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Homosexuelle Frauen in der Weimarer Republik

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erklärungsansätze für die weibliche Homosexualität
2.1 Die Erklärungsansätze der Sexualwissenschaft
2.2 Der Umgang homosexueller Frauen mit dern Erklärungen der Sexualwissenschaft

3. Die Frauen- und die Homosexuellenbewegungen und der Umgang mit weiblicher Homosexualität

4. Treffpunkte homosexueller Frauen

5. Die Darstellung homosexueller Frauen in zeitgenössischen Schriften

6. Zeitschriften homosexueller Frauen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Homosexualität ist mittlerweile in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr finden Veranstaltungen für homosexuelle Männer und Frauen öffentlich statt. Ein Beispiel dafür ist der Christopher-Street Day, der seit vielen Jahren auch in Deutschland Tradition hat. Auch in den Medien ist das Thema Homosexualität damit endgültig präsent geworden.1 Doch war dies schon immer so? In dieser Hausarbeit soll die These diskutiert werden, dass homosexuelle Frauen in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik nicht wahrgenommen wurden. Insbesondere soll dabei die Frage geklärt werden, warum sie nicht wahrgenommen wurden?

Es werden die Erklärungsansätze diskutiert, die in der Sexualwissenschaft für die weibliche Homosexualität bestanden. Insbesondere wird der Erklärungsansatz von Magnus Hirschfeld behandelt, da dieser auch in der homosexuellen Bewegung angenommen wurde. Dabei soll beleuchtet werden, wie die Wissenschaft auf homosexuelle Frauen reagierte und es soll versucht werden erste Erklärungen zu finden, warum dies dazu beigetragen haben könnte, dass homosexuelle Frauen in der Öffentlichkeit nicht repräsentiert waren. Der Umgang der homosexuellen Frauen mit den Theorien Magnus Hirschfelds zur weiblichen Homosexualität wird erläutert, mit besonderem Blick darauf, wie dies das Bild der Öffentlichkeit über homosexuelle Frauen geprägt hat. Die Organisationen werden betrachtet, die sich mit weiblicher Homosexualität auseinandersetzten. Es wird die konservative Frauenbewegung und ihr Verhältnis zur weiblichen Homosexualität betrachtet. Die homosexuellen Bewegungen werden eingehender untersucht, insbesondere im Bezug auf ihren Umgang mit lesbischen Frauen und den Funktionen, die diese in den verschiedenen Organisationen ausübten. Dabei wird ein besonderer Blick darauf gelegt, ob in diesen Organisationen weibliche Homosexuelle präsent waren und wie mit ihnen umgegangen wurde. Die verschiedenen Treffpunkte homosexueller Frauen werden aufgeführt. Dies hat den Zweck zu ergründen, ob diese Treffpunkte öffentlicher Natur waren und somit Aufmerksamkeit erregten, oder im Stadtbild untergingen. Die Darstellung homosexueller Frauen in zeitgenössischen Schriften und Zeitschriften wird thematisiert und ein Augenmerk wird darauf gelegt, wie das Bild der homosexuellen Frau in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und wie sie sich selbst präsentierten. Abschließend wird die eingangs aufgestellte These in einem Fazit besprochen.

Folgende Literatur wird als essentieller Bestandteil der Arbeit verwendet, eine Monografie von Margit Göttert2 die sich mit dem Umgang der Frauenbewegung und weiblicher Homosexualität auseinandersetzt. Ein Aufsatz von Christiane Leidinger3, der eine Überblicksdarstellung über das Leben der homosexuellen Subkultur in der Weimarer Öffentlichkeit darstellt und dabei insbesondere auf die Treffpunkte weiblicher Homosexueller eingeht. Eine Monografie von Kirsten Plötz4, die eine gute Darstellung der homosexuellen Zeitschriften für Frauen enthält und auf die Bedeutung für das Alltagsleben dieser Frauen eingeht. Die Dissertation von Sabine Puhlfürst5 lieferte eine Darstellung über das Bild der Sexualwissenschaft mit homosexuellen Frauen. Die Monografie von Heike Schader6 war sowohl für die Erläuterung der Treffpunkte homosexueller Frauen wichtig, als auch für die Erläuterung der Bedeutung weiblich, homosexueller Zeitschriften. Die Quelle von Curt Moreck7 bildete die Grundlage für eine beispielhafte Analyse der Darstellung homosexueller Frauen in zeitgenössischer Literatur. Andere Aufsätze und Monografien wurden ergänzend verwendet. In der Forschung wurde das Thema Homosexualität anfangs überwiegend in soziologischen und psychologischen Arbeiten besprochen. Seit den 1980er Jahren entdeckte die Geschichtswissenschaft dieses Thema. Dabei liegt eine Fokussierung im Bereich der weiblichen Homosexualität auf der Ausprägung der „männlichen“ und der „feminin“ orientierten Frau. Auf den Aspekt der Sexualität wurde dabei ein besonderer Fokus gelegt.8 In dieser Arbeit liegt ein Augenmerk ebenfalls auf der Rollenzuschreibung in „männliche“ und „feminine“ Homosexuelle Frauen, dabei wird jedoch weniger der Aspekt der Sexualität betrachtet, sondern es wird das Wirken dieser Rollenbilder in der öffentlichen Wahrnehmung betrachtet.

2. Erklärungsansätze für die weibliche Homosexualität

In der Weimarer Republik fehlte eine eindeutige Definition von weiblicher Homosexualität. Dies war darin begründet, dass viele Frauen sich selbst nicht als homosexuell bezeichneten, obwohl sie in einer Beziehung zu einer Frau lebten bzw. Frauen sexuell begehrten. Da die weibliche Homosexualität erst im 19. Jahrhundert „entdeckt“ wurde, war es in den 1920er Jahre noch eine moderne Form des Zusammenlebens, die sehr kritisch gesehen wurde. Im 19.Jahrhundert war es zwar durchaus üblich gewesen, dass Frauen eine Liebesbeziehung zu einer anderen Frau unterhielten, dies wurde toleriert, solange die Beziehung zu einem Mann darunter nicht litt. Sexualität zwischen Frauen war in dieser Regelung jedoch nicht vorgesehen und wurde im 19. Jahrhundert auch nicht akzeptiert. Doch auch in der Weimarer Republik war die Liebe unter Frauen keine Selbstverständlichkeit. Mehrere Wissenschaftler versuchten seit dem letzten Drittel des 19.Jahrhunderts Erklärungsansätze zu liefern, um die männliche und weibliche Homosexualität zu ergründen.9

2.1 Die Erklärungsansätze der Sexualwissenschaft

Die Wissenschaft begann im ausgehenden 19.Jahrhundert sich mit dem Thema der Homosexualität zu beschäftigen, anfangs waren es in der Regel Ärzte oder Psychologen, die sich mit der Sexualität auseinandersetzten. Jedoch war es zu Beginn nur die männliche Homosexualität die eine Rolle spielte. Homosexuelle Frauen wurden lange Zeit überhaupt nicht beachtet und erst zum Ende des19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Wissenschaft wahrgenommen. Dabei ist festzustellen, dass die homosexuellen Frauen als dem Mann nacheifernd angesehen wurden, man ging davon aus, das weibliche Homosexuelle in ihrer Sexualität versuchten die klassische Männer und Frauen Aufteilung nachzubilden.10

Magnus Hirschfeld war Arzt für psychische Leiden in Berlin er begann ab 1896 und insbesondere in der Weimarer Republik damit die Vorurteile gegen Homosexuelle zu entkräften. Dabei verfolgte er anders als seine Vorgänger den Ansatz, dass Homosexualität nicht anerzogen, sondern vererbt wird. Hirschfeld ging von einem „‘konstitutionellen Naturtrieb“11 aus, der die homosexuellen Neigungen erklären sollte. Zwar forderte Hirschfeld, dass der §175 aus dem RStGB gestrichen werden sollte, dieser stellte männliche Homosexualität unter Strafe, seine liberale und vorurteilsfreie Einstellung war jedoch nur gegenüber homosexuellen Männern so stark ausgeprägt. Bei der Erforschung der weiblichen Homosexualität legte Hirschfeld die gleichen Vorurteile zugrunde, die am Ende des 19. Jahrhunderts formuliert worden waren. Denn auch Hirschfeld ging davon aus, dass die „Norm der heterosexuellen, standardisierten Paarbeziehung“12 auch für lesbische Paare gelten müsste. Dabei geht Hirschfeld von einem sogenannten „‘Mannweib‘ [das] ein ‚anderes Weib‘ begehren bzw. von diesem begehrt werden [muss]“.13 Hirschfeld war der Ansicht, dass weibliche Homosexualität sozusagen aus einer Art Überdruss des „normalen“ Geschlechtsverkehrs entsteht. Er ging davon aus, dass Frauen zärtlicher Miteinander umgehen würden und Frauen von daher leichter zu beeinflussen seien mit anderen Frauen zu schlafen, als dies bei zwei Männern der Fall wäre.14 Von diesem Standpunkt aus, ist es nicht möglich das ‘normale‘ Frauen, die sich selbst wie auch ihre Partnerin als Frauen schätzen“ eine Beziehung führen könnten.15 Es entstand das Bild, dass lesbische Frauen nicht als eigenständig sexuell orientiert gesehen wurden, sondern als eine „Blaupause“ der männlichen Homosexuellen. Somit wurden sie weiterhin in dem klassischen Mann/Frau Schema gesehen, und nur als „männliche“ Frauen betrachtet.16

2.2 Der Umgang homosexueller Frauen mit dern Erklärungen der Sexualwissenschaft

Diese Erklärungen der Sexualwissenschaftler erschienen für die meisten Frauen sehr abstrus, dennoch half zumindest die Erklärung von Magnus Hirschfeld, den homosexuellen Frauen eine Art Selbstverständnis zu entwickeln und gleichzeitig die „Angst“ der Öffentlichkeit vor ihnen zu nehmen. Hirschfelds Theorie war darüber hinaus hilfreich, um den Frauen „Umerziehungsmaßnahmen“ zu ersparen. Dadurch, dass Hirschfeld davon ausging, dass Homosexualität eine „erbliche Veranlagung“17 sei, war auch die „Gefahr“ für die Öffentlichkeit gebannt, dass heterosexuelle von homosexuellen Frauen verführt werden konnten. In den einschlägigen Zeitschriften homosexueller Frauen wurde die Theorie Hirschfelds aufgegriffen und verbreitet.

[...]


1 Vgl dazu: Markus Grenz: Homosexuelle feiern Christopher Street Day in Essen. Mittendrin und doch am Rand, in: http://www.derwesten.de/staedte/essen/homosexuelle-feiern-christopher-street-day-in-essen- mittendrin-und-doch-am-rand-id6947277.html, [08.08.12].

2 Margit Göttert: Macht und Eros. Frauenbeziehungen und weibliche Kultur um 1900-eine neue Perspektive auf Helene Lange und Gertrud Bäumer, Köln 2000. (Im Folgenden zitiert als: Göttert: Macht und Eros).

3 Christiane Leidinger: Eine „Illusion von Freiheit“. Subkultur und Organisierung von Lesben, Transvestiten und Schwulen in den zwanziger Jahren [online]. Berlin 2008. In: Online-Projekt Lesbengeschichte, Ingeborg Boxhammer /Christiane Leidinger, URL http://www.lesbengeschichte.de/politik-subkultur_d.html. [01.08.12] (Im Folgenden zitiert als: Leidinger: „Illusion von Freiheit“).

4 Kirsten Plötz: Einsame Freundinnen? Lesbisches Leben während der zwanziger Jahre in der Provinz, Hamburg 1999. (Im Folgenden zitiert als: Plötz: Einsame Freundinnen.).

5 Sabine Puhlfürst: "Mehr als bloße Schwärmerei". Die Darstellung von Liebesbeziehungen zwischen Mädchen jungen Frauen im Spiegel der deutschsprachigen Frauenliteratur des 20.Jahrhunderts, Essen 2002. (Im Folgenden zitiert als: Puhlfürst: „Mehr als bloße Schwärmerei“).

6 Heike Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre, Königsstein im Taunus 2004. (Im Folgenden zitiert als: Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen.)

7 Curt Moreck: Führer durch das „lasterhafte“ Berlin, Leipzig 1931. (Im Folgenden zitiert als: Moreck: Führer durch Berlin.)

8 Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen, S. 12.

9 Plötz: Einsame Freundinnen, S.21-22.

10 Puhlfürst: „Mehr als bloße Schwärmerei“, S.23-28.

11 Plötz: Einsame Freundinnen, S. 23.

12 Puhlfürst: „Mehr als bloße Schwärmerei“, S. 31.

13 Ebd.

14 Ebd. S. 29-32.

15 Plötz: Einsame Freundinnen, S. 24.

16 Anja Szypulski: Die „Entdeckung“ der weiblichen Homosexualität, in: Ariadnde. Almanach der deutschen Frauenbewegung 29 (1996), S. 11.

17 Plötz: Einsame Freundinnen, S. 25.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656378563
ISBN (Buch)
9783656380887
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210307
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
homosexuelle frauen weimarer republik

Autor

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Titel: Homosexuelle Frauen in der Weimarer Republik