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Die Vorratsbeschaffung der OEM als Teil des Logistikkonzepts der Automobilzulieferer

Die Einführung eines Konsignationslagers bei YYY Trucks and Buses als Kunde der XXX

Hausarbeit 2012 25 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Konzepte der Beschaffung im Überblick
2.1 Begriffsklärung und Zielsetzungen
2.2 Konzepte der Vorratsbeschaffung
2.3 Vorteile der Vorratsbeschaffung
2.4 Klassische Problemfelder der Vorratsbeschaffung

3 Das Konsignationslager als Vorratsbeschaffungskonzept bei XXX am Beispiel YYY Trucks and Buses
3.1 Funktionsweise und Zielsetzung der Konsignationslager
3.2 Vorteilsbetrachtung der Konsignationslager
3.3 Feststellung auftretender Problemfelder

4 Bewertung des Status quo und Optimierungspotentiale der Konsignationslager
4.1 Entwicklung von Optimierungspotentialen anhand der auftretenden Problemfelder
4.2 Umsetzung und Chancen der Optimierungsmöglichkeiten

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang A

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Führende Nutzfahrzeughersteller erhöhen, nicht zuletzt auch durch die steigende Globalisierung und dem damit verbundenen Wettbewerbsdruck auf dem Weltmarkt, ihre Erwartungen an die Automobilzulieferindustrie. Zulieferunternehmen wie XXX werden als Teil der Wertschöpfungskette immer stärker in die Verantwortung gezogen ihren Beitrag zu einer optimal aufeinander abgestimmten Kunden-Lieferanten-Beziehung zu leisten.

Erstausrüster wie ZZZ oder YYY erwarten im Bereich der Beschaffungslogistik trotz schwankender Bedarfe und kurzfristiger Nachfrageänderungen eine Gewährleistung absoluter Sicherheit hinsichtlich der Materialversorgung. Zur Erfüllung dieser Anforderungen muss ein Zulieferer eine Vielzahl an Teilen in einer bestimmten Menge nicht nur vorrätig lagern, sondern auch in der Lage sein, diese möglichst flexibel und schnell zum Kunden liefern zu können. Aus diesem Grund betreibt XXX, wie viele andere Zulieferer auch, Lager in der Nähe großer Kunden.

Die Thematik der Vorratsbeschaffung als Teil der Beschaffungslogistik am Beispiel des Kunden YYY soll innerhalb dieser Ausarbeitung näher betrachtet werden. Ziel ist es aufzuzeigen, auf welche Logistikkonzepte YYY bei der Bewältigung dieser Herausforderung zurückgreift und welche Anforderungen ihrerseits dabei an XXX gestellt werden. Dafür sollen zunächst die wesentlichen Konzepte der Beschaffung literaturbasiert angeführt werden, um im Anschluss daran den Fokus auf die Methode der Vorratsbeschaffung mit ihren Vor- und Nachteilen zu setzen. Am Beispiel YYY werden im praxisbezogenen Teil die Ziele im Zusammenhang mit der Einführung der Konsignationslager erläutert. Die Abwicklung der Konsignationslager sowie die für XXX daraus resultierenden Vorzüge und aufgetretenen Problemfelder werden ebenfalls thematisiert. Anschließend sollen vor dem Hintergrund der dargestellten Problemfelder mögliche Verbesserungspotentiale entwickelt und die Chancen der Realisierung erörtert werden. Im abschließenden Fazit werden noch einmal die entscheidenden Punkte zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.

Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Reflexion kann im literaturbasierten Teil nur im Ansatz auf die Konzepte der Beschaffungslogistik eingegangen werden, die neben der Vorratsbeschaffung angeführt werden.

2 Konzepte der Beschaffung im Überblick

2.1 Begriffsklärung und Zielsetzungen

Die Vorratsbeschaffung ist eine der „drei grundsätzliche[n] Beschaffungsprinzipien“[1], die sich neben der Einzelbeschaffung im Bedarfsfall und der fertigungssynchronen Beschaffung in der Literatur ausmachen lassen.[2] Obgleich jedes der genannten Konzepte aufgrund verschiedener Strategien jeweils sowohl Vor- als auch Nachteile aufweist, verfolgen sie dennoch das einheitliche Kernziel der Beschaffung: „Das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge und Qualität [dem Kunden für seine Produktion] bereitzustellen“.[3]

Das Prinzip der Einzelbeschaffung ist diejenige Form der Beschaffung, die in der Regel bei der Einzelfertigung oder Kleinserienfertigung angewandt wird.[4] Eine Prognose des Bedarfs im Voraus lässt sich In diesem Fall nur sehr schwer durchführen, da die zur Produktion benötigten Materialien erst nach Auftragseingang eines Kunden bestellt werden.[5] Sowohl die zeitnahe Beschaffung der Materialien und deren direkte Verarbeitung, als auch die dadurch sehr geringe Lagerhaltungsmenge und -dauer ermöglichen dem fertigenden Unternehmen minimale Lagerhaltungskosten. Ein weiterer Kostenvorteil ergibt sich, da durch die verringerte Kapitalbindung weniger Zinskosten anfallen.[6] Aufgrund des kurzfristigen Bestellverhaltens im Fall der Einzelbestellung kann jedoch oft nicht der optimale Einkaufszeitpunkt der Ware abgepasst werden. Es besteht außerdem die Gefahr, dass ein Lieferant den kurzzeitigen Bestellauftrag nicht zum geforderten Zeitpunkt bedienen kann, wodurch sich gleichzeitig auch das Risiko einer verspäteten Lieferung bzw. einer temporären Produktionsunterbrechung erhöht.[7]

Zu einem Produktionsverzug kann es ebenfalls durch die Anlieferung fehlerhafter Teile kommen. Die entsprechend benötigte Zeit für die Nachbearbeitung verringert dann den gewonnenen Vorteil aus den zunächst eingesparten Lagerkosten.[8] Überdies können durch die geringen Bestellmengen im Zuge der Einzelbeschaffung nur selten Rabatte realisiert werden.[9]

Bei der produktionssychronen Beschaffung werden die Materialien, im Gegensatz zum Prinzip der Einzelbeschaffung, wiederkehrend bzw. in einem Rhythmus beschafft, der meist mit dem Fertigungsplan des jeweiligen Kunden abgestimmt ist.[10] Diese Form der Beschaffung wird von Unternehmen angewendet, deren Produktion eine Serien- oder Massenfertigung beinhaltet - die Bedarfsmengen sind hier im Voraus berechenbar.[11] In diesem Fall besteht meist eine Rahmenvereinbarung zwischen Lieferant und Kunde, die für ein Jahr im Voraus eine Bedarfsvorschau auf Quartalsebene für jede Teilenummer enthält. So ist es dem Lieferanten möglich seine Produktionskapazitäten entsprechend dieser Vereinbarung zu planen.[12] Innerhalb der einzelnen Quartale erstellt der Warenempfänger sogenannte Rahmenaufträge, in denen die Bedarfsmenge für einen einzelnen Monat noch einmal präzisiert und an den Zulieferer übermittel wird.[13]

Angeliefert werden die Materialien - produktionssynchron - zu dem Zeitpunkt, zu dem sie für eine reibungslose und durchgehende Fertigung benötigt werden. Wie schon bei der Einzelbeschaffung können Lagermengen und -zeiten dadurch reduziert und Lagerkosten somit klein gehalten werden.[14]

Das am meisten verbreitete fertigungssynchrone Beschaffungskonzept ist das Just-in-time-Prinzip, welches auf dem Holprinzip beruht und in der Praxis meist in Form eines Kanban-Systems eingesetzt wird.[15] Ein reibungslos funktionierender und präzise abgestimmter Informationsfluss zwischen Lieferant und Kunde ist hier von ebenso großer Bedeutung, wie ein hohes Maß an Lieferbereitschaft.[16] Ein weiterer wichtiger Faktor um die Funktion dieses Beschaffungskonzepts gewährleisten zu können ist ein konstant hoher Qualitätsstandard des Lieferanten, da sich eventuelle Mängel unmittelbar auf den Ablauf der Produktion des Kunden auswirken würden.[17] Meist wird vertraglich festgelegt, dass der Lieferant für einen Teil der in so einem Fall anfallenden Kosten, wie z.B. eine unvollständige oder fehlerhafte Lieferung aufkommen muss.[18]

Auf eine Lagerhaltung mit hohen Beständen wurde bei den bisher genannten Beschaffungsmaßnahmen verzichtet. Im Gegensatz dazu kann die Vorratsbeschaffung betrachtet werden, bei der Bestände im Lager bewusst zur Versorgungssicherung der Produktion gehalten werden.[19] Zum Zeitpunkt der Beschaffung sind die Bestellmengen höher als der aktuelle Bedarf bzw. Verbrauch, sodass es zum Aufbau eines Lagerbestandes kommt.[20] Dieser Bestand wird über einen bestimmten Zeitraum durch Entnahmen entsprechend der für die Produktion benötigten Menge abgebaut, ehe es bei Erreichung eines festgelegten Sicherheitsbestandes zu einer erneuten Bestellung beim Lieferanten kommt.[21] Für eine Vorratsbeschaffung sind vor allem weniger wertintensive Beschaffungsgüter geeignet, die eine mittlere bis hohe Abrufsequenz aufweisen, wohingegen höherwertige Produkte aufgrund der hohen Kapitalbindungskosten weniger geeignet sind.[22]

An dieser Stelle zeigt sich, dass jedes der dargelegten Konzepte sowohl Vorzüge als auch Nachteile aufweist und somit nicht jedes Konzept für jede Materialgruppe geeignet ist. Innerhalb einer Unternehmung werden daher häufig mehrere Beschaffungskonzepte parallel zueinander angewandt.[23]

2.2 Konzepte der Vorratsbeschaffung

Nach der Ausführung der drei Grundkonzepte der Beschaffungslogistik wird der Fokus im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf die Umsetzungsmöglichkeiten der Vorratsbeschaffung gelegt.

Die Vorratsbeschaffung beinhaltet verschiedene Strategien und Konzepte, zu denen auch das sogenannte Konsignationslager zählt.[24] Das Konsignationslager ist ein Warenlager eines Zulieferers oder Dienstleisters, welches sich in unmittelbarer Nähe oder auf dem Produktionsgelände des Abnehmers bzw. Kunden befindet.[25] Die zur Lagerung benötigte Fläche wird dem Lieferanten durch den Kunden dabei kostenlos zur Verfügung gestellt, wobei dieser Lagerbereich als Konsignationsfläche gekennzeichnet sein muss.[26]

Trotz dem Faktum, dass die Ware sich auf dem Gelände des Kunden befindet, bleibt der Lieferant solange für die Ware verantwortlich, bis diese tatsächlich entnommen und durch die Produktion verbraucht wird.[27] Besitzer der Ware ist rechtlich gesehen der Kunde, allerdings bleibt der Lieferant bis zur physischen Entnahme Eigentümer der Ware. Zum Eigentumsübergang kommt es daher erst bei Warenentnahme, sodass der Lieferant eine Forderung erwirbt und eine Rechnung für das entnommene Material erstellen kann.[28] Bilanztechnisch werden die Materialien dementsprechend zu den Beständen des Lieferanten gezählt. Seitens des Kunden muss daher ein Prozess in seinem ERP-System implementiert werden, der zum einen die gelagerten Materialien als Bestand ohne wertmäßige Erfassung führen kann, andererseits aber auch die Materialentnahme dem Lieferanten übermittelt.[29] Verantwortlich für die Verfügbarkeit der Materialien ist der Lieferant.[30] Die Verantwortung des Kunden dagegen liegt darin, die jeweiligen Aufträge im System des Zulieferers zu platzieren und ist somit für den Bestand und die Disposition der Materialien zu sorgen.[31]

[...]


[1] Nebl, T. (2007), S. 259.

[2] Vgl. Nebl, T. (2007), S. 259f.

[3] Wannenwetsch, H. (2009), S. 116f.

[4] Vgl. Mathar, H J.; Scheuring, J. (2011), S. 113.

[5] Vgl. Konrad, G. (2005), S. 135f.

[6] Vgl. Plümer, T. (2003), S. 135f.

[7] Vgl. Kiener, S.; Maier-Scheubeck, N.; Obermaier, R.; Weiß, M. (2009), S. 92f.

[8] Vgl. Mathar, H. J.; Scheuring, J. (2009), S. 93f.

[9] Vgl. Plümer, T. (2003), S. 118f.

[10] Vgl. Appelfeller, W.; Buchholz, W. (2010), S. 246f.

[11] Vgl. Large, R. (2012), S. 205f.

[12] Vgl. Melzer-Ridinger, R. (2008), S. 167f.

[13] Vgl. Appelfeller, W.; Buchholz, W. (2010), S. 171f.

[14] Vgl. Nebl, T. (2007), S. 260f.

[15] Vgl. Werner, H. (2010), S. 154ff.

[16] Vgl. Jung, H. (2006), S. 386.

[17] Vgl. Zäpfel, G. (2000), S. 137f.

[18] Vgl. Bichler, K.; Krohn, R.; Riedel, G.; Schöppach, F. (2010), S. 11f.

[19] Vgl. Blom, F.; Harlander, N. A. (2003), S. 68.

[20] Vgl. Mathar, H. J.; Scheuring, J. (2009), S. 94.

[21] Vgl. Melzer-Ridinger, R. (2008), S. 165.

[22] Vgl. Konrad, G. (2005), S. 134.

[23] Vgl. Melzer-Ridinger, R. (2008), S. 174.

[24] Vgl. o.V. (o. Jahr), http://www.vnl.at/Konsignationslager, am 29.08.2012.

[25] Vgl. Arnold, D. (2008), S. 282.

[26] Vgl. Melzer-Ridinger, R. (2008), S. 173f.

[27] Vgl. Mohr, G. (2009), S. 260.

[28] Vgl. Mohr, G. (2009), S. 261f.

[29] Vgl. Melzer-Ridinger, R. (2008), s. 173.

[30] Vgl. o.V. (o. Jahr), http://www.vnl.at/Konsignationslager, am 29.08.2012.

[31] Vgl. Arnold, D. (2008), S. 271.

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656387916
ISBN (Buch)
9783656388333
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210379
Institution / Hochschule
Leibniz Akademie Hannover - Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hannover
Note
1,0
Schlagworte
Konsignationslager Vorratsbeschaffung Automobilzulieferer Zulieferindustrie Automotive Vendor Managed Inventory Lieferanten-Logistik-Zentrum DFÜ EDI Rounding Values Lieferantenmanagement Supplier Portal OEM Wertschöpfungskette

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