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Inszenierung von Geschlecht anhand ausgewählter Beispiele

Vordiplomarbeit 2003 22 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geschlecht und gesellschaftliches Geschlechtsrollenstereotyp

3. Weiblich – männlich: familiäre Sozialisation oder mediale Konstruktion?

4. Das Frauen- und Männerbild im deutschen Fernsehen
4.1. Textbeispiel I: Sexualität – Mediale Aufführung der Geschlechter (4.4. – 4.4.2.); Eggo Müller
4.2. Textbeispiel II: Sexualität und Geschlechtsrollenklischees – Exkurs: Werbespots; Margareta Gorschenek

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

[…] eine Stellungnahme des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen, Gesundheit [besagt]: Das in den Medien gezeichnete Frauenbild entspricht in vielen Fällen noch nicht der Realität des Alltagslebens und der Vielfalt der Lebensentwürfe von Frauen heute.[1]

Ausgehend von diesem Zitat werde ich im Folgenden untersuchen, inwieweit das Fernsehen an der Herausbildung von Geschlechterstereotypen aktiv beteiligt ist. Des Weiteren stellt sich die Frage, wodurch in der Gesellschaft bestimmte Rollenerwartungen und Klischees produziert, beziehungsweise weitergegeben werden.

Worin bestehen diese gesellschaftlichen Stereotype mit denen Frauen und Männer praktisch in allen Kulturen belegt werden? Und wie sehen die Vorstellungen vom adäquaten Rollenverhalten der Geschlechter speziell in unserer Gesellschaft aus? Davon natürlich nicht ausgenommen wird die Untersuchung der medialen Darstellung sein, denn das Fernsehen wird hier verstanden als wichtiger Geschlechtsrollen reproduzierender Faktor. Des weiteren sollen in den folgenden Kapiteln die Einflüsse der familiären Sozialisation auf das spätere Selbstverständnis als Frau oder Mann, und die damit verbundene Einordnung innerhalb der gesellschaftlich vorherrschenden Rollenerwartungen erörtert werden.

Als wichtige Bezugsquelle dienen dabei die Texte und inhaltsanalytischen Fallstudien der Psychologin Monika Weiderer, die in ihrer Untersuchung "Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen" aus dem Jahre 1995 konstatierte, dass es "eine allgemein anerkannte Tatsache [ist], dass die Massenmedien in unserer Gesellschaft Wirkungen auf ihr Publikum ausüben. [...] Es ist eine wichtige Quelle für Beobachtungslernen und für das Lernen von Normen. Das Fernsehen kann das soziale Verhalten von ZuschauerInnen in die Richtung beeinflussen, die der Inhalt des Programms vorgibt"[2]. Ausgehend von der sozial-kognitiven Lerntheorie laufe demnach ein großer Teil des sozialen Lernens zum einen beabsichtigt zum anderen unbewusst durch die Wahrnehmung des Verhaltens anderer ab. Dabei könne gerade das Fernsehen die sozialen Bedeutungs- und Handlungsschemata ebenso beeinflussen wie das alltägliche Leben. Die nun folgenden Kapitel werden diese Thesen aufgreifen und mit Vergleichstexten gegebenenfalls verifizieren oder falsifizieren. Zuerst soll nun ein allgemeiner Überblick über Geschlechterdefinition und –stereotypisierung gewonnen werden.

2. Geschlecht und gesellschaftliches Geschlechtsrollenstereotyp

[Es] lässt sich in nahezu allen Gesellschaften eine Verteilung der Rechte und Pflichten finden, die auf dem Geschlecht als Selektionsmerkmal basiert. Für Frauen und Männer existieren gleichermaßen soziale Stereotype, die das Maß für „richtiges“ Verhalten bilden.[3]

Diese Stereotype sind Gegenstand des folgenden Kapitels und sollen darüber Aufschluss liefern, inwieweit die familiäre oder die mediale Sozialisation als rollenprägender Faktor zu gewichten sind. Heute gelte weitestgehend als gesichert, so Monika Weiderer, dass die geschlechtsspezifische Einteilung in die Kategorien männlich und weiblich und den damit verbundenen Pflichten, sozialen Attributen und Klischees seit jeher fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Menschen gewesen seien. Mögliche Erklärungen für diese Zusammenhänge, also die Verbindung zwischen der Gesellschaft und den geschlechtsspezifischen Rollenstereotypen, könnten jedoch nicht in einer einheitlichen Theorie zusammengefasst werden. Als wohl verbreitester Ansatz gilt hierzu die Annahme, dass jedes Individuum erst im Laufe seiner Entwicklung mit diesen Stereotypen bewusst konfrontiert aber von Geburt an in die seinem Geschlecht entsprechende Richtung sozialisiert wird. Dieses Erlernen der eigenen Rolle und das Erfahren des entgegengesetzten Stereotyps sei, so die Autorin, als sozialer Interaktionsprozess zu verstehen.

Als kennzeichnend für das von Gesellschaft und Medien vermittelte Frauen- und Männerbild sind, auch wenn diese Charakteristika eher Klischees zu bedienen scheinen, Differenzierungen, die das männliche Geschlecht als „unabhängiger, objektiver, aktiver, logischer, ehrgeiziger, risikofreudiger, selbstbewusster und technisch begabter“[4] beschreiben. Demnach sind also die praktischen und sachlichen Attribute signifikant für Männer, Frauen wird hierbei eher die emotionale Seite zugedacht.

Die ursprünglich rein biologisch begründeten Begriffsbestimmungen Mann und Frau sind heute weit mehr als nur physiologische Kategorien. Im Laufe der Zeit sind etliche Vorurteile, Klischees und Verhaltensmuster entstanden, die durch ihre permanente Reproduktion durch Medien, Familie und soziales Umfeld nur schwerlich abzulegen sind. Die während der Sozialisation zu durchlaufenden Reife- und Meinungsbildungsprozesse sind, ob bewusst oder unbewusst, auch bis heute geprägt von geschlechtsspezifischen Unterscheidungskriterien und Identifikationsmustern. Dieses wird besonders deutlich am Beispiel der Inhalte von Fernsehprogrammen, auf deren Rolle später noch genauer eingegangen werden soll. Es ist an dieser Stelle allerdings sinnvoll auf den Soziologen Stefan Aufenanger zu verweisen. Ausgehend von seinen Theorien ist festzustellen, dass die gezeigten Fernsehinhalte deutlich auf die Interessen von Jungen zugeschnitten seien, so dass einem Heldentypus zumeist das männliche Geschlecht zugeschrieben werde. Die sich voneinander unterscheidenden Vorlieben von Mädchen und Jungen würden zudem dadurch sichtbar, dass Jungen mehr die „kämpferischen Eigenschaften [des Helden] mögen, [wohingegen] Mädchen mehr deren prosoziale Verhaltensweisen [bevorzugen]“[5]. Inwiefern die angesprochenen Vorlieben tatsächlich generell zutreffen, ist an dieser Stelle nicht zu klären. Es wird jedoch deutlich wie schon in der Kinderzeit in Verhalten und Sichtweisen klare Grenzen zwischen Mädchen und Jungen gezogen werden, seien diese nun real existent oder ungerechtfertigt pauschalisiert. Die gezeigten Muster des männlichen Heldentypos und der weiblichen Opfer- beziehungsweise passiven Zuschauerrolle sind, sofern dem Kind keine andere Verteilung vorgelebt wird, durchaus ein identitätsprägender Faktor.

Diesbezüglich greift Weiderer auf die Theorien der Frauen- und Geschlechterforscherinnen Brovermann, Clarkson und Rosenkrantz zurück. Sie subsumieren die geschlechtsspezifischen Unterscheidungsschemata mit den Begriffen Kompetenz auf der einen und emotionale Wärme auf der anderen Seite. Auch wenn die vermeintlich weiblichen Attribute für sich alleine als durchaus positiv einzuordnen sind, so stehen sie doch in der sozialen Gunst und Wertigkeit hinter denen des Mannes zurück. Gerade in der heutigen Leistungsgesellschaft sind Fachwissen und ein daraus resultierendes autoritäres Auftreten oft ausschlaggebend für das Ansehen und die Stellung eines Einzelnen. Die pauschalisierte Zuschreibung dieser Eigenschaften allein auf Männer macht deutlich, dass Diskreditierungen und Diskriminierungen aufgrund geschlechtsrollenspezifischer Stereotype im Alltag durchaus noch immer ihren Platz haben.

In unserer Gesellschaft sind zwar beide Geschlechter mit stereotypen Rollen- und Eigenschaftsbildern ausgestattet, aber es ist das Stereotyp der Frau, das mit negativen Bewertungen versehen wird.[6]

Auch wenn diese Stereotypen nicht die Realität widerspiegeln, so haben sie sich zwar im Laufe der Zeit differenzierter, aber dennoch über Jahrhunderte in den Köpfen der Menschen halten können. Grund dafür sind wohl die gesamtgesellschaftlichen Denkmuster, die als ausschlaggebendes und prägendes Moment für die individuelle Sozialisation stehen. Diese Muster würden, laut Weiderer, durch die „Kulturträger einer Gesellschaft“[7], wie auch die heutigen Massenmedien Fernsehen, Internet oder Zeitschriften, transportiert und so zu einem gesellschaftlichen Phänomen, mit dem wir täglich konfrontiert werden. Das würde erklären, warum sich viele Frauen, die sich gegen dieses klischeebehaftete Weiblichkeitsbild stellen, immer noch häufig mit familiären und beruflichen Konflikten konfrontiert sehen. Vorurteile, gründend auf der schon beschrieben negativ konotierten Wertigkeit fraulicher Eigenschaften, hätten so oft diskriminierende und sexistische[8] Züge angenommen.

Auch wenn sich zunehmend die Tendenz zu weiblicher Entscheidungs- und Entfaltungsfreiheit zeigt, so sind voneinander differierende Geschlechtsrollenstereotype auch bis heute weiterhin omnipräsent – aktive und passive Sozialisationsprozesse beeinflussen die Wahrnehmung und Meinungsbildung der Gesellschaft. Ein Grund, warum sich die Angleichung von Frauen- und Männerbildern so langsam vollzieht, könnte zum einen die Konstanz dieser Stereotype, zum anderen deren leicht verständliche und oberflächig plausiblen Inhalte sein. Der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Michael Kunczik beschreibt dies mit folgender Theorie:

Je simpler eine These aussieht, desto attraktiver und erfolgreicher ist sie bei Außenstehenden.[9]

[...]


[1] Monika Weiderer: Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen. In: Helmut Lukesch (Hg.): Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen – Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Programme von ARD, ZDF und RTLplus. Regensburg 1993, S. 19.

[2] Ebd., S. 55.

[3] Ebd., S. 12.

[4] Ebd., S. 12.

[5] Stefan Aufenanger: Wie Kinder und Jugendliche Gewalt im Fernsehen verstehen. In: Mike Friedrichsen/Gerhard Vowe (Hg.): Gewaltdarstellungen in den Medien. Theorien, Fakten und Analysen. Opladen 1995, S. 228-234.

[6] Ebd., S. 13.

[7] Ebd., S. 12.

[8] Sexismus wird allgemein verstanden als Bewertung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit. Frauen, ihre Eigenschaften und beispielsweise die von ihnen verrichtete Arbeit werden geringer bewertet als vergleichbare Leistungen von Männern.

[9] Michael Kunczik: Wirkungen von Gewaltdarstellungen – Zum aktuellen Stand der Diskussion. In: Mike Friedrichsen/Gerhard Vowe (Hg.): Gewaltdarstellungen in den Medien – Theorien, Fakten und Analysen. Opladen 1995, S. 125-144.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638247528
ISBN (Buch)
9783656202219
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21036
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Inszenierung Geschlecht Beispiele

Autor

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Titel: Inszenierung von Geschlecht anhand ausgewählter Beispiele