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Sexualerziehung im 21. Jahrhundert. Die Möglichkeiten zur sexuellen Aufklärung für Jugendliche im Internet

von Stephanie Müller (Autor)

Bachelorarbeit 2009 47 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sexuelle Aufklärung
2.1. Bedeutung von Sexualität und Begriffsdefinitionen
2.2. Sexualerziehung
2.3. Die Inhalte sexueller Aufklärung

3. Das ‚Neue Medium‘ Internet
3.1 Die Internetnutzung von Jugendlichen
3.2 Kultur, Identitätsbildung und Internet
3.3 Die sexuelle Informationssuche im Internet

4. Theoretischer Rahmen

5. Fragestellung, Ziel und Nutzen der Forschung
5.1. Forschungsfrage
5.2. Relevanz

6. Methodisches Vorgehen
6.1. Darstellung und Begründung der Methode
6.2. Kategoriensystem

7. Analyse der Internetseiten
7.1. Privat-kommerzielle Internetseite
7.2. Internetseite einer Privatperson
7.3. Staatliche Aufklärung im Internet

8. Interpretation und Vergleich

9. Ausblick

10. Literaturverzeichnis

11. Analysierte Materialien

Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende

□ Seminararbeit □ Bakkalaureatsarbeit □ Magisterarbeit

ohne fremde Hilfe und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel angefertigt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.

Diese Arbeit wurde in gleicher oder ähnlicher Form noch bei keiner anderen Prüferin/ keinem anderen Prüfer als Prüfungsleistung eingereicht.

Mir ist bekannt, dass Zuwiderhandeln mit der Note „nicht genügend“ (ohne Möglichkeit einer Nachbesserung oder Wiederholung) geahndet wird und weitere rechtliche Schritte nach sich ziehen kann.

Diese Arbeit wurde neben der gedruckten Version auch auf CD-Rom zur Prüfung der o.g. Erklärung bei der zuständigen Prüferin/dem zuständigen Prüfer hinterlegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Teenager werden Mütter“, so der Name einer Doku-Soap, die am 13.07.2009 beim Privatsender ATV auf Sendung ging. Der Inhalt: Junge werdende und jung gewordene Mütter, zwischen 14 und 18 Jahren, werden von einem Kamerateam begleitet, das dokumentiert, mit welchen Schwierigkeiten die jungen Mädchen zu kämpfen haben. Diese Idee ist nicht neu. In Deutschland wurde diese Thematik ebenfalls von den Medien aufgefasst. Die Medien zeigen auf, dass zunehmend mehr jugendliche Mädchen, meist ungewollt, schwanger werden und ein Kind bekommen. Die Jungmütter haben hierbei mit ganz andersartigen Problemen zu kämpfen, als erwachsene Frauen, die geplant schwanger werden.

Eva Weissberg-Musil ist beruflich Mediatorin und Lebens- und Sozialberaterin und schildert in der Sendung „Teenager werden Mütter“ die Probleme der Jungmütter ad hoc folgendermaßen: In der Gesellschaft wird das junge Alter der Mütter als unpassend erachtet. Zudem haben sie keinen oder erschwerten Anschluss an ihre eigene Altersgruppe. Hinzu kommt, dass sie meistens keinen fertigen Schulabschluss und keine Ausbildung haben, weil dies aufgrund des Alters nicht möglich war, was einen Kampf mit großen finanziellen Problemen mit sich bringt.

In Folge zwei, die am 20.07.2009 auf ATV lief, besucht die Mediatorin Rada. Sie ist erst 15 Jahre alt und Schulabbrecherin. Mit ihrem Partner riss ständig das Kondom und so haben sie eben ganz darauf verzichtet. Die Jungmutter ist mittlerweile in der 36. Schwangerschaftswoche und es bestehen Konflikte mit dem 17-jährigen Kindesvater, der eine Kleinkriminellenvergangenheit hat (vgl. ATV o.J.: o.S.).

Besonders Radas Fall lässt die Frage aufkommen, ob die ungewollte Schwangerschaft Folge mangelhafter Aufklärung über Verhütungsmöglichkeiten ist. Sexuelle Aufklärung ist eine Aufgabe der Gesellschaft und wird auch als solche erachtet. Es gibt zahlreiche Institutionen und Instanzen, die über Sexualität informieren. So ist zum Beispiel diese Thematik schon in den Schulunterricht durch die Curricula implementiert. Andererseits haben Jugendliche auch die Möglichkeit, bei Fragen ihren Arzt zu konsultieren oder einfach Mal die Eltern zu fragen. Doch nicht jeder Heranwachsende hat den Mut dieses Thema anzusprechen. Oftmals ist es ihnen peinlich.

Das Medium Internet bietet hier völlig neuartige Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Die Jugendlichen sind nicht mehr an den direkten Kontakt mit, meist älteren Personen gebunden. Somit spielt der Anonymitätsfaktor bei der Informationssuche eine relevante Rolle. Zusätzlich ist im Großen und Ganzen ein erleichterter Zugang zum Medium möglich, als dies vor etwa ein paar Jahren noch der Fall war. Eine Vielzahl der Jugendlichen hat beispielsweise ihren eigenen Computer im Zimmer, mit freiem Zugang zum Internet. Die Tendenz zur Informationsbeschaffung via Internet soll hier als gegeben erachtet werden. Die folgende Bakkalaureatsarbeit beschäftigt sich mit den Inhalten, auf die die Jugendlichen bei ihrer Suche stoßen. Bestehen generell Möglichkeiten zur sexuellen Aufklärung im Internet und sind die Informationen ausreichend?

Den Einstieg in die Arbeit bildet der Bereich der Sexualpädagogik. Nach einem geschichtlichen Überriss soll zunächst der Begriff der sexuellen Aufklärung erklärt werden, um dann zu erläutern, mit welchen Aspekten der Sexualität sich die Aufklärung befasst. Anschließend findet eine Überleitung zum Medium Internet statt, wobei die Internetmodi, insbesondere die Informationsebene und Informationssuche im Internet dargestellt werden.

Im nächsten Kapitel wird der theoretische Rahmen der Bakkalaureatsarbeit umschrieben. Hauptsächlich tragend ist hier der ‚Uses-and-Gratifications-Approach‘, sowie aber auch der ‚Information-Utility-Ansatz‘ von Atkin. Kapitel 5 befasst sich mit der Offenlegung der Forschungsfrage und den Frage nach der Relevanz, dem Nutzen und dem Ziel der Forschung. Darauf folgend soll das methodische Vorgehen dargestellt werden. In Kapitel 6 ist auch das Kategoriensystem zu finden.

Mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse werden dann drei ausgesuchte Webseiten aus dem Bereich der sexuellen Aufklärung analysiert. Hierbei handelt es sich um die Internetseite einer Privatperson, eine privat-kommerzielle Seite und die Informationsmodi einer staatlichen Institution via Internet. Die Interpretation und der Vergleich der Ergebnisse lassen sich in Kapitel 8 nachlesen. Abschluss der Arbeit bildet der darauffolgende Ausblick.

2. Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung ist durchaus kein neues Forschungsgebiet, sondern hat schon viele Jahre Tradition. So beschäftigte sich etwa Rousseau im 18. Jahrhundert in seinem Hauptwerk ‚Emile‘ mit der Frage, wann und wie man Kinder sexuell aufklären soll. Er sieht die Hautgefährdung der Kinder durch äußere Umstände hervorgerufen. Diesen müsse man mit Erziehung in Form von Aufklärung entgegenwirken. Grundsätzlich rät Rousseau jedoch, die Unwissenheit so lange wie nur irgend möglich zu erhalten (vgl. Koch 2000: 23).

Im ausgehenden 19. Jahrhundert kam es zu einer Vielzahl pädagogischer Neuansätze, ebenso im Bereich Sexualerziehung. Sigmund Freud entwarf eine Systematik der kindlichen Sexualitätsentwicklung und sprach sich für eine stufengemäße Aufklärung der Kinder aus, womit er auf massive Widerstände stieß (vgl. Koch 2008: 26).

Im 20. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahre 1967, war der Zeitpunkt gekommen, an dem Schüler und Studenten den herrschenden Autoritäten in vielen Lebensbereichen nicht mehr bedingungslos Folge leisten wollten. Im selben Jahr wurde von einer Gruppierung eine ‚Resolution zur Sexualerziehung‘ verabschiedet. Darin werden die Defizite der Sexualaufklärung in der Gesellschaft angekreidet. Die Proteste der Schüler, auch als ‚Sexwelle‘ bezeichnet, waren dahingehend erfolgreich, als vom Kultusministerium eine Berechtigung zur Sexualerziehung in den Schulen erteilt wurde (ebd.: 30ff.). Dies ist genauer nachzulesen in Kapitel 2.2 der Arbeit.

Mitte der achtziger Jahre erfuhr die Sexualpädagogik in der Diskussion ein erneutes Aufblühen. Grund war die 1981 entdeckte Immunschwäche AIDS und die Erkenntnis, dass diese durch Sexualkontakte übertragen wird. Die Aufklärung über die Entstehung und Verbreitung wurde in den Aufgabenbereich der Gesundheits- und Sexualerziehung gelegt. Seither hat sich die Sexualerziehung fest im Bereich der Pädagogik, Politik und Öffentlichkeit etabliert (ebd.: 33).

Heutzutage steht die Sexualpädagogik vor einer neuen Aufgabe: Der Orientierungssuche. Sie wird bedingt durch die Globalisierung, der multikulturellen Durchmischung der Bevölkerung und religiösen Vielfalt in einem Land, und einer Pluralisierung von Lebensstilen und Subkulturen. Diese ethisch-moralische Neuorientierung muss sich abgrenzen von einer eurozentrischen Anmaßung und einem fundamentalistischen Alleinvertretungsanspruch des westlich-christlichen Wertesystems (vgl. Ignatz Kerscher 2008: 39).

2.1. Bedeutung von Sexualität und Begriffsdefinitionen

Koch (2000: 179) definiert Sexualität als ein wesentliches Bedürfnis des Menschen in allen Lebensphasen. Sie ist Lebensenergie und kommunikative Zuwendung und hat eine wichtige Funktion für das seelische Gleichgewicht des Menschen. Dabei ist sie weitaus mehr als nur Genitalität und Fortpflanzungsfunktion. Zu benennen sind vier Dimensionen von Sexualität:

- Lustaspekt
- Beziehungsaspekt
- Identitätsaspekt
- Fruchtbarkeitsaspekt

Die folgende Arbeit betrachtet Sexualität und die sexuelle Erziehung aus den Faktoren der Beziehungen und Identität. Die Entwicklung von Identität und der Aufbau von Beziehungen sind wesentliche Punkte des Heranreifens junger Menschen. In dieser Lebensphase werden die Bausteine ihres Erwachsenenlebens gelegt. Die ‚World Association for Sexology‘ postulierte 1999 in der ‚Erklärung der sexuellen Menschenrechte‘, dass eine voll entwickelte und erfüllte Sexualität die Grundlage für individuelles, zwischenmenschliches und gesellschaftliches Wohlbefinden sei (vgl. Ignatz Kerscher 2008: 47f.). Ein Großteil von krankhaften und asozialen Impulsen entsteht erst sekundär durch die Unterdrückung oder Nichtbefriedigung von sexuellen Bedürfnissen, da primär der Mensch ein soziales Wesen ist und die Sexualität soziale Lebenskraft (ebd.: 55, zit. n. Reich 1971: o. S.).

Die Studie von Sexualität findet im Rahmen der Sexualpädagogik statt. Die Sexualpädagogik ist jene Teildisziplin der Erziehungswissenschaft, die die sexuelle Sozialisation und die zielgerichtete erzieherische Einflussnahme auf Sexualität erforscht und reflektiert. Als Sexualerziehung versteht man in der Praxis die kontinuierliche und intendierte Einflussnahme auf etwa die Entwicklung sexueller Verhaltensformen als auch auf Einstellungs- und Sinnaspekte von Sexualität.

Die Sexualaufklärung meint die Information über Fakten und Zusammenhänge aus allen Bereichen der menschlichen Sexualität. Die Sexualaufklärung stellt einen Teil der Sexualerziehung dar, da sie meist einmalig und tendenziell eher zielgruppenorientiert ist (vgl. Sielert 2008: 39). Ausgangspunkt einer positiven Sexualerziehung ist eine bejahende Einstellung und Anerkennung von Sexualität. So festgehalten in den Hamburger Richtlinien aus dem Jahre 1996:

Jugendliche haben ein selbstverständliches und berechtigtes Bedürfnis nach Sexualität im weitesten Sinne, nach Körperkontakt, Lust, Spiel, Vertrauen und Geborgenheit, Zuwendung und Liebe. Damit sie diese Vielfalt erleben können und ihre Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Emotionalität, Spontaneität und Kreativität erweitern, eine bejahende Einstellung zur Sexualität zu fördern. (Koch 2000: 179f.)

Daraus wird deutlich, dass der Umgang mit Sexualität weitaus offener ist, als es beispielsweise noch Rousseau forderte. Die Jugendlichen werden keineswegs angehalten, Fragen zu stellen und die Sexualerziehung fand eine feste Etablierung in der institutionellen Erziehung. Und so beantwortet Koch (2000: 185f.) die von ihm selbst gestellte Frage, ob wir in einem emanzipierten Zeitalter leben, teilweise bejahend. Die gesellschaftlichen Bedingungen für eine emanzipatorische Sexualerziehung waren nie zuvor so gut, wie am Ende des zweiten Jahrtausends. Emanzipation ist jedoch nie abgeschlossen, da sie nicht statisch zu verstehen ist. Mit ihr sind gemeint, die Befreiung von Vorurteilen, Menschenliebe, die Erziehung zu Toleranz und eine Berücksichtigung von gesellschaftlichen Bedingungen unter denen sich Sexualität, Sexualverhalten und –erziehung entfalten (vgl. Koch 2000: 185f.). Dazu zählen zum Beispiel die Rollen von sexuellen Minderheiten, Aspekte zur Situation von Homosexualität und sexuelle Denunziation.

2.2. Sexualerziehung

Mitte der achtziger Jahre Gewann die Sexualerziehung zunehmend an Bedeutung. In Deutschland wurde diese im Jahr 1992 via Bundesgesetz als Aufgabe des Staates verankert. In Folge verpflichtete man die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Konzepte zu erstellen sowie Materialien zu entwerfen, die kostenfrei an Einzelpersonen, Schulen, Beratungsstellen etc. auszugeben sind, so festgehalten im Rahmenkonzept zur Sexualaufklärung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (vgl. Koch 2000: 177). Sexualerziehung wurde zudem in die Schulgesetze aufgenommen und dort auch gelehrt. In Österreich wurde im Jahre 1990 vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) ein Grundsatzerlass herausgegeben, der Richtlinien für die Förderung der Sexualerziehung in den Schulen festlegt (BMUKK 2009: 2). Unter den allgemeinen Grundsätzen wird folgendes angeführt:

Kinder und Jugendliche sind in der heutigen Zeit vielschichtigen Einflüssen ausgesetzt. Ein rascher Wandel gesellschaftlicher Normen macht die Jugend unsicher. Eine zeitgemäße Pädagogik muss dieser Entwicklung Rechnung tragen, indem sie die Schüler und Schülerinnen im Reifungs- und Bildungsprozess entsprechend begleitet. Dies trifft besonders auf die geschlechtliche Entwicklung zu, die für das Kind/den Jugendlichen von eminenter persönlicher Bedeutung ist. (BMUKK 2009: 2)

In der schulischen Sexualerziehung geht man von der Erkenntnis aus, dass sexuelles Verhalten in Abhängigkeit zu den Einstellungen von Sexualität steht. Sexualpädagogische Bemühungen resultieren aus der Chance, dass Menschen sich selbst und ihre Beziehungen zu Anderen aktiv gestalten können. Gesellschaftliche Umwelt und biographische Erfahrungen formen zwar den Menschen, doch bei einer Auseinandersetzung mit jenen, lassen sich die Lebensverhältnisse gestalten und verändern. Sexualaufklärung soll im besten Sinne immer didaktisch sein und sich abgrenzen von einer rein als Aufklärungsstunde angelegten Manier, die nur dürftige Informationen an die Jugendlichen weitergibt. Es soll dabei nicht nur um die Sache an sich gehen, sondern auch um die Menschen. Somit soll sexuelle Aufklärung nicht als einmalige Aktion verstanden werden, sondern muss auch auf Kontinuität angelegt sein (vgl. Koch 2008: 34).

2.3. Die Inhalte sexueller Aufklärung

Sielert (2008: 44f.) benennt die Körper- und Sexualaufklärung als zentralen Inhalt der Sexualpädagogik. Hinzu kommen jedoch Bereiche wie Ethik, Moral und Wertorientierung, die unter den Aspekt der sexuellen Identität fallen. Der tendenziellen Überschattung des Sexuellen durch Gewaltaspekte soll durch eine sexualfreundliche Sexualerziehung, einer Sensibilisierung der Sinne und Sinnlichkeit, entgegengewirkt werden. Ebenfalls von Bedeutung ist die sexuelle Orientierung, die ein weiterer Faktor für die Entstehung der sexuellen Identität ist. Unter sexueller Orientierung versteht man das sexuell auf andere Personen ausgerichtete Handeln. Dies kann drei Formen annehmen: Homo- oder heterosexuell und bisexuell (vgl. Kluge 2008: 70). Für viele lesbische und schwule Jugendliche kann das Internet die erste Anlaufstation sein. Dadurch kann das ‚Coming-Out‘ außerhalb des Mediums erleichtert werden (vgl. Döring 2008: 275). Die Aufklärung von Jugendlichen in Bezug auf sexualitätsbezogene Themen bedeutet laut Martin (2008: 639) im Regelfall über biologisch-medizinische, also körperliche Vorgänge zu informieren.

Sinnvolle Aufklärung berücksichtigt aber nicht allein nur diese Aspekte, sondern vermittelt auch Wissen über psychische, soziale, kulturelle, ethische, religiöse und juristische Zusammenhänge. (Martin 2008: 639)

Das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (BMSG) in Österreich brachte im Jahr 2003 eine Erstauflage der Broschüre ‚Love Sex und so…‘ heraus. Die Inhalte der Broschüre dienen in Kapitel 6.2 als Grundlage für die Entwicklung eines Kategoriensystems der anschließenden empirischen Untersuchung.

Kapitel Eins bezieht sich auf die sogenannten ‚Basics‘ der Sexualität. Themen sind hier die Pubertät, Basiswissen zum Geschlecht in Gendertrennung und die Erläuterung der Themen Männerarzt und Frauenarzt. Bezüglich der Pubertät wird auf die Veränderungen des Körpers hingewiesen. Diese verlaufen bei jedem Individuum anders ab und sind genetisch bedingt. Das Wachsen von Schambehaarung, die Regelblutung und Busenwachstum sind die in dieser Lebensphase bedingten Entwicklungen bei den Mädchen. Bei den Jungen kommt es zum ersten Samenerguss, der Stimmbruch setzt ein, Penis und Hoden wachsen ebenso wie Scham- und Bartbehaarung (vgl. BMSG 2003: 8ff.).

Die Beschreibung der Anatomie der weiblichen Geschlechtsteile wird durch eine Zeichnung unterstützt. Zunächst werden Schamlippen, Kitzler und Jungfernhäutchen (Hymen) und Scheide (Vagina) beschrieben und erklärt. Dem folgt eine Darstellung der Funktion von Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Zum Schluss wird über den Zyklus, die Regelblutung (Menstruation), und Blutungsschutz in Form von Binden oder Tampons informiert (ebd.: 12-18). Auch bei den Jungen werden Zeichnungen unterstützend herangezogen. Schlagwörter zur Beschreibung der männlichen Anatomie sind Penis, Vorhaut, Hoden und Hodensack. Ebenso Erektion und Samenerguss (Ejakulat) werden biologisch erläutert um anschließend die Frage zu klären, wie die Samenzelle zur Eizelle gelangt und welche Folgen das mit sich zieht (ebd.: 20-25). In diesem Kapitel wurde bisher bereits zwei Mal auf das Zustandekommen von Schwangerschaften durch falsche Annahmen über Verhütung hingewiesen (ebd.: 17 und 25). Den Abschluss der Basics bilden Informationen über den Besuch geschlechtsspezifischer Ärzte, die Untersuchungen und die rechtlichen Rahmenbedingungen (ebd.: 25-29).

Kapitel zwei der Broschüre trägt den Titel ‚Sex. Scharf auf dich.‘ und behandelt die Aspekte der Liebe und des Geschlechtsaktes. Tipps zum Kennenlernen bieten hier einen Einstieg um in Folge auf das Verliebt sein einzugehen. An diesem Punkt wird auch auf Homosexualität beziehungsweise Bisexualität eingegangen und darauf hingewiesen, dass es auch in Ordnung sei, sich zum selben Geschlecht hingezogen zu fühlen. Die Broschüre versucht nicht nur in Hinsicht der Orientierung die Jugendlichen in ihren Entscheidungen zu unterstützen. In Bezug auf Liebe, Trennung und Liebeskummer werden ebenfalls Gefühlsveränderungen gutgeheißen und etwa darauf hingewiesen, bei Trennungsschmerz nicht nur die Fehler bei sich zu suchen und dann keine positiven Eigenschaften mehr bei sich selbst sehen kann (ebd.: 32-36).

Die Aufklärung über Sex beginnt mit dem Aspekt der Selbstbefriedigung. Das Positive an ihr ist, dass man dabei seinen eigenen Körper und die Wünsche explorieren kann. Dabei kann es zum sexuellen Höhepunkt, einem Orgasmus, kommen. ‚Petting‘ wird als eine Möglichkeit beschrieben Sex zu haben, ohne miteinander zu schlafen. Dies geschieht durch Streicheln, Küssen, Berühren der Geschlechtsorgane und kann ebenfalls zum Orgasmus führen. Durch Petting kann der Druck wegfallen, miteinander zu schlafen und man kann sich einander besser kennen lernen. Auch hier wieder ein Hinweis auf den Samenerguss und eventuelle Schwangerschaftsfolgen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass man nur das machen sollte worauf man auch wirklich Lust hat und man beispielsweise Oralverkehr, also ‚Blasen‘ und ‚Lecken‘ nicht nur dem Partner zuliebe machen sollte (ebd.: 36f.). Zum ‚Ersten Mal‘ soll man sich nicht gezwungen fühlen, weil etwa die Freundinnen schon Sex hatten, sondern man selbst sollte das Bedürfnis danach haben und das Gefühl, bereit dafür zu sein.

Neben einem vertrauten Umgang und dem Gefühl von Geborgenheit gehören auch gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme, Zuverlässigkeit und Einfühlsamkeit dazu. Diese Dinge benötigen meist mehr Zeit, um entstehen zu können. (BMSG 2003: 39)

Durch diverse Tipps und Ratschläge wird dann versucht, den Jugendlichen die Befürchtungen und Ängste zu relativieren. Diese können sich auf das Jungfernhäutchen beziehen oder auf Erschlaffen des Penis und frühzeitigen Samenerguss. Es wird darauf aufmerksam gemacht, die Verhütungsmethode zuvor zu planen, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Zum Abschluss der Thematik wird erneut über die Gesetzeslage informiert (ebd.: 36-43). Desweiteren werden einige Punkte abgehandelt, die sich ebenfalls rund um das Thema Sex drehen, wie etwa Sex ohne Liebe, Stöhnen und das Nein-Sagen. Hierzu werden Ratschläge gegeben, wie man sich in dem Falle verhalten kann mit anschließender Gesetzesschilderung bei nicht einvernehmlichen Sex (ebd.: 44-47).

Das Kapitel ‚Keep cool‘ widmet sich dem Thema der Verhütung und sexuell übertragbarer Krankheiten (STD’S) Als in diesem Lebensabschnitt geeignetsten Methoden, um vor Schwangerschaft geschützt zu sein, werden an dieser Stelle die Pille und das Kondom genannt. Zum Gebrauch von Kondomen werden Fakten genannt und die Anwendung beschrieben, die anhand einer Zeichnung verdeutlicht wird. Zusätzlich wird erwähnt, dass ein Kondom der einzige Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten sei (ebd.: 50-53). Die Pille wird zunächst anhand ihrer Wirkungsweise beschrieben. Fakten rund um die Einnahme und möglicher Nebenwirkungen runden die Aufklärung ab. Es wird darauf hingewiesen, dass die Pille nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie zum Beispiel AIDS schützt. Als alternative Verhütungsmethoden werden das Hormonimplantant (Implanon), die Dreimonatsspritze, Verhütungskappen, die Spirale und andere chemische Verhütungsmittel benannt und beschrieben. Gewarnt wird davor, auf jegliche Art der Verhütungsmethode zu verzichten und sich auf den sogenannten ‚coitus interruptus‘ zu verlassen, da der Lusttropfen bereits Samenzellen enthält und dies zu einer Schwangerschaft führen kann. Ebenso unwirksam sind ein Toilettenbesuch nach dem Sex, Abführmittel und Scheidenspülungen. Als ‚Notfalls Massnahmen‘ wird der Gebrauch der ‚Pille danach‘ beschrieben und eine Online-Informationsquelle hierzu angeboten (ebd.: 54-63).

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Details

Seiten
47
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656378013
ISBN (Buch)
9783656380931
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210036
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Kommunkationswissenschaft
Note
Sehr gut
Schlagworte
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Autor

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    Stephanie Müller (Autor)

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