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Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung von Unternehmenskrisen in Jahresabschlüssen

Am Beispiel der manroland AG

Masterarbeit 2012 87 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Gang der Untersuchung
1.4. Definition

2. Vorstellung der manroland AG
2.1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen der manroland AG
2.2. Rechtliche Rahmenbedingungen der manroland AG

3. Erfassung der Daten aus dem Geschäftsbericht
3.1. Grundlagen der Datenerfassung
3.2. Die Erfassung der Posten der Bilanz
3.3. Die Erfassung der Posten der Gewinn- und Verlustrechnung
3.4.1 Der ordentliche Betriebserfolg
3.4.2 Der Finanz- und Verbunderfolg
3.4.3 Der außerordentliche Erfolg
3.4.4 Der Bewertungserfolg
3.4.1 Die Berechnung der Cashflows

4. Kennzahlenbildung und -interpretation
4.1. Die Analyse der Vermögenslage
4.1.1 Die Analyse der Vermögensstruktur
4.1.2 Die Analyse des Anlagevermögens
4.1.4 Teilurteil zur Vermögenslage der manroland AG
4.1.3 Die Analyse des Umlaufvermögens
4.2. Die Analyse der Finanzlage
4.2.1 Die Analyse der Kapitalstruktur
4.2.2 Die Analyse der horizontalen Bilanzstruktur
4.2.3 Zahlungsstromorientierte Analyse der Finanzlage
4.2.4 Teilurteil zur Finanzlage der manroland AG
4.3. Die Analyse der Erfolgslage
4.3.1 Die Erfolgsquellenanalyse
4.3.2 Die Rentabilitätskennzahlen
4.3.3 Die Analyse der Ertrags- und Aufwandsstruktur
4.3.4 Teilurteil zur Erfolgslage der manroland AG
4.4. Segmentorientierte Analyse

5. Qualitative Analyse der Jahresabschlüsse
5.1. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
5.2. Änderung der Methoden im Vergleich zum Vorjahr
5.3. Sachverhaltsgestaltende Maßnahmen
5.4. Sonstige Zusatzinformationen
5.5. Semiotische Bilanzanalyse
5.6. Teilurteil zur qualitativen Analyse

6. Das Saarbrücker Modell
6.1. Quantitativer Teil
6.2. Qualitativer Teil

7. Bildung eines Gesamturteils

8 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.2-1 Zeitlicher Überblick

Abbildung 3.2-1 Erhaltene Anzahlungen auf Vorräte der König & Bauer AG

Abbildung 3.2-2 Originäre & Modifizierte Bilanz manroland AG

Abbildung 3.2-3 Originäre & Modifizierte Bilanz KBA

Abbildung 3.4.1-1 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Erträge“ manroland AG

Abbildung 3.4.1-2 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Erträge“ KBA

Abbildung 3.4.1-3 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Aufwendungen“

Abbildung 3.4.1-4 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Aufwendungen“

Abbildung 3.4.1-5 Ordentlicher Betriebserfolg manroland AG

Abbildung 3.4.1-6 Ordentlicher Betriebserfolg der König & Bauer AG

Abbildung 3.4.2-1 Finanz- und Verbunderfolg der manroland AG 2006-2010

Abbildung 3.4.2-2 Finanz- und Verbunderfolg der KBA 2006-2010

Abbildung 3.4.3-1 Außerordentlicher Erfolg der manroland AG 2006-2010

Abbildung 3.4.3-2 Außerordentlicher Erfolg der KBA AG 2006-2010

Abbildung 3.4.4-1 Der Bewertungserfolg der manroland AG 2006-2010

Abbildung 3.4.4-2 Der Bewertungserfolg der KBA 2006-2010

Abbildung 3.4.4-3 Ergebnis originär und modifiziert manroland AG

Abbildung 3.4.4-4 Ergebnis originär und modifiziert KBA

Abbildung 3.4.1-1 Kapitalflussrechnung manroland AG

Abbildung 3.4.1-2 Kapitalflussrechnung König & Bauer AG

Abbildung 4.1.1-1 Vermögensintensität manroland AG vs. KBA

Abbildung 4.1.1-2 Analyse der Aktiva & Gegenüberstellung mit Verbindlichkeiten aus LuL

Abbildung 4.1.2-1 Analyse des immateriellen Vermögens / Innovation Capital

Abbildung 4.1.2-2 Analyse des Sachanlagevermögens

Abbildung 4.1.2-3 Analyse der Nettoinvestitionsdeckung

Abbildung 4.1.3-1 Gleichzeitige Betrachtung der Entwicklung der Wachstumsraten

Abbildung 4.1.3-2 Analyse der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Abbildung 4.1.3-3 Analyse der Konzernverflechtung (Forderungen)

Abbildung 4.2.1-1 Analyse der Kapitalstruktur manroland AG

Abbildung 4.2.1-2 Analyse der Kapitalstruktur KBA

Abbildung 4.2.1-3 Bilanzpolitische Maßnahmen manroland AG

Abbildung 4.2.1-4 Bilanzpolitische Maßnahmen manroland AG Kennzahl Eigenkapital

Abbildung 4.2.1-5 Analyse der Rücklagen

Abbildung 4.2.2-1 Goldene Bilanzregel / Anlagendeckungsgrad II

Abbildung 4.2.2-2 Liquidität des 1./2./3. Grades

Abbildung 4.2.3-1 Cashflow manroland AG

Abbildung 4.2.3-2 Cashflow KBA

Abbildung 4.3.1-1 Ergebnisbeitrag manroland AG

Abbildung 4.3.1-2 Ergebnisbeitrag KBA

Abbildung 4.3.2-1 Eigenkapitalrentabilität manroland AG vs. König & Bauer AG

Abbildung 4.3.2-2 ROI manroland AG vs. König & Bauer AG

Abbildung 4.3.3-1 Durchschnittskosten Schulden manroland AG vs. König & Bauer AG

Abbildung 4.4-1 Segmentberichterstattung

Abbildung 4.4-2 Segmentorientierte Analyse manroland AG

Abbildung 5.1-1 Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Abbildung 5.2-1 Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Abbildung 5.3-1 Sachverhaltsgestaltende Maßnahmen

Abbildung 5.4-1 Sonstige Zusatzinformationen I

Abbildung 5.4-2 Sonstige Zusatzinformationen II

Abbildung 6.1-1 Intervalle und Punkte des Saarbrücker Modells

Abbildung 6.1-2 Ertragsstärkeklassen im Saarbrücker Modell

Abbildung 6.1-3 Saarbrücker Modell, qualitativer Teil manroland AG

Abbildung 6.2-1 Saarbrücker Modell, Indikatoren progressiver Bilanzpolitik

Abbildung 6.2-2 Saarbrücker Modell, Indikatoren konservativer Bilanzpolitik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Am 25.11.2011 verkündete die manroland AG die größte Firmenpleite der vergangenen zwei Jahre in Deutschland. Die drohende Zahlungsunfähigkeit des renommierten Druckriesen war trotz der finanziell angespannten Branchensituation ein Schock. Die Altgesellschafter MAN SE und ALLIANZ SE verweigerten zu diesem Zeitpunkt weitere vor allem finanzielle Unterstützung der manroland AG.

Die Branche kämpft seit mehreren Jahren mit rückläufigen Umsätzen v.a. auf Grund technologischer Entwicklungen. Der geplante Verkauf bzw. die Fusion mit dem größten Wettbewerber, der Heidelberger Druckmaschinen AG, und ein geplanter Börsengang platzten vor mehreren Jahren. Als Hauptgrund der Insolvenz führte die Unternehmensleitung die Finanzkrise und die damit verbundenen Folgen an.[1]

Besteht für externe Stakeholder die Notwendigkeit, Informationen über die wirtschaftliche Lage der manroland AG zu generieren, so bietet der Jahresabschluss dazu grundsätzlich die Möglichkeit. Um aber ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der manroland AG zu erhalten, reicht es nicht aus, allein den Jahresabschluss zu betrachten. Es ist vielmehr notwendig, die Jahresabschlüsse zu zerlegen, die Informationen umzusortieren und verschiedene Kennzahlenvergleiche anzustellen, um eine aussagekräftige Bilanzanalyse der manroland AG zu gewährleisten.

1.2. Zielsetzung

Diese Masterarbeit stellt sich der Herausforderung, zu prüfen, ob eine Insolvenz der manroland AG durch den Einsatz bilanzanalytischer Instrumente bereits früher absehbar gewesen wäre. Die Arbeit analysiert in Form einer Fallstudie die externe Rechnungslegung. Hierbei nimmt sie die Perspektive eines Fremdkapitalgebers ein. Für Fremdkapitalgeber ist von Bedeutung, ob die manroland AG in der Lage ist, ihren gegenwärtigen bzw. zukünftigen Verpflichtungen aus den bestehenden aber auch potentiellen neuen Kreditverhältnissen nachzukommen.[2] Demzufolge muss unter anderem das Analyseziel auf die Zahlungsfähigkeit bzw. Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens gerichtet werden. Zahlungsunfähigkeit liegt dann vor, wenn das Unternehmen nicht mehr in der Lage ist, seine fälligen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Dies wäre aber nur aus internen Finanzplänen des Unternehmens ersichtlich. Dem externen Bilanzanalytiker sind nur Daten des Bilanzstichtags bekannt. Gibt es also Möglichkeiten, Indikatoren für die zukünftige Liquiditätsentwicklung abzuleiten?[3] Eine langfristige Kreditvergabe setzt daneben eine langfristig stabile Ertragslage voraus. Im Fokus der Analyse steht die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Hierunter wird die Fähigkeit eines Unternehmens verstanden, die Unternehmensziele auch in Zukunft erreichen zu können. Nachdem diese Ziele von Unternehmen oft unterschiedlich definiert werden, kann allgemein aber auch im Falle der manroland AG die Fortführung des Unternehmens als Unternehmensleitziel erachtet werden. Dadurch wird die Bestandsfestigkeit der manroland AG in den Vorjahren der Insolvenz zwischen 2006 – 2010 zum zentralen Ziel dieser Bilanzanalyse.[4]

Bei der Analyse geht die Arbeit vornehmlich auf die Regelungen für große Kapitalgesellschaften und der HGB-Bilanzierung ein. Unterschiede z.B. zur Offenlegung von kleinen und mittelgroßen Kapital- aber auch Personengesellschaften sowie zur IFRS-Rechnungslegung werden nicht explizit erläutert.

1.3. Gang der Untersuchung

Da sich bislang keine abschließende Theorie finden lässt, bietet die einschlägige Literatur unterschiedliche Ansätze zur Bilanzanalyse.[5] In den letzten Jahren haben sich v.a. statistische Verfahren wie beispielsweise verschiedene Methoden der Varianzanalyse oder die Analyse künstlicher neuronaler Netze herauskristallisiert. Diese Methoden sind mittlerweile relativ aussagekräftig. Beide Methoden weisen dennoch einen Alphafehler (Falschidentifizierungen eines vermeintlich guten Unternehmens) von 8,75% und einen Betafehler (Falschidentifizierung eines vermeintlichen schlechten Unternehmens) zwischen 40,54% und 48,46% aus.[6] Grundlegend ist für die Aussagefähigkeit eine breite Datenbasis an Vergleichsunternehmen nötig, welche vielfach wie auch im Fall der manroland AG nicht zur Verfügung steht.

Diese Arbeit bedient sich der Methode der quantitativen Bilanzanalyse. Diese wird um eine qualitative Bilanzanalyse ergänzt, um der Kritik der traditionellen Kennzahlenrechnung zu begegnen. Als Scoringmodell wird zudem das Saarbrücker Modell, das quantitative Aspekte mit einer Analyse der angewandten Bilanzpolitik kombiniert, eingesetzt, um eine ganzheitliche Aussage über die wirtschaftliche Lage der manroland AG treffen zu können.

Zunächst wird nach dem Prinzip der Analysezielorientierung das Ziel des Bilanzanalysten und damit die Grundlage der Bilanzanalyse festgelegt. Nach der Definition des Analyseziels werden das Unternehmen und dessen Umfeld näher analysiert. Die Wettbewerbssituation der manroland AG wird ebenso beleuchtet wie die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens oder des Marktes.[7]

Als zentrales Element der Arbeit werden die quantitativen Informationen des Jahresabschlusses herausgearbeitet. Die manroland AG wird anhand eines Fünf-Jahres-Betriebsvergleichs analysiert. Zudem dient ein Betriebsvergleich mit dem renommierten Wettbewerber König & Bauer AG, welcher die Branchenkrise bisher sicher gemeistert hat, als Benchmark. Nachdem die Jahresabschlüsse jedoch nicht den Erfordernissen der Bilanzanalyse entsprechen, werden die quantitativen Informationen der Bilanz und GuV aus den Vorjahren der Insolvenz in einem einheitlichen Erfassungsschema erfasst und aufbereitet. Durch die Vereinheitlichung wird eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse gewährleistet. Daneben werden die für die Bilanzanalyse relevanten Angaben aus dem Anhang und Lagebericht gesondert erfasst.[8]

Im Anschluss an die Aufbereitung werden die modifizierten Rechnungslegungsdaten durch die Bildung von ausgewählten Kennzahlen untersucht, um zu klären, ob der Ausbruch der Krise schon früher von außen erkennbar gewesen wäre. Die Bildung der Kennzahlen erfolgt möglichst kreativ, um sachverhaltsgestaltende und bilanzpolitisch motivierte Maßnahmen weitestgehend eliminieren zu können. Zu den verwendeten Kennzahlen werden Arbeitshypothesen gebildet, welche indizieren, ob ein hoher oder ein niedriger Kennzahlenwert positiv oder negativ zu beurteilen ist.[9] Dies ist nötig, um die einzelnen Teillagen (Vermögens-, Finanz- und Ertragslage) aber auch die Gesamtlage des Unternehmens darzustellen. Bei der Bildung der Teilurteile werden mehrere Kennzahlen gemeinsam betrachtet und um qualitative Informationen ergänzt. Die Bildung von Kennzahlen auf Segmentebene ist auf Grund fehlender Segmentberichterstattung, welche aus der nicht veröffentlichten Konzernbilanz möglich gewesen wäre, nur teilweise möglich. Die Segmente der manroland AG werden auf Grundlage des vorhandenen Datenmaterials aus den Geschäftsberichten analysiert.

Mindestens von gleicher Bedeutung sind qualitative Analysemethoden wie beispielsweise eine Untersuchung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, deren Änderungen im Betrachtungszeitraum sowie ergänzende Zusatzinformationen. Zusätzlich wird im Rahmen einer vereinfachten semiotischen Bilanzanalyse die Sprache des Geschäftsberichts analysiert. Hierbei bilden Informationsumfang aber auch die Präzision der Bilanzierung Indikatoren, welche bei der Bilanzanalyse zu berücksichtigen sind. Als Ergänzung zur qualitativen und quantitativen Analyse werden Kennzahlen entsprechend des Saarbrücker Modells aufbereitet. Das Saarbrücker Modell liefert vor allem bei einer Bilanzierung nach HGB aussagekräftige Ergebnisse. Es wird unterstellt, dass je nach Unternehmenslage ein entsprechendes Bilanzierungs- und Bewertungsverhalten als Ausdruck zielorientierter Bilanzpolitik angewandt wird.[10]

Im letzten Schritt dieser Arbeit werden die gewonnen Ergebnisse interpretiert und unter Berücksichtigung vor allem qualitativer Informationen ein realistisches Gesamturteil in Bezug auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gefällt.

1.4. Definition

Unter Bilanz- oder Jahresabschlussanalyse wird die Untersuchung, Aufbereitung und Auswertung von Jahresabschluss und Lagebericht mittels Kennzahlen, Kennzahlensystemen und sonstiger Methoden verstanden. Die Bilanzanalyse soll hierbei ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der wirtschaftlichen Lage abgeben. Die wirtschaftliche Lage setzt sich aus der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zusammen. In Literatur und Praxis werden die beiden Begriffe „Jahresabschlussanalyse“ und „Bilanzanalyse“ synonym verwendet. Darunter wird immer eine Analyse des kompletten Jahresabschlusses, eventuell ergänzt um die Analyse des Lageberichts, verstanden.[11]

2. Vorstellung der manroland AG

Um sich einen ersten Überblick über die manroland AG zu verschaffen, werden im Folgenden die veröffentlichten Informationen über die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen systematisiert dargestellt. Dies ist nötig, um die Interpretation der im Späteren ermittelten Kennzahlen zu ergänzen, falls auf Grund der eigentlichen Bilanzanalyse Informationsmängel oder Interpretationsspielräume bestehen.[12]

2.1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen der manroland AG

In den Berichtsjahren 2006 - 2010 weisen sowohl die manroland AG als auch die König & Bauer AG darauf hin, dass sich die Weltwirtschafts- und Finanzkrise, welche sich vornehmlich aus der Sub prime-Krise der USA herausgestellt hat, erheblichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung der Unternehmen und der Branche hat. Die Unternehmen haben vor allem ab Ende 2008 aber deutlich stärker in 2009 mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen. Für die Druckindustrie spiegelt sich die Krise durch eine geringere Auslastung der Maschinenproduktion, verursacht durch geringere Werbeausgaben und einer zögerlichen Kreditpolitik der Banken, wider. Dies führt kundenseitig zu geringeren Investitionen. Die Druckereien und Verlage als Kunden der manroland AG sehen sich selbst mit Finanzierungsproblemen konfrontiert. Dieser klassische Dominoeffekt wird zudem verstärkt durch den digitalen Wandel der Medienlandschaft. Das geänderte Medienverhalten in Bezug auf die Nutzung des Mediums Internet aber auch des Digitaldrucks nimmt erheblichen Einfluss auf die Auslastung der Unternehmen.[13]

Die manroland AG gilt als drittgrößter Hersteller von Rollen- und Bogendruckmaschinen hinter der Heidelberger Druckmaschinen AG und der König & Bauer AG. Die Branche ist auf Grund der rückläufigen Auftragsvolumina in den Untersuchungsjahren stark belastet. Preiskämpfe resultieren nicht nur aus der Vormachtstellung der drei traditionsreichen deutschen Maschinenbauern sondern auch aus der Konkurrenz aus Fernost. Gemäß eigener Marktanteilsberechnung ist die manroland AG im Bereich Rollenoffset Weltmarktführer. Ergänzt werden die Herstellung und der Vertrieb der Offsetdruckmaschinen durch sog. PRINTVALUE-Dienstleistungen, welche sich aus Wartung, Verbrauchs- und Ersatzteilversorgung sowie verschiedenen projekt- und prozessbezogenen Dienstleistungen zusammensetzen.[14] Wesentlicher Unternehmensgegenstand der manroland AG ist die Herstellung und der Vertrieb von Bogen- und Rollenoffsetdruckmaschinen. Das Unternehmen bietet seinen Kunden ein weltweites Vertriebs- und Servicenetz, das neben eigenen Produkten sämtliche Geräte und Materialien vermarktet, die den Druckprozess begleiten.[15]

Als Erklärung für das sich verschlechternde Ergebnis stellt die manroland den andauernd harten Wettbewerb sowie die zeitverzögernde Anpassung der Fixkostenstruktur an, welche in Verbindung mit hohen Kosten für Strukturanpassungsmaßnahmen verbunden sind. Maßnahmen wie Standortschließungen (Werk Mainhausen) oder Personalabbau führen zunächst zu hohen Restrukturierungskosten, welche verbunden mit dem Nachfragerückgang zu einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses führten.[16] Daneben berichtet die manroland AG, dass Konzentrationsprozesse der mittelständischen Kunden zu weiteren Umsatzeinbußen geführt haben und dass auch Liquiditätsengpässe der Kunden Auswirkungen auf die manroland AG haben.[17]

2.2. Rechtliche Rahmenbedingungen der manroland AG

Historisch entstand die manroland AG im Jahr 2006 aus der Verschmelzung der manroland Druckmaschinen AG und der MAN Roland Druckmaschinen GmbH. Am 27. Mai 2008 erfolgte die Umfirmierung der MAN Roland Druckmaschinen Aktiengesellschaft zur manroland AG.

Bis zur Insolvenz Ende 2011 haben die Anteilseigener, der Allianz-Investor Allianz Capital Partners (ACP) mit 75% Anteilen und MAN mit 25% Anteilen erfolglos versucht, die manroland AG zu verkaufen. Frische Investoren waren aber nicht bereit, Altlasten in Form von Verbindlichkeiten zu übernehmen. Vielmehr war zu erwarten, dass potentielle Investoren an einer verschlankten Fortführungslösung interessiert sind. Jedoch ist zu beachten, dass die Insolvenz der manroland AG erheblichen Schaden auf die Reputation des Unternehmens wirft. Von immenser Bedeutung für die Kunden der teuren Druckmaschinen ist die Verlässlichkeit der Ersatzteillieferung und Wartungsmöglichkeit der hochwertigen Maschinen.[18] Die manroland AG wurde bis zur Insolvenz in den Konzernabschluss der Allianz SE, München, einbezogen.[19] Die Finanzierung der manroland AG und seiner verbundenen Unternehmen liegt beim Konzern-Treasury, welches bei der manroland AG angesiedelt ist. Die Zahlungsmittelbestände und Kapitalmaßnahmen werden zentral im Konzern-Treasury gesteuert.[20]

Die aufgeführten Abschlüsse wurden nach HGB bzw. BilMoG erstellt. Die Gewinn- und Verlustrechnungen beider Unternehmen sind nach dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt. Da beide Unternehmen nach dem identischen Rechnungslegungswerk bilanzieren, ist ein sinnvoller Unternehmensvergleich der Abschlüsse gewährleistet. Unterschiede werden daher nicht durch unterschiedliche Rechnungslegungswerke konterkariert.[21] Neben dem Einzelabschluss erstellt die manroland AG einen Konzernabschluss nach IFRS für die Konzernrechnungslegung der Allianz SE. Ein Vergleich der Konzernabschlüsse war auf Grund fehlender Veröffentlichung durch die manroland AG nicht möglich. Die manroland AG veröffentlicht ihren Konzernabschluss im größten Konsolidierungskreis der Allianz SE und ist daher von weiteren Veröffentlichungen nach § 291 HGB befreit. Auf Grund der uneingeschränkten Bestätigungsvermerke in den Untersuchungsjahren durch die Abschlussprüfer kann auf die Richtigkeit des Datenmaterials vertraut werden.[22] Als Abschlussprüfer wurde durchgehend die KPMG benannt.

Abbildung 2.2-1 zeigt wesentliche Eckpunkte in den Untersuchungsjahren vor der Insolvenz der manroland AG auf. Die Verschmelzung im Jahr 2006 führte zunächst zu einem erheblichen Goodwill, welcher über 15 Folgejahre abgeschrieben werden sollte. Die Abschreibungen belasten das Ergebnis erheblich. Die Jahre 2007 und 2008 heben sich auf Grund guter Auslastung als positive Geschäftsjahre in der Firmengeschichte hervor. Ab dem Jahr 2009 beeinflussten die Weltwirtschaftskrise und vor allem die Finanzkrise erheblich die Auftragslage im Maschinenbau. Die manroland AG war auf zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 200 Mio. Euro durch die Altgesellschafter angewiesen. Da die langfristigen Auswirkungen der Krise absehbar waren, wurden Restrukturierungsprogramme verfolgt. Diese verursachten durch den Personalabbau zunächst gleichwertige bzw. höhere Kosten, welche wiederum das Ergebnis belasteten. Ebenso hat die Schließung des Fertigungsstandorts in Mainhausen und Verlagerung nach Offenbach im Restrukturierungsprogramm „Stand Alone – ZusammenWachsen“ als notwendige Maßnahme zur Kapazitätssenkung zunächst zur Ergebnisbelastung beigetragen.[23] Der hohe Fixkostenblock der manroland AG wird als Hauptgrund für die fehlende Anpassungsfähigkeit bzw. Flexibilität gesehen. Daher war die manroland AG nicht in der Lage, kurzfristig auf den Umsatzeinbruch zu reagieren. Als die Verhandlung mit potenziellen Investoren im November 2011 scheiterte, wurde die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Die Eigenverwaltung wurde durch den vorläufigen Insolvenzverwalter Werner Schneider übernommen. Nach der Insolvenz im Jahr 2011 ging ein Teil des Unternehmens Anfang 2012 an den Lübecker Finanzinvestor Possehl über, der seit Juli 2012 kräftig in das Werk in Augsburg investiert.[24] Die Zukunft des Werks in Plauen ist noch fraglich, wird aber durch die Possehl-Gruppe durch Zuliefererverträge gestützt. Der Standort Offenbach wurde durch den englischen Maschinenbauer Tony Langley sowie der privat geführten Engineering Gruppe Langley Holdings plc akquiriert. Daneben erwarb Langley die manroland-Vertriebsorganisationen in über 40 Ländern.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Erfassung der Daten aus dem Geschäftsbericht

3.1. Grundlagen der Datenerfassung

Die externe Bilanzanalyse ist im Besonderen von der Qualität des zur Verfügung stehenden Datenmaterials d.h. von den Angaben im Jahresabschluss, Lagebericht bzw. Geschäftsbericht abhängig. Die Daten werden in einem einheitlichen Erfassungsschema zusammengetragen. Als Prämisse der Erfassung wird insbesondere die Vollständigkeit und Einheitlichkeit bei der Erfassung als wichtig erachtet, um Informationsmängel aus den bestehenden Jahresabschlüssen zu beheben und Vergleiche im Zeitverlauf bzw. Betriebsvergleich erst zu ermöglichen.[26]

Bilanz und GuV werden zunächst originalgetreu erfasst. In einer ersten Umbuchungsphase werden einzelne Jahresabschlussposten modifiziert. Diese Maßnahmen dienen lediglich der Vereinheitlichung des Datenmaterials. Davon zu unterscheiden sind die Saldierungen bzw. Umstrukturierungen. Dieser weitere Schritt wird erst bei der Bildung von kreativen Kennzahlen notwendig.

Relevante Informationen, welche nicht in diesem Schema dargestellt werden können, aber dennoch für die Analyse von Bedeutung sind, werden in einem gesonderten Teil als Zusatzinformation erfasst wie beispielsweise die Angaben zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. Diese sind notwendig, da bilanzielle Ansatz- und Bewertungswahlrechte, Ermessensspielräume und Sachverhaltsgestaltungen die wirtschaftliche Lage im Jahresabschluss verändern. Ansatzwahlrechte und Bewertungswahlrechte, wie sie in den meisten Regelwerken enthalten sind, ermöglichen dem Entscheider entsprechend seinen individuellen Zielen zu bilanzieren. Ebenso stellen Ermessenspielräume einen Mangel dar. Sie entstehen dadurch, dass sich Sachverhalte im Gesetz nicht abschließend regeln lassen wie beispielsweise die Bewertung von Rückstellungen. Im Rahmen der Sachverhaltsgestaltung beeinflussen Entscheider zielgerichtet durch rechtliche und wirtschaftliche Handlungen, um somit den Abschluss entsprechend den bilanziellen Zielen darzustellen. Dieser dritte Schritt der Bilanzanalyse hat vornehmlich zum Ziel, den Jahresabschluss und den Lagebericht für die weitere Analyse transparent zu machen und zu systematisieren. Ergebnis dieses Abschnitts ist ein Erfassungsschema und Zusatzinformationen.[27]

3.2. Die Erfassung der Posten der Bilanz

Die Jahresabschlüsse wurden dem Grundsatz der Vollständigkeit entsprechend mit dem ursprünglichen Datenmaterial der Abschlüsse 1:1 im Erfassungsschema erfasst. Anschließend werden Modifikationen vorgenommen, um ein vergleichbares Bild der Unternehmen zu erhalten.[28]

Ausstehende Einlagen nach §272 Abs. 1 Satz 2 HGB waren bei beiden Unternehmen im Vergleichszeitraum nicht vorhanden und mussten daher nicht in das Eigenkapital eingebucht werden.

Die Erfassung des Geschäfts- oder Firmenwertes kann nach §255 Abs. 4 HGB als Aktivposten mit anschließender Abschreibung in den Folgejahren erfolgen oder im Jahr des Erwerbs erfolgswirksam abgeschrieben werden. Im Konzernabschluss (der bei manroland nicht vorliegt) besteht zudem die Möglichkeit, den Geschäfts- oder Firmenwert nicht zu aktivieren, sondern erfolgsneutral mit den Rücklagen zu verrechnen, was bei einem Vergleich mit einem andersgearteten Ansatz des Vergleichsunternehmens zu Problemen führt. Der GoF ist wie jeder andere Vermögensgegenstand zu behandeln, d.h. er ist zu aktivieren und planmäßig - gegebenenfalls außerplanmäßig - abzuschreiben. Aus Vorsichtsgründen v.a. wegen fehlender Einzelverkehrsfähigkeit ist eine Saldierung des GoF mit dem Eigenkapital im Rahmen der Bilanzanalyse weiterhin zulässig.[29] Erheblichen Einfluss auf das Ergebnis während des Betrachtungszeitraums hatte der Goodwill aus der Verschmelzung im Jahr 2006. Der GoF in Höhe von 80,0 Mio. € wurde zunächst aktiviert und über 15 Folgejahre abgeschrieben. Im Jahr 2010 wurde der GoF auf Grund einer neuen Einschätzung der Ergebnisprognosen in Höhe von 31,3 Mio. Euro außerplanmäßig wertberichtigt. Die Abschreibungen belasten das Ergebnis erheblich.[30]

Erhaltene Anzahlungen auf Vorräte sind für Druckmaschinenhersteller ein typischer Bestandteil der Kundenverträge und werden als Vorauszahlung betrachtet. Diese sind den Verbindlichkeiten auf der Passivseite zuzuordnen. Die Bilanzsumme erhöht sich um den Betrag der auf der Aktivseite ausgewiesenen erhaltenen Anzahlungen.[31] Gegenteilig zur manroland AG weist die König & Bauer AG die Anzahlungen auf die Vorräte im Umlaufvermögen aus. Es erfolgt eine Umbuchung der Anzahlung auf die kurzfristigen Forderungen in den Posten „Erhaltene Anzahlungen“. Dadurch ergeben sich folgende Veränderungen in der Bilanz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die im Umlaufvermögen erhaltenen Anteile des eigenen Unternehmens sind auf Grund ihres Doppelcharakters ähnlich wie ausstehende Einlagen als Korrekturposten des Eigenkapitals zu interpretieren. Dies bewirkt eine Kürzung der Bilanzsumme entsprechend der Summe der eigenen Anteile.[32] In den Jahresabschlüssen der manroland AG wurden keine eigenen Anteile ausgewiesen.[33] Bei der König & Bauer AG bestand seit 2006 ein Beschluss der Hauptversammlung, im Bedarfsfall eigene Aktien zu erwerben. Bis zum Jahr 2010 wurden keine eigenen Aktien im Bestand der König & Bauer AG geführt.[34] Daher sind weitere Interpretationen nicht erforderlich.

Zum Zwecke der Bilanzanalyse darf jede Bilanzseite nur aus zwei Komponenten, nämlich Anlage- und Umlaufvermögen auf der Aktivseite und Eigen- und Fremdkapital auf der Passivseite, bestehen. Aktivische Rechnungsabgrenzungsposten werden grundsätzlich in das Umlaufvermögen umgebucht, da diese auf Grund ihrer kurzfristigen Natur zur Bilanzanalyse dort subsummiert werden können. Ein Disagio ist getrennt zu den restlichen Rechnungsabgrenzungsposten zu erfassen.[35] Beim Disagio handelt es sich um einen reinen Aktivtausch, was keine Änderung der Bilanzsumme bewirkt. Die aktiven latenten Steuern sind ein nicht unumstrittener Posten bei der Bilanzanalyse, da teilweise gefordert wird, diesen gegen das Eigenkapital zu buchen. Weber behauptet hierzu, dass das Disagio eine Verpflichtung eines Unternehmens darstellt, welchem kein konkreter Gegenwert gegenübersteht. Daher muss das Disagio aus dem Rechnungsabgrenzungsposten ausgesondert und gegen das Eigenkapital verrechnet werden.[36] Bei der manroland AG wurden sowohl Disagio als auch die aktivischen latenten Steuern separat im Umlaufvermögen erfasst. Bei der König & Bauer AG hingegen waren die aktivischen Rechnungsabgrenzungsposten nicht genauer definiert und wurden in einer Summe dem Umlaufvermögen zugeordnet.

Der Sonderposten mit Rücklageanteil wird im Erfassungsschema gesondert vom Eigen- und Fremdkapital berücksichtigt. Der Sonderposten besteht zu Teilen aus Eigen- und Fremdkapital. Bei der manroland AG stammt der Sonderposten aus den Beendigungen von Arbeitsverhältnissen der ehemaligen MAN Roland Druckmaschinen AG zum Ende des Geschäftsjahres 2005. Der übersteigende Betrag in Höhe von 162.000 € wurde in den Jahren 2006 und 2007 erfolgswirksam aufgelöst.[37] Dieser Mischposten aus steuerfreien Rücklagen enthält sowohl Eigenkapitalanteile als auch Fremdkapitalanteile. Die Fremdkapitalanteile ergeben sich aus der bei der Auflösung einsetzenden Besteuerung des Sonderpostens, die auch als Rückstellungen für Steuerverpflichtungen betrachtet werden können. Aus Vereinfachungsgründen wird dieser Posten im Verhältnis 70 zu 30 auf Eigen – und Fremdkapital aufgeteilt (Buchung g).[38] Der Sonderposten mit Rücklageanteil wird ab dem Jahr der Umstellung auf BilMoG hinfällig.[39]

Die Höhe der Aufwandsrückstellungen wurde weder bei der manroland AG noch bei König & Bauer AG quantifiziert. Daher können diese nicht explizit im Erfassungsschema berücksichtigt werden.[40]

Das Ziel der Strukturbilanz ist es, auch auf der Passivseite lediglich zwei Teilkomponenten zu erhalten – nämlich das Eigen- und das Fremdkapital. Die passivischen Rechnungsabgrenzungsposten sind den Verbindlichkeiten zuzuordnen.[41] In den Jahresabschlüssen 2006-2010 von manroland und König & Bauer wurden keine passivischen Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen. Das Ergebnis ist der modifizierte Jahresabschluss, wie in Abbildung 3.2-2 bzw. Abbildung 3.2-3 aufgezeigt wird. Dieser bewirkt eine Darstellung der Bilanz und GuV entsprechend ihres wirtschaftlichen Charakters aber abweichend von bestimmten störenden Gliederungsvorschriften des HGB. Diese Daten sind die Basis für den vierten Schritt der Bilanzanalyse, in welchem Kennzahlen berechnet werden müssen.[42]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.2-3 Originäre & Modifizierte Bilanz KBA

3.3. Die Erfassung der Posten der Gewinn- und Verlustrechnung

Im folgenden Abschnitt wird die Erfassung der GuV-Posten der Jahresabschlüsse der manroland AG und der König & Bauer AG betrachtet. Beide Unternehmen stellen die GuV nach dem Umsatzkostenverfahren dar. Dadurch ist ein Vergleich der beiden Unternehmen aussagekräftig. Das Umsatzkostenverfahren erleichtert internationale Vergleiche, wohingegen das Gesamtkostenverfahren beispielsweise in den USA nicht anerkannt wird.[43] Ebenso wie beim Erfassungsschema der Bilanz werden auch die Daten der GuV zunächst originaltreu erfasst. Danach werden Modifikationen bzw. Umbuchungen beispielsweise in den sonstigen betrieblichen Erträgen und Aufwendungen sowie der Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung vorgenommen. Das Jahresergebnis wird durch die Modifikationen nicht beeinflusst, sondern in unterschiedliche Erfolgsquellen aufgespalten: ordentlicher Betriebserfolg, Finanz- und Verbunderfolg, außerordentlicher Erfolg und Bewertungserfolg.[44]

Die Erfolgsspaltung deutscher Kapitalgesellschaften nach handelsrechtlichen Vorschriften wird den Anforderungen einer Bilanzanalyse nur bedingt gerecht. Daher ist es sinnvoll, die Erfolgsspaltung des Jahresabschlusses zu modifizieren.[45] Neben der handelsrechtlichen Erfolgsspaltung stehen verschiedene Alternativen der Erfolgsspaltung zur Verfügung wie beispielsweise nach den Kriterien Nachhaltigkeit, Betriebszugehörigkeit und Periodenbezogenheit. Auf Grund der detaillierten Erfassung des Jahresabschlusses mit anschließender Saldierung und Umstrukturierung lassen sich die Kennzahlen individuell entsprechend des jeweiligen Analyseziels bei der Kennzahlenbildung treffen und sind nicht bereits bei der Erfassung des Jahresabschlusses vorgegeben. Im Folgenden wird die handelsrechtliche Gewinn- und Verlustrechnung entsprechend des Analyseziels – die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu beurteilen – nach folgenden Erfolgsquellen aufgespalten: Ordentlicher Betriebserfolg, Finanz- und Verbunderfolg, außerordentlicher Erfolg und Bewertungserfolg.

3.4.1 Der ordentliche Betriebserfolg

Der ordentliche Betriebserfolg stellt die Erfolgsbestandteile dar, welche dem originären Geschäftsmodell des Unternehmens entsprechen und mit dem nachhaltig erzielbare Erfolge gezeigt werden.

Nachfolgend werden die Posten „ Sonstige betriebliche Erträge “ korrigiert um periodenfremde, ungewöhnliche oder einmalige Erträge. Diese werden in den außerordentlichen Erfolg umgebucht.[46] Bei der manroland wurden die sonstigen betrieblichen Erträge um die Anlagenabgänge, Erträge aus Währungsgewinn und die Erstattung einer einmaligen Tantiemenzahlung im Jahr 2007 in Höhe von 1.800 T€ in den außerordentlichen Erfolg umgebucht. Die Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen wurden ebenfalls korrigiert, wobei es bei der Höhe einen Widerspruch für das Jahr 2009 aus dem Jahresabschluss 2009 (2.095T€) und aus den Vorjahreszahlen des Jahresabschlusses 2010 (5.222T€) gab.[47] Zur weiteren Berechnung der Auflösung von Rückstellungen für das Jahr 2009 wird der Wert von 2.095 T€ angesetzt. Weitere Korrekturen ergaben sich aus den Detailinformationen in Bezug auf Anlagenabgang und Währungsgewinn. Die Angaben zu den sonstigen betrieblichen Erträgen der König & Bauer AG beschränken sich hauptsächlich auf die Unterscheidung nach periodenfremden Erträgen aus der Auflösung von Rückstellungen, Wertberichtigungen, Versicherungsleistungen und Investitionszulagen. Im Jahresabschluss 2010 wurden zusätzlich Währungsgewinne für 2009 und 2010 deklariert.

Erträge aus Zuschreibungen auf das Anlagevermögen und im Geschäftsjahr aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung wurden weder bei der manroland AG noch bei den Jahresabschlüssen der König & Bauer AG explizit ausgewiesen. Eine Umbuchung in den Bewertungserfolg ist daher nicht möglich.[48] Die Auflösung des Sonderpostens mit Rücklageanteil wurde in den Bewertungserfolg bei beiden Unternehmen eingestellt. Hier wurde deutlich, dass die König & Bauer AG wesentlich stärker den Sonderposten mit Rücklageanteil nutzt als die manroland AG (Buchung e).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.4.1-1 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Erträge“ manroland AG

Von dem Posten der sonstigen betrieblichen Aufwendungen werden die außerordentlichen Abschreibungen in den außerordentlichen Erfolg als Sammelposten umgebucht (Buchung d). Als weiterer Posten der „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ werden Währungsverluste und periodenfremde Aufwendungen in den außerordentlichen Erfolg verbucht. Die Erträge aus der Auflösung und die Aufwendungen für die Einstellung in den Sonderposten mit Rücklageanteil spielen bei der manroland AG eine untergeordnete Rolle bzw. es werden keine Einstellungen und damit Aufwendungen für den Sonderposten vorgenommen. Bei der König & Bauer AG kommt es lediglich in den Jahren 2009 und 2010 zu Zuführungen, welche im Bewertungserfolg berücksichtigt wurden (Buchung e).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.4.1-3 Umbuchung ordentlicher Betriebserfolg „Sonstige betriebliche Aufwendungen“

Die sonstigen Steuern stellen Aufwendungen des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs dar. Sonstige Steuern, welche nach handelsrechtlicher Erfolgsspaltung dem Steueraufwand zugeordnet werden, sind in den ordentlichen Betriebserfolg umzubuchen (Buchung f).

Für die manroland AG ergibt sich nach den Modifikationen folgendes Bild des ordentlichen Betriebserfolgs. Der ordentliche Betriebserfolg ist in den Jahren 2006-2009 nochmals deutlich schlechter als bei der originären Darstellung im EBIT:

Abbildung 3.4.1-5 Ordentlicher Betriebserfolg manroland AG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

­Quelle: eigene Darstellung, Angaben in Mio. €

Für die König & Bauer AG ergibt sich nach den Modifikationen folgendes Bild des ordentlichen Betriebserfolgs. Bei der König & Bauer AG fällt besonders die Korrekturbuchung der sonstigen betrieblichen Erträge mit 80,2 Mio. € im Jahr 2009 auf. Diese hat deutlichen Einfluss auf den EBIT / den ordentlichen Betriebserfolg. Welcher Erfolgsquelle dieser Betrag tatsächlich entstammt, wurde im Jahresabschluss nicht genauer erläutert. Ebenso wie bei der manroland AG stellt sich in den Verlustjahren bei der König & Bauer AG ein deutlich schlechteres Ergebnis nach den Modifikationen im ordentlichen Ergebnis heraus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.4.1-6 Ordentlicher Betriebserfolg der König & Bauer AG

­Quelle: eigene Darstellung, Angaben in Mio. €

Für den Bilanzanalysten stellt die Nachhaltigkeit des ordentlichen Betriebsergebnisses die bedeutendste Erfolgsquelle für die Beurteilung der Ertragslage eines Unternehmens dar. Bei der Erfassung der Daten wurde darauf geachtet, dass nur nachhaltige und betriebliche Aufwendungen und Erträge berücksichtigt wurden. Dennoch ist für den externen Bilanzanalysten der Charakter einzelner Posten nicht immer vollständig ersichtlich, sofern entsprechende Anhangsangaben fehlen oder mangelhaft sind.[49]

[...]


[1] Vgl. Oliver Gothe-Syren, 2012

[2] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 26 f.

[3] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 73 f.

[4] Vgl. Leffson, 1984, S. 36f. i.V.m. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 29

[5] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 41

[6] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 403ff.

[7] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Übungsbuch Bilanzen und Bilanzanalyse, 2010, S. 402

[8] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Übungsbuch Bilanzen und Bilanzanalyse, 2010, S. 402

[9] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Übungsbuch Bilanzen und Bilanzanalyse, 2010, S. 403

[10] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 423ff

[11] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004 S. 1 i. V. m. Küting & Weber, 2009, S. 1

[12] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 31

[13] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2009, S. 1

[14] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2009, S. 1

[15] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2008, S. 7

[16] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2009, S. 2

[17] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2009, S. 4

[18] Vgl. Oliver Gothe-Syren, 2012

[19] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2008, S. 7

[20] Vgl. manroland, Jahresabschluß 2006-2010, S. 3 / Finanzlage

[21] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 82

[22] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 82

[23] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2010, S. 2

[24] Vgl. SKP W. S., 2012, S. 1

[25] Vgl. SKP W. S., 2012, S. 1

[26] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 32

[27] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S.33 ff.

[28] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 83

[29] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 89

[30] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2010, S. 2

[31] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 89

[32] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 90

[33] Vgl. manroland, Jahresabschluß 2006-2010

[34] Vgl. König & BauerAG, 2006-2010

[35] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 91 f.

[36] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 91

[37] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2007, S. 10

[38] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 94

[39] Vgl. Henselmann, 2009, S. 122

[40] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 94

[41] Vgl. Küting & Weber, 2009, S. 97

[42] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 84

[43] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 99

[44] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 98

[45] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 103

[46] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 118

[47] Vgl. manroland, Jahresabschluß, 2009, S. 8 i.V.m. manroland, Jahresabschluß, 2010, S. 12

[48] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 118

[49] Vgl. Baetge, Kirsch, & Thiele, Bilanzanalyse, 2004, S. 119 f.

Details

Seiten
87
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656380238
ISBN (Buch)
9783656380658
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210529
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Schlagworte
IFRS HGB; Bilanzanalyse Accounting MAN ROLAND Rentabilitätsanalyse Erfolgsanalyse Kennzahlenbildung Kennzahleninterpretation Cashflow Zahlungsströme Bilanzstruktur König & Bauer Saarbrücker Modell ROI Return on BilMoG Künstliche Neuronale Netze NWC Net Working Capital Insolvenz

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Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung von Unternehmenskrisen in Jahresabschlüssen