Lade Inhalt...

Kinderlyrik im Bilderbuch. Standortbestimmung 2012

Diplomarbeit 2012 94 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Begriffsklärungen
3.1 Definition Lyrik
3.2 Definition Kinderlyrik
3.3 Definition Bilderbuch

4 Historie
4.1 Geschichtliche Entwicklung der Kinderlyrik
4.2 Geschichtliche Entwicklung des Bilderbuches

5 Bildungsziel-Frage: Pädagogische Funktion von Kinderlyrik im Bilderbuch
5.1 Was kann Kinderyrik?
5.2 Was kann ein Bilderbuch?
5.3 Zusammenfassung: Was kann Kinderlyrik im Bilderbuch?

6 Vergleich zu anderen Medien
6.1 Kinderlyrik anderen Medien
6.1.1 CD
6.1.2 CD-ROM und Konsolenspiele
6.1.3 Kino, TV, Theater
6.1.4 Zeitungen und Comics
6.1.5 E-Books und Apps

7 Welche Relevanz hat Kinderlyrik im Bilderbuch im Jahr 2012 in unserer Gesellschaft?
7.1 Die Bildungsprogramme der Länder
7.2 Die Lehrpläne der Länder
7.3 Kinderlyrik im Bilderbuch in der Öffentlichkeit
7.3.1 Märchenland eV
7.3.2 Lesewelt Berlin e.V
7.3.3 Burg Wissem - Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf
7.3.4 Internationale Jugendbibliothek
7.3.5 Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur Lesart
7.3.6 Buchkinder Leipzig e.V
7.3.7 Bücherpiraten
7.3.8 Leseteppich
7.3.9 Bibliotheken am Beispiel der Stadtbibliotheken Berlin
7.3.10 Familienzentren am Beispiel des Kinder- und Familienzentrums das Haus
7.3.11 Museen am Beispiel des Labyrinth Kindermuseums Berlin
7.3.12 Kinderbuchläden
7.3.13 Resümee
7.4 Experteninterviews
7.4.1 Kindertagesstätte
7.4.2 Bibliothek

8 Vorstellung zweier Bilderbücher mit Kinderlyrik
8.1 Das kleine Hexen - ABC
8.2 Die Bürgschaft

9 Fazit

10 Literaturverzeichnis

11 Anhang

Interviews wurden aus urheberrechtlichen Gründen für die Publikation entfernt

2 Einleitung

Die „Neuen Medien“ haben die Welt erobert. Kinder in Deutschland undauch auf der ganzen Welt wachsen heutzutage in einer hochtechnisier-ten Umwelt auf. Es gibt wohl kaum einen Haushalt mehr, in dem es kei-nen Computer gibt. Handys sind zum täglichen Begleiter einer ganzenGeneration geworden. Trickfilme flimmern unentwegt auf Fernsehbild-schirmen. Bücher liest man auf dem I-Pad. Durch die Veränderung derMedienlandschaft ergeben sich viele Fragen, auch in Bezug auf die Pä-dagogik. Wird das Buch in einer solch technisierten Welt zu einem Reliktvergangener Tage werden? Wie wird man in der Zukunft lesen lernen,mit dem I-Pad? Wie werden erste literarische Erfahrungen für Kleinkinderin der Zukunft aussehen? Kann dann Kinderlyrik, die lange Bestandteiljener ersten literarischen Erfahrungen in der Frühen Kindheit war, nochBestand haben und gleichsam ihre Wirkung tun? Oder wird sie zuneh-mend verschwinden und irgendwann der Vergangenheit angehören?Vieles wird sich im Zuge dieser Entwicklungen stetig ändern, manchesvielleicht aber, bleibt doch bestehen. Im Rahmen dieser Arbeit möchteich mich mit Kinderlyrik im Medium Bilderbuch befassen. Ich möchte hin-terfragen und herausfinden, wo im Jahr 2012 der Wert eben dieser Lite-raturgattung für jene Kinder, die mit ihr in Kontakt kommen, besteht. Fer-ner ist es mein Anliegen darzustellen, wie wichtig eine Begegnung in derFrühen Kindheit mit Reimen und Versen in Bilderbüchern sein kann. Inmeinen Untersuchungen kann ich mich hierbei jedoch nur auf den RaumDeutschland beziehen, da eine umfangreichere Erforschung und Re-cherche den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit weit übersteigen wür-de. Meine Vorgehensweise soll folgende sein: Im Vorfeld aller Untersu-chungen wird es nötig sein die Begrifflichkeiten genauer voneinander ab-zugrenzen, als es auch notwendig sein wird, diese genauer zu definierenund eingehender zu beschreiben. Hierbei werde ich zuerst den BegriffLyrik erläutern und im Zuge dessen auch darstellen, was den BegriffKinderlyrik ausmacht. Es soll verdeutlicht werden, was das Besondereder Kinderlyrik ist. Auch werde ich den Begriff Bilderbuch genauer be-schreiben. Hier ist anzumerken, dass in der Fachliteratur häufig der Be- griff Kinderbuch synonym verwendet wird. Diese Vorgehensweise über- trage ich auch auf meine Arbeit. Weiterhin ist es erforderlich, die Traditi-on und geschichtliche Entwicklung der Kinderlyrik, und auch die des Bil-derbuches, im Kontext von Erziehung, Bildung und Pädagogik zu be-leuchten, um die Entwicklung des Sujets bis heute nachvollziehen zukönnen. Ausgiebig werde ich mich dann der Bildungsziel-Frage widmen.Ich möchte herausarbeiten was die pädagogische Funktion von Kinderly-rik im Bilderbuch ist. Es soll deutlich werden welche Kompetenzen mitHilfe dieser Kombination gefördert werden können. Ich werde hier zu-nächst darstellen, was der Umgang mit Kinderlyrik beim Kind zu bewir-ken vermag. Dabei werde ich ein besonderes Augenmerk auf Reim undMetrum als entscheidende Merkmale jener kinderliterarischen Gattunglegen. Es soll betrachtet werden, wie diese Elemente auf das Kind undden kindlichen Sprachgebrauch wirken. Dann möchte ich darstellen, wasein Bilderbuch alles vermag. Ich möchte herausarbeiten, welche Kompe-tenzen es zu fördern im Stande ist und wie der Umgang mit ihm Kinderauf eine ganz besondere Weise anregen kann. Hierbei werde ich dieWirkung der Bilder im Buch hervorheben. Ich möchte deutlich machen,warum es dieser überhaupt bedarf und was sie in der Lage sind bei Kin-dern zu anzuregen. Bezugnehmend auf die Entwicklungspsychologiemöchte ich einen Blick darauf werfen, wie das Bilderbuch in den Entwick-lungsphasen der Frühen Kindheit wirken kann. Hierbei möchte ich ganzbesonders den Zusammenhang von Bilderbuchbetrachtung, Sprachent-wicklung, Schriftspracherwerb und Kommunikation herausarbeiten. ImKapitel „Vergleich zu anderen Medien“ soll dann kurz dargestellt werdenwelcher Konkurrenz das Bilderbuch im Jahr 2012 sich stellen muss. Ichmöchte herausfinden, wie präsent die Kinderlyrik in anderen Medien ist.Im Kapitel „Welche Relevanz hat Kinderlyrik im Bilderbuch im Jahr 2012in unserer Gesellschaft?“ möchte ich dann herausfinden welchen Stel-lenwert Kinderlyrik im Bilderbuch in unserer Gesellschaft hat. Hierfür un-tersuche ich als Erstes, inwiefern Kinderlyrik im Bilderbuch in den ver-schiedenen Bildungsprogrammen und Lehrplänen der Länder eine Be-rücksichtigung findet. Dann werden exemplarisch einige Vereine, Einrich-tungen oder Events vorgestellt, die sich in irgendeiner Art öffentlichkeits- wirksam mit dem Sujet befassen. Anschließend sollen in diesem Kapitel noch die Experteninterviews ausgewertet werden, die ich im Vorfeld geführt habe. Darauf folgend sollen zwei Kinderlyrik-Bilderbücher vorgestellt werden um Beispiele zu geben. Abschließend gibt es ein Fazit mit einer Auswertung der erarbeiteten Inhalte als Resümee.

3 Begriffsklärungen

3.1 Definition Lyrik

Um den zu beschreibenden Gegenstand besser und deutlicher darstellenzu können, ist es zunächst notwendig den Begriff Lyrik, dem die Kin-derlyrik untergeordnet ist, genauer zu definieren. Dettmar-Sander bietetin ihrem Buch hier die Einordnung von Gedichten als kurzen Lesetextenan: „Auch Gedichte sind kurze, durchaus beliebte Texte.“ (Dettmar-Sander: 2004, S.63). Jedoch gestaltet sich eine eingehendere Beschrei-bung des Begriffes Lyrik als nicht ganz so einfach: „Zwar hat es nicht anVersuchen gefehlt, ein solches Prinzip zu formulieren, doch hat sich bis-lang noch jedes über kurz oder lang als zu eingeschränkt erwiesen: DerMannigfaltigkeit lyrischer Dichtung konnte zumindest auf die Dauer kei-nes gerecht werden.“ (Lamping: 2000, S.55). Dies bestätigen auch Allk-emper und Otto Eke: „Die literaturwissenschaftliche Gattungstheorie hatsich mit der Bestimmung der Definition Lyrik bzw. des Lyrischen beson-ders schwer getan.“ (Allkemper, Otto Eke: 2006, S.125). Zu diesenSchwierigkeiten kommt es zum einen, weil die Epik als auch die Drama-tik zuweilen ebenso wie die Lyrik in Versform verfasst sind. Dies er-schwert eine Abgrenzung. Zum anderen entstehen diese Schwierigkeitenbeim Definitionsversuch der Lyrik aufgrund ihrer enormen Vielfalt: „Dasssich die Gattungstheorie mit der Bestimmung dessen, was unter Lyrik zuverstehen ist, schwer tut, hat noch einen weiteren Grund: Es ist die histo-risch gewachsene Vielfalt der lyrischen Formen. Vom Trinklied auf den‚Sorgen lösenden Wein‘ über die formalisierte Liebesklage … bis hin zumLautgedicht, zu graphischen Gedichten … und allen Gedichten ohne klarerkennbare Form reicht das Spektrum der Lyrik.“ (Allkemper, Otto Eke: 2006, S.125). Diese Fülle an Formen macht es zunehmend beschwerlich einen Konsens zu finden, der für die Lyrik allgemein gültig ist. Eine Mini-maldefinition von Lyrik kann sich auf die Verwendung von Reim und Versbeschränken. Vers soll hier folgendermaßen definiert sein: „Der Vers mitmetrischer Struktur und unterschiedlichen Reimen, Wiederholungen undVariationen klanglicher Art bis hin zur Lautmalerei, syntaktischer Art(Wortumstellung), grammatischer Art (Fehlerhaftigkeit) und vor allem diezentrale Bedeutung und Vielfältigkeit des sprachlichen Ausdrucks, dersprachlichen Bilder (Metaphern, Symbole) und Personifikationen (vonNatur und anderen Gegen- bzw. Zuständen).“ (Allkemper, Otto E-ke:2006, S.127). So ist festzustellen, dass Lyrik sich heutzutage als rela-tiv vage zu beschreibender Gegenstand zeigt, einzig der Vers gilt „… bisheute als entscheidendes Merkmal für Lyrik …“ (ebd. S.125).

3.2 Definition Kinderlyrik

In diesem Kapitel gilt es nun, den Begriff der Kinderlyrik genauer zu defi-nieren und herauszufinden, durch was sie sich abgrenzt, von der alters-unspezifischen Lyrik. Weinkauff und von Glasenapp bezeichnen die Ei-genart von Kinderlyrik als begrifflich nur schwer zu fassen (vgl. Wein-kauff, von Glasenapp: 2010, S.150). Schikorsky berichtet von einer „…Vielfalt des kinderliterarischen Gattungs- und Medienspektrums, das ne-ben fiktionalen Texten wie Roman, Erzählung, Lyrik und Schauspiel auchdas nichtfiktionale Sachbuch… “ umfasst (Schikorsky: 2003, S.7). Dem-nach wäre die Kinderlyrik eine Gattung der Kinderliteratur und somit wä-re zunächst beschrieben, wo sie in der literarischen Landschaft zu veror-ten ist. Es handelt sich bei Kinderlyrik demnach weiter um eine poetischeGattung, die speziell für oder wahlweise auch von Kindern angefertigt ist.Diese Adressatenspezifizierung kann als ein entscheidendes Kriteriumbei der Definition von Kinderlyrik betrachtet werden. Es gelten weiterhinbestimmte formale Gestaltungsmittel, wie auch Reim und Metrum, alsunabdingbares Merkmal der Kinderlyrik. Jedoch fällt es schwer, anhandsolcher Mittel eine Unterscheidung zu anderer Lyrik auszumachen, dadiese in gleichem Maße durch solche Elemente geprägt ist. Weinkauff und von Glasenapp geben weiterhin zu bedenken: „Kindergedichte sind üblicherweise keine reinen Lesetexte. Als Lieder oder Bilderbuchtexte werden sie oftmals in ganz bestimmten Medienkontexten kommuniziert,die das Erscheinungsbild der Gattung in hohem Maße bestimmen.“(Weinkauff, von Glasenapp: 2010, S.153). Demnach könnte ein weiteresKriterium der Kinderlyrik sein, dass sie an bestimmte Medienkontexteoder eine bestimmte Form der Kommunikation oder Vermittlung gebun-den ist. Ferner bezeichnen Weinkauff und von Glasenapp die Kinderlyrikals eine „… kinderliterarische Textsorte, deren Reiz in der gegenwärtigerreichten Vielfalt der Formen und Funktionen liegt.“ (ebd. S.138). Ebenjene Vielfalt ist es, die ein Eingrenzen oder klares Definieren dieser Lite-raturgattung mittlerweile so erheblich erschwert, denn wie in dem Kapitelüber die geschichtliche Entwicklung der Kinderlyrik zu lesen ist, öffnetsich diese Gattung zunehmend und eine Entgrenzung findet statt. Es istalso inzwischen schwierig, Kinderlyrik an einer bestimmten traditionellenoder auch modernen Form festzumachen, allein der Adressatenbezugkann noch als vages Kriterium gelten.

3.3 Definition Bilderbuch

In diesem Kapitel soll es darum gehen genauer zu beschreiben, was einBilderbuch ist. Laut Dettmar-Sander handelt es sich hierbei um ein Werk,welches Bild und Text so verbindet, „… dass auch ein leseunkundigesKind Bilder und Geschichten erschließen und im übertragenen Sinn „er-lesen“ kann.“ (Dettmar-Sander: 2004, S.20). Ein Bilderbuch muss dem-nach Bilderfolgen enthalten, die auf eine bestimmte Art in einem Zu-sammenhang miteinander stehen. Der Inhalt eines Bilderbuches solltedurch die Abbildungen also auch mehr oder weniger für ein leseunkun-diges Kind erkenntlich sein. Metz-Becker hält fest: „Das Wesentlichebeim Bilderbuch ist die ungezwungene Unterhaltung der Kinder. Das Bilddominiert, wobei ein fortlaufender Text die Bilderserie zu einer Geschich-te verbindet.“ (Metz-Becker: 2002, S.49). Auch hier ist die Bilderfolge einwesentliches Element der Definition vom Kinderbuch, auch hier die Ver-bindung von Bild und Text zu einer Einheit ein weiteres Merkmal. Dieungezwungene Unterhaltung der Kinder, welche Metz-Becker anspricht, ist möglicherweise zurückzuführen auf die Bilder, die den Kindern viel leichter zugänglich sind als Verbaltext. Bilder sind im Vergleich zum Ver- baltext, der eine Hürde darstellt, direkt. Schikorsky bezeichnet Bilderbü-cher als eine Mischform von Text und Bild: „Als Bilderbuch werden in derKinder- und Jugendliteratur Bücher bezeichnet, die gekennzeichnet sinddurch eine Gleichwertigkeit von Bild und Text. Einander ergänzend bil-den sie die Grundlage der literarisch-künstlerischen Aussage.“(Schikorsky: 2003, S.87). Laut dieser Definition stehen Bild und Text alsoin einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, beziehen sich sogaraufeinander, indem beide gleichwertig als Inhaltsträger fungieren. Sostellt sich schon dar, dass das Verhältnis von Bild und Text als ein sehrkomplexes gelten kann. „Oft erzählen Bild und Verbaltext unterschiedli-che oder sogar widerstreitende Versionen einer Geschichte, auf derBildebene erscheinen Handlungsstränge, die der Verbaltext gar nichtvorsieht, Teile der Geschichte werden vielleicht nur auf einer der beidenEbenen erzählt, oder es gibt Brüche oder Unterschiede hinsichtlich derZeitstruktur.“ (Weinkauff, von Glasenapp: 2010, S.169). Illustrationen undText können sich auf unterschiedlichste Weise gegenüberstehen. Sokönnen sie gleichwertig sein, oder aber ein Element von beiden kanndominieren. Sie können die gleiche Geschichte erzählen, sich inhaltlichergänzen oder in einem konträren Verhältnis zueinander stehen. Bild undText können also entweder eigenständig erzählen oder eine Einheit bil-den. Nämlich dann, wenn „… die Handlung tatsächlich bi-codal, also aufbeiden Ebenen dargestellt wird.“ (ebd. S.165). Es handelt es sich beidem Bilderbuch demnach um ein parallelsprachiges Medium. Das Erzäh-len einer Geschichte geschieht hier nicht allein mit Worten, wie zum Bei-spiel in einem Roman, sondern es vollzieht sich auf zwei Ebenen, auf derpiktoralen und der verbalen. Trotz alledem lebt das Bilderbuch „… ganzentscheidend von seinen Bildern und ihrem Bezug zum Text.“ (Dettmar-Sander: 2004, S.68). Dettmar-Sander stellt außerdem fest, dass es beider Ausgestaltung der Bilderbücher „… sehr verschiedene Illustrations-und Gestaltungsstile …“ (ebd. S.68) gibt. Es wird also eine Bandbreiteunterschiedlichster Gestaltungsmöglichkeiten von Bilderbüchern ange-deutet. Diese Vielfalt kann als durchaus positiv bewertet werden, so gibtsie Kindern doch die Möglichkeit mit den verschiedensten Gestaltungs- möglichkeiten erste ästhetische Unterschiedserfahrungen zu machen. Die Bandbreite reicht mittlerweile von Illustrationen über Collagen bis hinzur Fotografie. Für Weinkauff und von Glasenapp sind die Bilder „…selbstständige Bedeutungsträger, ihre Funktion geht über eine bloßeVeranschaulichung oder Kommentierung des Verbaltextes hinaus.“(Weinkauff, von Glasenapp: 2010, S.164). Die Bilder begleiten also nichtnur den Text oder schmücken ihn aus, sie wirken eigenständig. Ein wei-teres Merkmal des Bilderbuches ist außerdem, dass es „… seit seinenAnfängen ein kinderliteraturspezifisches Publikationsmedium …“ (ebd.S.169) ist. Bilderbücher sind demnach also der Gattung Kinderliteraturzuzuordnen und somit vornehmlich für Kinder geschrieben und gestaltet.Im Verlauf der Arbeit wird jedoch deutlich werden, dass dieses Kriteriumdurch die bereits angesprochene Entgrenzung, welche sich nicht nur beider Kinderlyrik, sondern auch bei dem Bilderbuch vollzieht, nur nochschwer zu halten sein wird. Ferner gibt es mannigfaltige Typisierungs-versuche die die Komplexität des Mediums Bilderbuch bezeugen. In derFachliteratur sind unterschiedlichste Klassifizierungen zu finden, zumBeispiel die nach literarischen Gesichtspunkten: „Kinder-Reime (Volks-und Kunstreime), Sprachspiele; Kettengedicht, Lyrik; in der Prosa: Er-zählung, Märchen (Volks- und Kunstmärchen, Märchen-Parodien, Fabel,Legende, Mythen, Ballade, Sprüche, Volksweisheiten; Comics.“ (Halbey:1997, S.28). Ferner könne noch nach Funktionen (zum Beispiel didakti-sche Bilderbücher) oder auch nach bildkünstlerischen Aspekten, alsauch nach Inhalt und Themen unterschieden werden (vgl. ebd. S.28/29).So vielfältig diese Einteilungen erscheinen mögen, eines ist dennoch al-len Bilderbüchern gleich: Text und Bild sind zu gleichen Teilen die prä-genden Elemente und Bestandteile.

4 Historie

4.1 Geschichtliche Entwicklung der Kinderlyrik

Um die geschichtliche Entwicklung dieser Literaturgattung und ihre Be-ziehung zur Pädagogik bis heute nachvollziehen zu können werfen wir indiesem Kapitel einen Blick zurück in die Vergangenheit. Dies erachte ichim Rahmen dieser Arbeit als unerlässlich und wichtig, da es für die Be-antwortung der Fragestellung von großem Wert ist, zu verstehen, wiediese Literaturgattung sich in der Vergangenheit entwickelt hat, gradeauch im Kontext von Bildung, Erziehung und Pädagogik, und welchenStellenwert sie durch die Zeiten hinweg in unserer Gesellschaft hatte undnoch hat. Im Folgenden soll es hierüber einen kleinen Überblick geben.

Verse und Reime wurden seit jeher benutzt um Kinder zu erreichen,meist handelte es sich hierbei ursprünglich um Benimmregeln, Sittenleh-ren oder Werte die vermittelt werden sollten. Ein frühes Beispiel solcherLyrik ist der sogenannte „Cato“. Er ist das am weitesten verbreitete Sit-tenbuch des Mittelalters für Schüler. Nach Schikorsky handelt es sichhierbei um in schlichte Verse gekleidete Lebensmaxime, Klugheitslehrenund Anstandsregeln (Schikorsky: 2003, S.8/9). Der Cato wurde bereits„… im 3. oder 4. Jh. verfasst und kam 1487 zum ersten Mal in deutscherÜbersetzung heraus.“ (ebd. S.8). Bereits hier fußt also die Idee über lite-rarische Texte in Reimform, Kinder erziehen und beeinflussen zu wollen.Mit dem mittelhochdeutschem Gedicht „Der Welsche Gast“ vonThomasin von Zeklare, setzte dann später (1215/16) die SpäthöfischeLehrdichtung ein. Auch in dieser ging es wieder darum, den kindlichenoder jugendlichen Rezipienten zu belehren. Denn Werke eben solcherArt enthielten ausführliche Anstandsregeln für Jugendliche am Hofe (vgl.Schikorsky: 2003, S.9). Allmählich etablierte sich nun diese sogenannteArtes-, Virtus- und ritterlich-höfische Standesliteratur, die meist in Vers-und Reimform niedergeschrieben war. Diese Schriftgüter markieren imentferntesten Sinne „… die Anfänge der Kinder- und Jugendliteratur, ausdenen sich nach dem Entstehen des Buchdrucks ab 1450 allmählich einvielschichtiges und zunehmend verzweigtes Gattungsspektrum heraus- bildete, das allerdings noch lange eng auf die Allgemeinliteratur bezogen blieb.“ (ebd. S.9/10). Denn es war so, dass es im Mittelalter noch keineAbgrenzung zwischen Kindern und Erwachsenen gab. Ein Kindheitsbe-griff konnte sich erst später entwickeln und durchsetzen. Die Zuweisungzur Kinder- und Jugendliteratur erfolgte demnach „… üblicherweise auf-grund einer besonderen Erwähnung dieser Zielgruppe, z.B. im Buchtitel,in der Vorrede oder der Zueignung, zumeist ohne dabei die Erwachse-nen oder andere Adressaten … auszuschließen.“ (Schikorsky: 2003,S.9/10). Die Kindheit galt damals nicht als eigenwertige Lebensphase,sondern als Vorbereitungsphase auf das Erwachsensein (ebd. S.9/10)und so erklärt es sich, dass diese frühe „Kinderliteratur“ noch nichtsKindliches an sich hatte, sondern inhaltlich streng belehrend war. Reimeund Verse wurden hier jedoch schon als geeignete Mittel zur Erziehungbetrachtet und wurden verwendet um Bildungsinhalte zu vermitteln. Alsweiteres berühmtes Werk des Mittelalters welches sich der Reimformbedient erwähnt Schikorsky die Fabelsammlung „Der Edelstein“ von Ul-rich Boner: „Diese berühmte Handschrift des Mittelalters wurde als erstesdeutschsprachiges Buch 1461 in Bamberg gedruckt.“ (Schikorsky: 2003,S.24). Boner hatte es in der mittelalterlichen Form der Reimpaarfabelniedergeschrieben. Inhaltlich kann man feststellen, dass es erneut umWerte- und Tugendvermittlung geht. Jene Verwendung gereimter Wortehatte sich zu diesem Zwecke zu jener Zeit scheinbar bereits etabliert. Inder Nachfolge dieser eben beschriebenen, mittelalterlichen Exempellite-ratur „… erlebte das Schrifttum zur weiblichen Tugendlehre um 1600seine Blütezeit. Ein früher Beleg dafür ist Johann Bußlebs religiös-sittlicher Traktat „Jungfrauenspiegelein“ (um 1570).“ (ebd. S.17). In die-sem christlichen Sittenbuch wurden in Knittelversen weibliche Tugendenwie die Keuschheit gepriesen, auch hier diente die Reimform wiederfreudlos der Erziehung und Belehrung.

Erst spät, mit Herausbildung eines eigenständigen Kindheitsbegriffes,wurde die Forderung laut, dass Kinder eigene Bücher bräuchten. Erst „…im späten 18. Jahrhundert entdeckte man das Kind als eigenständigenKonsumenten von Literatur.“ (Metz-Becker: 2002, S.47). Es war zur Zeitder Aufklärung, da verlangten die Philanthropisten eine neue Literatur für junge Leser, die vom Kind ausgehen sollte. „Die Kehrseite einer solch „kindgemäßen“ Literatur bestand in der Abtrennung von der Allgemeinli-teratur. In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. entstand so eine spezifischeKinder- und Jugendliteratur. Literatur, die bewusst für junge Zielgruppenkonzipiert und produziert wurde, bildete in der Folge ein selbstständigesSegment des Literatursystems mit einem eigenen Markt und eigenen In-stitutionen. “ (Schikorsky: 2003, S.30) . Mit diesem neuen Bewusstseineiner Kindheit als eigenwertiger Lebensphase, mit diesem neuen Blickauf das Kind und der Forderung einer eigenen, ihm entsprechenden Lite-ratur wurde der Grundstein gelegt zur Herausbildung einer Kinder- undJugendliteratur, die jetzt auch auf das Kind selbst bezogen war. Dies istdie eigentliche Geburtsstunde der Kinder- und Jugendliteratur, als derenGattung die Kinderlyrik zu betrachten ist. Ein Beispiel solcher Literatur istChristian Adolf Overbecks Buch „Fritzchens Lieder“. Die hierin enthalte-nen „… Verse stellten die Empfindungen von Kindern deutlich in denVordergrund …“ (ebd. S.32). Handelt es sich bei dem Werk doch um ei-ne Sammlung von Gedichten, die das Erleben und Empfinden einesJungen namens Fritzchen wiedergibt. Es ist ein Buch, welches der Autoraus der Sicht eines Kindes niedergeschrieben hat. Die Einnahme derkindlichen Perspektive ist also eine Errungenschaft der Kinderliteratur je-ner Zeit. Jedoch blieb die Kinderlyrik auch zur Zeit der Aufklärung wei-terhin ein Instrument der Moralisierung der Kinder durch die Erwachse-nen. „Gedichte für Kinder waren seit jeher lehrhafter Natur, Lehrdichtung,und dies änderte sich auch im 18. Jahrhundert, dem aufgeklärten Zeital-ter nicht grundlegend.“ (Velthaus: 2003, S.271). Ein Beispiel hierfür istdie Kindergedichtsammlung „Lieder für Kinder“ von Christian Felix Wei-ße, hierin „… ging es ausnahmslos um die Vermittlung eines moralischenGebots, einer Tugend, einer Verhaltensvorschrift oder Klugheitsregel.Zugleich zeigte dieser Gedichtband die Formenvielfalt lehrhafter Lyrik …“(ebd. S.261). Ein breites Spektrum also, an unterschiedlichen Formender Lyrik deutet sich hier bereits an, wenn es auch inhaltlich zunächst beiBenimmregeln und sittlichen Belehrungen blieb. Neu war zu dieser Zeitauch, dass es nun auch eine Zeitung speziell für Kinder gab. „Der Kin-derfreund“ (1776 - 1782), so hieß jenes Blatt, enthielt, so Schikorsky, u.a. auch Gedichte (Schikorsky: 2003, S.41). Es zeigt sich also, dass das Gedicht auch zu jener Zeit eine beliebte Form war, um Kinder anzusprechen, sie zu belehren, sie zu beeinflussen und sie zu erziehen.

Dann, mit dem 3. Band von Achim von Arnims und Clemens BrentanosGedichtanthologie „Des Knaben Wunderhorn“ erblühte die sogenannteVolkspoesie. In einem Anhang zu jenem, literaturgeschichtlich bedeu-tungsvollem Werk ließen von Arnim und Brentano „… Gebete, Gedichteund Lieder abdrucken, die … ausdrücklich für Kleinkinder bestimmt wa-ren.“ (ebd. S.50). Darin enthalten waren u.a. Reime wie „Lirum, Larum,Löffelstiel“ oder „Guten Abend, gute Nacht“, die sich noch heute großerBeliebtheit erfreuen. Man könnte sagen, es wurde hiermit ein weitererGrundstein für die Kinder- und Jugendliteratur, und für die Kinderlyrik imSpeziellen gelegt. Die Verse jener Gebete, Gedichte und Lieder „… ahm-ten den kindlichen Sprachgebrauch nach, boten Sprachspiel und Laut-malerei oder orientierten sich am Rhythmus körperlicher Bewegungenwie etwa bei den Kniereiter- oder Schaukelliedern. Mit dieser Sammlungeroberte sich die Kinderlyrik einen Platz in der Kinder- und Jugendlitera-tur.“ (Schikorsky: 2003, S.50). Brentano und von Arnim hatten einen Mei-lenstein geschaffen. Hier wurde Kinderlyrik tatsächlich zum ersten Malkindlicher, gar kindgerechter und weniger belehrend. „In Gestalt vonspielerisch-humoristischen ABC-Versen, Wiegen- und Schlafliedern, Lie-dern mit jahreszeitlichem Fest- und Brauchtumsbezug und Kniereiterver-sen enthält die Sammlung reichlich gereimten Nonsense …“ (Weinkauff,von Glasenapp: 2010, S.57). Hier, so scheint es, ist Kinderlyrik zum ers-ten Mal weniger streng und ernst. Sie zeigt sich u.a. von einer fröhlichenund lustigen Seite, die dem kindlichen Gemüt durchaus entspricht. Kin-derlyrik dient in diesem Falle also nicht nur der Moralisierung und Erzie-hung, sondern vielmehr noch der Unterhaltung von Kindern und so erhältsie dadurch eine zusätzliche, ganz neue Funktion. „Im Vergleich zu denKinderliedern und Gedichten der Aufklärung bieten die Texte ein un-glaublich reiches klangliches und rhythmisches Erfahrungspotential undanstelle von deren moralisierender Eindeutigkeit eine Fülle zwischenScherz und tieferer Bedeutung …“ (ebd. S.57). Demnach stellen die Ge-dichte und Lieder des Werkes also nicht nur inhaltlich sondern auch for- mal eine fortschrittliche Errungenschaft, eine Erweiterung des kinderlyri- schen Formenspektrums dar, die ein vielfältiges Repertoire an dichteri-schen Möglichkeiten ausschöpften um Kinder anzusprechen. „Obwohldie Sammlung zunächst nur ein kleines Publikum erreichte, kann ihrelangfristige Wirkung auf Kinderlieder und -gedichte kaum überschätztwerden. Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wie zum Beispiel FriedrichRückert, Hoffmann von Fallersleben, Willhelm Hey, Friedrich Güll undFranz Graf von Pocci nahmen den „Kinderton“ des Wunderhorns auf undschufen einen Kernbestand eigens für Kinder verfasster Verstexte, derbis heute kaum etwas von seiner Popularität eingebüßt hat.“ (Weinkauff,von Glasenapp: 2010, S.60). Es ist also so, dass „Des Knaben Wunder-horn“ so etwas wie eine Wendung in der Art, wie für Kinder geschriebenwurde herbeigeführt hat. Viele kommende Dichter sahen sich von die-sem Werk beeinflusst und inspiriert und auf diese Weise konnte es fort-während in der deutschen Kinderlyrik seine Wirkung tun. „In vielen Lie-derbüchern und Gedichtanthologien für Kinder behaupten die Texte ausdem 19. Jahrhundert noch lange Zeit eine beherrschende Stellung undder letztlich im Wunderhorn vorgeprägte Kinderton bestimmt das For-menspektrum und das Motivreservoir der Textsorte.“ (ebd. S.60). Eskann demnach also von einer umfassenden und nachhaltigen Wirkungjenes Werkes gesprochen werden. Man kann hier feststellen, dass es fürdie Entwicklung der deutschen Kinderlyrik von immenser Bedeutung warund ist.

Die Kinder- und Jugendliteratur und mit ihr die Kinderlyrik erhielt alsoimmer neue Impulse und entwickelte sich stetig weiter. Velthaus berich-tet von einem Boom auf dem Kinderbuchmarkt um Mitte des 19. Jahr-hunderts: „Es erscheinen Bücher, die wirklich Kinderbücher und keineverkappten Erziehungsromane sind. Dazu rechnen vor allem Kinderrei-me, Kindergedichte und Kinderlieder.“ (Velthaus: 2003, S.178). Neu istdemnach wirklich die Orientierung an den Kindern. Kinderreime- und ge-dichte sind gefragt und entsprechen dem Puls der Zeit. „In den dreißigerund vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche il-lustrierte Sammlungen von Kinderliedern und Reimen …“ (Metz-Becker:2002, S.51). Hier also kann man schon ein Zusammenspiel von Illustrati- on und Reim verzeichnen, dass sich zu jener Zeit bereits etabliert hatte und sich äußerster Beliebtheit erfreute. Auch Wilhelm Hey nutze die ge-fragte Reimform in seinem illustrierten Buch „Fünfzig Fabeln für Kinder“(1833). „Durch betont naive Verse im Stil der Stehgreifdichtungen gestal-tete Hey eine heitere Kinderidylle.“ (Schikorsky: 2003, S.56). Immer wie-der wird es deutlich, dass die Reimform scheinbar eine dem Kind ent-sprechende, seinen Bedürfnissen entgegen kommende Form und Wir-kung hat und deshalb häufig in Kinderbüchern angewandt wird.

Ein weiterer Klassiker der Kinderliteratur der für die Entwicklung der Kin-derlyrik von großer Bedeutung war und ist, griff diese Form erneut auf.Es ist der „Der Struwwelpeter“ (1847) von Heinrich Hoffmann, der alsoauch in Reimform verfasst war und dessen Verse bebildert sind. DasBuch ist sehr erfolgreich und in dieser Form bis heute, wenn auch um-stritten, beliebt. Beim „Struwwelpeter“ lag das Neue „… in der unge-zwungenen und lustigen Unterhaltung für kleine Kinder mit vereinfachtenBildern und klingenden Versen.“ (Metz-Becker: 2002, S.48). Hier wirdUnterhaltung für Kinder durch Reime und Bilder als Anliegen eines Kin-derbuches erfasst, der Aspekt der Moralisierung weicht jedoch nicht. Zu-nehmend wird aber das Kinderbuch auch als Medium der Freizeitgestal-tung von Kindern begriffen, wo es doch lange Zeit dem Lehren, Erziehenund der Bildung verpflichtet war. Ein weiterer Klassiker der Kinderlitera-tur, der ebenfalls in Reimform und ähnlicher Manier wie „Der Struwwel-peter“ geschrieben ist, ist „Max & Moritz“ (1865) von Wilhelm Busch: „DerErzähler entrüstet sich in der Art eines Bänkelsängers mit lakonischen,ruppigen Knittelversen …“ (Schikorsky: 2003, S.82). Die Verwendung derSprache weist hier also keinen allzu belehrenden Ton mehr auf, vieleLautmalereien und auch Doppeldeutigkeiten sind im Text zu finden. „Mitden vermeintlich harmlosen, so ungemein einprägsamen Reimen seines„Max und Moritz“ - einer sprachlichen Mischung aus Alltagsfloskeln undmanieriertem Bildungsbürgerjargon - erwarb sich Busch den Ruf eineshumoristischen Dichters für die ganze Familie.“ (ebd. S.83). Komik er-weist sich hier also als ein Element, dass durch seine DoppeldeutigkeitKinder zum Lachen bringt, als auch Erwachsene anspricht - ein Phäno-men, welches im Kinderbuch noch häufiger auftreten wird.

In der Folge leisteten den wichtigsten literarischen Beitrag zu den Kin- derbüchern der Kunstmoderne „… Richard Dehmel (1863-1920), der denZeitgenossen als berühmtester deutscher Lyriker galt, und seine ersteFrau Paula Dehmel (1862-1918). Für „Fitzebutze. Allerhand Schnick-schnack für Kinder“ (1900) trugen sie verstreut erschienene Gedichtezusammen …“ (Schikorsky: 2003, S.90). Es handelt sich bei „Fitzebutze“demnach um eine Art bebilderte Gedichtanthologie mit einer kleinenRahmengeschichte und 25 lose zusammengetragenen kurzen Gedich-ten. „Auch wenn ihre Gedichte deutlich in der Tradition der „Wunder-horn“-Lieder stehen, fehlt ihnen dennoch jede romantische Verklärungdes Kindes. Beide haben das Prinzip einer Dichtung vom Kinde aus mitliterarischen Mitteln konsequent verwirklicht. Sie ließen sich von den Ei-gentümlichkeiten kindlichen Sprachgebrauchs und Verhaltens inspirie-ren. Dehmel belauschte seine Kinder und nutzte deren spontane Wort-und Reimschöpfungen zur Gestaltung einer stilisierten Kindersprache.Die Verse sollten nicht zuletzt das Sprunghafte, Zufällige und Spontanekindlichen Denkens und Handelns ausdrücken. Auch thematisch orien-tierten sich die Autoren an der Fantasie- und Spielwelt der Kinder. Soentstanden freche, unsentimentale Gedichte …“ (ebd. S.90/91). DieDichtung hatte sich nun völlig von der Belehrung durch Erwachsene, voneinem Bildungsauftrag und der Erwachsenenwelt abgewandt. „Fitzebut-ze“ verhalf auf diese Weise dem modernen Kinderbuch endgültig zumDurchbruch. Es markiert damit einen weiteren Wendepunkt in der Ent-wicklung der Kinderlyrik und wurde auf diese Art zu einem Meilensteinder Kinderliteratur. Charakteristisch für jenes moderne Kinderbuch sind„Die in Reim und Rhythmus eingängigen, oft lautmalerischen Verse zwi-schen witzigem Nonsens und zarter Poesie …“ (Schikorsky: 2003, S.91),die auch in einem weiteren Bilderbuch von Paula Dehmel, „Rumpelpum-pel“ (1903), zum Tragen kommen. Eine gewisse Kindlichkeit ist diesenVersen inne, eine unbeschwerte Leichtigkeit und kein moralisierendesEinwirken mehr durch Erwachsene. Von einer Kindlichkeit der Versespricht Schikorsky auch bei Christian Morgenstern: „Im Kontext derRückwendung zu einer „ursprünglichen“ Sprache steht auch die LyrikChristian Morgensterns (1871- 1914), die wesentlich durch Elemente des Musikalischen und Spielerischen bestimmt ist. Er knüpfte an gesell- schaftskritische Traditionen des Sprachspiels an, aber auch an dieVolks- und Kinderlieder der Romantik und die Kinderlyrik Paula Deh-mels.“ (ebd. S.116) . Als Beispiele seines Schaffens können Gedichtewie „Das Häslein“, „Beim Mausbarbier“ oder „Elbenreigen“ genannt wer-den, die über einen humoristisch verspielten Sprachwitz verfügen. „ Wieauch in seinem übrigen lyrischen Werk machen Rhythmus und Reim,Lautmalereien und Wortspiele den besonderen Reiz seiner Gedichteaus.“ (Schikorsky: 2003, S.117).

Das Repertoire der Kinderlyrik ist somit auf ein umfangreiches, inhaltlichbunt gemischtes und formenreiches Spektrum angewachsen. Eben dieseVielfalt und Komplexität wird in der Lyrikanthologie „Die Stadt der Kinder“(1969) von Hans-Joachim Gelberg deutlich. Gelberg vereint in dieserSammlung Gedichte von rund siebzig Autoren der älteren und jüngerenGeneration. Bebildert wurden diese mit Illustrationen von Janosch. „Ge-meinsam ist den realistisch, fantastischen, absurden und konkreten Ver-sen die Perspektive der Kinder und der durchgängige Bezug auf ihrestädtische Erfahrungswelt.“ (ebd. S.161). So hat denn auch mit der Stadtals Lebensraum der Kinder, nicht zuletzt durch die Industrialisierung,wieder ein neues Thema Einzug gehalten in die Welt der Kinderlyrik. Sieist demnach also auch zu einem Spiegel der Lebenswelt ihrer Rezipien-ten geworden, und damit auch zu einem Spiegel gesellschaftsrelevanterInhalte und Themen.

Dem gleichen Prinzip wie bei „Die Stadt der Kinder“ folgten später auch„… die Jahrbücher, die Gelberg ab 1971 herausgab. In Form einer Col-lage wurden Illustrationen in unterschiedlichen Techniken und Fotogra-fien, Prosa- und Lyriktexte zu einem modernen, vielschichtigen Lesebuchkomponiert …“ (Schikorsky: 2003, S.161). Eben diese Vielschichtigkeitund Komplexität wird nun immer mehr zu einem Kennzeichen der mo-dernen Kinderlyrik, „… der Verzicht auf alle Didaktik, die Einnahme derkindlichen Perspektive, die antiautoritäre Einstellung, die Komik …“ (Ve-lthaus: 2003, S.271) können als Charakteristika der neuen kinderlyri-schen Tendenzen zusammengefasst werden. Die Gattung öffnet sich zusehends mehr und eine Abgrenzung zur Lyrik für Erwachsene fällt zum Teil immer schwerer. „Was seit den 1970er Jahren an respektablenlyrischen Texten für Kinder publiziert worden war, unterschied sich in derFormensprache nicht mehr wesentlich von der Erwachsenenlyrik. Diesgalt für die lyrischen Dokumentar- und Collegetexte einer Susanne Kili-an, für die lyrische Spracharbeit, die „neue Sprachlehre“ eines HansManz ebenso wie für die realistische Alltagslyrik einer Christine Nöstlin-ger …“ (ebd. S.274). Althergebrachte Schemata wurden also aufgelöst,Kindern wurden auch anspruchsvollere Texte zugetraut - die Genregren-zen weichen auf und verschwimmen zusehends. „Dass das Spektrumdes Kindergedichtes der Gegenwart unter anderem auch reimlose Ge-dichtformen wie das Haiku, freie, metrisch ungebundene Poesie umfasst,ist das Ergebnis einer Entwicklung, die unter dem Einfluss von Autorin-nen und Autoren wie Christine Busta (1915-1987), Josef Guggenmos(1922-2003) und Elisabeth Borchers (geb. 1926) bereits in den frühen1960er Jahren einsetzte, und nicht zuletzt durch die Arbeit des VerlegersHans Joachim Gelberg gefördert wurde.“ (Weinkauff, von Glasenapp:2010, S.139). Gelbergs Arbeit gilt hier also als Katalysator für das Voran-treiben und Verbreiten einer neuen, modernen Kinderlyrik und dientgleichsam als ein populäres und bedeutendes Beispiel eben jener.

Ferner stellen Weinkauff und von Glasenapp fest: „Zu keinem früherenZeitpunkt fand man in Kinderbüchern - und nicht nur in Anthologien,sondern zum Beispiel auch in Bilderbüchern - so viele anspruchsvolle,stark verdichtete lyrische Texte aus der allgemeinen Literatur, wie heu-te.“ (ebd. S.141). Dies ist ein weiteres Indiz für die unglaubliche Komple-xität, von der die Gattung Kinderlyrik heut zu Tage geprägt ist. Klassikerder Literaturgeschichte, wie zum Beispiel Balladen von Friedrich Schiller,oder auch der „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe, gibt es im Kin-dermann Verlag bereits als Kinderbücher, reich und bunt illustriert. Dies„… bedeutet jedoch, dass Gedichte für Kinder nicht (mehr) per se auf einbestimmtes Formenrepertoire festgelegt werden können, dass es alsokaum noch möglich ist, zu bestimmen, wodurch sich Kindergedichte vonGedichten ohne spezielle Adressierung unterscheiden.“ (Weinkauff, vonGlasenapp: 2010, S.142). Die Modernisierung des Genres erschwert al- so eine Typisierung und auch das Abgrenzen zur Lyrik für andere Alters- klassen. Jedoch haben neben solchen modernen Gedichten auch dietraditionellen weiterhin Bestand. „Obgleich das Formenspektrum derzeitgenössischen Lyrik dem Kindergedicht längst nicht mehr verschlos-sen ist, findet auch im modernen lyrischen Kindergedicht vielfach einSpiel mit traditionellen Formen und Inhalten statt und immer noch prägendie überlieferten Medienkontexte das Erscheinungsbild der Textsorte.“(ebd. S.142). Es findet demnach keine Abkehr von Althergebrachtemstatt, sondern lediglich eine Erweiterung der Genregrenzen. Trotz allemist das „… literarische Erbe der Märchen, Sagen, Volksbücher und Kin-derreime bis heute in der Kinderkultur präsent, ebenso wie manche Ge-dichte von Schriftstellern des 18.Jahrhunderts wie Matthias Claudius(1740-1815) und Christian Adolf Overbeck (1755-1821) …“ (Weinkauff,von Glasenapp: 2010, S.38). Man kann also von einem festen Bestandüberlieferter Kinderlyrik ausgehen, der sich als Fundament jener Litera-turgattung erwiesen hat. Dieser Kern traditioneller Kinderreime- und ge-dichte hat sich als literarisches Erbe bewährt und etabliert und ist nachwie vor gefragt. „Im Kindergedicht der Gegenwart begegnen wir nicht nureiner denkbar breiten Palette traditioneller und moderner Formen, dasTextkorpus ist auch in anderer Hinsicht heterogen: es enthält immernoch eine ganze Reihe kanonisierter Verstexte, von denen viele dem 19.Jahrhundert entstammen, und nicht wenige aus dem anonym verfasstenBestand der Volkspoesie überkommen sind …“ (ebd. S.139). Das Tradi-tionelle hat also neben dem Modernen in der Kinderlyrik Bestand. Somiterweist sie sich als eine literarische Gattung, die sich weder dem Neuenverschließt, noch Altbewährtem den Rücken kehrt. Dies kann nur für dieinhaltliche, als auch äußere Vielfalt von Kinderlyrik sprechen, welche fürKinder einen großen Gewinn darstellt.

4.2 Geschichtliche Entwicklung des Bilderbuches

In diesem Kapitel soll es um die geschichtliche Entwicklung des Bilder-buches gehen. Zur Beantwortung der Fragestellung meiner Arbeit halteich es für notwendig, diesen Blick zurück zu werfen, damit ein Verständ-nis dafür geschaffen werden kann, was für eine Bedeutung das Bilder-buch in der Vergangenheit, grade im Zusammenhang mit der Entwick-lung eines Kindes, hatte. Weiter noch ist es wichtig, um die Beziehungdes Bilderbuches zur Pädagogik bis heute nachvollziehen zu können.„Während der 150-jährigen Bilderbuchgeschichte haben sich Bilderbü-cher optisch und inhaltlich sehr verändert …“ (Hirlinger-Fuchs: 2001, S.5)und darauf soll in dem folgenden Kapitel ein Blick geworfen werden. „Als„Urahn“ des Bilderbuches wird in der Sekundärliteratur gelegentlich dasberühmte Anschauungswerk „Orbis sensualium pictus“ von JohannesAmos Comenius … bezeichnet. Diese Zuordnung ist berechtigt, wennman unter Bilderbuch eine durch den hohen Anteil von Illustrationen ge-prägte Buchgattung versteht. “ (Weinkauff, von Glasenapp: 2010, S.162).Schauen wir in das Kapitel „Definition Bilderbuch“, dann sehen wir dieseZuordnung durchaus bestätigt, denn das Werk, welches alle Erscheinun-gen der Welt anschaulich machen wollte, ist reich mit 150 Holzschnittenillustriert die durch Erläuterungen zum Bild ergänzt werden. Comeniushatte hiermit den Grundstein für ein ganzes Genre gelegt, noch, mit derIntention den Betrachter etwas zu lehren.

Später setzte Friedrich Justin Bertuchs Monumentalwerk „Bilderbuch fürKinder“ (1790) „… Qualitätsmaßstäbe in grafischer und drucktechnischerHinsicht, es verfestigte den Platz des Bilderbuches als Requisit der bür-gerlichen Kinderstube und es trug zu seinem Funktionswandel vomLehrmedium zum Unterhaltungsmedium bei.“ (ebd. S.164). Bei Bertuchalso hatte sich die Qualität der Abbildungen, 1185 an der Zahl, bereitsgesteigert. Die Bilder sollten Kinder nicht nur belehren, sondern ihnenvor allen Dingen auch Spaß machen. Bertuch wollte mit seinem Werkausdrücklich Kinder unterhalten. Die Bilder waren zum Teil koloriert. Ernutzte auch den Aufforderungscharakter von Bildern und wollte Kinder dazu anregen, nicht kolorierte Illustrationen auszumalen oder gar auszu- schneiden. Das „Bilderbuch für Kinder“ steht somit an der Schwelle eines Wandels, der sich zu jener Zeit in der Kinderliteratur vollzog (auch imKapitel „Geschichtliche Entwicklung der Kinderlyrik“ nachzulesen). EinKinderbuch ist demnach mehr als ein Lehrmedium, es kann mittlerweileauch als ein Medium der Freizeitgestaltung von Kindern dienen. In dieserFunktion etablierte es sich nun zunehmend als ein festes Zubehör des„Spielzeugrepertoires“ eines bürgerlichen Kindes. Dann, „Mit dem„Struwwelpeter“ hat der Frankfurter Psychiater Heinrich Hoffmann einePionierleistung auf dem Gebiet des kinderliterarischen Erzählens in Bildund Text vollbracht und einen Klassiker des Genres geschaffen …“(Weinkauff, von Glasenapp: 2010, S.165). „Der Struwwelpeter“ ist einesder erfolgreichsten deutschen Kinderbücher, er kann als Prototyp desmodernen deutschen Bilderbuches bezeichnet werden. Die Illustrationenunterscheiden sich in ihrer Einfachheit deutlich von denen der oben ge-nannten Anschauungsbücher. Es geht in diesem Buch nicht darum einenGegenstand möglichst detailgetreu abzubilden, vielmehr begleiten dieBilder den Verstext und stellen ausdrucksvoll den Inhalt der Geschichtendar. Das Erzählen findet hier auf zwei Ebenen statt, auf der piktoralenund der verbalen. So kann ein nicht lesefähiges Kind erstmals in der La-ge sein, sich eine Geschichte anhand der Bilderfolgen selbst zu er-schließen - eine kinderliterarische Errungenschaft. „Als Standartrequisi-ten moderner bürgerlicher Kindheit erfüllen Bilderbücher eine ganzeReihe bedeutender Bildungsaufgaben: Bilderbücher dienten zu allen Zei-ten der moralischen Erziehung.“ (ebd. S.182). Das war damals beim„Struwwelpeter“ so, und ist zum Teil auch heute noch so. Es hat sich inder Vergangenheit herausgestellt, dass das Medium Bilderbuch schein-bar sehr geeignet dafür erscheint unterschiedliche Werte, Normen undRollenbilder zu vermitteln. Jedoch schränkt es sich hier auf keine Weiseinhaltlich ein. „Das Bilderbuch erwies sich im Laufe seiner Geschichtewiederholt als offen für thematische Innovationen. So gelangte um dieWende von 19. zum 20. Jahrhundert die Großstadt als Lebenswelt vonKindern im Bilderbuch zur Darstellung und Bilderbücher thematisiertendie soziale Ungleichheit und die traumatische Erfahrung des erstenWeltkrieges. Das Bilderbuch der Gegenwart spart ernste und schwierige Themen wie Gewalt im kindlichen Erfahrungshorizont, Nationalsozialis- mus und Holocaust oder den Tod ebenso wenig aus, wie die Darstellungexistentieller Angst, Trauer oder Einsamkeit.“ (Weinkauff, von Glasen-app: 2010, S.172). Es scheint also so, als könnten über das Bilderbuchdie verschiedensten Themen und Inhalte vermittelt und angesprochenwerden. Somit erweist es sich erneut als ein ultimatives Lehrmedium derBildung und auch als Impulsträger für Gedankengänge. Gar als Auslöserfür zwischenmenschliche Kommunikation. „In fast allen Perioden seinerEntwicklung bezog das Bilderbuch wichtige Impulse aus der zeitgenössi-schen (altersunspezifischen) Kultur.“ (ebd. S.171). So bildet das Kinder-buch also auch immer zu Teilen die Gesellschaft seiner Zeit ab undspiegelt die gegenwärtige Kultur wider. Es dokumentiert diese so zu sa-gen. Weinkauff und von Glasenapp stellen, was diese Öffnung und Ent-grenzung des Genres Bilderbuches betrifft, einen Vergleich zur Kinderly-rik an: „Dennoch ähnelt die Geschichte des Bilderbuches in ihrem Ver-lauf eher derjenigen der Kinderlyrik bzw. des Kindergedichtes als derje-nigen des Kinder- bzw. Jugendromans: Einerseits sind die entscheiden-den Innovationsschübe bereits lange vor 1970 zu verzeichnen, anderer-seits bleiben Bilderbuch und Kindergedicht unbenommen von diesen In-novationsschüben in ihrer Ausrichtung weiterhin traditionell …“ (Wein-kauff, von Glasenapp: 2010, S.175). Gemeinsam ist beiden Sujets alsoihre unbeirrte Orientierung am Traditionellen, als aber auch die Öffnunghin zu einer innovativen, entgrenzten Form. Auch was die Adressaten-spezifizierung betrifft ähnelt die Entwicklung des Kinderbuches der, derKinderlyrik (nachzulesen im nächsten Kapitel): „Als primäre Adressatenvon Bilderbüchern werden nun in zunehmendem Umfang auch Angehö-rige von Altersgruppen jenseits des Vorschulbereiches und in einigenFällen auch Erwachsenen in Betracht gezogen.“ (ebd. S.176). Es findetalso auch hier eine Öffnung statt. Auch Kalteis berichtet dies: „Das Bil-derbuch richtet sich spätestens seit den 1990er Jahren nicht mehr aus-schließlich an Kinder, es öffnet sich in alle Richtungen. Es probiert neueThemen, neue Stile, neue Erzähltechniken und ist oftmals ohne spezifi-sche Altersadressierung.

[...]

Details

Seiten
94
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668676626
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210411
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
kinderlyrik bilderbuch standortbestimmung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kinderlyrik im Bilderbuch. Standortbestimmung 2012