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Film-Schauspielerinnen im Dritten Reich

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsübersicht:

1. Einführung

2. Rezension zum Buch "Die Filmdiven des dritten Reiches"

3. Kultur als Mittel der NS-Propaganda

4. Das ideale Frauenbild im dritten Reich

5. Die Frauenrolle im Nazifilm

6. Genossen Schauspieler-innen Ehrenstatus?

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Seit wann gibt es Frauen als Schauspielerinnen? Ist dies eine Tradition?

Frauen leben heute im 21. Jahrhundert in einem modernen Zeitalter, in dem ihnen verschiedene Möglichkeiten geboten werden, ihre Träume, vor allem aber ihren Berufswunsch zu verwirklichen, ihre intellektuellen Fähigkeiten einzusetzen und ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Doch dies war leider nicht immer so. Die Frauen mussten sich ihre Emanzipation hart erkämpfen.

Dass Frauen von Männern dargestellt werden ist eine altbekannte Tatsache bzw. Tradition. Dass jedoch Frauen als Schauspielerinnen auftreten, ist ein relativ neues Phänomen. Erst mit dem Ende des 16. Jahrhunderts (mit der Commedia dell'arte) sind Frauen am Theater zugelassen. In der klassischen griechischen Tragödie wurden Frauenrollen ausschließlich von Männern dargestellt. Das Theater der Griechen war eigentlich ein Theater von Männern für Männer. Frauen waren in den Theatern, wenn überhaupt, nur auf den schlechteren Plätzen zugelassen.

Bei Shakespeare wurden die Frauenrollen, wie z.B. die Rolle der Viola oder der Rosalinde, ausschließlich von Jünglingen, die androgyne Merkmale aufwiesen, gespielt. Als ein puritanischer Engländer eine Italienreise vornahm, schrieb er an seine Landsleute folgende, höchst erstaunliche Zeilen: "Ich habe nämlich Frauen auf der Bühne spielen sehen..., und die sind, was die Gestik die Anmut und alles andere betrifft, so ausgezeichnet, wie mir noch kein Mann je vorkam".[1]

Im 18. Jahrhundert wurden erstmals Stücke von Dichterinnen aufgeführt. Einige Schauspielerinnen, wie die mit Gottsched berühmt gewordene Caroline Neuber, gründeten eigene Truppen und stiegen zu Leiterinnen einer Theatergruppe auf. Andere, so z.B. Sarah Bernhardt und Eleonora Duse, eroberten sich als Virtuosinnen einen unvergesslichen internationalen Ruhm.

Doch die meisten Schauspielerinnen genossen kein so großes Ansehen. Im Gegenteil. Der Beruf der Schauspieler/-in war alles andere als rühmenswert. Schauspielernde Frauen waren oft nur als Prostituierte und Kurtisanen, höchstens noch als Geliebte reicher Adliger angesehen. Die Schauspielerei war im Allgemeinen verpönt, eben kein rechter Beruf.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollzieht sich ein erster erfreulicher Schritt in Richtung Anerkennung, obwohl das Theater nach wie vor von negativen Konnotationen gebrandmarkt war. Die Schauspielerei wurde zum Modeberuf. Die Bühne war nun der erste öffentliche Ort, an dem Mann und Frau gleichberechtigt nebeneinander agieren konnten.

Das Neue im 19. Jahrhundert ist, dass nicht nur die künstlerische Fähigkeit der Schauspielerin, sondern sie selbst als Individuum und eigenständige Persönlichkeit hinter der Rolle anerkannt und sogar verehrt wird. Auch wenn die gespielte "Dirne" auf der Bühne häufig noch von den Zuschauern mit der Schauspielerin gleichgesetzt wurde, so wurde nun zumindest ansatzweise die Rollendistanz akzeptiert und hin und wieder sogar das Privatleben zum Zentrum des Interesses erhoben: Der Starkult kommt auf.

Als Grundlage für meine Seminararbeit beziehe ich mich auf die Film-Schauspielerinnen im dritten Reich. Ich werde versuchen zu zeigen, dass sie indirekt mitgeholfen haben, den geistigen und kulturellen Nährboden für die faschistische Ideologie zu bilden. Ferner möchte ich zeigen, dass sie ein verlängerter Arm der Propaganda waren. Daher will ich in meiner Arbeit auf folgende Fragestellungen eingehen:

- Welche Rollen werden von den Schauspielerinnen übernommen, und wie wird die gesellschaftliche Rolle der Frau in den Filmen reflektiert?
- Welche Ähnlichkeiten oder Unterschiede lassen sich im Vergleich mit der Kulturgeschichte von Schauspielerinnen feststellen? Ist im Nationalsozialismus eine Geschlechtertrennung omnipräsent?

2. Rezension zum Buch "Die Filmdiven des dritten Reiches"

Um mir für meine Seminararbeit einen besseren Einblick in das damalige Geschehen zu verschaffen, musste ich mich für eine bestimmte Sekundärliteratur entscheiden. Ich wählte das Buch "Die Filmdiven des dritten Reiches - Stars zwischen Kult und Terror" in einer deutschen Übersetzung von Cinzia Romani aus.

Die Italienerin hat mit ihrer Untersuchung einen wichtigen Beitrag zur europäischen Filmgeschichte geleistet, denn sie zeigt auf insgesamt 190 Seiten die Entwicklung des Films im Nationalsozialismus mit Hilfe der bedeutendsten Schauspielerinnen, die einerseits vom Regime gehegt und gepflegt, andererseits auch beschattet wurden. Ferner weist jedes Filmgenre eigene Modelle der Weiblichkeit auf, z.B. der Unterhaltungs- oder Propagandafilm.

Das Buch lässt sich in zwei Teile gliedern. Im ersten Teil untersucht die Verfasserin die politische Lage, den Aufbau der Reichsfilmkammer unter Goebbels und die Frauenrollen im Nazifilm.

Der zweite Teil ist zugleich auch der viel umfangreichere, meines Erachtens, auch der weniger gelungene Teil. Denn die Autorin zählt achtzehn große Schauspielerinnen einfach nacheinander auf, indem sie auf den restlichen 145 Seiten die berühmtesten Filmdiven jener Zeit anhand von kurzen Biografien und ihren wichtigsten Filmen präsentiert. Meist ist die Rede von nicht-propagandistischen Filmen, den sogenannten Unterhaltungsfilmen. Zu jedem Film findet man Inhaltswiedergabe, Kritik, Angaben zu Darstellern, Musik, Produktion, Herkunftsland und Zensur sowie Prädikate bzw. Urteile - beispielsweise staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll - sowie Filmlänge vor. Das Buch ist mit reichem Bildmaterial versehen und bildet daher eine umfassende und wertvolle Dokumentation des damaligen weiblichen Starkultes.

Bedauernswert jedoch ist, dass die Autorin Cinzia Romani es in ihrer Studie unterlassen hat, noch näher auf die persönliche und politische Haltung der Filmschauspielerinnen im Hinblick auf den tatsächlichen Terror unter Hitler einzugehen. Es wäre durchaus interessant gewesen und hätte die Forschungen Cinzanis nur noch vervollständigt, wenn man etwas darüber erfahren hätte, ob die Schauspielerinnen Versuche gewagt haben, sich dem Regime zu widersetzen, den Anforderungen zu widersprechen. So erweckt es den Anschein, als ob sich die meisten Filmdarstellerinnen im Hitler-Deutschland widerstandslos gefügt hätten, denn "sie wurden zu Göttinnen von Goebbels' Traumfabrik und zu Marionetten der Propaganda, verfügbar in allen Rollen..."[2]

Folgende Schauspielerinnen werden im Buch von Cinzia Romani vorgestellt: Henny Porten, Olga Tschechowa, Lil Dagover, Brigitte Horney, Sybille Schmitz, Zarah Leander, Kristina, Söderbaum, Luise Ullrich, Heidemarie Hatheyer, Lilian Harvey, Renate Müller, Grethe Weiser, Marianne Hoppe, Ilse Werner, Paula Wessely, Käthe von Nagy, Lida Baarova und Marika Rökk.

3. Kultur als Mittel der NS-Propaganda

Das gesamte kulturelle Leben wurde durch Gründung der Reichskulturkammer durch Goebbels, Minister für Volksaufklärung und Propaganda, der totalen Kontrolle unterworfen. Kultur sollte als Unterhaltung der Bevölkerung in den Dienst der Propaganda gestellt werden. "Von oben gesteuerte Unterhaltung, und man könnte fast sagen, Gehirnwäsche der Masse, also Zuckerbrot und Peitsche, das ist die Technik der Goebbelschen Propaganda."[3]

Ob Musiker, Bildhauer, Dichter, Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettist, usw. - wer als Künstler tätig sein wollte, musste Mitglied der Kammer werden, einen Ariernachweis besitzen und sich dazu verpflichten, dem Hitler-Staat treu zu dienen, andernfalls drohte Berufsverbot.

Hunderte von kritischen, demokratischen Künstlern, wie z.B. Marlene Dietrich, die Gebrüder Mann oder Lion Feuchtwanger emigrierten. Andere, die dageblieben waren, wie beispielsweise Erich Kästner, wurden Opfer des Schreibverbots oder passten sich an, darunter viele bekannte (oben erwähnte) Schauspieler-innen. Sie dienten dem NS-Regime, sorgten für Zerstreuung und Ablenkung der Bevölkerung und vertraten (weitgehend) die Ideologie der Nazis.

Auch das wichtigste Medium Film, "der ein nationales Erziehungsmittel erster Klasse ist"[4], hatte Goebbels unter seine Kontrolle gebracht, denn er war ein leidenschaftlicher Filmliebhaber. Er bevorzugte den Film gegenüber dem Theater. "Goebbels versuchte in den zwölf Jahren seiner Amtszeit, einen Starkult aufzubauen, der letztlich nichts anderes war als ein Abbild...von Hollywood."[5] Und er hatte freie Hand bei seinen Entscheidungen: Goebbels kaufte die UFA (Universum-Film AG), anschließend wurden nach und nach alle Filmgesellschaften von den Nazis geleitet, die Filmschaffenden hatten keinerlei Mitspracherecht. Goebbels machte sich persönlich zum obersten Filmherrn des Regimes, er überwachte alle Angelegenheiten der Filmkammer, er wählte Filmmaterial aus, beteiligte sich an Kürzungen oder Veränderungen bei Filmen und es kam sogar vor, dass er im Propagandaministerium Zusatzszenen schreiben ließ, wie beispielsweise für den antisemitischen Film Jud Süß. Der Regisseur Veit Harlan schrieb später: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Goebbels diese Szene selbst geschrieben hat."[6]

[...]


[1] Andrea Gronemeyer: "Theater", S. 90

[2] Renate Möhrmann: "Die Schauspielerin", S. 344

[3] +4 Cinzia Romani: "Die Filmdiven des dritten Reiches", S. 22

[5] Ebenda, S. 12

[6] Ebenda, S. 20

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783656391128
ISBN (Buch)
9783656392576
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210871
Institution / Hochschule
Sveučilište u Zagrebu – Philosophische Fakultät
Note
sehr gut (in Kroatien = 5,0)
Schlagworte
film-schauspielerinnen dritten reich

Autor

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Titel: Film-Schauspielerinnen im Dritten Reich