann dabei gut die Aktualität der Diskussion über Männer- und Frauenrollen auch in der heutigen Zeit illustrieren. In der Politik wird momentan eifrig über die Einführung einer gesetzlichen Quote für Frauen in Führungspositionen von Unternehmen debattiert. So schlägt die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen „ein Gesetz vor, das […] eine 30-Prozent-Mindestquote für beide Geschlechter in Aufsichtsräten und Vorständen vorschreibt“[1]. Damit setzt sie im Gegensatz zur Frauenministerin Kristina Schröder nicht mehr auf Freiwilligkeit, denn die Wirtschaft habe in den vergangenen zehn Jahren ihre Chance zu freiwilligen Vereinbarungen mit der Politik nicht genutzt. Insgesamt erhofft sich die Politik, dass Frauen ein anderes Bild von Welt und Wirtschaft und ebenso andere Erfahrungen in die Unternehmensspitzen bringen.[2]Die Frauenministerin Kristina Schröder will den Unternehmen mehr Eigenverantwortung im Hinblick auf eine Frauenquote überlassen und, falls dies nicht gelänge, eine flexible Quote gesetzlich einführen. Damit einhergehend will man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, weil dies eine Voraussetzung sei, damit Frauen gleichberechtigt im Erwerbsleben und in Führungspositionen teilhaben könnten. Und die Bundeskanzlerin Angela Merkel? Sie hat sich gegen eine Frauenquote für Unternehmen ausgesprochen.[3]

Dieser kurze Exkurs verdeutlicht, dass das Verhältnis und die Analyse der Geschlechterrollen nach wie vor aktuell ist und keineswegs eine abgeschlossene Thematik darstellt.

Dennoch soll es in dieser Hausarbeit nicht um den Mann und die Frau im Sinne des biologischen Geschlechts gehen. Vielmehr ist doch das Augenmerk auf die vielleicht auf den ersten Blick unscheinbaren Nuancen zu legen, die jede Person in ihren Handlungen, Überzeugungen und vielen anderen Dingen charakterisieren. Demzufolge ist es auch sinnvoller, nicht von „Mann oder Frau sein“ sondern von Männlichkeit und Weiblichkeit / maskulin und feminin zu sprechen, quasi als einer Art Charakterausprägung. In der Arbeit wird der Fokus auf der Analyse der Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit in dem zeitgenössischen Roman „Tante Inge haut ab“ von Dora Heldt liegen. Ziel wird es dabei sein, herauszuarbeiten, wie in einem aktuellen Roman die Personen im Hinblick auf maskuline und feminine stereotype Eigenschaften und Merkmalsausprägungen dargestellt werden. Werden tradierte Stereotypen bestätigt oder widerlegt? Handeln die Figuren ausschließlich jeweils maskulin oder feminin oder findet eine Vermischung beider Positionen statt?

Im Folgenden sollen nun zunächst allgemeine Informationen nebst einem kurzen inhaltlichen Abriss, der für das bessere Verständnis der Figurenkonstellation und ihrer Darstellung im Werk hilfreich ist, gegeben werden. Anschließend werden die theoretischen Grundlagen der Analyse von Männlichkeit und Weiblichkeit ebenso wie Begriffsdefinitionen im Mittelpunkt stehen. Dann erfolgt die Figurencharakterisierung anhand von drei ausgewählten weiblichen und daraufhin an drei ausgewählten männlichen Figuren. Ferner wird es eine vergleichende Gegenüberstellung beider Figurengruppen geben, bei der die Kontraste herausgearbeitet werden sollen. Den Schluss werden eine kleine Zusammenfassung und ein Fazit bilden.

2 Allgemeine Informationen und Bemerkungen zu Werk und Autorin

Der Roman „Tante Inge haut ab“ zählt zu einer kleinen Reihe von Werken von Dora Heldt und erzählt nach „Ausgeliebt“, „Unzertrennlich“ und „Urlaub mit Papa“ nun weiter aus der Geschichte der Figur Christine Schmidt. „Kein Wort zu Papa“ stellt die Fortsetzung dieser Erzählungsreihe nach dem Buch, das in dieser Arbeit bearbeitetet wird, dar.

„Tante Inge haut ab“ erschien zuerst im Jahr 2009 und erzählt die Geschichte der 46-jährigen Christine, die eigentlich nur einen ruhigen Urlaub mit ihrem Freund Johann (48) auf ihrer Heimatinsel Sylt verbringen will. Doch als sie ihn am Bahnhof abholt, trifft sie unerwartet auf ihre Tante Inge (64), die verändert ja geradezu wie ausgewechselt wirkt, ohne ihren Mann Walter (65) in ihre Heimat reist und auch sonst keine Anstalten macht, zu erzählen, was sie nach Sylt treibt. Als ob die Geheimniskrämerei nicht schon genug wäre, lernen Johann, Christine und ihr Vater auch noch die überaus selbstbewusste und forsche Renate von Graf kennen, mit der sich Inge bei einem Kuraufenthalt angefreundet hat und die jetzt bei wilden Spekulationen um Inges scheinbar offensichtliches Eheaus mitmischt. Sie versucht Inge in ihrer nun gewonnenen Freiheit zu unterstützen und vermutet hinter Inges Treffen mit einem Rechtsanwalt eine neue Liebschaft. Hätten Christine und Johann vorher gewusst, dass es kein entspannter vorsommerlicher Urlaub werden würde, sie wären sicherlich daheim geblieben. Doch da ist nicht nur ihre veränderte Tante, die neue Wege wagt, sondern auch ihre eigene Feigheit, sich auf neue Situationen einzulassen. Da sie in Hamburg und Johann in Bremen wohnt, stellt sich nun die Frage einer gemeinsamen Wohnung. Aber Christine zögert und hasst Veränderungen. Da kommt es ihr nicht gerade gelegen, dass ihre Tante in dieser Beziehung nicht zaghaft ist. Als sich im Verlauf der Erzählung dann herausstellt, dass Inge das Haus ihrer ehemaligen Lehrerin geerbt hat und nun eine findige Verwaltungsgesellschaft mit dem vermeintlichen Liebhaber, Inges Rechtsanwalt, versucht, das Haus für sich zu beanspruchen, um es als Ferienwohnungen zu vermarkten, wird das Chaos perfekt. Ihrem Ehemann Walter, der ein pensionierter Finanzbeamter ist, hat sie von der Erbschaft nichts verraten, da er sofort einen Verkauf der Immobilie veranlasst hätte. Doch Inge treibt ihr Heimweh zurück auf die Insel und sie will zusammen mit ihrem Mann selber dort einziehen. Walter will währenddessen seine scheinbar untreue Frau zurückerobern und macht sich auf die Suche nach ihrem angeblichen Liebhaber.

Die Autorin Dora Heldt wurde selber 1961 auf Sylt geboren und ist gelernte Buchhändlerin. Sie lebt in Hamburg und ist seit 1992 als Verlagsvertreterin unterwegs.[4]Ihre Bücher „Urlaub mit Papa“ und „Tante Inge haut ab“ wurden sogar bereits verfilmt.

Die Handlung des Buches wird dem Leser von einem heterodiegetischen Erzähler vermittelt. Hauptsächlich findet man die Nullfokalisierung vor. In der Regel erfolgt die Erzählung chronologisch und wird nur an einigen Stellen durch Rückblenden zur Erläuterung oder in Form von Briefen unterbrochen.[5]Es gibt mehrere Erzählstränge, jedoch variiert deren Anzahl je nach Situation, ist also davon abhängig, welche Figuren gerade aufeinander stoßen oder an voneinander getrennten Plätzen agieren. Zunächst sind dabei vornehmlich drei Stränge festzustellen: Inge, Christine und Johann, Heinz und Walter. Im Verlauf der Handlung kommt es aber zu sehr häufigen Verflechtungen der zu Beginn recht scharf voneinander abgegrenzten Stränge. Ebenso werden Geschehnisse verschiedener Stränge, die zeitgleich abliefen, nacheinander erzählt, sodass die Leserin und der Leser die Situation von mehreren Standpunkten aus verfolgen können. Ferner wird zahlreich die Gedankenrede der Figuren Inge und Christine beschrieben.[6]Als sehr auffallend ist anzumerken, dass die Kleidung von Inge sowie Renate an vielen Textstellen ausgiebig beschrieben werden. Letztlich werden spannungsfördernde Cliffhanger eingesetzt, um den Leser und die Leserin zur weiteren Lektüre zu bewegen.[7]

[...]


[1]Gaschke, Susanne:Ohne Gegockel, ZEIT online vom 13.02.2011. <http://www.zeit.de/2011/06/01-Frauenquote-Unternehmen> (Zugriff am 13.02.2011)

[2]Vgl. Ebd.

[3]Vgl. Löwenstein, Stephan:Stufenplan. Schröder: Gesetz zur Frauenquote im Sommer, FAZ.net vom 03.02.2011. <http://www.faz.net/-01o66i> (Zugriff am 13.02.2011)

[4]Vgl. http://www.dora-heldt.de/autor (Zugriff am 14.02.2011)

[5]Vgl. u.a. Heldt, Dora:Tante Inge haut ab.München: dtv 2009, S. 12, 18ff., 30f., 48f., 68, 312ff.

[6]Vgl. u.a. Ebd., S. 23, 30f., 262ff.

[7]Vgl. dazu besonders Ebd., S. 9, 14 sowie Vorwort.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656393276
ISBN (Buch)
9783656394679
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v211135
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Dora Held Tante Inge haut ab Gender maskulin feminin typisch Stereotyp Geschlecht

Autor

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