Lade Inhalt...

Übergang zum Weltkrieg. Ursachen und Gründe der deutschen Kriegserklärung an die USA

Seminararbeit 2012 23 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Hitlers Ansichten über Amerika
Vor 1938
Nach 1938

Die Rolle des deutschen Russlandfeldzugs
Die Atlantik-Charta als Konsequenz der USA und Großbritanniens
Deutschlands Erwartungen an die japanische Außenpolitik
Japans tatsächliche Reaktion

Deutschlands Beziehungen zu Japan und den USA
Der Drei-Mächte-Pakt
1941 – Der Weg zu einem erweiterten Drei-Mächte-Pakt

Die deutsche Kriegserklärung an die USA
Hitlers Darlegungen in der Reichstagsrede vom 11. Dezember 1941
Offizielle genannte Gründe in dem Dokument der Kriegserklärung

Fazit und weitere Entwicklung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einführung

In seiner Rede vor dem Reichstag am 11. Dezember 1941 informierte Hitler die breite Öffentlichkeit darüber, dass Deutschland den USA offiziell den Krieg erklärt hatte.

Diese Entscheidung gilt unter Historikern immer noch als einer der rätselhaftesten Schritte der nationalsozialistischen Außenpolitik. Da Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt bereits an der Westfront gegen Großbritannien kämpfte und kurz zuvor erst den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion durch den Einmarsch deutscher Truppen in Russland gebrochen hatte, scheint diese neuerliche Kriegserklärung fast schon selbstmörderisch.

Hegte Hitler also einen unbewussten Drang nach Selbstzerstörung[1] oder entschied er sich aus rein zweckrationalen Gründen[2] zu dieser Kriegserklärung?

In dieser Arbeit sollen Hitlers mögliche Beweggründe genauer unter die Lupe genommen werden.

Dazu ist es nötig, Hitlers Ansichten über Amerika näher zu beleuchten. Da der gebrochene Nichtangriffspakt mit Russland sowie der damit einhergehende Russlandfeldzug das Machtgefüge der Welt empfindlich beeinflusste, ist es besonders interessant, in diesem Zusammenhang die Beziehung und die wechselseitigen Erwartungshorizonte von Deutschland und Japan zu untersuchen.

Logisch aufbauend soll danach Japans generelle Rolle als deutscher Bündnispartner beleuchtet werden, wobei explizit auf den Drei-Mächte-Pakt sowie dessen Nachfolger 1941 eingegangen werden soll.

Darauf folgend sollen abschließend auch die offizielle Begründung Hitlers in seiner Reichstagsrede sowie die in der Kriegserklärung schriftlich genannten Argumente näher beleuchtet werden. Diese Kriegserklärung traf viele von Hitlers Führungsriege völlig überraschend und unvorbereitet.

In dem Schlussfazit wird schließlich der weitere Fortgang der Ereignisse kurz umrissen. Außerdem soll zusammenfassend festgestellt werden, ob Hitler aus politischem Kalkül oder einer verdrehten, größenwahnsinnigen Laune heraus diesen sowieso schon sehr ausgeweiteten aber bis zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch beherrsch- und gewinnbaren eurasischen Krieg zu einem ausgewachsenen Weltkrieg ausgedehnt hat.

Hitlers Ansichten über Amerika

Vor 1938

Erstmals nennenswert erwähnt werden die USA bei Hitler erst 1928 in seinem so genannten „Zweiten Buch“. In seinen Ausführungen betont Hitler jedoch zumeist die wirtschaftliche Rolle der USA auf dem Weltmarkt. So nennt er die Amerikanische Union den schärfsten Konkurrenten aller europäischen Nationen im Exportbereich.[3]

Da die USA sich laut Hitler politisch jedoch zu dieser Zeit nach innen wendete, glaubte er an keine Gefahr von amerikanischer Seite. Sollte sich diese amerikanische Politik jedoch ändern, so könne nur „ein besonders hochwertiger ‚Rassestaat’, der seinerseits über die Ressourcen eines ganzen Kontinents verfüge […] Amerika dann machtpolitisch noch die Stirn bieten“[4].

Hitler war also durchaus bereits 1928 klar, dass Amerika sich im Falle eines Krieges als starker und schwer zu schlagender Feind erweisen könnte. Allerdings schien er den Faktor Amerika in weite Ferne zu schieben, da er glaubte, Amerikas politische Wende würde sich erst lange nach seinem Tod vollziehen. Für ihn wurde Amerika vom jüdischen Kapital beherrscht und nach der Weltwirtschaftskrise würde Amerika so von inneren Problemen heimgesucht, dass es international kaum eine Rolle spielen könne.[5]

Nach Hitlers Machtergreifung 1933 und der beginnenden Realisierung der „Judenpolitik“ änderte sich Amerikas bisher neutrales Verhältnis zu Deutschland massiv. Das amerikanische Volk, sowie Roosevelt, verurteilten die Boykotte jüdischer Geschäfte sowie die antijüdischen Gesetze auf das Schärfste.

1937 bemerkte Roosevelt in seiner vielbeachteten Quarantine Speech bereits, dass „ der Frieden, die Freiheit und die Sicherheit von neunzig Prozent der Weltbevölkerung von den übrigen zehn Prozent gefährdet“[6] seien. Hieran ist deutlich erkennbar, dass Roosevelt vorhatte, Amerikas Rolle in der Weltpolitik entscheidend auszubauen, da er einen möglichen Konflikt in naher Zukunft voraussah. Zudem beziehen sich die genannten zehn Prozent offenbar auf Deutschland, Japan und Italien, die Roosevelts Meinung nach als Aggressoren gegen neunzig Prozent der ganzen Welt anzusehen sei, wogegen man mit aller Kraft kämpfen müsse. Durch diese politische Wende der USA nach außen verbesserte sich wiederum Großbritanniens Position, da außer Frage stand, an wen sich die USA in einem möglichen Konflikt binden würde. Hitler muss diese für ihn negativ zu wertende Entwicklung sehr wohl wahrgenommen haben, denn kurz darauf begann er, in seinen Reden erste ablehnende und rassisch begründete Ansichten zu vertreten.

Nach 1938

Die entscheidende Wende in den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland ging jedoch von Amerika aus. Die zuvor erwähnte Empörung vieler Amerikaner über die deutsche „Judenpolitik“ erlebte nach dem 10. November 1938 ihren absoluten Höhepunkt. Die so genannte „Reichskristallnacht“ hatte jedoch nicht nur in der amerikanischen Bevölkerung für einen Aufschrei gesorgt, sondern zog auch politisch weitreichende diplomatische Folgen nach sich. George Messersmith, der Unterstaatssekretär im State Department, riet dem amerikanischen Außenminister Hull nachdrücklich, den Botschafter der USA in Berlin Wilson „sofort ‚zur Konsultation’ nach Hause zu berufen“[7], da man so politischen Druck mit guten Chancen auf eine nachhaltige Wirkung auf Hitlerdeutschland ausüben konnte.[8]

Der amerikanische Botschafter in Berlin wurde ‚zur Berichtserstattung und Konsultation’ nach Washington beordert (um nie wieder zurückzukehren). Kurz darauf wurde im Gegenzug der deutsche Botschafter in Washington abberufen. [9]

Dies ließ zwar die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Nationen nicht gänzlich abbrechen, aber der Ton beider Länder wurde merklich kühler.

Hitler reagierte wenig später zwar nach außen hin und zur Presse sehr gefasst auf diese Veränderung und ließ sich lediglich zu einigen Bemerkungen über die „rassische Minderwertigkeit“ der Bevölkerung der USA hinreißen, doch sein politischer Stab musste Amerika nun als potentiellen Gegner in der künftigen Kriegsplanung mit einbeziehen.[10] Amerika musste trotz der lapidar dahingesagten Ansichten für Hitler nun ein ernstzunehmender Antagonist geworden sein, den er keinesfalls unterschätzen sollte.

In seiner Jubiläumsrede an den Reichstag zum 6. Jahrestag der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1939 war seine Propaganda schon soweit gediehen, dass er die USA und Großbritannien in einem Zuge zu einer Bedrohung für Deutschland erklärte. Er erklärte, dass beide Staaten die Wirtschaft Deutschlands genauso bedrohten wie seine Sicherheit und das dies das Werk der Juden in beiden Nationen sei, die einen massiven Einfluss auf deren Regierungen ausüben würden.[11]

Roosevelt quittierte diese Drohung Hitlers mit einer implizierten Gegendrohung seinerseits an Hitler und Deutschland. Seine Aussage, „dass die Grenze Amerikas jetzt am Rhein verlaufe“[12], bezog sich maßgeblich auf die amerikanische militärische Unterstützung Frankreichs während dieser Zeit.

Trotz dieser propagandistischen Zuspitzungen, „trachtete Hitler danach, jeglichen Zwischenfall mit ihnen [den Vereinigten Staaten, Anm. des Autors] zu vermeiden“[13]. Hitler wollte sich auf keinen Fall die USA voreilig zum Gegner machen und obwohl er in seinen Reden Großbritannien und Amerika als Einheit zu sehen schien. Realpolitisch machte er also durchaus einen Unterschied zwischen beiden.

Er versuchte, die USA auf die Linie einer gegenseitigen Nichteinmischung nach dem Motto ‚Amerika den Amerikanern, Europa den Europäern’ festzulegen. Das blieb die Grundlinie der deutschen Amerika-Politik bis Ende November 1941. [14]

Hitler sah die USA also durchaus als Feind, hier vor allem unter idealistischen Gesichtspunkten und den amerikanischen Tendenzen, Großbritannien zur Seite zu stehen, doch als direkten Gegner in dem Krieg, der seit 1939 tobte, sah er Amerika nicht. Da nun auch noch 1940 die Präsidentschaftswahlen in den USA anstanden, konnte Hitler sicher sein, dass Roosevelt bis zu diesem Zeitpunkt wohl kaum etwas unternehmen würde, das ihn einen Wahlsieg kosten konnte.[15] Schon im Juli desselben Jahres musste Hitler diese Ansicht jedoch revidieren, da Roosevelt in seiner Nominierungsrede Großbritannien bei der Fortsetzung des Krieges Unterstützung zusagte.[16]

Dies setzte Hitler erneut unter Druck, seine Pläne den Krieg betreffend vorzuverlegen. Amerika trat nun als ernstzunehmender Feind, der in absehbarer Zeit zu einem Problem für die deutsche Kriegsplanung werden würde, in Hitlers Sichtbereich. Ohne Europa als gesamten Kontinent zu beherrschen und so auf dessen Ressourcen zurückgreifen zu können, das wusste Hitler, hatte Deutschland keine Chance gegen einen Gegner, der fast unbegrenzt Material und Soldaten aus seinem eigenen kontinentalen Kontingent zu schöpfen vermochte.

Dies zwang ihn, seinen Plan zum Russlandfeldzug zeitlich vorzuziehen, denn Großbritannien hegte immer noch die Hoffnung auf einen europäischen Verbündeten, der ihm gegen Deutschland zur Seite stand. Und nach Roosevelts eindeutigem Bekenntnis zu Großbritannien musste Deutschland ein Bündnis zwischen allen drei Staaten durchaus fürchten.

Zudem bekam „der Krieg, den er [Hitler] aus ideologischen Gründen stets hatte führen wollen […] einen strategischen Sinn“[17], da die Sowjetunion ja kommunistisch geprägt war, während Hitler-Deutschland ganz und gar für eine nationalsozialistische Politik stand und somit auch antikommunistische Anschauungen vertrat.

Die Rolle des deutschen Russlandfeldzugs

Die Atlantik-Charta als Konsequenz der USA und Großbritanniens

Der Überfall auf Russland im Juni 1941 brachte die Westmächte dazu, sich in einem geheimen Treffen an Bord des Schlachtschiffs „Prince of Wales“ über ihre gemeinsamen Ziele in diesem nun fast weltweiten Krieg zu einigen.

Am 14. August 1941 wurde zwischen Churchill und Roosevelt die Atlantik-Charta geschlossen und veröffentlicht. „Diese schloss nach dem Sieg über Deutschland und dessen Verbündete jeden Separatfrieden mit den Achsenmächten aus.“[18] Ganz im Gegenteil formulierten die Vertreter der westlichen Mächte es in dem sechsten Artikel dieser Erklärung folgendermaßen:

Sechstens, nach der endgültigen Vernichtung der Nazityrannei hoffen sie auf einen Frieden, der allen Nationen die Möglichkeit bietet, innerhalb der eigenen Grenzen sicher zu leben, und der allen Menschen die Sicherheit gibt, in ihren Ländern frei von Not und Furcht zu leben.[19]

[...]


[1] Vgl. Robert Waite: The Psychopathic God Adolf Hitler. S. 409.

[2] Vgl. Enrico Syring: Hitlers Kriegserklärung an Amerika vom 11. Dezember 1941. S. 683.

[3] Vgl. Hitler, Adolf: Zweites Buch (Secret Book). S. 57.

[4] Syring, Enrico: Hitlers Kriegserklärung an Amerika vom 11. Dezember 1941. S. 683.

[5] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 490.

[6] Roosevelt, Franklin D.: Quarantine Speech. Übersetzung von Roxana Romahn.

[7] Hass, Gerhart: Von München bis Pearl Harbor. Zur Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen 1938-1941. Berlin 1965. S. 113.

[8] Vgl. Hass, Gerhart: Von München bis Pearl Harbor. Zur Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen 1938-1941. Berlin 1965. S. 113.

[9] Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 492.

[10] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 493.

[11] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 493.

[12] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 493.

[13] Syring, Enrico: Hitlers Kriegserklärung an Amerika vom 11. Dezember 1941. S. 685.

[14] Syring, Enrico: Hitlers Kriegserklärung an Amerika vom 11. Dezember 1941. S. 685.

[15] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 495.

[16] Vgl. Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 498.

[17] Kershaw, Ian: Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/1941. S. 498.

[18] Dedow, Franziska: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Amtszeit Roosevelts und dessen Bild von Adolf Hitler, S. 10.

[19] Roosevelt, Franklin D; Churchill, Winston: Atlantik-Charta. 14.8.1941. Artikel 6.

Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656381518
ISBN (Buch)
9783656382553
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210610
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
3,0
Schlagworte
2. Weltkrieg Hitler Roosevelt Kriegserklärung an die USA USA Hitlerdeutschland Reichstagsrede 1941 Atlantik Charta japanische Außenpolitik Japan im 2. Weltkrieg Drei-Mächte-Pakt Hitlers Ansichten über Amerika

Autor

Zurück

Titel: Übergang zum Weltkrieg. Ursachen und Gründe der deutschen Kriegserklärung an die USA