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Beeinflussung der drohenden Altersarmut durch Niedriglohn-Beschäftigungsverhältnisse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 33 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Formelverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel und Gang der Arbeit

2. Bestandsaufnahme des Arbeitsmarkts hinsichtlich des Niedriglohns in Deutschland
2.1. Arten der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt
2.2. Anteil der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt
2.3. Bedeutung der Normalarbeitsverhältnisse und der atypischen Arbeitsverhältnisse für den Niedriglohnsektor

3. Gesetzliche Rentenversicherung
3.1. Einführung
3.2. Faktoren zur Berechnung der Regelaltersrente
3.3. Standardrente als charakteristische Kennzahl
3.4. Rentenerwartung nach Beschäftigung im Niedriglohn-sektor
3.5. Ergebniskritik an der Rentenerwartung nach Beschäftigung im Niedriglohnsektor

4. Rentenerwartung und Altersarmut
4.1. Kennzahlen nach Definition der Europäischen Union
4.2. Kennzahl nach Grundsicherungsbedarf
4.3. Bewertung der Rentenerwartung

5. Zusammenfassung
5.1. Wichtige Ergebnisse
5.2. Ausblick

Quellenverzeichnis

Literaturquellen

Elektronische Quellen

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Medianbruttostundenlohn nach Beschäftigungsform 2010

Abbildung 2: Anteil der Niedriglohnbezieher nach Erwerbsform 2010

Abbildung 3: Armutsgefährdungsgrenzen mit Bezeichnung und monatlich verfügbaren Einkommen im Jahr 2010

Abbildung 4: Einordnung der Standardrente, verminderten Standardrente und Grundsicherung in die Armutsgefährdungsgrenzen im Jahr 2010

IV. Formelverzeichnis

Formel 1: Formel zur Berechnung der monatlichen Bruttorentenhöhe

Formel 2: Formel zur Berechnung der Entgeltpunkte in einem Kalenderjahr

Formel 3: Formel zur Berechnung der Standardrente im Jahr 2010

Formel 4: Formel zur Berechnung der verminderten Standardrente 2010

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

In der letzten Dekade wurden der Sozialstaat und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik stark reformiert. Besonders die in der Regierung von Bundeskanzler Schröder (1998-2005) umgesetzte Agenda 2010, die das Ziel hatte, günstige Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung zu schaffen, war die Grundlage des Umbaus des Sozialstaates und des Arbeitsmarkts. Der Arbeitsmarkt und das Sozialsystem mit der gesetzlichen Rentenversicherung wurden aus mehreren Gründen geändert:

- Der gestiegene Druck auf den Arbeitsmarkt durch die Globalisierung,
- das damit einhergehende Sinken der Sozialversicherungsbeiträge im Sozialsystem,
- der demographische Wandel sowie
- das Ziel der Europäischen Union (im Folgenden EU genannt), mit der Lissabon-Strategie die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu erhöhen und somit zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden.[1]

In der politischen Debatte stehen der Agenda 2010 u. a. Gewerkschaften und Sozialverbände kritisch gegenüber, da sie statt eines Umbaus des Sozialsystems eher einen Abbau desselben und eine Spaltung der Gesellschaft befürchten. Besonders die Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarkts bewirkten, dass der Anteil atypischer Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit oder Leiharbeit zu Lasten von Normalarbeitsverhältnissen stieg. Mit atypischen Beschäftigungsformen geht oft das Fehlen eines existenzsichernden Einkommens, sozialer Absicherung, sowie betrieblicher Sozialleistungen einher. Mit der Zunahme dieser atypischen Beschäftigung ging auch ein deutlicher Anstieg der Beschäftigten mit Niedriglohn einher. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies ein Einkommen am Rande zur oder unter der Armutsgrenze.[2]

Auch bei Normalarbeitsverhältnissen (im Folgenden NAVs genannt) stieg die Anzahl der Niedriglohnempfänger. Ursache hierfür waren im Wesentlichen die abnehmende Tarifbindung, mangelnde Durchsetzungsmacht der Gewerkschaften, sowie Vereinbarungen von Niedrigstlöhnen in Tarifverträgen.[3] Somit blieben in den letzten Jahren flächendeckende und starke Lohnerhöhungen aus. Zwar stieg der Nominallohn, jedoch in einem niedrigeren Maße als die Inflation. Deshalb mussten viele Arbeitnehmer inflationsbereinigt einen Reallohnverlust hinnehmen.[4]

Bei der Berechnung der Rentenhöhe gilt in der Bundesrepublik das Äquivalenzprinzip: Die Rente ist eine beitragsbezogene Leistung, die sich aus der Dauer und der Höhe der entrichteten Rentenversicherungsbeiträge während der Erwerbstätigkeit ergibt. Da die Höhe der Rentenversicherungsbeiträge vom jeweiligen Lohn des Erwerbstätigen abhängt, ist der Lohn mittelbar mit der Rentenhöhe verknüpft. Daher geht mit einem niedrigen Lohn auch eine niedrige Rente einher, die für den Betroffenen Armut im Alter bedeuten kann.

1.2. Ziel und Gang der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung, inwiefern und in welchem Grade Beschäftigung im Niedriglohnsektor der Grund für Altersarmut ist.

Hierfür wird zu Beginn der Arbeit auf den Arbeitsmarkt und die dort vorzufindenden Erwerbsformen im Zeitraum von 2000 bis 2010 eingegangen. Dabei werden die Folgen der Deregulierung und die Entwicklung des Arbeitsmarktes aufgezeigt. Die dort erörterten Erwerbsformen werden hinsichtlich deren Bedeutung für den Niedriglohnsektor untersucht. Im darauffolgenden Kapitel „Gesetzliche Rentenversicherung“ werden die Faktoren zur Berechnung der Rente eingeführt und erläutert, sowie anhand ausgewählter Beispiele die Höhe zu erwartender Renten nach unterschiedlicher Erwerbsbiographie berechnet. Im vierten Kapitel „Rentenerwartung und Altersarmut“ werden zunächst unterschiedliche Definitionen des Begriffs „Armut“ vorgestellt. Aus den unterschiedlichen Armutsdefinitionen werden Kennzahlen abgeleitet, die mit den Rentenerwartungen aus dem vorangegangenen Kapitel verglichen werden. Hierbei wird diskutiert, inwiefern Niedriglohnbeschäftigung der Grund für Altersarmut sein kann. Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick auf die künftige Entwicklung der Renten gegeben.

Im Sinne der besseren Vergleichbarkeit wird die Datenbasis für das Jahr 2010 verwendet, da derzeit alle nötigen Daten für dieses Jahr ermittelt und von den zuständigen Behörden bestätigt wurden. Diese Daten beziehen sich auf die alten Bundesländer. Auf eine Unterscheidung zwischen neuen und alten Bundesländern wird verzichtet.

2. Bestandsaufnahme des Arbeitsmarkts hinsichtlich des Niedriglohns in Deutschland

Im Folgenden wird zum besseren Verständnis die Situation und Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt skizziert. Hierfür werden Normalarbeitsverhältnisse und atypische Beschäftigung vorgestellt und voneinander abgegrenzt. Danach wird die Bedeutung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen und Normalarbeitsverhältnissen für den Niedriglohn aufgezeigt. Das letzte Unterkapitel befasst sich mit der Bedeutung der verschiedenen Erwerbsformen für den Niedriglohnsektor.

2.1. Arten der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt

Die Struktur der abhängig Beschäftigten[5] auf dem Arbeitsmarkt lässt sich zunächst grob in zwei Kategorien zusammenfassen: In NAVs und atypische Beschäftigungsverhältnisse.[6]

NAVs zeichnen sich durch folgende Kriterien aus:

Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung mit einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden mit entsprechendem Entgelt, unbefristetes Beschäftigungsverhältnis, Integration in die sozialen Sicherungssysteme (insbesondere Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung), Identität von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis.

Beim Begriff atypischer Beschäftigungsverhältnisse handelt es sich um einen Sammelbegriff einer Gruppe heterogener Erwerbsformen, die mithilfe einer negativen Abgrenzung zu den NAVs definiert werden. Somit gilt als atypische Beschäftigung jede Erwerbsform, die eines oder mehrere der folgenden Merkmale aufweist:

Teilzeitbeschäftigung mit einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 20 oder weniger Stunden und entsprechend reduziertem Entgelt, befristetes Beschäftigungsverhältnis,

Leih- bzw. Zeitarbeitsverhältnis, das durch die dreiseitige Beziehung zwischen Arbeitnehmer, Verleih- und Entleihunternehmen charakterisiert wird, geringfügige Beschäftigung, d.h. Entgelt unter 400 Euro (sog. Minijobs).[7]

Allen atypischen Beschäftigungsverhältnissen ist ein hohes Flexibilitätspotenzial gemein, sodass sie im Gegensatz zu NAVs einen großen Gestaltungsraum für Arbeitnehmer und insbesondere Arbeitgeber bieten.

2.2. Anteil der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt

Die Erwerbsstruktur der abhängig Beschäftigten hat sich in den Jahren von 2000 bis 2010 stark verändert: Lag der Anteil der Arbeitnehmer in NAVs im Jahr 2000 bei über 80 %, so sank er bis 2010 auf 74,6 %. Entsprechend stieg der Anteil der atypisch Beschäftigten Arbeitnehmer von knapp 20 % um 5,6 Prozentpunkte auf 25,4 %. Absolut waren im Jahr 2000 rund 29,63 Mio. Personen abhängig Beschäftigt. Davon waren etwa 23,77 Mio. in NAVs und rund 5,88 Mio. in atypischen Beschäftigungsverhältnissen erwerbstätig. Bis 2010 stieg die Gesamtzahl der abhängig Beschäftigten auf insgesamt 30,9 Mio. Arbeitnehmer (+ 1,3 Mio.), wobei die Zahl der Normalarbeitnehmer um ca. 700.000 auf 23,07 Mio. sank. Gleichzeitig stieg die Anzahl der atypisch Beschäftigten um rund 2 Mio. auf 7,84 Mio.[8]

Diese Expansion der atypischen Beschäftigungsformen war politisch gewollt und wurde wesentlich durch die Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ermöglicht und durch verschiedene Gesetze wie das Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge und die (nach dem damaligen Arbeitsminister Peter Hartz benannten) Hartz-Gesetze vorangetrieben. Somit sollte aufgrund der Annahme, dass der deutsche Arbeitsmarkt durch Regulierung „verkrustet“ sei, durch Wegfall der Regulierung der Gestaltungsraum für neue Beschäftigungsformen erweitert bzw. ermöglicht werden. Entsprechend war das Ziel, neben den NAVs den Einsatz atypischer Beschäftigungsformen wie Leih- und Teilzeitarbeit, sowie befristete und geringfügige Beschäftigung zu steigern. Der Arbeitsmarkt sollte dadurch insgesamt dynamischer werden.[9]

[...]


[1] Vgl.: Scherb (2012)

[2] Vgl.: Keller/Seifert (2009), S. 40 ff., sowie Statistisches Bundesamt (2012a), S. 7

[3] Als Niedrigstlöhne werden Bruttostundenlöhne bezeichnet, die weniger als 50 % des Medianbruttostundenlohn entsprechen. Vgl.: Bosch u. a. (2007). S. 37

[4] Vgl.: SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG (2012), sowie Bundeszentrale für politische Bildung (2006)

[5] Gemeint sind die sogenannten Kernerwerbstätigen, d. h. Personen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, die sich nicht in Bildung oder (Berufs-)Ausbildung befinden.

Selbstständige, Zeit- und Berufssoldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende sind aus der Betrachtung ausgeschlossen. Vgl.: Statistisches Bundesamt (2012b), S. 5

[6] Neben den genannten abhängig Beschäftigten in NAVs und atypischer Beschäftigung, gibt es selbstständige Erwerbstätige.

[7] Vgl.: Keller/Seifert (2009), S. 40 ff., sowie Statistisches Bundesamt (2012c), S. 5

[8] Vgl.: Statistisches Bundesamt (2012d), eigene Berechnung

[9] Vgl.: Seifert (2006), S. 601 - 608

Details

Seiten
33
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656372677
ISBN (Buch)
9783656377344
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209430
Institution / Hochschule
Hochschule Mannheim – Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen
Note
1,0
Schlagworte
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