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Der Marshall-Plan. Verteilung und Auswirkungen in den Ländern Europas

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marshall-Plan
2.1 Hintergrund
2.2 Inhalt
2.3 Absicht

3. Länder
3.1 Deutschland
3.2 Österreich
3.3 Dänemark
3.4 Italien
3.5 Großbritannien
3.6 Irland (ohne Nordirland)

4. Reaktion der UdSSR

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Anhang 1: Zuteilung der ERP-Hilfen vom 0.04.1948 bis 1.12.1952

Anhang 2: Auszüge aus der Rede Marshalls an der Harvard University vom 5. Juni 1947

1. Einleitung

Thema dieser Seminararbeit ist die Auswirkung des Marshall-Plans in den einzelnen Staaten Europas. Untersucht wird dabei, in wie weit der wirtschaftliche Aufbau im Zeichen des Kalten Krieges steht, welche Folgen er hatte und welche Rolle er im Prozess der europäischen Integration spielte, beziehungsweise wie weit sich die Staaten in einer europäischen Organisation integrieren würden. Dabei werden aus Platzgründen nicht alle Teilnehmerstaaten analysiert. Die Wahl fiel auf Deutschland, Österreich, Italien, Dänemark, Großbritannien und Irland.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde ausgewählt, da ihre Gründung unter anderen ein Eckpfeiler der Containment-Politik der USA darstellte, dabei ist vor allem der Umgang mit dem ehemaligen Kriegsgegner interessant. Österreich wurde ausgewählt, da es der einzige Staat war, der am Marshall-Plan teilnahm und zugleich (zumindest teilweise) sowjetisch besetzt war. Für Dänemark bedeutete der Marshall-Plan das Ende der Neutralität und einen sozio-ökonomischen Wandel, der in diese Arbeit dargestellt werden soll. Italien kam in die Auswahl, weil das Land mit am stärksten unter den Einfluss der UdSSR geraten zu drohte. Großbritannien soll als Siegermacht und ehemalige Weltmacht nicht fehlen. Irland stellt als ein während des 2. Weltkrieges offiziell neutrales Land einen Sonderfall dar. Hier scheint der Marshall-Plan wirtschaftlich ohne Erfolg geblieben zu sein. Auch vom Prozess der europäischen Integration hielt sich Irland zunächst fern.

Im Anschluss daran werden kurz die Reaktionen der UdSSR auf den Marshall-Plan skizziert, in wie weit sie Maßnahmen gegen ihn einleitete, beziehungsweise Alternativen anbot.

Im Fazit erfolgt dann ein kurzer Vergleich der behandelten Staaten, das Ergebnis des wirtschaftlichen Aufbaus und ob eine weitergehende Integration vollzogen wurde.

Während der Literaturrecherche fanden sich mehrere Schreibweisen des Marshall-Plans, in dieser Seminararbeit wird diese mit einem Bindestrich durchgängig (außer bei Literaturangaben) verwendet.

2. Marshall-Plan

2.1 Hintergrund

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Wirtschaftsstrukturen in den meisten Ländern Europas zusammengebrochen. Eine Missernte 1946 und ein darauf folgender strenger Winter 1946/47 führten zu Hungersnöten. Es mangelte an Nahrungsmitteln, Brennstoffen, Produktionsanlagen und Kapital. Es bestand darüber hinaus keine funktionierende Arbeitsteilung mehr. Zeitgleich brach dadurch der Markt für die amerikanische Wirtschaft ein. Aufgrund von Inflation und instabilen Währungen konnten die Staaten Europas die Importe aus den USA nicht mehr in Dollar bezahlen. Vor diesem Hintergrund reifte die Erkenntnis, dass Europa ohne Hilfe von außen wirtschaftlich nicht wieder handlungsfähig werden könnte.[1]

Am 5. Juni 1947 schlug der amerikanische Außenminister George C. Marshall in einer Rede an der Harvard University vor, dass die Staaten Europas ein gemeinsames Wiederaufbauprogramm aufstellen sollten. Die USA würden sie dabei beraten und finanziell unterstützen.[2] Zuvor leistete die amerikanische Regierung schon direkt oder indirekt Hilfe über die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) in Milliardenhöhe, vor allem an Großbritannien.[3] Da diese sich jedoch als wenig erfolgreich darstellten, wurde ein europäisches Gesamtprogramm forciert. Zum einem, da die Gefahr übertriebener Einzelforderungen bestand und einzelne Bittsteller hätten verprellt werden können, zum anderen, dass als größte Schwäche die Zersplitterung Europas überwunden werden sollte.[4] Die amerikanische Regierung betrachtete die wirtschaftliche Stabilisierung Europas als wesentliches Element der Containment-Politik, da nicht nur die wirtschaftliche Not eingedämmt werden wurde, sondern auch die Ausbreitung des Kommunismus gestoppt werden sollte. In Frankreich und Italien kam es auf Grund der wirtschaftlichen Not zum Erstarken kommunistischer Parteien.[5] Am 4. Juli 1947 luden die britische und französische Regierung insgesamt 22 Staaten zu einer Konferenz in Paris ein.[6] Bereits am 9. Juli lehnte Polen die Einladung aufgrund sowjetischen Drucks ab[7], danach folgten Albanien, Bulgarien, Finnland, Jugoslawien, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Die Teilnehmer der Pariser Konferenz bildeten das Commitee of Eurpean Economic Cooperation (CEEC), welches am 16. Juli 1947 seine Arbeit aufnahm.[8] Am 3. April 1948 verabschiedete der US-Kongress das European Recovery Programm, welches nach seinem Initiator auch als Marshall-Plan bekannt ist. Einen Tag später wurde es durch Präsident Truman in Kraft gesetzt. Die Teilnehmer der Pariser Konferenz gründeten am 16. April 1948 zusammen mit Frankreich und Großbritannien die Organisation for European Economic Cooperation (OEEC). Dies war eine Bedingung der USA für eine Beteiligung am Marshall-Plan.[9]

2.2 Inhalt

Um die Ziele des Marshall-Plans zu verwirklichen, wurde ein multinationaler Apparat aufgebaut. Dieser bestand aus der Economic Cooperation Administration (ECA) mit Sitz in Washington und eigenen Auslandsvertretungen, der Organization for European Economic Cooperation (OEEC) in Paris und den Marshall-Plan-Verwaltungen in den einzelnen Teilnehmerstaaten.[10] Das Programm wurde für vier Jahre ausgelegt und hatte ein Volumen von etwa 14 Mrd. US-Dollar.[11] Die OEEC hatte im Wesentlichen drei Kernaufgaben: (1) die Vorbereitung und Durchführung des Marshall-Plans, (2) die Beseitigung von Handelsschranken in Europa und (3) die Schaffung eines multilateralen Zahlungssystems mit stabilen und konvertierbaren Währungen.[12] Dabei war die OEEC keine supranationale Institution, sondern stets von den nationalen Regierungen abhängig.

Die europäischen Staaten sollten vom Beispiel der USA lernen. Um dies zu verwirklichen wurden im Rahmen der Technical Assistance fünf Lernmethoden konzipiert:[13]

– der Besuch der USA durch europäische Ausländer und dabei Besichtigung amerikanischer Produktionsanlagen und landwirtschaftlicher Betriebe
– US-Experten reisen als Helfer nach Europa
– Austausch zwischen den ERP-Teilnehmerstaaten
– Erstellung von Gutachten über konkreter Problemkomplexe
– Unterstützung bei der Beschaffung technisch-wissenschaftlicher Literatur in Europa.

Allein in Deutschland standen für Auslandsreisen über eine Million Mark aus ERP-Mitteln zur Verfügung.[14]

2.3 Absicht

Ziel des Marshall-Plans war die Integration der europäischen Länder in ein neues Wirtschaftssystem. Westeuropa sollte innerhalb von vier Jahren durch Wachstum der Produktion, Stabilisierung der Währung und der Finanzen, sowie Steigerung des Außenhandels ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht erreichen.[15] Die amerikanische Regierung erwartete eine enge Zusammenarbeit mit und zwischen den westeuropäischen Staaten, Anschluss an das Währungssystem von Bretton Woods, Abbau aller quantitativen Handelsbeschränkungen und die damit verbundene Umsetzung des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT).[16]

Die amerikanische Regierung betrachtete die wirtschaftliche Stabilisierung Europas als wesentliches Element der Containment-Politik, da nicht nur die wirtschaftliche Not eingedämmt wurde, sondern auch die Ausbreitung des Kommunismus gestoppt werden sollte. Kommunistische Parteien nutzten die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage. Eine Verbesserung der Situation würde ihnen ihre Basis entziehen.[17] Des Weiteren wurden die Konditionen des European Recovery Programs so gestaltet, dass die Staaten im sowjetischen Machtbereich ihre enge wirtschaftliche Bindung an die UdSSR aufgeben mussten.[18] Die Länder Osteuropas sollten durch die Embargopolitik aus der internationalen Arbeitsteilung heraus gedrängt werden. Das gemeinsame Wiederaufbauprogramm war ein westeuropäisches Programm mit deutlich antisowjetischer Stoßrichtung geworden.[19] Dies war unter anderem daran zu erkennen, dass die USA Italien im Falle eines kommunistischen Wahlerfolges im März 1948 die ERP-Mittel gestrichen hätte. Nicht nur die Stärkung der eigenen Verbündeten war deshalb vorrangiges Ziel, sondern auch die parallel dazu verlaufende Schwächung der UdSSR und deren Verbündeten. Durch die Entwicklung von Wohlstand sollten Nationen in das westliche Lager geholt werden, beziehungsweise gehalten werden.[20] Um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen, wurden alle ERP-Hilfsgüter als solche gekennzeichnet. Ebenso wurden alle Projekte, die mit amerikanischen Geldern finanziert wurden, mit Bauschildern erkenntlich gemacht.[21] Um den Handel zwischen den Teilnehmerstaaten zu fördern und gleichzeitig den Handel mit dem Ostblock einzuschränken wurden Exporte in europäische Staaten, die nicht Mitglied der OEEC waren, stark eingeschränkt, zugleich mussten Käufe aus diesen Staaten von den USA genehmigt werden.[22]

[...]


[1] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 41.

[2] Vgl. Hardach, Gerd: 1994, S. 9.

[3] Vgl. Ebd., S. 41.

[4] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 41.

[5] Vgl. Ambrose, Stephen E.: 1971, S. 140.

[6] Dies waren: Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Island, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, die Tschechoslowakei, die Türkei und Ungarn. Die Konferenz begann am 12. Juli 1947.

[7] Polen signalisierte zusammen mit der Tschechoslowakei Interesse an der Beteiligung am ERP.

[8] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 46.

[9] Vgl. Ebd., S. 46.

[10] Vgl. Hardach, Gerd: 1994, S. 11.

[11] Vgl. Daniel, Ute: 1984, S. 59.

[12] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 46.

[13] Vgl. Ebd., S. 53.

[14] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 53.

[15] Vgl. Hardach, Gerd: 1994, S. 11.

[16] Vgl. Ebd., S. 12.

[17] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S. 42.

[18] Vgl. Hardach, Gerd: 1994, S. 42.

[19] Vgl. Ebd., S. 48.

[20] Vgl. Lehmann, Axel: 2000, S 34.

[21] Vgl. Ebd., S. 54.

[22] Vgl. Daniel, Ute: 1982, S.54 und S. 63.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656372608
ISBN (Buch)
9783656372974
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209623
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sozialwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Marshall-Plan Kalter Krieg OEEC ECA Amerikanische Außenpolitik European Recovery Programm

Autor

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Titel: Der Marshall-Plan. Verteilung und Auswirkungen in den Ländern Europas