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Die prothestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus und Die protestantischen Sekten und der Geist des Kapitalismus: Ein Vergleich Max Webers

Seminararbeit 2003 23 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
2.1. Die Problemstellung
2.1.1. Konfession und soziale Schichtung
2.1.2. Der Begriff des „Geistes“
2.1.3. Luthers Berufskonzeption

3. Die Berufsethik des asketischen Protestantismus
3.1. Die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese
3.2. Askese und kapitalistischer Geist

4. Protestantische Sekten und der Geist des Kapitalismus

5. Der Vergleich
5.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.2. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit sind die beiden Schriften „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ und „Die protestantischen Sekten und der Geist des Kapitalismus“ von Max Weber. Da diese beiden Texte hier rekonstruiert und anschließend miteinander verglichen werden, ist es meiner Meinung nach nicht sinnvoll, ihren Inhalt in die Einleitung mit einzubeziehen. Stattdessen möchte ich einleitend kurz den Soziologen Max Weber vorstellen.

Max Weber war deutscher Volkswirtschaftler und Wirtschaftsgeschichtler. Er war und ist bekannt vor allem wegen seiner systematischer Schriften zur politischen Soziologie und zur Entwicklung des Kapitalismus und der Bürokratie.

Max Weber war Mitbegründer der Soziologe als eigenständige wissenschaftliche Disziplin, die soziales Handeln deutend verstehen und erklären sollte.

Als Reaktion auf die marxistische Theorie, so wie er sie interpretierte, bezog Weber die gesellschaftliche und religiöse Entwicklung in seine wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen mit ein. In einem seiner bekanntesten Werke, „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von 1905, stellte er den von ihm als ursächlich angesehenen Zusammenhang zwischen calvinistisch geprägter Lebensführung und kapitalistischer Wirtschaftsweise heraus. Die Art und Weise, wie er das herausstellte, soll im Folgenden Gegenstand der Untersuchung sein.

2. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

2.1. Die Problemstellung

2.1.1. Konfession und soziale Schichtung

Max Weber beginnt diese Schrift mit einem Blick in die Berufsstatistik eines multi-religiösen Landes, wobei er herausstellt, dass der Protestantismus in Deutschland den höchsten Anteil am Kapitalbesitz und Unternehmertum hat. Dieser Anteil am Kapitalbesitz ist für Weber zum Teil historisch zu begründen, wobei die Gründe weit in der Vergangenheit liegen und bei denen die Religionszugehörigkeit nicht die Ursache für den Anteil am Kapitalbesitz darstellt, sondern eher die Folge ist. In diesem Zusammenhang zeigt Weber, dass sich eine große Zahl der reichen Städte im 16. Jahrhundert dem Protestantismus zugewendet haben. Dies ist ein Grund dafür, warum die Protestanten zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen so großen Anteil am Kapitalbesitz haben. Wie gesagt ist dieser Anteil am Kapitalbesitz für Weber nur zum Teil historisch zu begründen, denn er gibt einige Gegenbeispiele dazu. So besteht ein nachweisbarer Unterschied in der Art des höheren Unterrichts, den katholische Eltern im Gegensatz zu protestantischen ihren Kindern zuzuwenden pflegen. Nach einer Studie von Martin Offenbacher[1] liegen die Katholiken nämlich insgesamt hinter den Protestanten beim Besuch von „höheren“[2] Lehranstalten. Ein Grund hierfür ist natürlich der, dass die Protestanten mehr Geld haben. Aber es gehen auch weniger Katholiken zu Lehranstalten, die auf einen technisches Studium oder einen gewerblich-kaufmännischen Beruf vorbereiten. Sie besuchen eher humanistische Gymnasien, was als Erklärung zur geringen Anteilnahme der Katholiken am kapitalistischen Erwerb herangezogen werden kann. Außerdem fällt auf, dass weniger Katholiken als Arbeiter in der modernen Großindustrie beschäftigt sind. Laut der Offenbacher Studie neigen bei den Handwerksgesellen die Katholiken eher zum Verbleiben im Handwerk, werden also relativ häufig Handwerksmeister, während die Protestanten in relativ stärkerem Maße in die Fabriken abströmen, um dort die oberen Staffeln der gelernten Arbeiterschaft und des gewerblichen Beamtentums zu füllen. Max Weber will die historische Ursache für diese Gegebenheiten untersuchen. Dafür ist eine Betrachtung der verschiedenen Ausprägungen der christlichen Religionen erforderlich. Doch zunächst erfolgt eine Erklärung des Begriffes „Geist“ des Kapitalismus.

2.1.2. Der Begriff des „Geistes“

Weber kann keine Erklärung des Begriffes „Geist des Kapitalismus“ festmachen. Seiner Meinung nach kommt aber die Bezeichnung eines historischen Individuums einer Definition ziemlich nahe. Gemeint ist hiermit eine Anhäufung von historischen Ereignissen, die es so in der Geschichte nur einmal gegeben hat. Das historische Individuum wird aus den einzelnen Ereignissen zusammengesetzt oder, wie Weber es sagt, „allmählich komponiert“[3]. Für ihn ist dieser Komplex von Zusammenhängen zu untersuchen, welcher erst unter dem Gesichtspunkt seiner Bedeutung für eine Kultur ein Ganzes bildet. Deshalb steht eine eindeutige begriffliche Fassung des „Geistes“ auch nicht am Anfang, sondern am Ende der Untersuchung. Zur Veranschaulichung bedient Weber sich eines Dokuments von Benjamin Franklin[4], das zweifellos einen Idealtypus des „Geistes des Kapitalismus“ darstellt. Nach Franklin soll man daran denken, dass Zeit Geld ist, dass Kredit Geld ist und dass Geld zeugungskräftig und fruchtbar ist. Man soll also seine Zeit nicht mit anderen Dingen als Arbeit verschwenden, weil man dann nicht nur kein Geld verdient, sondern dieses sogar als Verlust angerechnet wird. Für Weber ist dies nicht nur eine einfache Lebenstechnik oder Geschäftsklugheit, sondern eine sittliche und moralische Grundhaltung, ein Ethos. Franklin schätzt Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß. Diese Eigenschaften sind nützlich, weil sie Kredit bringen und deshalb sind sie Tugenden. Für den Menschen wird demnach das Erwerben zum Zweck seines Lebens und bezieht sich nicht mehr auf den Menschen als Mittel zum Zweck der Befriedigung seiner materiellen Lebensbedürfnisse. Nach Franklin ist der Gelderwerb das Resultat und der Ausdruck der Tüchtigkeit im Beruf, worauf Weber später noch näher eingeht. Zunächst wird jedoch der Gegner des „Geistes des Kapitalismus“, nämlich der Traditionalismus, und die Entwicklung des „Geistes“ anhand von Beispielen beschrieben.

Dem Gedanken der Arbeit als Selbstzweck steht der traditionelle Gedanke der Arbeit gegenüber. An einem Beispiel zeigt Weber den Unterschied zwischen diesen beiden Gedanken auf. Es ist der Unterschied zwischen dem Minimal- und dem Maximalprinzip, der hier maßgebend ist. Minimal bedeutet, wenn zur Erreichung eines Ziels minimaler Aufwand betrieben wird und maximal bedeutet, wenn aus gegebenen Umständen maximales herausgeholt wird. Wer, so Webers Beispiel, zur Deckung seines Lebensunterhalts 2,5 Mark benötigt und durchschnittlich für diesen Preis seiner Arbeit 2,5 Morgen Acker bewirtschaften muss, der wird nach dem traditionalistischen Minimalprinzip nicht mehr bewirtschaften, wenn er pro gemähter Fläche mehr Geld bekommt, denn der Mehrverdienst reizt ihn weniger als die Minderarbeit. Es geht dem Arbeiter also lediglich darum, so viel Geld einzunehmen, dass seine traditionellen Bedürfnisse gedeckt sind.[5] Demgegenüber steht das Maximalprinzip, welches am Besten durch Franklins Zitat „Zeit ist Geld“ verdeutlicht wird. Man soll demnach nicht spazieren oder faulenzen, wenn man stattdessen Geld durch Arbeit erwerben könnte. Denn Geld wird in Franklins Ethos nicht verdient, um es auszugeben, sondern um damit mehr Geld zu schaffen.

Weber kehrt in diesem Zusammenhang noch einmal zum Begriff des Berufes zurück und nimmt auch die Religion hinzu. Anhand einer Tatsache verdeutlicht er, dass die traditionalistische Form der Arbeit ganz stark bei deutschen Arbeiterinnen ausgeprägt ist, dass diese nicht fähig und auch nicht willig sind, ihre Arbeit leichter, praktischer und effektiver zu gestalten. Ganz anders ist es bei spezifisch religiös erzogenen Mädchen, ganz genau bei denen mit pietistischer Herkunft. Solche Frauen fühlen sich der Arbeit gegenüber verpflichtet und haben eine ungemein hohe Leistungsfähigkeit. Hier kommt die Auffassung der Arbeit als Selbstzweck besonders deutlich zum Vorschein und „die Chance, den Traditionalismus zu überwinden, ist infolge der religiösen Erziehung am größten“[6].

Wieder zurückkehrend zum Traditionalismus will Weber an einem Beispiel die Entwicklung vom Traditionalismus zum „Geist des Kapitalismus“ aufzeigen. Am Leben eines Verlegers aus der Textilindustrie in der Mitte des 19. Jahrhunderts macht Weber deutlich, dass die Verleger in jener Zeit auf traditionelle Weise wirtschafteten. Ihre Lebenshaltung, die Höhe des Profits, das Maß an Arbeit, die Art der Geschäftsführung, all das war traditionalistisch. Dies änderte sich, so Webers Beispiel, als irgendwann irgendein junger Verleger von der Stadt auf das Land zog, die Weber (Arbeiter) für seine Arbeit sorgfältig aussuchte und somit ihre Abhängigkeit und Kontrolle verschärfte. Ebenfalls nahm der junge Unternehmer den Absatz selbst in die Hand, indem er persönlich Kunden warb und diese regelmäßig bereiste. Es wurde so der Grundsatz „billiger Preis, großer Umsatz“ eingeführt. Der Konkurrenzkampf in der Branche wurde selbstverständlich zunehmend größer und wer nicht aufstieg, der musste absteigen. Gewonnenes Geld wurde wieder ins Geschäft investiert und die traditionelle Lebenshaltung musste mehr und mehr dem neuen Geist, Weber spricht hier vom „Geist des modernen Kapitalismus“, weichen.

Es ist Webers Anliegen, die Zusammenhänge zwischen diesem modernen Kapitalismus und den Religionen zu untersuchen. Es stellt sich ihm die Frage, wie es historisch erklärbar sei, dass das, was im 14. und 15. Jahrhundert als sittlich bedenklich galt, im 18. Jahrhundert als Inhalt einer sittlich löblichen, sogar gebotenen Lebensführung gelten konnte. Wichtig ist hierbei der Begriff des Berufes, unter den eine rein auf Gewinn gerichtete Tätigkeit eingeordnet wird und demgegenüber sich der einzelne verpflichtet fühlte. Und so gelangt Weber zu Luthers Berufskonzeption.

2.1.3. Luthers Berufskonzeption

Durch Luther wird erstmals eine Verbindung zwischen dem Wort „Beruf“ und der Religion hergestellt. Geschichtlich betrachtet kommt das Wort weder bei den katholischen Völkern, noch im klassischen Altertum vor, wogegen es bei den protestantischen Völkern existiert. Der Grund hierfür liegt in der Bibelübersetzung Martin Luthers, in der das Wort „Beruf“, im Sinne von „von Gott berufen“, zum ersten Mal erscheint. Weber stellt diesen Berufsgedanken Luthers ins Zentrum des protestantischen Glaubens und vor allem ins Zentrum der religiösen Pflichterfüllung des einzelnen. Denn, so Weber, die Schätzung dieser Pflichterfüllung innerhalb der weltlichen Berufe sollte als höchster Inhalt gelten, „den die sittliche Selbstbetätigung überhaupt annehmen [konnte]“[7]. Wichtig ist, dass durch den Beruf nicht die innerweltliche Sittlichkeit und mönchische Askese in der Lebensführung überboten werden sollte, sondern es kommt ausschließlich auf die Erfüllung der innerweltlichen Pflichten an, die sich aus der Lebenssituation des einzelnen ergeben und so diese Erfüllung zum Beruf eines jeden wird. Die weltliche Berufsarbeit erscheint hierbei als äußerer Ausdruck der Nächstenliebe, was in der mönchischen Lebensführung fehlte. Gottgefälligkeit war also nur durch die Erfüllung der innerweltlichen Pflichten zu erreichen. Nach Luther ist für den Gläubigen der pflichtbewusste Umgang mit seiner Stellung im alltäglichen Leben der gewissenhafte Umgang mit seinem Beruf. Dabei tritt ein noch immer traditionalistisch geprägter Berufsbegriff in den Vordergrund, nämlich, dass der Mensch seinen Beruf als göttliche Fügung hinzunehmen hat und diese nicht ändern kann.

Weber stellt ausdrücklich klar, dass Luthers Berufsbild nicht den Geist des Kapitalismus entfachte. Vielmehr schafften dessen Vorstellungen bestimmte Dispositionen, die spätere Reformatoren in ihren Lehren weiterentwickelten und zu einer den Kapitalismus viel eher forcierenden Lebensweise ausbauten. Weber möchte feststellen, inwieweit religiöse Einflüsse bei der qualitativen Prägung und quantitativen Expansion des „Geistes“ beteiligt gewesen sind. Daher untersucht er im Folgenden die verschiedenen Ausprägungen des Protestantismus.

[...]


[1] Martin Offenbacher: Konfession und soziale Schichtung. Eine Studie über die wirtschaftliche Lage der Katholiken und Protestanten in Baden, Tübingen und Leipzig 1901. Hier aus Max Weber,1920: 19

[2] vgl. Weber: 21

[3] a.a.O.: 30

[4] vgl. a.a.O.: 31f

[5] vgl. a.a.O.: 44

[6] a.a.O.: 47f

[7] a.a.O.: 69

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638247160
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20990
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Ethik Geist Kapitalismus Sekten Vergleich Webers Proseminar Klassische Texte Religionssoziologie

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