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Eine Analyse von Identitätskonstrukten: „Identitäten in einer pluralen Gesellschaft“

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsfrage und Vorgehensweise

3.Wortbedeutung der Identität

4. Das Identitätskonzept in den Wissenschaften – ein erster Definitionsversuch

5. Die personale, soziale und kulturelle Identität
5.1 Personale Identität
5.2 Die soziale Identität
5.3 Die kulturelle Identität

6. Zerrissene Identitäten - zwischen Postmoderne und Globalisierung
6.1 Die verlorene Einheit – Identität in der Postmoderne
6.2 Entgrenzte Identitäten – Der Einfluss der Globalisierung auf das Individuum
6.3 Das Selbst als Diskurs – Zwei Identitätskonzepte der Postmoderne
6.4 Eine kritische Betrachtung der postmodernen Identitätskonstruktion

7. Ein Ausblick – die Schaffung einer Transkulturellen Identität

8. Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Identität eines Individuums oder einer Gruppe scheint bei einem ersten naiven Blick Antworten auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Existenz zu geben - Wer oder was bin ich? Wohin gehöre ich? Zu wem gehöre ich? Mit dem Begriff der Identität verbindet man allgemein ein erkennen des Selbst und ein anerkennen durch den anderen. Das heißt sie entsteht in einem Prozess des erkannt und anerkannt Werdens (vgl. Eickelpasch, Rademacher 2004, S.5). Identität scheint ein festes Konzept zu sein, das unumstößlich mit einem Menschen oder einer Gruppen verbunden ist und sie definiert beziehungsweise ausmacht. Stellt man jedoch die eigene Identität auf den Prüfstand, verwischt dieses unumstößliche Konstrukt der Identität zusehens und es kommt zwangsläufig die Frage auf was genau sich hinter dem Konzept der Identität verbirgt. Man stellt relativ schnell fest, dass sich Identität nur schwer fassen lässt, denn bei der Suche nach Erklärungen begibt man sich auf ein weites und undurchsichtiges Feld. Nicht selten wird der Begriff Identität mit einer Selbstverständlichkeit gebraucht, die einen glauben lassen möchte, er bedürfe keiner vorangehenden klaren Definition. In diesem Zusammenhang tauchen Begriffe des Ich oder des Selbst auf, es wird zwischen Identität für sich und für andere unterschieden . Dabei wird nach Belieben zum Thema Identität interpretiert und verworfen (vgl. Vordermayer 2012, S.11).

2. Forschungsfrage und Vorgehensweise

Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher, eine Analyse und Systematisierung der facettenreichen Identitätskonzepte durchzuführen. Der Fokus liegt hierbei auf der Fragestellung, in welcher Beziehung gesellschaftlicher Wandel (mit Blick auf die Postmoderne und Globalisierung) und Identitätskonzepte zueinander stehen. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen wird zuerst kurz auf die Semantik des Identitätsbegriffs eingegangen und die verschiedenen Herangehensweisen der Identitätsbildung in den Wissenschaften skizziert. Danach werden die drei Ebenen von Identität beschrieben: die personale, soziale und kulturelle. Nach Klärung der Grundbegrifflichkeiten, wird im Hauptteil unter Punkt 6 der Wandel der Identität von der Moderne hin zur Postmoderne und unter dem Einfluss der Globalisierung analysiert. Anschließend werden zwei Identitätskonzepte der Postmoderne (Hall und Ricoeur) vorgestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen. Im Ausblick wird das Konzept der Transkulturellen Identität als einen „zeitgemäßen“ Identitätsentwurf vorgestellt und eine kurze Einschätzung seiner Umsetzung abgegeben.

Aufgrund der Vielzahl von Konzepten, Definitionen und Ebenen des Identitätskonzept in den Wissenschaften, kann die Arbeit nur einen Ausschnitt des Phänomen darstellen, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

3. Wortbedeutung der Identität

Der Terminus Identität wird im Fremdwörterbuch als die vollkommene Gleichheit oder Übereinstimmung in Bezug auf Dinge oder Personen definiert. Weiter heißt es, es handele sich um eine Wesensgleichheit; das Existieren als etwas Bestimmtes, Individuelles und Unverwechselbares. Psychologisch gesehen bedeute Identität, die als Selbst erlebte innere Einheit der Person (vgl. Duden 2001, S.419).

In dieser semantischen Definition der Identität stecken bereits viele Schlüsselbegriffe, die bei den verschiedenen Konzepten von Identität immer wieder auftauchen werden. Es wird deutlich, dass es bei der Identität um eine eindeutige Zuschreibung von Eigenschaften geht – von außen oder im selbstreflexiven Prozess. Begrifflich gesehen, scheint Identität also so etwas wie eine unverwechselbare Einheit zu bedeuten. Ein gutes Beispiel für die eindeutige Identifizierung ist der Personalausweis. […] „Er legt uns darauf fest, der einzige und immer gleichbleibende Mensch zu sein, der einen Namen trägt und an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit geboren ist (Vordermayer 2012, S.11f.).“

4. Das Identitätskonzept in den Wissenschaften – ein erster Definitionsversuch

Diese semantische Einheit des Identitätsbegriff scheint sich bereits aufzulösen, wenn man die Konzepte von Identität in den verschiedenen wissenschaftliche Disziplin vergleicht. Hier wird schnell klar, dass jede Disziplin das Konzept Identität aus einer anderen Perspektive betrachtet und dementsprechend verschiedene Ausschnitte des Phänomens erörtern. So darf es nicht verwundern, dass sie keine einheitliche Antwort auf die Frage wie Identität entsteht liefern.

Die Soziologie kommt zu der Auffassung, dass die Identität einer Person im Wesentlichen in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft geprägt wird. Psychologen hingegen untersuchen das Wechselspiel zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, das die Identität einer Person entwickelt. Aus sozialpsychologischer Perspektive entwickelt sich die Identität einer Person in der Gesellschaft durch einen wechselhaften Prozess von „Dazugehören und Abgrenzen“. Allen Disziplinen gemein ist die Tatsache, dass Identität nichts von Natur an Gegebenes ist, sondern sich in einem selbstreflexiven Prozess entwickelt (vgl. Meints 2006, S.567).

Zum ersten Verständnis von Identität wird kurz die Definition von Castells (2002, S.8) vorgestellt: Unter Identität versteht man […] „etwas dem Wesen des Menschen eigenes, […] das sich im Verlauf der Individuation herausbildet und je nachdem ein sehr starres Konstrukt sein kann, oder aber über die Lebensspanne hinweg in einem stetigen Entwicklungsprozess wandelbar ist. Identität für die einzelne Person ist das Wissen darum, wer sie ist, was sie ausmacht, wohin sie sich persönlich entwickeln möchte. Identität ist [dabei] ein offener Prozess des Aushandelns zwischen dem Selbstbild, das der Einzelne von sich entwirft, und dem Bild, das sich seine sozialen Handlungspartner in wechselnden Zusammenhängen von ihm machen.“ Sie wirkt in gewisser Art und Weise sinnstiftend für den Menschen und trägt dazu bei, dass sich der Mensch in und mit seiner Umwelt zu Recht findet und handlungsfähig bleibt.

Diese Definition führt zwei interessante Punkte auf, die kurz herausgestellt werden sollen. Erstens erscheint die Identität aus dieser Perspektive nicht (nur) als starre Einheit, die vorgegeben zu sein scheint, wie es das Beispiel des Personalausweises vermuten lässt, sondern hat ebenfalls einen prozessualen Charakter, der notgedrungen dem Wandel unterliegt. Hier handelt es sich also nicht um eine feste rechtliche Identität, sondern um die Konstruktion von personellen, sozialen und kulturellen Identitäten, die im Folgenden erläutert werden. Des Weiteren ist die Identität hier kein Prozess, den das Individuum lediglich auf dem Weg der Introspektive ausarbeitet. Die Bildung von Identität ist immer an eine soziale Gemeinschaft gebunden. Identität entsteht somit im Raum der sozialen Beziehungen eines Individuums (vgl. Grohs u.a. 1980, S.115).

5. Die personale, soziale und kulturelle Identität

Zur Analyse von Identität ist es nötig das Konzept weiter zu differenzieren. Denn nicht nur Individuen schaffen sich Identitäten, sondern auch Gruppen, Kulturen und Nationen. Es lassen sich drei Ebenen der Identität unterscheiden: Die personale Identität, die soziale Identität und die kulturelle Identität.

5.1 Personale Identität

Die personale Identität konstruiert jedes Individuum selbst, um sich als Einheit wahrnehmen zu können. Sigmund Freud beschrieb unsere Vorstellung von uns selbst als „selbständig, einheitlich, gegen alles andere gut abgesetzt“ zwar als illusionär, aber unumgänglich. Wir benötigten, seiner Ansicht nach, diese Einheit, um uns von unserer Umgebung zu unterscheiden und um handlungsfähig zu sein (vgl. Freud 2004, S.33). Die personale Identität ist für die Person sinnstiftend und integriert seine Werten und Merkmalen an denen er sich orientiert, zu einem eigenen Ganzen. Diese Werte und Merkmale dienen der Person dazu, ihr Leben zu gestalten und sich mit ihnen in Einklang zu bringen. Auf diese Weise kann eine Person ihr Leben zum Beispiel nach internalisierten religiösen oder individualistischen Zielsetzungen kohärent ausrichten (vgl. Institut für Kulturpolitik 2004, S.16).

5.2 Die soziale Identität

Die soziale Identität oder auch Gruppenidentität und kollektive Identität genannt, geht über personale Identität hinaus und bezieht sich auf Gruppen, denen der Einzelne angehört. Kollektive Identität erhält seine Bedeutung als soziale Heimat des Einzelnen. Diese soziale Identität wird zwingend zum Leben in einer Gesellschaft benötigt. Sie bedeutet eine Übereinstimmung bzw. Identifizierung eines Menschen mit einer sozialen Gruppe. Das Individuum teilt deren Ziele, Wertvorstellungen, Symbole und Verhaltensweisen. Die Identifizierung mit einer bestimmten Gruppe beinhaltet die Übernahme bestimmter kultureller Muster, durch die der Einzelne seine Zugehörigkeit ausdrückt. Wichtig dabei ist die Anerkennung dieser Identität durch andere Mitglieder der Gemeinschaft, bzw. das sich die Gemeinschaft an ähnlichen Kriterien orientiert (vgl. Institut für Kulturpolitik 2004, S.17).

5.3 Die kulturelle Identität

Zur Klärung der Frage, was kulturelle Identität bedeutet, sollte zur erst der Begriff „Kultur“ etwas ausführlicher erläutert werden. Hierzu existieren genau wie bei der Identität eine Vielzahl von Definitionen, die festlegen was Kultur einschließe. Kroeber und Kluckhon haben in den Fünfzigern etwa 150 Definitionen verglichen. Obwohl ihre Definition etwas in die Jahre gekommen ist, bietet sie erste Hinweise: Demnach besteht [...] „Kultur aus expliziten und impliziten Verhaltensmustern, die durch Symbole erworben und vermittelt werden und die spezifische Leistung einer menschlichen Gruppe darstellen. Der Kern der Kultur besteht aus traditionellen (historisch überlieferten und ausgewählten) Ideen und damit verbundenen Werten (Kroeber, Kluckhon 1952, S.181).“

Auf diese Definition aufbauend versucht Bettina Beer Merkmale der Kultur herauszuarbeiten. Kulturelles Verhalten ist stets erlerntes Verhalten, denn angeborene Reflexe werden nicht als „kulturell“ bezeichnet. Kultur ist überindividuell, da sie von mehreren Menschen geteilt wird. Des Weiteren ist jede Kultur historisch entstanden und unterliegt einem ständigen Veränderungsprozess. Sie besteht aus einer Anzahl von Merkmalen, aus Kenntnissen, emotionalen und Verhaltensroutinen oder Gewohnheiten (vgl. Beer, Fischer 2003, S.66ff). Kultur ist somit kein trennscharfer Begriff, weil sich deren Grenzen ständig verändern können. Sie ist vielmehr als Konstrukt zu sehen, welches sich ständig weiterentwickelt und Verändert. Kultur ist zudem nie völlig homogen, sondern es gibt immer individuelle Abweichungen, wie beispielsweise Jugendkulturen. Nicht zuletzt ist Kultur auch eine Abstraktion. Sie hat keine ewige und wahre Bedeutung, sondern ist das was unter ihr per Definition verstanden wird. Diese vielfältigen Merkmale des Kulturbegriffs machen seine Komplexität und gewisse Widersprüchlichkeit deutlich – man könnte sagen, sie stellt eine uneinheitliche Einheit dar; eine Eigenschaft, die auch für das Identitätskonzept charakteristisch ist (vgl. Beer, Fischer 2003, S.66ff).

Auf Basis der bis hierhin gesammelten Erkenntnisse soll nun das Konzept der kulturellen Identität ergründet werden. Für Stuart Hall gibt es zwei Wege um die kulturelle Identität zu definieren. Die erste Position bestimmt die kulturelle Identität im Sinne einer gemeinsamen Kultur, eines „kulturell einzig wahren Selbstes“, das hinter vielen anderen oberflächlichen Selbsten verborgen ist. Diese kulturelle Identität teilen Menschen mit einer gemeinsamen Geschichte und Abstammung. Nach dieser Definition spiegeln kulturelle Identitäten die gemeinsame historische Erfahrung und die gemeinsamen kulturellen Codes, die eine Gemeinschaft (Nation) zu einem Volk werden lassen. Trotz Veränderungen in der aktuellen Geschichte, stellt die kulturelle Identität einen stabilen und gleichbleibenden Referenz- und Bedeutungsrahmen zur Verfügung (vgl. Hall 1994, S.27).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656383130
ISBN (Buch)
9783656387206
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210576
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
eine analyse identitätskonstrukten identitäten gesellschaft

Autor

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