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Bevölkerungspolitik in Entwicklungsländern - veranschaulicht am Beispiel der Transmigrasi in Indonesien

Seminararbeit 2003 13 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung in die Thematik

2. Transmigrasi - Bevölkerungsumsiedlungsprogramm in Indonesien

3. Verschiedene Formen der Transmigration

4. Die Folgen der Transmigration
4.1. Zerstörung der Regenwälder
4.2. unangepasste landwirtschaftliche Produktionssysteme
4.3. Verarmung der Umsiedler
4.4. interethnische Konflikte

5. Fazit

6. Literaturnachweis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Bevölkerungsverteilung in Indonesien

Abbildung 2: Zielregionen der Transmigration

Abbildung 3: Hausgehöft nach Einzug der Siedlerfamilie

Abbildung 4: Waldzerstörung durch Siedlungsbau

Abbildung 5: Das Gehöft von Abb. 3 nach 10 Jahren Bewirtschaftung

Abbildung 6: Bodentypen in Indonesien

1. Einleitung in die Thematik:

Die Republik Indonesien in Südostasien hat eine Fläche von 1,9 Millionen km² und wird von ca. 223,7 Millionen Einwohnern bewohnt (Juli 2000). Die Hauptstadt ist Jakarta mit über 9 Mio. Einwohnern, die auf der Insel Java liegt. Die Republik Indonesien ist ein Inselstaat, der sich aus ca. 13.500 Inseln zusammensetzt, wovon aber nur etwa 3000 substanziell besiedelt sind (Fischer Weltalmanach 2001, S. 359). Die größten Inseln sind Sumatra Kalimantan (Borneo) und Java. Bei der Bevölkerungsverteilung auf den Inseln sind gravierende Differenzen feststellbar (siehe Abb.1). Zum einen herrschen auf der Insel Java sowie deren Nachbarinseln Madura und Bali bis zu 800 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Somit zählt diese Region zu den am dichtesten besiedelten Agrarregionen der Welt. Auf der anderen Seite sind die Außeninseln (z.B. Kalimantan und Irian Jaya) spärlich (40 Einwohner pro Quadratkilometer) bis gar nicht bewohnt (Scholz, U.; 1992, S.33). Durch diese ungleiche Bevölkerungsverteilung, dass rund 60% der Bevölkerung auf 7% der Landfläche leben, entstehen deutliche räumliche Disparitäten. Die Raumknappheit auf Java macht eine Expansion der landwirtschaftlichen Flächen nahezu unmöglich, daraus resultieren hohe Zahlen von Unter- und Nichtbeschäftigten wodurch Verelendung, Landflucht und Verstädterung weiter verstärkt werden. Auf den Außeninseln hingegen, die bisher noch wirtschaftlich unerschlossen sind, herrscht ein Überangebot an Land und Rohstoffen, aber ein Mangel an Arbeitskräften (Kümmerle, U.; 1998, S.110).

Die Regierung Indonesiens versucht das Hauptproblem des Landes, die Bevölkerungsexplosion und die Überbevölkerung der zentralen Inseln, durch gezielte Maßnahmen zu bekämpfen. Hierzu zählt die Transmigrasi, das größte Bevölkerungsumsiedlungsprogramm der Erde, dass vor allem seit 1969 durch den Diktator Sukarno vorangetrieben wurde.

Abb.1: Bevölkerungsverteilung in Indonesien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mensch und Raum, S.183

2. Transmigrasi - Bevölkerungsumsiedlungsprogramm in Indonesien:

Das Wort Transmigrasi lässt sich aus dem lateinischen „transmigrare“ für übersiedeln ableiten. Transmigrasi bedeutet in diesem Falle „die Umzusiedelnden“. Unter Transmigration versteht man gesteuerte Wanderungsvorgänge innerhalb des ländlichen Raumes, besonders für Umsiedlungen aus überbevölkerten in weniger dicht besiedelte Gebiete (Diercke 2001, S. 899-900). Dies ist auch der eigentliche Sinn, der hinter dem Programm der Transmigrasi steht. Ziel dieses Umsiedlungsprogramms, welches vom indonesischen Ministerium für Transmigration koordiniert wurde, war es, landlose Bauern und arbeitslose Städter der Zentralinseln Java, Madura und Bali in die unterbesiedelten Gebiete anderer indonesischer Inseln umzusiedeln (siehe Abb.2). Zielregionen der Umsiedlung waren Kalimantan, Sumatra und später auch Irian Jaya und Sulawesi. Durch den besseren Entwicklungsstand der Wirtschaft und der Infrastruktur auf der Zentralinsel bietet sie eigentlich bessere Lebensbedingungen, und zieht somit jährlich eine große Zahl von Zuwanderern von den Außeninseln an. Den Millionen von Umzusiedelnden sollte das Angebot, auf die Außeninseln zu gehen, durch bestimmte Prämien schmackhaft gemacht werden. Die Transmigration wurde als Instrument der Bevölkerungspolitik und zur Bekämpfung von Armut und Landflucht lange Zeit von der Weltbank mitfinanziert und von verschiedenen Ländern durch technische Hilfe unterstützt. Die Weltbank investierte im Laufe der Zeit 1 Milliarde US Dollar in das Projekt und zum Beispiel übernahm die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) die Regionalplanung und Infrastrukturmaßnahmen in Ost-Kalimantan (Allkämper, D.; 1994, S.186).

Abb. 2: Zielregionen der Transmigration

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entwicklungsräume in den Subtropen, S. 112

Erste Umsiedlungsprogramme gab es bereits in der Kolonialzeit. Zur Erschließung weiterer Kolonialgebiete und zur Deckung des Arbeitskräftebedarf auf den Plantagen siedelten die niederländischen Kolonialherren zwischen 1905 und 1941 66.000 meist landlose oder landarme (durch Besitzsplitterung bei Realteilung) Bauern nach SüdSumatra um. Die Bestreben der Transmigrasi seit dem Ende der sechziger Jahre lassen sich grob in 3 Ziele unterteilen.

Das Hauptziel des Transmigrationsprogramms war es, während der Sukarno-Ära, das Bevölkerungsproblem auf den Inseln Java, Madura und Bali zu lösen (Scholz, U.; 1992, S. 33)). Doch bis zum Ende der siebziger Jahre wurden nur ca. 250.000 Familien umgesiedelt. Angesichts des jährlichen Bevölkerungswachstums von etwa 2 Millionen Menschen, zeigt sich dann schon die Aussichtslosigkeit dieses Programms zur Lösung dieses Problems (Kümmerle, U.; 1998, S. 112).

Da die Lösung der Bevölkerungsproblematik unmöglich schien, musste eine andere Legitimation für das Programm gefunden werden. In den sechziger Jahren bestand bereits in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ein Trend zu integrierten regionalen Entwicklungsprojekten. Daher legitimierte man das, von vielen Ländern umstrittene, Umsiedlungsprogramm mit dem Argument der „regionalen Entwicklung der Außeninseln“. Zum Abbau von regionalen Disparitäten und zur Eingliederung der peripheren Regionen in den Wirtschaftskreislauf der Zentren, schien die Transmigration als geradezu geeignet (Allkämper, D.; 1994, S. 186). In dieser Phase zwischen 1979 und 1989 (die Zeit des dritten und vierten Fünfjahresplanes) wurden fast 600.000 Familien umgesiedelt. Das waren mehr als doppelt so viele Menschen wie in den letzten 80 Jahren durch Transmigrationsprogramme umgesiedelt wurden. In dieser Zeit flossen auch sehr hohe Geldbeträge von Jakarta in die Provinzen, um den

Ausbau der benötigten Infrastruktur zu finanzieren, damit die Umsiedlung auch realisiert werden konnte. Ein großer Teil der Kosten wurde durch finanzielle Mittel der Weltbank gedeckt, die in diesem Zeitraum ca. 635 Mio. US Dollar in das Programm investierte (Kümmerle, U.; 1998, S. 113).

Ein drittes, nicht weniger wichtiges Ziel war die Integration ethnischer Minderheiten. Das heißt, dass es nicht nur Ziel war sozioökonomische Disparitäten abzubauen, sondern unter dem Schlagwort „nation-building“ auch politische und ethno-kulturelle Disparitäten auszugleichen. Die Umsiedlung sollte entscheidend dazu beitragen das Vielvölkerkonglomerat des Archipels zu einer einzigen indonesischen Nation zu verschmelzen, die vor allem von Kritikern als Javanisierung bezeichnet wird. Damit die Menschen in das Transmigrationsprogramm aufgenommen wurden, mussten sie bestimmte Kriterien erfüllen (Scholz, U.; 1992, S. 36).

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Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638247016
ISBN (Buch)
9783640843503
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20969
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Soziologie -Münster
Note
1
Schlagworte
Bevölkerungspolitik Entwicklungsländern Beispiel Transmigrasi Indonesien Seminar Bevölkerung Entwicklung Sozialwissenschaften Uni Münster

Autor

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