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Italien und die Eurokrise

Seminararbeit 2012 31 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

1. Einleitung

P ortugal, I talien, I rland, G riechenland und S panien – ein Wort das alle verbindet: Eurokrise

Alle diese Länder - von der amerikanischen Presse auch PIIGS[1] genannt - haben momentan große wirtschaftliche Probleme. Die Verschuldung ist hoch und ohne tiefgreifende Veränderungen ist ihre Zukunft ungewiss. Niemand weiß, wohin die Entwicklung geht und ob der eingeschlagene Weg zielführend ist. Manche von ihnen mussten bereits EU-Hilfsgelder beantragen und im Gegenzug strikte Sparmaßnahmen durchsetzen, um die Staatsausgaben zu senken und somit Voraussetzungen zu schaffen, in Zukunft wieder ohne EU-Gelder auskommen zu können. Die Euroländer waren niemals zuvor in einer vergleichbaren Situation und deshalb gibt es keine Lösung, von der man weiß, dass sie erfolgreich sein wird.

Im Zuge des Seminarfachs “Rom – politisch“ befasst sich diese Facharbeit genauer mit der Fragestellung, ob die neu getroffenen Maßnahmen in Italien ausreichen, um die Krise zu überwinden und wie die Zukunft Italiens aussehen könnte. Begonnen wird mit einer Definition und einem Überblick über die Eurokrise und deren Ursachen. Anschließend werden die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen auf Italien dargestellt. Im zweiten Teil thematisiert diese Facharbeit Italiens Bedeutung für den Euro. Dazu werden die italienische Wirtschaft und die italienischen Banken in Bezug auf ihre europäische Verflechtung untersucht. Der als Folge der Krise entstandene Regierungswechsel von Silvio Berlusconi zu Mario Monti und die daraus resultierende neue politische Situation finden ebenso Berücksichtigung wie die Maßnahmen der italienischen Politik. Eine Erläuterung sowohl der Auswirkungen der Krise als auch der Auswirkungen der politischen Maßnahmen auf die italienische Bevölkerung folgt. Die Facharbeit schließt mit einer Analyse über Italiens Zukunftschancen, in der mehrere Möglichkeiten zur Lösung der Krise erklärt sowie beurteilt werden.

Aufgrund der Aktualität des Themas kommen hauptsächlich Internetquellen zur Anwendung. Informationen aus Fachliteratur zur Finanz- und Eurokrise sowie den wirtschaftlichen Verflechtungen Italiens fließen zwar unter anderem im ersten Teil der Arbeit mit ein, jedoch stand keine Fachliteratur zur Verfügung, die explizit Informationen über Italien und die Auswirkungen der Krise auf Italien enthält.

Die Aktualität sorgt auch dafür, dass besonders der zeitliche Aspekt in Bezug auf Informationen eine große Rolle spielt. So verändern sich z.B. Zinssätze oder Wirtschaftsdaten innerhalb von Wochen. Dies erfordert eine sorgfältige systematische Einordnung der Quellen und ihres Inhaltes, damit Informationen in der zeitlich richtigen Reihenfolge wiedergegeben werden können.

2. Die Eurokrise

2.1 Definition der Krise

“Eurokrise“ ist nur ein Begriff für die Probleme vieler Euroländer. Es wird auch von Staatsschuldenkrise gesprochen sowie von Finanz- oder Liquiditätskrise. Alle Begriffe bezeichnen den Umstand, dass einem Staat nicht mehr ausreichend Geld zur Verfügung steht, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. In einem solchen Fall muss die Regierung Hilfe bei Dritten suchen, um einen Staatsbankrott abzuwenden.[2]

Zu diesen Verpflichtungen zählen unter anderem Abzahlung von Schulden, Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst oder Renten. Deshalb kann hier der Begriff Liquiditätskrise passend genutzt werden, da die Staaten keine Möglichkeit haben, an Geld zu gelangen, um ihren Verpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen.

2.2 Die Anfänge und der Verlauf der Krise

Mitte 2007 brach in den USA die globale Finanzkrise ausgehend von Problemen im Immobiliensektor aus.[3] Diese entstanden durch die Politik der amerikanischen Regierung. George Bush, seinerzeit amtierender amerikanischer Präsident, drängte die Banken dazu, auch Kredite an finanziell schwächere Bürger zu vergeben. Auch diese sollten sich „[…] den amerikanischen Traum vom Hauseigentum […]“[4] ermöglichen können. Banken, wie z.B. Fannie Mae und Freddie Mac, vergaben so aufgrund des „Community Reinvestment Gesetzes“[5] reihenweise Kredite an Personen, die bei vorsichtiger Geschäftspolitik keine erhalten hätten. Als nun aber eben diese Personen in Folge von niedrigen Löhnen oder Arbeitslosigkeit ihre Raten, die aufgrund des von 1% auf 5,25% gestiegenen Leitzinses nun deutlich höher ausfielen, nicht mehr zahlen konnten, platze die Blase. Amerikanische Banken und deren hypothekenbesicherte Wertpapiere wurden von Ratingagenturen um bis zu drei Stufen herabgestuft.[6] Als Sicherheit für die Kredite waren ursprünglich die davon erworbenen Häuser vorgesehen. Aufgrund der Vielzahl der zahlungsunfähigen Schuldner und dem daraus resultierenden hohen Immobilienangebot, sank der Preis der Immobilien stark. Durch erforderliche Abschreibungen auf die bewerteten Immobilien entstanden erhebliche Verluste. Dies betraf zunächst die Immobilienbanken und Institute wie die oben genannten Fannie Mae und Freddie Mac, welche mit staatlicher Unterstützung gerettet wurden. Als Folge griff die Krise auf den gesamten Finanzsektor über. Auch Lehman Brothers hatte enorme Verluste gemacht und beantragte deshalb Hilfe beim amerikanischen Staat. Doch nachdem die koreanische Regierung der Korea Development Bank den Kauf von Lehman Brothers untersagte, fand sich trotz staatlich versprochener Garantien kein Käufer.[7]

Am 15. September 2008 meldete Lehman Brothers deshalb Konkurs an und dies entwickelte sich als Schock für die Finanzwelt. Lehman Brothers hatte jedoch seine Kredite in Form von Aktienpapieren weiterverkauft, so dass auch andere Banken durch die Zahlungsunfähigkeit von Lehman Brothers in Notlage gerieten, da auch ihnen nun das Geld fehlte. Sie konnten sich aufgrund des weltweiten Schocks kein neues Geld an den Finanzmärkten leihen. Die Banken misstrauten sich in Folge des undurchsichtigen Finanzsystems untereinander stark. Die einzige Möglichkeit war, beim Staat die benötigte Hilfe zu erbitten.[8]

Einige Staaten übernahmen sich jedoch bei der Rettung ihrer Banken. Dazu zählte als erstes Land mit Euro-Währung auch Irland, das bis zu 50 Milliarden Euro alleine für seinen Bankensektor aufwenden musste.[9] Da Irland diese Gelder nicht selbst hatte, erhielt es sie aus dem so genannten Euro-Rettungsschirm, auch EFSF[10] genannt. Dieser wurde im Juni 2010 in Form einer Zweckgesellschaft gegründet und hat alle Mitglieder der Eurozone als Gesellschafter. Die Kapazität dieses Hilfsfonds beträgt 750 Milliarden Euro[11] und kann im Ernstfall auf eine Billion erhöht werden.[12]

Als zweites Euroland gerät im Dezember 2009 Griechenland in die Krise, nachdem mehrere Ratingagenturen aufgrund der hohen Staatsverschuldung die Bonität Griechenlands herabgestuft hatten. Dadurch wurde es für die griechische Regierung schwieriger, sich neues Geld an den inzwischen sensibler gewordenen Finanzmärkten zu leihen, da die Zinsen aufgrund des Bonitätsverlustes drastisch gestiegen sind. Im Frühling 2010 beschließt die Eurogruppe Griechenland Hilfspakete in Form von Krediten aus dem EFSF zu gewähren. Im Gegenzug muss die griechische Regierung drastische Sparpakete verabschieden. Die durch die Sparmaßnahmen hervorgerufenen Proteste im ganzen Land führten zum Rücktritt des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou. Seine Nachfolge tritt Papademos an. Dieser wird noch im November 2011 vereidigt. Griechenlands Bonität wurde von den Ratingagenturen trotz der EU-Hilfszahlungen und der Reformen weiter herabgestuft. Im Februar 2012 erreichte sie mit “teilweise zahlungsunfähig“ ihren bisherigen Tiefststand. Obwohl es landesweit zu heftigen Protesten kam, hält die Regierung an dem Sparprogramm fest und erhält deshalb weitere Milliarden von der EU.[13]

Neben Griechenland und Irland sind auch Spanien, Portugal und Italien betroffen. Alle drei waren zwar im Gegensatz zu den anderen beiden bisher nicht auf Hilfszahlungen aus dem EU-Rettungsschirm angewiesen, dies kann sich aber im Laufe dieses Jahres noch ändern.[14]

2.3 Die Auswirkungen auf Italien

Der Auslöser der Krise in Italien liegt im Gegensatz zu anderen Krisenländern nicht in einer Banken- oder Immobilienkrise, sondern entstand durch eine anhaltend schlechte Haushaltsführung. Über Jahre überstiegen die Ausgaben die Staatseinnahmen. Der Großteil der italienischen Schulden wurde in den 80er- und 90er-Jahren angehäuft. 2008 lag die Staatsverschuldung bei 106,3% des Bruttoinlandproduktes, 2009 stieg sie um 9,8% auf insgesamt 116,1%. Mit 119% in 2010 erreichte sie 2011 mit 120,3% ihren bislang höchsten Stand. Die realen Schulden werden mit 1.843 Milliarden Euro beziffert.

Die italienische Wirtschaft kämpft seit 2000 mit Wachstumsproblemen. Die jährliche Wachstumsrate lag im Zeitraum 2000-2011 bei durchschnittlich nur 0,4%. Die gesamte Eurozone legte im gleichen Zeitraum um jeweils 1,2% zu.[15] Im Krisenjahr 2009 ging die italienische Wirtschaftsleistung um ganze 5,2% zurück. 2010 stieg sie auf 1,3% und 2011 fiel sie wieder leicht auf 1,0%.[16]

Italienische Unternehmen leiden unter dem durch die Krise hervorgerufenen Misstrauen der Banken, da diese und andere Investoren ihnen kaum Kredite gewähren. Ohne Geld sind jedoch keine größeren Investitionen möglich. Dazu kommt noch die Planungsunsicherheit, die sowohl Verbraucher als auch Unternehmen betrifft.[17] Konsumenten halten sich aufgrund der anstehenden Reformen bei Luxusgüterkäufen zurück. Dies führt zu Unklarheiten in den Gewinnerwartungen, welche wiederum eine konservative Geschäftspolitik mit Entlassungen nach sich ziehen könnten.

Die Arbeitslosigkeit stieg im Zeitraum 2008-2011 zwar von 6,7% auf 8,4%, liegt damit aber immer noch unter dem Durchschnitt der Euroländer mit 10,0% im Jahr 2011.[18] Dagegen ist jedoch die Jugendarbeitslosigkeit in Italien sehr hoch. So waren im Jahr 2011 knapp 30% aller 15- bis 24-jährigen ohne Beschäftigung. Dies wird generell als schlechtes Zeichen insbesondere für die Zukunftsaussichten gewertet, da die fehlende Arbeit in der jungen Generation schnell zu sozialen Unruhen führen kann.[19]

[...]


[1] Vgl. Rinne, Marco: Kleine Facharbeit. Rettungsschirm für den Euro – der richtige Weg aus der Krise? September 2011, S. 3

[2] Vgl. Parlak, Gonca / Perez, Evaristo Lopez: Analyse der theoretischen und empirischen Modellerklärung über die Arten und Ursachen von Finanzmarktkrisen, Norderstedt 2005, GRIN Verlag, S. 12

[3] Vgl. Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.: Die Krise – Politik zu Lasten der Steuerzahler, Berlin 2009, S. 4

[4] Ebenda, S. 4, Z. 12f

[5] Ebenda, S. 5, Z. 8f

[6] Ebenda, S. 6, Z. 6ff

[7] Vgl. Schneider, Alexandra: Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den Mittelstand – Eine Analyse. IGEL Verlag 2010 S. 47f

[8] Vgl. Sauer, Michael: Kann sich die Weltwirtschaftskrise erholen? In: Geschichte und Geschehen – Krisen, Umbrüche und Revolutionen: Die Weltwirtschaft in der Krise. Stuttgart: Ernst Klett Verlag 2011. S.84f

[9] Deutsche Presse Agentur: Rettungsschirm – Wie sieht die Irland-Rettung aus? http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-11/irland-finanzhilfe-fragen [Zugriff 17.02.2012]

[10] Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, Teil des europäischen Stabilitätsmechanismuses

[11] Grafik 1 im Anhang erläutert die Zusammensetzung genau

[12] Vgl. http://www.mein-wirtschaftslexikon.de/e/europaeische-finanzstabilisierungsfazilitaet--efsf-.php [Zugriff 18.02.2012]

[13] Chronik – Griechenlands Weg in die Krise. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland640.html [Zugriff 29.02.2012]

[14] Europa in der Schuldenkrise. http://www.wirtschaftundschule.de/aktuelle-themen/globalisierung-europa/schuldenkrise-der-euro-laender/europa-in-der-schuldenkrise/ [Zugriff 09.03.2012]

[15] Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at/statistik/eu/europa-wirtschaftswachstum.pdf [Zugriff 19.02.2012]

[16] Angerer, Carlo / Böcking, David / El-Sharif, Yasmin: Europas Krisenstaaten kämpfen gegen den Krisensog. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,773982-4,00.html [Zugriff 19.02.2012]

[17] Kaiser, Tobias: Italien muss sich mit seinen Reformen beeilen. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13870700/Italien-muss-sich-mit-seinen-Reformen-beeilen.html [Zugriff 09.03.2012]

[18] Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at/statistik/eu/europa-arbeitslosenquoten.pdf [Zugriff 19.02.2012]

[19] Stahlhofen, Stefanie: In Italien verzweifelt eine ganze Generation. http://www.welt.de/wirtschaft/article13404288/In-Italien-verzweifelt-eine-ganze-Generation.html [Zugriff: 19.02.2012]

Details

Seiten
31
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656370628
ISBN (Buch)
9783656370994
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209378
Note
15 Punkte
Schlagworte
Italien Eurokrise Monti Krise in Europa

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