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Macht in Gruppen

Ist das Individuum ein leicht zu manipulierendes Herdentier?

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Macht der Einfluss einer Gruppe ein Individuum zu einem leicht manipulierbaren Herdentier?
2.1 Allgemeines
2.2 Der Majoritätseinfluss
2.2.1 Konformitätsexperiment von Solomon Asch
2.2.2 Das Qualm-Experiment
2.2.3 Diskussion der Fragestellung
2.3 Der Minoritätseinfluss
2.3.1 Dia-Experiment von Moscovici et al
2.3.2 Dia-Experiment von Nemeth et al
2.3.3 Diskussion der Fragestellung …

3. Abschließende Worte12

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lassen sich Menschen von anderen Menschen in ihrer Meinung beeinflussen? Ändern Menschen ihre Ansichten, nur weil andere Menschen andere Standpunkte vertreten? Falls ja, geschieht dies einfach so oder bedarf es bestimmter Aspekte, die beachtet werden müssen, um andere zu beeinflussen? Und ist es irrelevant, wer versucht zu beeinflussen?

All diese Fragen sollen im nachfolgenden Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden. Dazu soll auf die Thematik des sozialen Einflusses bzw. der Macht in Gruppen eingegangen werden, welche u.a. im Seminar „Gruppenleitung“ behandelt wurde. M.E. ist es sehr sinnvoll, sich mit dieser Angelegenheit auseinanderzusetzen, denn mit sozialem Einfluss ist jeder Mensch tagtäglich konfrontiert, so z.B. in Form des bekannten Gruppenzwangs. Dieser kann in sehr vielen Situationen auftreten und oft auch gefährlich werden. So riskieren z.B. Jugendliche häufig viel, indem sie eine Mutprobe absolvieren, um in eine beliebte Gruppe aufgenommen zu werden. Der Effekt des sozialen Einflusses ist aber auch in Seminaren im Rahmen der Universität zu finden. Innerhalb der großen Seminargruppe existieren oftmals auch mehrere Kleingruppen, durch welche sozialer Einfluss schnell entstehen kann.

Häufig ist es der Fall, dass sozialer Einfluss von einer Mehrheit ausgeübt wird, doch dies schließt nicht aus, dass auch Minderheiten Einfluss leisten können. Für Letztere gestaltet es sich aber schwieriger, erfolgreichen Einfluss auszuüben, denn „Sie sind zahlenmäßig klein, […] anfangs werden sie häufiger ausgelacht als ernstgenommen und als „Dummköpfe“ oder „Spinner“ wahrgenommen“ (Von Avermaet 1996, S. 515). Deswegen bedarf es einiger Punkte, die für einen gelingenden Minoritätseinfluss grundlegend sind.

Die beiden soeben genannten Einflussquellen stellen sozusagen den Hauptteil der nachfolgenden Arbeit dar; anhand dieser und der Fragestellung „Macht der Einfluss einer Gruppe ein Individuum zu einem leicht manipulierbaren Herdentier?“ soll die Thematik des sozialen Einflusses bzw. der Macht in Gruppen dargestellt werden. Hierzu werden eingangs in einem einführenden Abschnitt die notwendigen Begrifflichkeiten ‚Gruppe‘ und ‚sozialer Einfluss‘ geklärt, um dann anhand von Experimenten den Einfluss von Majoritäten zu erläutern. Im Anschluss daran wird durch die Darstellung des Minoritätseinflusses die Gegenposition zur o.g. Fragestellung eingenommen; auch diese Seite der Argumentation wird durch Experimente belegt. Zum Abschluss der Arbeit wird noch ein Fazit zur behandelten Thematik gegeben.

2. Macht der Einfluss einer Gruppe ein Individuum zu einem leicht manipulierbaren Herdentier?

Wie bereits angekündigt, folgt nun zunächst ein allgemeiner Teil, innerhalb welchem die Klärung der Begrifflichkeiten stattfindet.

2.1. Allgemeines

In den Sozialwissenschaften besteht eine Gruppe „[…] aus zwei oder mehr Personen, die miteinander interagieren und insofern interdependent sind, als ihre Bedürfnisse und Ziele eine gegenseitige Beeinflussung bewirken“ (Cartwright & Zander 1968 S. 48, zit. nach Aronson et al. 2008, S. 275). Darüber hinaus tragen Gruppen weitere spezifische Merkmale. So existieren innerhalb einer Gruppe soziale Normen, an welchen sich die Mitglieder orientieren und welche das Verhalten der Gruppe begründet. Außerdem sind in einer Gruppe verschiedene soziale Rollen zu finden, welche die einzelnen Mitglieder innehaben (vgl. Aronson et al. 2008, S. 276). „Während Normen Regeln angeben, die für alle Gruppenmitglieder gelten, definieren Rollen, wie sich Personen, die innerhalb der Gruppe bestimmte Positionen einnehmen, zu verhalten haben“ (ebd.). Deswegen stellen sowohl Normen als auch Rollen hilfreiche Orientierungsmuster in der Gruppe dar, anhand welcher die einzelnen Mitglieder und deren Aufgaben leichter identifiziert werden können. Hält sich jeder Teilnehmer an die vorherrschenden Normen und Rollen, so führt dies zu Ruhe und Harmonie in der ganzen Gruppe. Hierbei besteht jedoch die Gefahr, dass ein Mitglied seine eigene Identität verliert, wenn es sich nämlich zu stark mit den vorgegebenen Rollen und Normen identifiziert. Dieser Fall trat z.B. im Stanford-Prison-Experiment von Philip Zimbardo auf (vgl. ebd., S. 276f.).

Wie im obigen Verlauf bereits angesprochen, stellt der ‚soziale Einfluss‘ einen weiteren wichtigen Begriff in der Thematik dieser Arbeit dar. „Sozialer Einfluß [sic!] bezieht sich auf eine Veränderung in Urteilen, Meinungen und Einstellungen eines Individuums als Ergebnis der Konfrontation mit den Urteilen, Meinungen und Einstellungen anderer Individuen“ (De Montmollin 1977, S. 7, zit. nach von Avermaet 2003, S. 452). Bezieht man die auf Seite 1 erwähnte Macht von Majoritäten mit ein, so liegt ein „Sozialer Einfluss [vor], der sich aus der Konfrontation mit den Meinungen einer Mehrheit oder der Mehrheit der eigenen Gruppe ergibt“ (Von Avermaet 2003, S. 452). Darüber hinaus wurde ebenfalls bereits erläutert, dass auch Minoritäten dazu in der Lage sind, Macht auszuüben. Diese Art des sozialen Einflusses ergibt sich demnach logischerweise „[…] aus der Konfrontation mit den Meinungen einer Minderheit oder der Minderheit in der eigenen Gruppe […]“ (ebd., S. 453).

Laufen soziale Einflüsse erfolgreich ab, gehen Menschen mit den Meinungen anderer Menschen konform, sie passen sich also anderen an und es kommt zu einer Verhaltensänderung.

Da nun die grundlegenden Begrifflichkeiten geklärt sind, wird im Folgenden auf den Majoritätseinfluss eingegangen.

2.2 Der Majoritätseinfluss

Zunächst werden zwei Experimente angeführt, welche den sozialen Einfluss bzw. die Macht von Mehrheiten demonstrieren.

2.2.1 Konformitätsexperiment von Solomon Asch

Hierbei saßen sieben Studenten an einem Tisch und es wurde in 18 Durchgängen jeweils eine Linie mit drei weiteren Vergleichslinien vorgegeben. Die Teilnehmer am Experiment sollten entscheiden, welche der Vergleichslinien genau so lang ist wie die Referenzlinie. Sechs der Teilnehmer waren jedoch Vertraute der Versuchsleiter und wurden dazu angeleitet, in sechs der 18 Durchgänge ihre wahre Meinung und in den restlichen 12 einstimmig eine falsche Angabe zu offenbaren. Dieses Experiment wurde mehrmals mit unterschiedlichen „echten“ Versuchspersonen durchgeführt, insgesamt mit 123. Vor Durchführung des eigentlichen Experiments sollte in einer Kontrollbedingung jeder einzelne Teilnehmer isoliert von den anderen seine Meinung abgeben. Hier lag die Fehlerquote der „echten“ Versuchspersonen über die Durchgänge verteilt bei lediglich 0,7%. In den Experimentalbedingungen hingegen – in welchen die Versuchspersonen die falschen Angaben der anderen Teilnehmer direkt hörten - offenbarten diese zu ca. 37% fehlerhafte Angaben. Von den insgesamt 123 Versuchspersonen machten in der Experimentalbedingung lediglich 25% keinen einzigen Fehler, in der Kontrollbedingung hingegen betrug dieser Anteil ganze 95% (vgl. von Avermaet 1996, S. 507f.).

Dieses Experiment zeigt ganz deutlich, dass eine einstimmige Mehrheit die Meinungen anderer stark beeinflusst, sogar dann, wenn diese Majorität falsche Angaben macht, welche von den Beeinflussten eigentlich leicht zu erkennen sein sollten (vgl. ebd., S. 508).

Als nächstes folgt die Darstellung des sogenannten Qualm-Experiments, welches ebenfalls den Einfluss einer einstimmigen Mehrheit demonstriert.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656379980
ISBN (Buch)
9783656381013
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209976
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
macht gruppen individuum herdentier

Autor

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