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Au-Pair in der Zeit der Globalisierung

Kulturaustausch und Füllung der Lücke im Dienstleistungsmarkt

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Neue Dienstmädchen im Zeitalter der Globalisierung
II.1. Die Rückkehr der Dienstmädchen
II.2. Definition des Au Pair-Verhältnisses
III. Au Pair – die versteckten Dienstmädchen
III.1. Am Arbeitsplatz « Privathaushalt »
III.2. Hausmanagerin und ihre Dienerin
III.3. Au Pair, ein postmodernes Sklavenverhältnis

IV. Au Pair als Lückenfüller am Arbeitsmarkt „Haushalt“

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Diese Arbeit untersucht die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt im Bereich Haushalt in der Zeit der Globalisierung. Die Arbeit legt ein besonderes Augenmerk auf die Beschäftigung von Au Pairs aus Osteuropa in deutschen Haushalten. Durch die Sammlung von Fakten aus verschiedenen Quellen und Studien werden die Auswirkungen der Globalisierung für die jungen Frauen aus Osteuropa in Deutschland dargestellt. Das Ziel der Untersuchung dieser Arbeit ist die Funktion der Au Pair unter Berücksichtigung der verändernden Bedürfnisse des postmodernen deutschen Haushaltes aufzuzeigen.

Nach einem kurzen Überblick, der die neuen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt im familiären Bereich unter den Bedingungen der Globalisierung darstellt, wird das Phänomen Au Pair definiert. Weiterhin wird auf die Arbeitsverhältnisse im Haushaltsbereich und die Konfliktlinien eingegangen. Zum Ende der Hausarbeit wird die Rolle der Au Pair im deutschen Haushalt aufgezeigt.

Meine Arbeit basiert auf einer empirischen Arbeit von Ramona Lenz und Sabine Hess, die in einer zweijährigen Forschung mehrere slowakische Au Pairs während ihres Aufenthalts in Deutschland begleiteten, sowie auf meinen eigenen Erfahrungen in der Beschäftigung als Au Pair in Deutschland.

II. Neue Dienstmädchen im Zeitalter der Globalisierung

Seit Jahren kämpfen die Frauen für die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt. Steigende Feminisierung hat zu Folge, dass die große Zahl der Frauen vollerwerbstätig ist und ihr Recht auf öffentliche Teilhabe und beruflichen Erfolg genießt. Dennoch ist die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern im Haushalt traditionell geblieben. Die Familienpolitik in Deutschland fördert zwar durch finanzielle Vorteile eine Beteiligung von Männern an der Arbeit in der Familie, allerdings werden laut der Statistik diese Angebote weniger durch die Zielgruppe genutzt.[1] Die Vereinbarung der Familie mit dem Beruf ist immer noch ein Problem der Frauen. Die mangelnde Zahl der Ganztagskindergärten und Krippen verschlechtert diese Situation.

Den Ausweg aus der Problemsituation findet eine Vielzahl moderner deutscher Frauen im Zukauf von Dienstleistungen, z.B. durch die Beschäftigung einer bezahlten Haushaltshilfe.

II.1. Die Rückkehr der Dienstmädchen

Die Genderforschungen über globalisierungsbedingte Transformationen der letzten Jahre der westlichen Industriegesellschaften berichten über die Rückkehr der Dienstmädchen in die deutschen Mittel- und Oberschichthaushalte. Die Einstellungsmöglichkeiten im Haushaltsbereich werden in der Regel von ausländischen Frauen gern angenommen. In den letzten Jahren zeigte sich eine starke Veränderung sowohl in dem internationalen Migrationmuster, als auch in der “europäischen Migrationordnung“. Aufgrund schlechter werdenden Lebensumständen in den post-sozialistischen Ländern nahm die Migration aus Osteuropa in den Westen Europas sehr stark zu. Ethnografische Migrationstudien teilen mit, dass nicht die dauernde Auswanderung, sondern die „ungeordnete Mobilität“, die so genannte „Pendel und Zirkelmigration“ zunimmt. Die osteuropäischen Frauen nutzen ein Touristenvisum, um einige Monate in den deutschen Haushalten arbeiten zu können. Sie kehren für eine kurze Zeit in das Heimatland zurück, um bald wieder als Tourist getarnt nach Deutschland einzureisen. Das Hin- und Herpendeln wird durch die Nähe zwischen Herkunfts- und Zielland erleichtert. Zum anderen wird diese Situation durch eine deutsche und europäische Migrationpolitik begünstigt, die temporäre Einreise- und Arbeitsmöglichkeiten gestattet.[2]

Aus den Studien über die neue Dienstmädchenfrage ist die Erledigung der Arbeiten im Haushalt durch die Migrantinnen zu einer Wachstumsbranche geworden. Im Unterschied zu den anderen westeuropäischen Ländern, die spezielle Einreise- und Aufenthaltsgenehmigungen für derartige Frauen vorsehen, bleibt dieser Sektor in Deutschland unbeachtet und verborgen. Die gering qualifizierten Berufe wie Haushaltshilfe gehören nicht zu den Sektoren, die Anwerbung erlauben.[3] Daher bleiben die migrantischen Haushaltshilfen in Deutschland politisch und gesellschaftlich im Schatten. Eine derartige Position der Regierung hat die wachsende Zahl der illegalen Beschäftigung in deutschen Haushalten zu Folge.

Helma Lutz verweist auf die Feminisierung der Migration, was auf den Zuwachs der Beschäftigung der Migrantinnen im Haushalt zurückzuführen ist. Immer mehr Frauen sind gezwungen, ihre Familien zu verlassen und ins Ausland zu gehen, um auf diese Weise die Überlebenschancen zu sichern. Diese Art der Migration ist mit vielen Risiken verbunden, da sie nicht selten ein Leben in der Illegalität führen müssen.[4]

In den Forschungen über Hausarbeiterinnen wird die Anstellung von Haushaltshilfe als „strukturelle Notlösung“[5] der Familien in Deutschland analysiert. Der aktuelle Bedarf an Haushaltshilfen lässt sich durch vielfältige Veränderungen in der Gesellschaft erklären. Einerseits, aufgrund des demografischen Wandels wächst die Zahl der Menschen, die Haushaltshilfe und Pflege benötigen. Die Auflösung traditioneller Familienstrukturen und die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen, andererseits, sind die wesentlichen Einflussfaktoren dieser Entwicklung. Der steigende Bildungsstand deutscher Frauen führt zu einer hohen Zahl der weiblichen Arbeitskräfte, die sich im Berufsleben etablieren. Die Arbeitswelt fordert die höchste Mobilität und Konzentration im Beruf. Diese Situation erklärt die Ursache, warum viele hoch qualifizierte Frauen ihre Kinderwünsche gar nicht oder nicht in vollem Umfang realisieren können. Nach wie vor internalisieren Männer eine Ernährerrolle, die kontinuierliche Vollarbeit impliziert. Das Problem der Vereinbarung von Beruf und Familie bleibt immer noch ein Frauendilemma.[6] Die Beschäftigung einer günstigen Arbeitskraft im Haushalt erweist sich als ein möglicher Ausweg aus der schwierigen Situation. So Hess:

Familien bzw. Frauen müssen zunehmend auf informelle Strategien zurückgreifen und die Hausarbeit an Dritte delegieren, wenn Frauen ihren Beruf nicht aufgeben wollen. So wird die weibliche Erwerbsarbeit durch die ethnisierte Umverteilung der Reproduktionsarbeit zwischen Frauen abgefedert, ohne die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung angehen zu müssen.[7]

Diese privatisierte Struktur der Unterstützung ermöglicht es den berufstätigen Frauen mit höheren Einkommen die staatlichen Versorgungslücken auszufüllen, ohne die eigene Berufstätigkeit aufgeben zu müssen.

[...]


[1] Vgl. Rerrich, Maria, in: Weltmarkt Privathaushalt. Bezahlte Haushaltsarbeit im globalen Wandel, S. 18-19.

[2] Vgl. Cyrus, 1997 ;Morokvađic, 1994; Rogers, 2001:9, n. Hess, Sabine, in: Weltmarkt Privathaushalt, S.107.

[3] Vgl. Lutz, Helma, S.33-39.

[4] Vgl. Helma Lutz, S. 30-33.

[5] Vgl. Hess, Sabine, in: Weltmarkt Privathaushalt. Bezahlte Haushaltsarbeit im globalen Wandel, S.109.

[6] Geissler, Birgit, in: Weltmarkt Privathaushalt. Bezahlte Haushaltsarbeit im globalen Wandel, S. 35-36.

[7] Vgl. Hess, Sabine, in: Weltmarkt Privathaushalt. Bezahlte Haushaltsarbeit im globalen Wandel, S.109.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656378402
ISBN (Buch)
9783656380771
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210057
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
kulturaustausch füllung lücke dienstleistungsmarkt au-pair zeit globalisierung

Autor

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Titel: Au-Pair in der Zeit der Globalisierung