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Der Bürgerkrieg in den Darstellungen von Plutarchs "Caesar"

Seminararbeit 2013 27 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Plutarch
Sein Leben
Sein literarisches Werk

Plutarchs Caesar
Inhalt vor und nach dem Bürgerkrieg
Beschreibung des Bürgerkrieges
Der Italische Feldzug und der Feldzug in Spanien
Der Kampf in Griechenland und die Schlacht bei Pharsalos
Der Alexandrinische Krieg und der Krieg gegen Pharnakes
Der Krieg in Afrika und gegen die Söhne des Pompeius
Auffälligkeiten

Fazit

Literaturverzeichnis
Quellen
Literatur

Einleitung

Das werthvolle an ihnen sind nicht die historischen Details, die er giebt, sondern die eingestreuten Reflexionen, die ethischen Betrachtungen, die er über die einzelnen Personen anstellt, das Eingehen auf individuelle Stimmungen und Leidenschaften der grossen Männer, die er uns vorführt.[1]

Genau das macht Plutarch für die Nachwelt so interessant. Ergeht er sich doch nicht nur in langatmigen Schlacht- und Heeresbeschreibungen und ausführlichen Charakteristiken seiner Protagonisten, sondern versucht ihrem Wesen durch die Schilderungen von Anekdoten und Begebenheiten, denen vielleicht nicht immer große historische Bedeutung zukommt, im Leben berühmter Feldherren, Könige und Anführer auf den Grund zu gehen.

Diese Arbeit will jedoch speziell den Ausführungen über den römischen Bürgerkrieg, die in Plutarchs Caesar beschrieben werden, nachgehen. Damit verbunden soll auch Caesars Charakter und Handeln in diesem Krieg thematisiert werden.

Plutarch gilt als berühmtester Biograf der Antike. Daher soll zunächst Plutarchs Leben und sein literarisches Schaffen näher beleuchtet werden, da er zwar vor allem durch seine Parallelbiografien berühmt wurde, jedoch weit mehr Schriften mit sowohl biografischem als auch philosophischem Charakter geschaffen und veröffentlicht hat.

Folgend soll seine Biografie des Lebens von Iulius Caesar als Hauptthema behandelt werden.

Obwohl diese Biografie Teil einer Parallelbiografie von Alexander dem Großen und Caesar ist, soll hier nur der Caesar und speziell die Darstellung des Bürgerkriegs und Caesars Rolle in ihm behandelt werden.

Der vollständige Inhalt der Caesar Biografie soll zu Beginn zusammengefasst werden, um darauf aufbauend die genaue Beschreibung des Bürgerkrieges zu untersuchen.

Nachfolgend werden dann besondere schriftstellerische Auffälligkeiten dieser Schilderung näher beleuchtet, da dies bei Plutarchs anekdotischem Stil besonders von Bedeutung ist.

Nicht zuletzt soll hierbei auch Plutarchs Urteil über den Bürgerkrieg und Caesar untersucht werden.

Sieht Plutarch Caesar als „Mann der Stunde“, der aufgrund von ungerechter Behandlung und bestehenden Missständen einen Bürgerkrieg provoziert, nur um zu seinem Recht zu kommen und nicht zuletzt dadurch ein ganzes Staatssystem umzustürzen? Oder aber war Caesar in Plutarchs Augen von Anfang an der gewissenlose Machtpolitiker, der nach der Alleinherrschaft strebte und dafür auch über die Leichen seiner Landsleute ging?

Plutarch

Sein Leben

Über Plutarchs Leben ist nur sehr wenig bekannt, denn obwohl er selbst als „der bedeutendste griechische Biograf“[2] gilt, findet sich darunter keine Autobiografie.

Sicher ist dennoch, dass er in Chaironeia in Boiotien um 45 nach Christus geboren wurde.[3] Diese Stadt hatte bis zu dieser Zeit in ganz Griechenland jedoch einen eher negativen Ruf. War sie doch 338 vor Christus „zum Symbol für das Ende der griechischen Autonomie“[4] geworden, als Alexander der Große noch im Namen seines Vaters Philipp II. die attischen und thebanischen Truppen vernichtend schlug.

Plutarch stammte aus einer wohlhabenden Familie von lokaler Prominenz. Seine begüterte Herkunft erlaubte es ihm, sich in finanzieller Unabhängigkeit zunächst dem Studium der Philosophie zu widmen.[5]

In einer kleinen Stadt wie Chaironeia ging das natürlich nicht, so dass Plutarch eigens für sein Philosophiestudium nach Athen reiste, um dort an Platons Akademie zu lernen. Dort kam er auch mit der Philosophenschule der Stoa in Berührung.

Holger Sonnabend bezeichnet ihn aber eher als „Philosophie-Wissenschaftler“ denn als echten Philosophen, da er keine eigene philosophische Lehre entwickelt habe.[6]

Nach seinem Studium kehrte Plutarch wieder zurück nach Chaironeia, wo er allgemein den größten Teil seines Lebens verbrachte. Trotzdem führten ihn Vorträge und Diskussionen immer wieder aus Chaironeia fort. So knüpfte er in Rom Verbindungen mit einflussreichen Römern, freundete sich sogar mit Quintus Sosius Senecio, einem Vertrauten Kaiser Traians, und Lucius Mestrius Florus, von dem er den Gentilnamen annahm, an.[7] Dort erhielt er auch das römische Bürgerrecht.

Weitere Reisen führten Plutarch auch in das übrige Griechenland, nach Ägypten und Kleinasien,[8] doch er kehrte immer wieder nach Chaironeia zurück, das stets sein Hauptsitz blieb. Dort scharte er eine Gruppe von Freunden, Anhängern und Schülern um sich, um mit ihnen eine kleine Akademie zu gründen, in der philosophische Debatten zu mannigfaltigen Themen erörtert wurden.

Plutarch war jedoch nicht nur ein weitgereister Philosoph und Schriftsteller, er bekleidete auch mehrere öffentliche Ämter in der lokalen Verwaltung von Chaironeia.

Er war Repräsentant einer Politik, die über die kulturelle Einheit hinaus auf eine friedvolle Zusammenarbeit von Griechen und Römern im Rahmen der römischen Provinzialpolitik gerichtet war.[9]

Außerdem wurde er circa 95 nach Christus „lebenslänglicher Priester in Delphi“[10].

Über sein Privatleben ist jedoch nur sehr wenig bekannt. Aus einem Trostbrief zum Tode einer der Töchter Plutarchs an seine Gemahlin geht hervor, dass er verheiratet war mit einer Timoxena, die ihm wohl fünf Kinder gebar.[11]

So wenig über das eigentliche Leben dieses berühmten Mannes bekannt ist, so wenig weiß man heute auch von seinem Tod. „Sein Todesjahr [ist] nicht genau bestimmt.“[12] Anhand seiner Veröffentlichungen und Briefwechsel wird er wohl aber zwischen 120 und 125 nach Christus in einem für diese Zeit sehr hohem Alter verstorben sein. Die näheren Umstände seines Ablebens sind wiederum unklar.

Sein literarisches Werk

Heute zählt Plutarch zu den bedeutendsten Biografen der antiken Welt, doch sein gesamtes literarisches Werk ist viel umfangreicher. Heute sind jedoch lediglich 154 Schriften, Kommentare und Briefe von ihm erhalten.[13] Alle Schriften von ihm sind in griechischer Sprache obwohl er des Lateinischen mächtig war, „dass seine Kenntnis der Lateinischen Sprache aber eine nur mittelmässige war“[14].

[…] Ein Umstand, den ausser der mangelhaften Art, mit der er in seinen Biographien seine Römischen Quellen benutzt hat, auch noch mancherlei Irrthümer im Einzelnen beweisen, so wenig er es auch in seinen historischen Schriften versäumt, so oft sich ihm dazu die Gelegenheit darbietet, Lateinische Wörter und Ausdrucksweisen anzuführen und zu erklären.[15]

Hafner bezeichnet Plutarch als „populärwissenschaftlichen Schriftsteller“[16]. Dies betrifft insbesondere seine philosophischen Schriften. „78 einzelne Schriften sind unter dem Titel Moralia zusammengefasst.“[17] Verfasst sind sie in verschiedenen Formen von Dialogen bis hin zu moralphilosophischen Reden in diatribischer Form.[18] Ebenso sind die behandelten Themenbereiche stark gefächert. So existieren „Abhandlungen und Dialoge über religiöse, philosophische, politische, pädagogische und andere allgemein interessierende Fragen“[19]. Plutarchs Ziel bei diesen Arbeiten war stets pädagogisch. Durch bewusst gewählte alltägliche Beispiele und geschickt eingesetzte Ratschläge versuchte er nicht nur eine gebildete Oberschicht anzusprechen, sondern das breite Publikum zu erreichen und ethisch auf es einzuwirken.

In seinen späteren Lebensjahren entwickelte er die Idee, anhand von Beispielen einen gewissen pädagogischen Inhalt zu verdeutlichen und zu vermitteln, weiter, indem er nun dazu überging Biografien zu verfassen. Auf den ersten Blick wirkt dies zusammenhanglos, doch sieht man genauer hin, erkennt man, dass Plutarch eingebettet in die Lebensgeschichten großer Männer immer wieder moralische Urteile einwebt und aus gewissen Taten bestimmte Lehren zieht, die er dem Leser vermitteln will. Auch immer mehr mystische Anschauungen und Beschreibungen von kulturellen Eigenheiten und Bräuchen treten in seinen Biografien auf, obwohl er ansonsten als ein pythagoreisierender Platoniker galt.[20]

Plutarch schrieb also Biografien nach der Schule des Peripatos, „mit möglichster Verwertung auch der kleinen und kleinsten Züge, der Anekdoten“[21]. Dabei blieben allzu oft historische Details auf der Strecke. Doch Plutarch selbst verstand sich nicht als Historiker, sondern als Biografen und einem solchen sollte seiner Meinung nach der Charakter einer Person wichtiger sein als unbedingte historische Genauigkeit.

Der Grundgedanke lautet dabei jeweils, daß es dem Historiker primär um die práxeis , „die Taten“, dem Biographen dagegen um das ēthos , „den Charakter“ einer Persönlichkeit gehe. Dieser aber offenbare sich häufig eher in bezeichnenden Aussprüchen, Scherzworten oder Anekdoten als in aufsehenerregenden Taten.[22]

Heute sind 46 Parallelbiografien und einige wenige Einzelbiografien erhalten, die zwischen 110 und 115 nach Christus veröffentlicht wurden.[23] Bei all seinen Biografien handelt es sich jedoch stets um die Lebensgeschichten von historischen Personen. Plutarch schrieb nicht über seine Zeitgenossen. Wahrscheinlich hätte die zeitliche Nähe ansonsten seine moralische Intention behindert und sein breites Publikum in seiner Meinungsbildung aufgesplittert.

Seine Einzelbiografien befassten sich überwiegend mit Griechen. Von Feldherren, über Dichter spannte er seine Lebensbeschreibungen bis hin zu antiken Helden, wobei davon ausgegangen werden kann, dass Plutarch Herakles tatsächlich als eine reale, historische Persönlichkeit angesehen haben muss.[24] Nur vier der Einzelbiografien sind bis heute erhalten.

Die Besonderheit der Parallelbiografien liegt darin, dass Plutarch jeweils einem Griechen einen Römer gegenüberstellt.

Diese Gegenüberstellung […] zeigt Plutarch als einen Bürger des römischen Weltreiches trajanischer Prägung, das die Verschmelzung des griechischen und des römischen Kulturkreises anstrebt.[25]

Interessant ist hier wiederum, dass die jeweils portraitierten Persönlichkeiten zum Teil durch Jahrhunderte getrennt sind und sich bis auf eine einzige Ausnahme nie begegnet sind.[26] Obwohl gerade das erste Paar der Lebensbeschreibungen und somit wahrscheinlich auch eine erklärende Einleitung zu Plutarchs Gesamtwerk dieser Parallelbiografien verloren ging, ist anzunehmen, dass er die Paare jeweils nach „vergleichbaren hervorstechenden Leistungen, Eigenschaften und Qualitäten“[27] zusammenstellte.

[...]


[1] Volkmann, Richard: Leben, Schriften und Philosophie des Plutarch von Chaeronea. S. 9.

[2] Meister, Klaus: Die griechische Geschichtsschreibung. S. 183.

[3] Vgl. Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 825.

[4] Giebel, Marion (Übers. und Hrg.): Plutarch. Alexander. Caesar. Nachwort. S. 218.

[5] Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. S. 146.

[6] Vgl. Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. S. 147.

[7] Vgl. Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 825.

[8] Vgl. Hafner, German: Bildlexikon antiker Personen. S. 222.

[9] Giebel, Marion (Übers. und Hrg.): Plutarch. Alexander. Caesar. Nachwort. S. 220.

[10] Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 825.

[11] Vgl. Ebd.

[12] Ebd.

[13] Vgl. Ebd.

[14] Volkmann, Richard: Leben, Schriften und Philosophie des Plutarch von Chaeronea. S. 35.

[15] Volkmann, Richard: Leben, Schriften und Philosophie des Plutarch von Chaeronea. S. 35.

[16] Hafner, German: Bildlexikon antiker Personen. S. 222.

[17] Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. S. 147.

[18] Vgl. Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 826.

[19] Giebel, Marion (Übers. und Hrg.): Plutarch. Alexander. Caesar. Nachwort. S. 218.

[20] Vgl. Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 826.

[21] Lübker, Friedrich: Reallexikon des klassischen Altertums. S. 825.

[22] Meister, Klaus: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. S. 183. und Vgl. Plutarch: Alexander. Caesar. S. 3.

[23] Vgl. Giebel, Marion (Übers. und Hrg.): Plutarch. Alexander. Caesar. Nachwort. S. 220.

[24] Vgl. Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. S. 147.

[25] Giebel, Marion (Übers. und Hrg.): Plutarch. Alexander. Caesar. Nachwort. S. 220.

[26] Vgl. Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. S. 149.

[27] Ebd.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656381501
ISBN (Buch)
9783656381730
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210612
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
bürgerkrieg darstellungen autoren caesar plutarchs doppelbiografie

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