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Wege zur Macht. Die Legitimation zur Thronfolge Eduards I.

Der Thronfolgestreit Englands 1066

Seminararbeit 2011 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Quellenlage zum Krisenjahr 1066 in England
2.1. The Anglo-Saxon Chronicle
2.2. Carmen de Hastingae Proelio

3. 1066 - Der Thronfolgestreit Englands
3.1. König Harald II. von England
3.2. Wilhelms Anspruch auf den Thron

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der Thronfolge Eduards und dessen legitimierten Nachfolgern Harald Godwinson und Wilhelm, Duke der Normandie, im Krisenjahr 1066 in England. Die Krise wurde durch eine umkämpfte Herrschaftsfolge nach dem Tode Eduards des Bekenners geprägt und führte zu weitreichenden Veränderungen innerhalb und außerhalb Englands.

Die durch den Tod Eduards offene Thronfolge löste in England im Jahr 1066 eine große Krise aus. Unter der Fragestellung, warum es zu einem Thronfolgestreit nach dem Tod König Eduards zwischen Harald II. und Wilhelm dem Eroberer kommen konnte, wird sowohl die Situation vor dem Tode Eduards als auch wäh- rend und nach Haralds Königsherrschaft erläutert, in der die Legitimation einer Herrschaft Haralds II. der abweichenden Legitimation von Wilhelm gegenüberge- stellt und verglichen wird. Außerdem werden die unterschiedlichen Wege zur Machtergreifung beider Hauptprotagonisten dargestellt. Diese Fragestellungen werden anhand der Quellen Carmen de Hastingae Proelio, sowie den Anglo- Saxon Chronicles untersucht und von Sekundärliteratur ergänzt. Zum Schluss der Arbeit wird ein kurzes Fazit der vorher dargestellten Ergebnisse gezogen.

2. Die Quellenlage zum Krisenjahr 1066 in England

Zahlreiche Quellen dokumentieren die Situation um das Jahr 1066 in England. Dabei überwiegen zahlenmäßig die anglo-normannischen Quellen die angelsächsischen. Die Gesamtzahl und die unterschiedliche Sichtweise der Quellen befähigt uns heutzutage dazu einen differenzierten Blick auf die Geschehnisse um Wilhelm, Eduard und Harald aus dem Jahr 1066 zu werfen, Vergleiche zu ziehen und die einzelnen Darstellungen gegenüberzustellen.

2.1. The Anglo-Saxon Chronicle

Die Angelsachsenchronik ist die wichtigste zeitgenössische Quelle, die die politi- sche Entwicklung Englands beschreibt. Es handelt sich dabei um sieben Hand- schriften, die von A bis H buchstabiert sind. Die Zusammenstellung der Hand- schriften begann bereits im späten 9. Jahrhundert und wurde teils bis zum 12. Jahrhundert fortgeführt.1

Die für diese Seminararbeit zugrunde gelegte Quelle E wird auch „Peterborough Chronicle“ genannt. Sie basiert auf einer nordenglischen Vorlage, wurde dann aber im 11. Jahrhundert nach Canterbury gebracht und später als Kopie in Peter- borough um lokale Begebenheiten ergänzt.2 Die Grundlage für die Peterborough Chronik lieferte wahrscheinlich das Manuskript eines Benediktinermönches aus dem St. Augustin-Kloster in Canterbury. Die Einträge reichen zeitlich bis zum Jahre 1154 und dauern damit länger an als alle anderen Handschriften der Angel- sachsenchronik.3

Der Inhalt der Quelle gibt die Krisensituation im Jahr 1066 in England wieder. Zu Beginn des Jahres verstarb König Eduard der Bekenner und ein Streit um seine Nachfolge begann. Sein direkter Nachfolger wurde Harald, dem die Thronnach- folge von König Eduard versprochen worden war. Die Thronnachfolge Haralds war nicht unumstritten. Und so meldeten weitere Männer Thronanspruch: Tostig, Haralds Bruder, Harald Hardrada, König von Norwegen, sowie Wilhelm, Duke der Normandie. Die beiden Erstgenannten wurden von König Harald und seinen Truppen in der Schlacht bei Stamford Bridge besiegt und verloren so ihren Thron- anspruch. In der Schlacht bei Hastings 1066 gegen Wilhelm starb König Harald und Wilhelm wurde sein legitimer Nachfolger als König von England.4

König Wilhelm wurde bei weitem nicht von allen in England ansässigen Men- schen positiv angenommen. So beschreibt die Quelle, dass die Situation des Klos- ters, in dem der bei Volk und König Eduard hoch angesehene Leofric Abt war, und der Stadt Peterborough unter der Königsherrschaft Wilhelms litt und aus einer goldenen eine erbärmliche Stadt wurde. Nach Leofrics Tod wurde der Präpositus Brand zum neuen Abt gewählt. Die Unzufriedenheit im Volk stieg weiterhin. Mit Hilfe von Abt Brand von Peterborough versuchte man König Wilhelm zu stürzen und durch Prinz Edgar zu ersetzen. König Wilhelm wurde wegen dieser Ereignis- se wütend, konnte jedoch mit Abt Brand letztendlich zu einer Übereinkunft kom- men.5

Die danach folgenden Monate waren geprägt durch Unruhen des Volkes, welches unzufrieden mit der pro-normannischen Politik Wilhelms war. Der Widerstand brachte allerdings keinen Erfolg: Wilhelm blieb bis 1087 König von England.6

2.2. Carmen de Hastingae Proelio

Das Carmen de Hastingae Proelio ist eine der wichtigsten Quellen aus der anglo- normannischen Sichtweise. Als Autor dieser als Gedicht verfassten Zeitzeugen- darstellung wird Bischof Guido, beziehungsweise Wido von Amiens, der dem engeren Hofkreis Wilhelms angehörte und ebenfalls sein Nachbar und Lehnsherr war7, gehandelt. So ist es auch leicht zu verstehen, dass Guido besonders Wilhelm als Person und auch seine Taten lobt.8 Das Gedicht umfasst eine Zeitspanne vom Aufbruch des normannischen Heeres bis Weihnachten 1066 und beschäftigt sich unter Anderem mit der Schlacht von Hastings und dem Konflikt zwischen Wil- helm und Harald Godwinson. Der genaue Entstehungszeitpunkt des Carmen ist nicht eindeutig zu datieren; eine Entstehung im Jahr 1067/1073 scheint aber wahr- scheinlich.9 Relativ bald nach der Entstehung des Gedichts verschwand es bis ins Jahr 1826, als es von Georg Pertz in der Bibliothek von Bourgogne in zwei Manu- skripten wieder entdeckt wurde.10 Das Carmen de Hastingae Proelio wird heutzu- tage in der Königlichen Bibliothek von Brüssel als Teil eines Sammelbandes auf- bewahrt. Desweiteren gibt es eine weitere Handschrift des Carmen in der St. Eucharius-Matthias Abtei in Trier, welche aber lediglich eine Abschrift ist.11

Insgesamt ist diese Quelle natürlich eine der wichtigsten zur Entwicklung Englands Mitte des 11. Jahrhunderts. Allerdings muss wie bei vielen anderen Quellen auch eine kritische Sichtweise verfolgt werden.

[...]


1 LUTZ, Angelika: Art. Chronik, Angelsächsische, in LexMA 2 (1999), Sp. 2028. (Im Folgenden zitiert als: LUTZ: Chronik).

2 DOUGLAS, David Charles, GREENAWAY, George: English Historical Documents II, 1042 - 1189, London 1953, S. 108. (Im Folgenden zitiert als: DOUGLAS: English Historical Documents II); LUTZ: Chronik, Sp. 2028.

3 DOUGLAS: English Historical Documents II, S. 105.

4 The Anglo-Saxon Chronicle 1066, trans. and ed. David Charles Douglas, George W. Greenaway, in: English Historical Documents II, 1042-1189, London 1953, S. 142f. (Im Folgenden zitiert als: The Anglo-Saxon Chronicle).

5 The Anglo-Saxon Chronicle, S. 143f.

6 KRIEGER, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München ³2002, S. 85f. (Im Folgenden zitiert als: KRIEGER: Geschichte Englands).

7 GRAPE, Wolfgang: Der Teppich von Bayeux. Triumphdenkmal der Normannen, Frankfurt am Main 1994, S. 55. (Im Folgenden zitiert als: GRAPE: Teppich von Bayeux). MORTEN, Catherine, MUNTZ, Hope: The Carmen de Hastingae Proelio, Oxford 1972, S. xli. (Im Folgenden zitiert als: MORTEN: The Carmen).

8 MORTEN: The Carmen, S. xlii.

9 SCHNITH, Karl: Art. Carmen de Hastingae proelio, in LexMA 2 (1999), Sp. 1511-1512.

10 MORTEN: The Carmen, S. xvi.

11 JÄSCHKE, Kurt-Ulrich: Wilhelm der Eroberer. Sein doppelter Herrschaftsantritt im Jahre 1066 (Vorträge und Forschungen 24), Sigmaringen 1977, S. 16f. (Im Folgenden zitiert als: JÄSCHKE: Wilhelm der Eroberer).

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656374367
ISBN (Buch)
9783656376279
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209492
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
William the Conquerer Wilhelm der Eroberer England 1066 Eduard der Bekenner

Autor

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