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Das Subjektspronomen im Englischen und im Oberitalienischen

Eine vergleichende Darstellung

Wissenschaftlicher Aufsatz 2013 19 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Die pleonastische Verwendung von Subjektspronomina

2. Das Subjektspronomen im Englischen
2.1 Heutige Verwendung
2.2 Elliptischer und pleonastischer Gebrauch nach Hering
2.3 Historische Sprachentwicklung

3. Das Subjektspronomen im Oberitalienischen
3.1 Unterschiede zur Verwendung des Subjektspronomens im Hochitalienischen
3.2 Mögliche sprachhistorische Ursachen für die Entwicklung
3.2.1 Analytische Tendenz des Sprechers zu linearer Abfolge und Prädetermination
3.2.2 Verschleifung der Verbalendungen
3.2.3 Superstrattheorie von Kuen
3.2.4 Sprachlicher Wandel als stille Kettenreaktion von Subnormen

4. Zusammenfassung

1. Einleitung - Die pleonastische Verwendung von Subjektspronomina

Nach der Einteilung von Vanelli (1984: 147) kann man die indogermanischen Sprachen bezüglich ihrer Pronomialstruktur folgendermaßen klassifizieren: Sprachen, in denen das Subjektspronomen obligatorisch ist – beispielsweise deutsch, englisch und französisch -, und solche, in denen zur Markierung der Person lediglich eine Flexionsendung verwendet wird und das Subjektspronomen nur zur Hervorhebung oder Kontrastierung gebraucht wird – wie das moderne Griechische oder das Italienische. Zwischen dem Englischen als Vertreter der Gruppe 1 sowie dem Italienischen als Vertreter der Gruppe 2 fallen auf den ersten Blick bereits deutliche Unterschiede ins Auge:

Am Telefon würde sich ein englischer Sprecher mit Hello, it's Alan Williams melden, nicht etwa: * Hello, I'm Alan Williams, während es im Italienischen üblich ist, sich mit sono ("[ich] bin") vorzustellen (Swan 1997: 431). Im Unterschied zum Italienischen kann das Subjektspronomen im Englischen nicht weggelassen werden, selbst wenn es für das Verständnis des Satzes nicht notwendig ist (Swan 1997: 433): In einem Satz wie Charles doesn't buy the trousers because they don't suit him. wäre es nicht möglich zu sagen: *Charles doesn't buy the trousers because don't suit him, eine Konstruktion, die im Italienischen dagegen korrekt ist: Carlo non compra i pantaloni perché non gli stanno bene.

Die Verwendung von Subjektspronomina in Sprachen, welche die Person zugleich über Verbalendungen markieren, stellt einen Pleonasmus dar. Dennoch hat sich in einigen norditalienischen Dialekten im Gegensatz zur Hochsprache ein doppeltes obligatorisches Subjektspronomen bei gleichzeitiger vollständiger Erhaltung der Flexion[1] entwickelt.

Im Folgenden sollen daher diese Entwicklungen näher untersucht sowie das Englische und das Norditalienische als Sonderfall einer italienischen Dialektgruppe mit obligatorischen doppelten Subjektspronomina einander gegenübergestellt werden.

2. Das Subjektspronomen im Englischen

2.1 Heutige Verwendung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Demnach zählen I, he, she zu den Subjektspronomina im Singular, we, they zu den Subjektspronomina im Plural, während you sowohl als zweite Person Singular als auch Plural fungiert. Eine Sonderstellung kommt dem Subjektspronomen it zu, da es neben seiner Funktion als Neutrum-Singular-Pronomen auch als selbständige Nominalphrase auftreten kann, beispielsweise in Sätzen wie It is raining (Swan 1997: 433).

Neben diesen Subjektspronomina des britischen Standard-Englisch treten in Dialekten verschiedene andere Pronomina auf, wie Swan (1997: 431) beschreibt: So wird im Raum Yorkshire häufig thu oder tha anstelle von you im Singular verwendet, während in einigen irischen Mundarten im Plural die Formen ye, youse oder yiz auftreten. Um eine Unterscheidung zwischen you im Singular und im Plural zu gewährleisten, wird im amerikanischen Englisch anstelle von you im Plural häufig you all oder you guys verwendet: "Hi, everybody. How're you all doing? What are you guys doing tonight?" (Swan 1997: 431)

Die Funktion des Subjektspronomens im Englischen erläutert Swan (1997: 431) folgendermaßen:

Personal pronouns are used when it is not necessary to use or repeat more exact noun phrases.

John's broken his leg. He'll be in hospital for a few days.

(NOT: *John's broken his leg. John'll be in hospital for a few days.)

Swan grenzt Subjekts- und Objektspronomina gegeneinander ab:

Six English pronouns have one form when they are used as subjects, and a different form for other uses - for example, when they are the objects of verbs or prepositions.

Compare:

- I like dogs.
Dogs don't like me.
- We sent her some flowers.
She sent us some flowers.

Allerdings räumt Swan im folgenden Absatz bereits ein, dass diese Beschreibung nicht sämtliche Verwendungsmöglichkeiten des Subjektspronomens adäquat wiedergibt. Nach dem Verb be gibt es im Englischen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Der lateinischen Grammatik folgend ist ein Satz wie "Who's that?" -"It is I."

zwar möglich, doch eine solche Formulierung wirkt förmlich und antiquiert und könnte beim Hörer entsprechende Konnotationen mit dem Sprecher auslösen. Idiomatischer wirkt die zweite Möglichkeit: "Who's that?" -"It is me."

Obwohl hier das Objektspronomen in einer dem lateinischen Nominativ entsprechenden Funktion verwendet wird, eine Tatsache, die ursprünglich einen grammatikalischen Regelverstoß dargestellt haben muss, setzte sich diese Variante als die idiomatischere und "korrektere" durch. Dies gilt allerdings nicht in koordinierten Subjekten mit and:

Während der Satz John and me are going skiing this weekend in der Umgangssprache zwar vorkommt, wird er in formelleren Zusammenhängen und in der Schriftsprache als inkorrekt betrachtet, so dass der Variante John and I are going skiing this weekend der Vorzug zu geben ist.

Umgekehrt ist es umgangssprachlich auch möglich, das Subjektspronomen in Objekten zu verwenden: That's a matter for Peter and I.

In der Schriftsprache hingegen ist es notwendig, an dieser Stelle das Objektspronomen zu

setzen: That's a matter for Peter and me.[2]

2.2 Pleonastischer und elliptischer Gebrauch nach Hering

Nach Hering (1907: 5) darf das englische Personalpronomen "in der vertraulichen, schnellen, sorglosen oder auch ungebildeten Umgangssprache, oder in der Schriftsprache zur Erzielung eines knappen, gedrängten Stils" fehlen.

Unter anderem bezieht sich Hering auf folgende Beispiele:

"Made all my money at the gold fields." (Doyle, Sherlock Holmes, 1893: 159)

"Give your evidence," said the King. - "Sha'n't," said the cook."

(Dodgson, Alice in Wonderland, 1895:66)

(Hering 1907: 6)

Hering nimmt an, dass die Frequenz eines solchen elliptischen Gebrauches in Briefen auf eine Anlehnung an den Telegrammstil zurückzuführen sein könne (6).

Neben der Verwendung in umgangssprachlichen Kontexten treten laut Hering elliptische Sätze ohne Personalpronomen für die erste Person "in häufig wiederkehrenden Wendungen des Ratens, Bittens, Dankens und Wünschens" (6), für die zweite Person "in Fragen" und "in Aussagen" (12), für die dritte Person "in gedrängter, abgerissener Umgangssprache [...] besonders vor has" sowie "in gedrängten Lebensbeschreibungen" und "in Bühnenanweisungen" (13) auf.

Das Fehlen des unpersönlichen it belegt Hering vor allem "in Haupt- oder beigeordneten Sätzen bei unpersönlichen, mit keinem persönlichen Objekte verbundenen Zeitwörtern und Ausdrücken" wie in dem Sprichwort "Better be alone than in bad company."[3]

Ebenfalls elliptisch konstruiert sind "unpersönliche, mit einem persönlichen Objekte verbundene[...] Zeitwörter und Redewendungen", wie beispielsweise seems to me anstelle von it seems to me, oder as is shown in figure 3 anstelle von as it is shown in figure 3.

Hering verweist an dieser Stelle auf das Altenglische und Mittelenglische, da in diesen sprachgeschichtlichen Stufen des Englischen das Fehlen von it den Regelfall darstellt:

Anstelle des modernen "It seemed to the king that there Sir Gawain came" steht die mittelenglische Konstruktion "So the kynge semed veryly, that there came syr Gawayne." (17).

Ein weiterer Erklärungsversuch Herings besteht darin, dass das Subjektspronomen bei gleichem Subjekt in beigeordneten Sätzen entfallen könne, wenn "das Fürwort [...] sich leicht aus dem Zusammenhange [ergibt]."

[...]


[1] Spiess 1956: 1

[2] Swan sieht den Grund für die zunehmende Frequenz von Wendungen wie you and I als Objekt darin, dass viele Sprecher in der Schule dazu angehalten wurden, you and me nicht als Subjekt zu verwenden, da dies als "bad English" betrachtet wurde, und deshalb der Meinung seien, die Konstruktion you and me sei grundsätzlich falsch und durch you and I zu ersetzen (vgl. Swan 1997: 435).

[3] anstelle von: "It is better to be alone than to be in bad company."

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656384359
ISBN (Buch)
9783656385356
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210127
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Romanistik
Note
Schlagworte
subjektspronomen englischen oberitalienischen eine darstellung

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Titel: Das Subjektspronomen im Englischen und im Oberitalienischen