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Immanuel Kants Werk "Zum ewigen Frieden" als Grundlage der Vereinten Nationen

Essay 2012 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Schon seit der Existenz der Menschen herrschen Kriege auf der Welt. Sie variieren in ihrem Ausmaß, in den Formen der Gewalt und ihrer beabsichtigten Ziele. Allerdings wird die Tatsache, dass Menschen in ständiger Gewalt leben von Philosophen und Politikern dahingehend legitimiert, dass Krieg ein Zustand ist, welcher in der Natur des Menschen liegt.

Dementsprechend ist die Schrift Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ aus dem Jahre 1795 als epochaler Wendepunkt in der Geschichte der politischen Theorie und zugleich Basis einer neuen Friedenstheorie zu verstehen. Kants philosophischer Entwurf war eine Reaktion auf den Abschluss des Basler Friedens 1795, welcher dem Krieg zwischen Frankreich und Preußen ein Ende bereitete.[1] Dieser Entwurf ist in Form eines völkerrechtlichen Vertrages aufgebaut, bestehend aus sechs Präliminarartikeln, drei Definitivartikeln, zwei Zusätzen und einem Anhang über Moral und Politik.[2]

Kant teilte prinzipiell die Annahme von Thomas Hobbes’, dass Staaten sich naturgemäß untereinander in einem Kriegszustand befinden. Er war allerdings auch der Meinung, dass dieser Zustand überwunden werden muss, bis zu einem ewigen Frieden hin. Um diesen Frieden zu erreichen muss ein Vertrag mit allen Staaten geschlossen werden, so Kant.

150 Jahre nach Kants Friedenschrift wurden die Vereinten Nationen bzw. die United Nations Organisation (UNO) im Jahre 1945 zum Zweck der globalen Friedenssicherung gegründet. Wurde somit Kants Konzept realisiert? Um die Frage klären zu können, ob Immanuel Kant als ein Vordenker der Vereinten Nationen gilt, bedarf es einer genauen Untersuchung des Werkes von Kant um es mit den Grundsätzen und Zielen der UNO zu vergleichen.

Zu Beginn werde ich kurz Kants Werk und dessen Aufbau erläutern. Darauffolgend werden Grundsätze und Ziele der UNO vorgestellt um im Anschluss Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Kants Konzept und der UNO herauszuarbeiten. Dabei gehe ich genauer auf den ersten, dritten, vierten und fünften Präliminarartikel ein, sowie auf den ersten Definitivartikel und vergleiche sie mit der heutigen Zeit. Da sich die Zusätze und der Anhang nicht direkt mit der rechtsphilosophischen Idee des ewigen Friedens auseinandersetzen, werden diese in meinem Aufsatz nicht genauer thematisiert.

Kant stellt als Beginn seines Werkes sechs Präliminarartikeln auf. Diese stellen Verbotsgesetzte dar, welche Notwendige Bedingungen für den ewigen Frieden sind. Dabei werden Rechtsverletzungen benannt, welche teilweise sofort und teils bald aufzuheben sind damit der Frieden lange andauern kann. Zunächst werde ich klären, was genau Frieden für Kant bedeutet.

1. Präliminarartikel: "Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden."[3]

Im ersten der sechs Präliminarartikel wird deutlich gemacht, was genau Frieden für Kant bedeutet. Der Friede ist ein dauerhafter Zustand der Gewaltlosigkeit, nicht nur ein Waffenstillstand. Waffenstillstand bedeutet für ihn nämlich nur eine Kriegspause, also

einen unechten Frieden, deshalb soll ein echter Frieden nicht unter Vorbehalten geschlossen werden.[4] Alleine die Anwesenheit der Mitteln für den Krieg stellt kein Frieden dar, denn dadurch fühlen sich andere Staaten bedroht und leben in Angst um einen möglichen Angriff, dies kann wiederum zu einem Wettrüsten führen. Stattdessen muss ein echter Friedensbund ausgehandelt werden, an dem sich alle Vertragspartner zu halten haben.

Basierend auf den Präliminarartikel geht Kant über zu den Definitivartikel, wovon es drei gibt. Kant geht es nicht nur um den innerstaatlichen Frieden, sondern um einen allumfassenden globalen Frieden. "Auf der Grundlage dieser Präliminarartikeln lässt sich ein gewisser Vorfriede erreichen."[5] Dieser Vorfriede ist lediglich eine Kriegsabwesenheit, diese muss nun zum Frieden übergehen. Deshalb hier muss das Recht angewendet werden, damit Menschen und Staaten zum Frieden gelangen.[6]

Die Vereinten Nationen bzw. die United Nations Organisation (im Folgendem: UNO) wurden im Jahre 1945 von damals 50 Staaten zum Zweck der globalen Friedenssicherung gegründet.[7] Mittlerweile hat die Weltorganisation 192 Mitglieder, deren Hauptziele die internationale Sicherheit und die Wahrung des Weltfriedens sind. Die wichtigsten Hauptorgane sind die Generalversammlung und der Sicherheitsrat.

[...]


[1] vgl. Pesch (2012): S.130.

[2] vgl. Pesch (2012): S.130.

[3] Kant (1977): S.196.

[4] vgl. Kant (1977): S.196.

[5] Höffe (2004): S.87.

[6] vgl. Höffe (2004): S.87.

[7] vgl. Schmidt (2010): S.830.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656374459
ISBN (Buch)
9783656376668
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209319
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Politikwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Vereinte Nationen Immanuel Kant Zum ewigen Frieden

Autor

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Titel: Immanuel Kants Werk "Zum ewigen Frieden" als Grundlage der Vereinten Nationen