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Italo Calvinos "Palomar". Das Werk als Roman

Eine kurze Darstellung des Werks sowie die Frage nach dessen Einordbarkeit in das System der literarischen Genres unter besonderer Beachtung der Gattung des Romans

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung des Autors: Italo Calvino

3. Inhalt und Struktur des Werks „Palomar“

4. Literarische Gattungen
4.1 Begriffserklärung und typische Merkmale
4.2 Der Roman als literarische Gattung

5. Der Versuch, „Palomar“ einer Gattung zuzuordnen
5.1 Romanhafte Aspekte des Werks
5.2 „Palomar“ : ein Essay?
5.3 Die Betrachtung des Werks als Traktat
5.4 „Palomar“ als Autofiktion

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

Webographie

1. Einleitung

Das von Italo Calvino geschriebene erzählerische Spätwerk „Palomar“ zählt zu den vielschichtigen und diversen Publikationen des italienischen Schriftstellers. Bereits das systematische Inhaltsverzeichnis ermöglicht dem Leser eine erste Vorstellung über die Besonderheit dieses letzten zu Italo Calvinos Lebzeiten erschienenen Buches, das mehrere in gewisser Weise eigenständige Geschichten bereithält. Interessant ist dabei vor allem die Frage nach der Gattung des immer wieder als Roman deklarierten Werks, die Raum für diverse Antwortmöglichkeiten lässt.

Um die Problematik der Einordbarkeit des Texts in die Kategorien der literarischen Gattungen zu klären und um den Versuch zu wagen, „Palomar“ damit klaren Begriffen zuzuweisen, wird in dieser Arbeit nicht nur ein kurzer Überblick über einige zu dem Werk möglicherweise passenden literarischen Genres gegeben, sondern vor allem auch die Romanhaftigkeit des Buches erläutert.

Der Fokus dieser Arbeit liegt neben eigenen Erkenntnissen anhand des Texts auf den Untersuchungen von Christine Lessle, die sich ausführlich mit „Palomar“ auseinandergesetzt hat, sowie auf den Ausarbeitungen von Dieter Lamping, der ein breites Spektrum an literarischen Gattungen näher beleuchtet.

Um ein klares Verständnis über die Vita des erfolgreichen Schriftstellers zu erhalten, wird Italo Calvino selbst im Vorhinein ausführlich vorgestellt. Anschließend soll die Struktur sowie der Inhalt des Werks „Palomar“ in seinen Grundzügen dargestellt und kurz erläutert werden, um im darauffolgenden Kapitel auf die literarischen Genres unter besonderer Beachtung der Gattung des Romans einzugehen. Letztendlich folgt dann der Versuch, literarische Merkmale des Buches zu finden, die sich bestimmten Gattungen zuordnen lassen. Neben der Betrachtung romanhafter Züge in „Palomar“ werden dabei ebenfalls die Gattungen des Essays, des Traktats sowie der Autofiktion behandelt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die komplexe Vielschichtigkeit des Werks herauszustellen und die diversen Züge mehrerer Gattungsmerkmale, die in dem Buch aufzufinden sind, näher zu betrachten sowie zu bewerten.

2. Vorstellung des Autors: Italo Calvino

Italo Calvino wird am 15. Oktober 1923 in Santiago de las Vegas in Kuba geboren, wo sein Vater, Mario Calvino (1875 – 1951), eine landwirtschaftliche Experimentalstation leitet; seine Mutter Eva ist Botanikerin[1]. Im Jahre 1925 zieht die Familie endgültig nach Italien zurück, sodass Italo Calvino seit seinem zweiten Lebensjahr in San Remo aufwächst und aufgrund der Einstellung seiner Eltern in einem agnostischen sowie nonkonformistischen Milieu groß wird.[2] Im Jahre 1927 kommt Italos Bruder Floriano zur Welt, der ebenfalls der naturwissenschaftlichen Tradition seiner Familie folgt und Geologe wird. Da sein Vater nun eine Forschungsstation für Blumenzucht leitet und seine Mutter für das Botanische Institut der Universität Pavia arbeitet, schreibt auch Calvino sich im Jahre 1941 für ein Studium der Agrarwissenschaften an der Universität in Turin ein.[3] Auch wenn er sein Studium niemals abschließen wird, absolviert Calvino auch das dritte Jahr noch erfolgreich und wagt bereits erste kreative Schreibversuche: An seine Freunde verteilt er satirische Texte und an die humoristische mailändische Zeitschrift „Bertoldo“ schickt er klassizistische Gedichte sowie Filmrezensionen, die in der Zeit von 1940 und 1943 auch im „Giornale di Imperia“ und im „Giornale di Genova“ veröffentlicht werden[4]. Da er von nun an diverse Erzählungen schreibt, die von Verlegern abgelehnt werden, verschenkt er diese lediglich an seine Freunde. Italos Kommilitone Eugenio Scalfari, der vier dieser Erzählungen aufbewahrt hat, wird diese ein Jahr nach Italo Calvinos Tod veröffentlichen[5].

Um den Militärdienst nach der Gründung der italienischen Sozialrepublik im Jahre 1943 zu umgehen, flieht er zusammen mit seinem Bruder in die Nähe der Alpen und schließt sich der Partisanengruppe „Brigate Garibaldi“ an, mit denen er gegen die deutsche Besatzung kämpft. Dass seine Eltern hierfür von den Deutschen bis Kriegsende in Haft genommen werden und dass er im März 1945 noch an der Schlacht von Bajardo teilnimmt, verarbeitet er in mehreren Romanen, die er in der Nachkriegszeit veröffentlicht.[6] Demzufolge stellt der im Jahre 1947 im Verlag Giulio Einaudi veröffentlichte Partisanenroman „Il sentiero dei nidi di ragno“ Calvinos erste Veröffentlichung in Buchform dar. Für den Einaudi Verlag ist er seitdem als Lektor tätig. Weitere Werke zur literarischen Verarbeitung der Resistenza, wie beispielsweise „Ultimo viene il corvo“, veröffentlicht er ebenfalls in der Zeit kurz nach dem Krieg und promoviert gleichzeitig im Jahre 1947 mit einer Arbeit über Joseph Conrad.[7] Als in den 1950er Jahren in Italien ein Großteil der Resistenza-Literatur erscheint, veröffentlicht Calvino bereits die drei Romane „Il visconte dimezzato“, „Il barone rampante“ und „Il cavaliere inesistente“, die sich mit ganz anderen Inhalten auseinandersetzen. In dieser Zeit ist er parallel nicht nur politisch in der Partisanenpartei engagiert, sondern beschäftigt sich auch auf kulturellem und literaturkritischem Gebiet, sodass sich seine ersten journalistischen Aktivitäten vor allem in der kommunistischen Presse entfalten.[8] Von 1945 an ist Calvino demzufolge ständiger Mitarbeiter des Parteiorgans „L‘Unità“ sowie der Zeitschriften „Rinascita“ und „Il Contemporaneo“, beteiligt sich jedoch auch an der vieldiskutierten Zeitschrift „Il Politecnico“.[9] Als letztere im Jahre 1947 ihr Erscheinen einstellen muss, publiziert Calvino seine vorwiegend literarischen sowie literaturtheoretischen Essays in verschiedenen Zeitschriften und befasst sich dabei zunehmend kritischer mit den Leitlinien der Partisanenpartei, sodass er im Jahre 1957 schließlich aus der Partei austritt.[10] Nachdem Calvinos Vater im Jahre 1951 stirbt und seine Mutter die Leitung der Forschungsstation bis im Jahre 1959 übernehmen wird, unternimmt Calvino im Jahre 1952 eine Reise in die Sowjetunion, wo er den Saint-Vincent Preis für die Zeitschrift „L’Unità“ gewinnt.[11] Neben dem bereits Erwähnten Werk „Il visconte dimezzato“ im Jahre 1952 in der Bücherreihe „Gettoni“ von Vittorini, publiziert er zu dieser Zeit ebenfalls „La formica argentina“ sowie die ersten Erzählungen von „Marcovaldo“.[12] In den darauffolgenden Jahren erscheint nicht nur seine Trilogie „L’entrata in guerra“ (1954), sondern auch die ins Italienische übersetzte Märchensammlung der „Fiabe italiane“ (1956) sowie das bereits erwähnte Werk „Il barone rampante“ im Einaudi Verlag im Jahre 1957.[13] Seinem kurz darauf erscheinenden Roman „La speculazione edilizia“ folgt das Werk „I giovani del Po“. Als Calvino dann im Jahre 1959 „I racconti“ veröffentlicht, gewinnt er den Bagutta-Literaturpreis. In diesem Jahre gründet er neben der Erscheinung des Werks „Il cavaliere inesistente“ ebenfalls mit Vittorini die renommierte Literaturzeitschrift „Metabò di letteratura“, die einen langanhaltenden Erfolg verzeichnet und der Calvino bis 1966 als „condirettore“ vorstehen wird.[14] Sechs Monate lang verbringt er zu dieser Zeit ebenfalls in den USA[15]. Die 1960 erscheinende Trilogie „I nostri antenati“ fasst schließlich seine Werke „Il visconte dimezzato“, „Il barone rampante“ sowie „Il cavaliere inesistente“ zusammen. Da Calvino in seiner Funktion als Leitung des „Metabò“ die Rezeption des französischen „nouveau roman“ in Italien fördert, übersetzt er 1969 Raymond Queneaus Roman „Les fleurs bleues“ ins Italienische und veröffentlicht 1970 den Text „Orlando furioso di Ludovico Ariosto, raccontato da Italo Calvino“, mit dem er seiner Vorliebe für Ariosts Epos Ausdruck verleiht.[16] Neben zusätzlichen größeren editorischen Arbeiten stehen ebenfalls etliche Einleitungen, Vorworte und Kommentare, die er aufgrund seiner Lektorentätigkeit für Einaudi vornimmt. In dieser Funktion veranlasst er ebenfalls Neuauflagen seiner eigenen Werke, um kritische Kommentare sowie Rückblicken geben zu können. Selbst als er im Jahre 1964 seinen Wohnsitz nach Paris verlegt, bleibt Calvino für den Einaudi Verlag tätig und beschäftigt sich dort noch intensiver mit den französischen Romantheorien.[17] Er heiratet die gebürtige Russin Esther Judith Singer und im Jahre 1965 kommt seine Tochter Giovanna zur Welt.[18] In den Jahren von 1965 bis 1972 publiziert er im Einaudi Verlag mehrere Werke, unter anderem „Le Cosmicomiche“ und „Le città invisibili“. Nach mehreren weiteren Publikationen folgt dann im Jahre 1979 die Erzählung „Una pietra sopra“, woraufhin er mit seiner Familie zurück nach Italien geht und fortan in Rom lebt. Nach Jahren der intensiven Lektorentätigkeit im Einaudi Verlag und nach den Veröffentlichungen zahlreicher weiterer Werke, deren letztes das in realistischer Schreibweise[19] verfasste Buch „Palomar“ im Jahre 1983 ist und auf dessen Thematik diese Arbeit basiert, erleidet er eine schlimme Gehirnblutung und stirbt in der Nacht des 19. Septembers 1985 in einem Krankenhaus in Siena.[20] Wie bereits erwähnt, erscheinen auch nach seinem Tod einige Werke durch Veröffentlichungen seiner Frau oder von Freunden, wie beispielsweise „Sotto il sole giaguaro“ oder „Lezioni americane“.[21]

[...]


[1] Vgl. Mondello 1990, S. 13

[2] Vgl. Wolf, Hannah (2011): Der Baron auf den Bäumen. Verfügbar unter: http://kultrefgraz.wordpress.com/2011/02/28/der-baron-auf-den-baumen/ (aufgerufen am 03.09.2012).

[3] Vgl. Mondello 1990, S. 15

[4] Ebd., S. 16

[5] Ebd.

[6] Vgl. Eversmann 1979, S. 10

[7] Vgl. Mondello 1990, S. 18

[8] Vgl. Eversmann 1979, S. 11

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Mondello 1990, S. 20.

[12] Vgl. Mondello 1990, S. 20

[13] Ebd., S. 21

[14] Vgl. Eversmann 1979, S. 12

[15] Vgl. Mondello 1990, S. 21

[16] Vgl. Eversmann 1979, S. 12

[17] Ebd.

[18] Vgl. Mondello 1990, S. 22

[19] Vgl. Reichel 2006, S. 14

[20] Ebd., S. 25

[21] Vgl. Borsellino 1991, S. 35

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656376040
ISBN (Buch)
9783656376712
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209842
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Schlagworte
Italo Calvino Italo Calvino Palomar Signor Signor Palomar Herr Herr Palomar Spätwerk italienisch Schriftsteller Gattungen Roman

Autor

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