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Die Prinzessin küsst den Prinz. Deklinationsunterlassung bei schwachen Maskulina

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deklinationsklassen
2.1 Nominalflexion starker Maskulina
2.2 Nominalflexion schwacher Maskulina
2.3 Nominalflexion gemischter Maskulina/Neutra

3. Flexionsklassenwechsel in der Literatur
3.1 Historischer Abriss
3.2 Sprachwandel oder Fehler?
– Positionen von wissenschaftlichen Werken

4. Verwendung schwacher und starker Deklination
4.1 Befragung Kieler Passanten
4.2 Treffer bei Google, COSMAS Korpusanalyse

5. Fazit

6. Anhang
A1: Gedicht über den Flexionsklassenwechsel des Autors
A2: Deklination der Substantive aus Kapitel 4 laut der Onlineversion des Dudens

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zeigt man die Überschrift dieser Hausarbeit verschiedenen Personen, so werden einige nach dem Fehler erst suchen müssen. Laut Duden wird das Substantiv Prinz schwach dekliniert. Demnach müsste an den Prinz noch die Endung en angehängt werden. Doch ist dieser Satz so, wie er im Titel steht wirklich falsch, oder handelt es sich hierbei um einen Sprachwandel, der die Grammatikregeln verändern wird?

Mit dieser Frage haben sich schon verschiedene Autoren beschäftigt. Dabei sind es häufig nicht nur Sprachwissenschaftler, die sich mit der Deklinationsunterlassung bei schwachen Maskulina auseinandersetzen, sondern auch interessierte Laien. Bei der Recherche für diese Hausarbeit bin ich im Internet auf das Gedicht „Dem Autoren zu Eigen“ gestoßen (siehe A1). Auch Sick hat sich bereits 2005 zu diesem Thema in seinem Buch geäußert. Er nennt dieses Phänomen polemisch „Kasus Verschwindibus“.[1] Aus demselben Jahr stammt auch die Abhandlung von Köpcke, deren Titel für diese Arbeit teilweise übernommen wurde. Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen des Deklinationswechsels und auch mit dem sprachdidaktischen Problem, wie Lehrer Schüleraufsätze mit solchen Fehlern korrigieren sollen. Dafür hat Köpcke mehrere Schüleraufsätze hinsichtlich der verwendeten Deklinationsformen untersucht.[2] Die vorliegende Arbeit knüpft an Köpckes Aufsatz an. Schwerpunkt ist hier allerdings der sprachwissenschaftliche Hintergrund. Dabei steht besonders die Entwicklung des grammatikalischen Problems, der Flexion[3] von Nomen im Singular, in den letzten Jahren im Fokus. Die Grundlage der Erkenntnisse über die neusten Entwicklungen in diesem Bereich stellt die Arbeit von Thieroff und Vogel dar.

Am Anfang dieser Arbeit wird zunächst die Einteilung in Flexionsklassen von Peter Eisenberg und die der Duden Redaktion vorgestellt. Anschließend folgt ein historischer Abriss, in dem die Entwicklung der schwachen Deklination kurz dargestellt wird. Danach wird die wissenschaftliche Diskussion um die Deklinationsunterlassung im Singular bei schwachen Maskulina beleuchtet.

Um die Meinung der Laien zu ermitteln, wurden Passanten in der Kieler Innenstadt befragt. Da dies nur eine Stichprobe darstellt, wurden auch die Treffer bei der Suchmaschine Google ermittelt, die bei verschiedenen Wortkombinationen auftraten. Auch die COSMAS-Datenbank diente, mit einigen ausgewählten Wörtern, als Hintergrund für die Analyse.

Abschließend werden die gesammelten Ergebnisse diskutiert und kritisch beleuchtet, denn es soll letztendlich die Frage geklärt werden, ob das genannte Phänomen als grammatikalischer Fehler oder als zulässiger Sprachwandel zu bewerten ist.

2. Deklinationsklassen

Die Einteilung nach Flexionsklassen variiert je nach Autor. Um eine Einheitlichkeit der Einteilung zu gewährleisten, werden im folgenden Kapitel die Nominalflexionsklassen nach Peter Eisenberg und dem Duden Grammatik vorgestellt.

Insgesamt unterscheidet Eisenberg vier Flexionsklassen, die er wiederum in jeweils zwei Typen untergliedert. Die erste Klasse umfasst die Nominalflexion starker Maskulina und Neutra (siehe 2.1), nach der zweiten Klasse werden schwache Maskulina dekliniert (siehe 2.2). Die dritte Gruppe zeigt eine Mischform, zu der einige Maskulina und Neutra zählen (siehe 2.3). Die vierte und letzte Gruppe zeigt die Flexion der Feminina. Da diese nicht Gegenstand dieser Arbeit sind, wird auf die eingehendere Beschreibung dieser Klasse verzichtet.

Der Duden Grammatik unterteilt in fünf Flexionsklassen[4], dabei behandeln die ersten vier nur die Kasusformen im Singular. Die Erste ist endungslos, die Zweite behandelt die starke Deklination, die Dritte die stark deklinierten Eigennamen, die Vierte umfasst die schwach deklinierten Substantive und die fünfte Klasse beschäftigt sich mit den Kasusformen im Plural.

2.1 Nominalflexion starker Maskulina und Neutra

Eisenberg unterscheidet bei dieser Flexionsklasse zwei Typen. Die „meisten einsilbigen Simplizia des Maskulinums […] und Neutrums“[5] flektieren nach dem Typ 1a (siehe Abbildung 1). Ein geringerer Teil der Maskulina und Neutra werden nach dem Typ 1b dekliniert.[6] Demnach ist für diese Gruppe besonders der auf (e)s gebildete Genitiv Singular und die Dativendung im Plural auf n kennzeichnend. Diese Arbeit beschäftigt sich vordergründig mit der Deklination schwacher Maskulina. Da diese aber teilweise auch stark dekliniert werden, wird auch die starke Flexion nach Eisenberg an dieser Stelle kurz dargestellt. Auf die nähere Beschreibung der Umlautbildung wird deshalb verzichtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Flexion starker Maskulina und Neutra (Eisenberg 2006, S. 159)

Der Duden Grammatik unterteilt die starke Deklinationsklasse anders als Eisenberg. Was bei Eisenberg der Typ 1a ist, wird im Duden unter der Kategorie II (starke Flexion im Singular) untergliedert. Im Gegensatz zu Eisenberg unterscheidet der Duden noch in Kategorie III, nämlich in die starke Flexion von Eigennamen. Was Eisenberg unter dem Typ 1b zusammenfasst, ist in der Dudeneinteilung in Klasse II und V zu finden, da der Duden generell den Kasusformen im Plural eine eigene Klasse (V) zuordnet.[7] Die möglichen Endungen bei den verschiedenen Kasusformen der Substantive bleiben jedoch gleich. Nur die Einteilung in die verschiedenen Flexionsklassen unterscheidet sich.

2.2 Nominalflexion schwacher Maskulina

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Entwicklung der Flexion schwacher Maskulina. Deshalb ist die von Eisenberg vorgenommene Klassifizierung von besonderem Interesse. Auch bei den schwachen Maskulina unterscheidet er wieder zwischen zwei Formen der Flexion (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Flexion schwacher Maskulina (Eisenberg 2006, S. 159)

Besonders bemerkenswert ist Eisenbergs Aussage, dass „die Markierung des Dat und Akk Sg mit en bzw. n […] bei 2a eher als bei 2b [unterbleibt]“[8]. Anhand von Abbildung zwei lässt sich ablesen, dass es auch bei der Dativflexion schwacher Maskulina im Singular zu einem Endungswegfall kommen kann. Eisenberg erläutert dieses Phänomen aber nicht weiter und unterscheidet diese grammatikalischen Probleme auch nicht in die Kategorien „richtig“ und „falsch“.

Diesem Deklinationstyp gehören, laut Eisenberg, vor allem „Bezeichnungen für höhere Lebewesen“ und „Fremdwörter […] [die] auf ant (Demonstrant), at (Automat), ent (Präsident), ist (Optimist), nom (Astronom) und loge (Astrologe) [enden]“[9] an. In der in Kapitel 4.1 vorgestellten Passantenumfrage wurden die Wörter Automat, Pilot und Prinz, die nach 2a dekliniert werden, hinsichtlich der Deklinationsunterlassung untersucht.

Der Duden Grammatik ordnet die Deklination der schwachen Maskulina der Kategorie IV zu. Auch die von Eisenberg in Typ 2a und 2b unterschiedenen Formen finden sich hier wieder, werden aber nicht spezifisch als Untertypen klassifiziert. Besonders interessant ist allerdings die Kennzeichnung der Endungen. Während Eisenberg die Endungen im Dativ und Akkusativ Singular in Klammern setzt, diese somit als fakultativ kennzeichnet, stehen die Endungen im Duden Grammatik ohne Klammern.[10] Damit signalisiert der Duden, dass diese Endungen obligatorisch sind. Die weiteren Ausführungen des Dudens zu diesem Thema werden noch genauer in Kapitel 3.2 diskutiert.

2.3 Nominalflexion gemischter Maskulina und Neutra

Diese Klasse bezeichnet Eisenberg als Mischtyp, da im Genitiv im Singular die Endung (e)s und im Plural die Endung en verwendet werden (siehe Abbildung 3). Dieser Mischtyp ist nach Eisenberg weniger häufig vertreten als die ersten beiden Klassen.[11]

Auch das Wort Autor, dessen Deklination später in einer Passantenumfrage als Beispiel dient, gehört zur Klasse von Wörtern, die nach Typ 3a dekliniert werden. Es wird umgangssprachlich jedoch häufig schwach dekliniert. Dieses Problem wird in späteren Kapiteln noch eingehender betrachtet.

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Abbildung 3: Flexion gemischter Maskulina und Neutra (Eisenberg 2006, S. 160)

Der Duden Grammatik unterscheidet nicht in diese Mischgruppe, wie sie bei Eisenberg untergliedert ist. Eisenbergs Typ 3a und b wird in der Dudeneinteilung im Singular in die Klasse II integriert und im Plural in die Klasse V.[12] Das Wort Autor würde in der Dudeneinteilung somit stark, nach Kategorie II flektiert werden.

[...]


[1] Vgl. Sick 2005, S. 64-67.

[2] Vgl. Köpcke 2005.

[3] In dieser Arbeit werden die Begriffe Flexion und Deklination synonym gebraucht, da nur Substantive untersucht werden, und es somit nicht zu einer Verwechslung mit der Flexion anderer Wortarten kommen kann.

[4] Duden Grammatik 2006, S. 197.

[5] Eisenberg 2006, S. 159.

[6] Vgl. Eisenberg 2006, S. 159.

[7] Vgl. Duden Grammatik 2006, S. 197.

[8] Eisenberg 2006, S. 159.

[9] Eisenberg 2006, S. 159.

[10] Vgl. Duden Grammatik 2006, S. 197.

[11] Vgl. Eisenberg 2006, S. 160.

[12] Vgl. Duden Grammatik 2006, S. 197.

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656385783
ISBN (Buch)
9783656386308
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210355
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Schlagworte
prinzessin prinz deklinationswechsel zweifelsfall

Autor

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