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Die Beziehung Wilhelm I. und Bismarcks in gegenseitiger Abhängigkeit?

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwei Persönlichkeiten
2.1. Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen
2.2. Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen

3. Eine Beziehung im Wandel
3.1. Prinz Wilhelm und Bismarck (1835 - 1861)
3.2. König Wilhelm I. und Graf von Bismarck (1862 - 1870)
3.3. Kaiser Wilhelm I. und Fürst von Bismarck (1871-1888)

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

„Wilhelm der Große“ - dieser Beiname wurde an Kaiser Wilhelm I. posthum von seinem Enkel, dem seit 1888 neuen, dritten Kaiser des Deutschen Reiches, Wilhelm II., vergeben.[1] Damit versuchte der Regent, seinen Vorvorgänger in eine Reihe mit Karl dem Großen und Friedrich dem Großen stellen und auf den ersten Blick auch die historische Größe der der Hohenzollern insgesamt hervorzuheben. In der Tat wurden Wilhelm I. eine Vielzahl von Denkmälern gewidmet - man denke nur an das Kyffhäuserdenkmal oder das Reiterstandbild am Deutschen Eck in Koblenz - sowie Straßen und Plätze nach ihm benannt. Doch die Tatsache, dass beispielsweise Friedrich der Große schon zu Lebzeiten als „der Große“ verehrt wurde[2] und dies bei Kaiser Wilhelm I. nicht der Fall war, zeugt davon, dass man ihn innerhalb der Bevölkerung des Deutschen Reiches vor der Thron-besteigung Wilhelms II. im Dreikaiserjahr 1888 nicht unmittelbar als solchen angesehen hatte.

Es mag mehrere Gründe geben, wieso man in Wilhelm I. keinen „Großen“ sah. Ein Grund, der stark ins Gewicht fällt und welcher einen Kult um die Person des ersten Kaisers des Deutschen Reichs, jener Art wie sie seinem Enkel vorschwebte, zu dessen Lebzeiten verhindert haben könnte, ist eine andere Persönlichkeit, die der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ihren Stempel aufgedrückt hatte – Bismarck. Jener war innerhalb von wenigen Jahren von einem Abgeordneten des preußischen Vereinigten Landtags zunächst unter König Wilhelm zum Ministerpräsidenten Preußens und letztendlich unter Kaiser Wilhelm zum Kanzler des Deutschen Reiches aufgestiegen[3] und hatte sich eine praktisch fast umfassende Entscheidungsgewalt übertragen. Nipperdey meint sogar, man könne von einer Kanzlerdiktatur sprechen, welche sich durch die Stärke der Persönlichkeit und den Machtehrgeiz Bismarcks sowie die Zurückhaltung Wilhelms I. ausgezeichnet habe.[4]

Aus dieser Meinung folgt fast zwangsläufig die Frage nach der Beziehung zwischen dem Kaiser und seinem Kanzler, welche im Fokus dieser Arbeit stehen soll, da sie grundlegend für ein erfolgreiches Zusammenwirken beider Persönlichkeiten war. Hierbei liegt das Augenmerk zunächst auf den Lebenswegen Wilhelms und Bismarcks bis zu ihren ersten Begegnungen, bevor anschließend anhand der Ausgabe mit Portrait von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“ aus dem Jahr 1898 sowie einer Auswahl der Briefe aus dem regen Briefwechsel der beiden untereinander die chronologische Entwicklung ihrer Beziehung untersucht werden soll. Um zum Ende hin ein Fazit zur Frage, ob Kaiser und Kanzler eine Beziehung in gegenseitiger Abhängigkeit führten, ziehen zu können, sollen auch an geeigneten Stellen die Meinungen von Zeitgenossen berücksichtigt werden, da so – trotz aller subjektiven Einschätzungen der Beteiligten – im Ganzen doch eine objektivere Betrachtung möglich ist.

2. Zwei Persönlichkeiten

Da sich generell die Entwicklung der Persönlichkeit im Laufe der Zeit vollzieht und dabei ständigen Veränderungen unterworfen ist, soll zu Beginn ein knapper Abriss der unterschiedlichen Lebenswege des späteren ersten Kaisers des Deutschen Reiches und seines Reichskanzlers vorgenommen werden, um die Entwicklung der Beziehung der beiden zueinander hintergründig und konkret zu analysieren. Ereignisse und Erlebnisse sind hierbei ebenso prägend wie Erziehung und Ausbildung und wirken sich so auf spätere Entscheidungen und Taten aus, was für unsere Betrachtung einen durchaus hohen Wert besitzt. Begonnen wird auf Grund der späteren verfassungsgemäßen Stellung mit dem Monarchen.

2.1. Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen

Kaiser Wilhelm I. wurde als Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen im Jahre 1797 in Berlin, also noch innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, geboren. Als zweitgeborener Sohn des späteren Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen war ihm eine militärische Karriere zugedacht, und so begann seine militärische Ausbildung bereits im Alter von 10 Jahren im Jahr 1807.[5] Die zur gleichen Zeit stattfindende Reformpolitik, die unter dem Freiherrn vom Stein und Karl August von Hardenberg vollzogen wurde, hat, nach Richter, die politische Erziehung Wilhelms und seines Bruders beeinflusst und dazu geführt, dass diese Ideen für die beiden nur ein „provisorisches Mittel zur militärischen und politischen Konsolidierung der Monarchie“[6] darstellten. Im Gegenteil dazu hat die Teilnahme des Prinzen an den sogenannten Befreiungskriegen in ihm die Meinung bestärkt, dass das Mittel des Krieges zur Durchsetzung politischer Entscheidungen ein sehr wirkungsvolles sein kann.[7] So war es auch nicht verwunderlich, dass er sich sehr engagiert zeigte und seine Karriere im Militär entschieden vorantrieb. Im Jahr 1817 war er zum Oberst aufgestiegen, drei Jahre später in den Rang eines Generalmajors, und schon im Jahr 1825 hatte er als General des III. Armeekorps „die höchste militärische Dienststellung erreicht“.[8] Neben Wilhelms Ausbildung zum Soldaten und somit zum eingefleischten Militär hat ihn auch eine Frau in hohem Maße geprägt und seine politischen Entscheidungen zu beeinflussen versucht: die spätere Kaiserin Augusta. Zunächst jedoch sah es nicht so aus, als ob diese Ehe jemals geschlossen werden würde. Denn der Prinz hatte sich in die Prinzessin Elisa von Radziwill verliebt, der er schon früh nahegestanden war.[9] Aus verschiedenen Gründen, die hier nicht weiter ausgeführt werden sollen, war diese Verbindung zum Scheitern verurteilt. Was allerdings festgehalten werden muss, ist die Tatsache, dass des Prinzen spätere Heirat mit oben genannter Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach nach Wilhelms eigener Aussage keine Liebesheirat war, sondern die Ehe vielmehr „mehr durch Vernunft als durch das Herz diktiert“[10] gewesen sei. Ein kurzer Blick auf Augusta ist an dieser Stelle geboten, ohne jedoch zu sehr ins Detail zu gehen. Geboren im Jahr 1811 in Weimar, war Augusta schon früh durch liberale Ansichten geprägt. Ihre liberale Gesinnung wird weiterhin darin deutlich, dass sie nach der Heirat mit Prinz Wilhelm am 11. Juni 1828, wie von Petersdorff bemerkt, durch „den Umgang mit freier gerichteten, feingebildeten und internationalen Elementen“ eine Atmosphäre um sich schuf, dir ihr „bald im Lande bei der aufstrebenden liberalen Partei Popularität“[11] verschaffte. Damit schlug sie aber eine gegensätzliche Richtung wie Wilhelm ein[12], was dazu führte, dass sie später einem in hohem Maße konservativen Politiker, wie Bismarck es war, mit großen Vorbehalten gegenüberstehen sollte. Hiermit wäre auch der Bogen zu Bismarck geschlagen. Wenn man Kapitel 2/II von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“ glauben schenken darf, begegneten sich er und Prinz Wilhelm zum ersten Mal auf einem Hofball im Winter 1834/35.[13] Mit diesem Jahr soll nun auch die kurze Skizzierung des Lebensweges des späteren Kaisers Wilhelm vorläufig enden, um mit den Ausführungen zum späteren Reichskanzler zu beginnen.

2.2. Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen

Otto von Bismarck wurde im April des Jahres 1815 in Schönhausen in der Altmark geboren. Schon im nächsten Jahr siedelte die Familie allerdings auf das Gut Kniephof in Hinterpommern um, das er später auch bewirtschaften sollte.[14] Seine schulische Ausbildung führte ihn nach Berlin, zunächst ans Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, später dann an das Gymnasium zum Grauen Kloster. Wohnhaft war er zu dieser Zeit bei seinem Bruder in einer Mietwohnung. Wichtig für sein späteres Lebens als Diplomat und Politiker war die Tatsache, dass er von seinen Hauslehrern lernte „perfekt Französisch und fließend Englisch“[15] zu sprechen. Ebenso wichtig für seine zukünftige Politik, vor allem bezüglich des sogenannten Kulturkampfes, war sein Lehrer im Konfirmandenunterricht, der Theologe Friedrich Schleiermacher. Dieser führte laut Kolb zu Bismarcks „Skepsis gegenüber Theologie und Gottesglauben“.[16]

[...]


[1] Schoeps, Hans-Joachim: Bismarck über Zeitgenossen, Zeitgenossen über Bismarck, Frankfurt a. M. 21972, S. 44.

[2] Schieder, Theodor: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, Frankfurt a. M./Berlin/Wien 1983, S. 477.

[3] Kolb, Eberhard: Bismarck, München 2009, S. 139-140.

[4] Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866-1918. (Band 2) Machtstaat vor der Demokratie, München 1983, S. 101.

[5] Treue, Wilhelm (Hrsg.): Drei deutsche Kaiser ,Wilhelm I. – Friedrich III. – Wilhelm II. Ihr Leben und ihre Zeit 1858-1918, Freiburg/Würzburg 1987, S. 15.

[6] Vgl. Treue, Kaiser, S. 16.

[7] Ebd. S. 16.

[8] Vgl. Treue, Kaiser, S. 17.

[9] Marcks, Erich: Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen, in: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Band 42, Leipzig 1897, S. 529.

[10] Vgl. Treue, Kaiser, S. 21.

[11] Vgl. Von Petersdorff, Augusta, S. 104.

[12] Ebd. S. 104.

[13] Bismarck, Otto Fürst von: Gedanken und Erinnerungen. Mit Portrait, New York, Stuttgart 1898, S. 36.

[14] Kolb, Bismarck, S. 139.

[15] Vgl. Kolb, Bismarck, S. 8.

[16] Vgl. Ebd, S. 8.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656388081
ISBN (Buch)
9783656389767
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210521
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Schlagworte
Bismarck Kaiser Wilhelm I.

Autor

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