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Der Innovationsprozess der Zukunft. Mit Bewegung mehr Ideen-Kreativität fördern

Bachelorarbeit 2012 96 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten
2.1 Grinberg Methode
2.2 Innovation
2.3 Ideen-Kreativität

3. Problemstellung

4. Methoden zur Ideenentwicklung im Innovationsprozess
4.1 Kreativitätstechniken
4.1.1 Brainstorming
4.1.2 Synektik
4.1.3 Morphologischer Kasten
4.1.4 Brainwriting: Methode 6-3-5
4.2 Einflussfaktoren auf die Kreativität
4.2.1 Kreativitätsbarrieren
4.2.2 Maßnahmen zur Verminderung kreativer Blockaden

5. Grinberg Methode
5.1 Theoretischer Hintergrund
5.2 Wirkungsweise und Ziele
5.3 Anwendungsbereiche und Arbeitsweisen
5.3.1 Einzelsitzungen
5.3.2 Klassen
5.3.3 Workshops

6. Übersichten zu Methoden und Techniken

7. Anwendungsempfehlungen
7.1 Einsatz der Grinberg Methode
7.2 Mögliche Schwierigkeiten bei der Anwendung

8. Fazit

9. Zusammenfassung

Anhang

Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Sonstige Quellen

Darstellungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Embody ― Chair

Abbildung 2: Bild-/ Wortmarke und Wirkungsweise der Grinberg Methode

Abbildung 3: Innovationsprozess

Abbildung 4: Erweiterter Innovationsprozess

Abbildung 5: Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Innovationsgrad

Abbildung 6: Innovationslogik der Industrieökonomie und der Kreativökonomie

Abbildung 7: Ideenfindung durch Bewegung

Abbildung 8: Anwendung von Kreativitätstechniken im Innovationsprozess

Abbildung 9: Reaktionen auf ungewöhnliche Ideen

Abbildung 10: Veränderungen der Karrierelogik von Industrieller Karrierelogik zur Karrierelogik in der Kreativökonomie

Abbildung 11: Genutztes und ungenutztes Kreativitätspotential zur Ideengenerierung im Innovationsprozess

Abbildung 12: Ideenfindung mit und ohne Einsatz von Kreativitätstechniken und mit zusätzlicher Anwendung der Grinberg Methode

Abbildung 13: Einsatz der Grinberg Methode im Innovationsprozess

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Morphologischer Kasten zur Fahrzeuglenkung

Tabelle 2: Geeignete Art der Problemstellung

Tabelle 3: Schwierigkeitsgrad der Methoden

Tabelle 4: Eignung der Methoden

Tabelle 5: Erfordernis von Fachkenntnissen der Teilnehmer

Tabelle 6: Benötigte Arbeitsmittel

Tabelle 7: Notwendigkeit und Anforderungen an Moderator, Trainer oder Praktiker

Tabelle 8: Kosten für Moderator, Trainer oder Praktiker

Tabelle 9: Besonderheit und Risiko der Methoden

1. Einleitung

Jeff Weber und Bill Stumpf hatten ungewöhnliche Ambitionen, als sie den Embody − Chair (siehe Abbildung 1) entwickelten. Als Designer blieben auch sie von der zunehmenden Verlagerung des Arbeitsplatzes, vor den Computer, nicht verschont. Daher hatten sie es sich zur Aufgabe gemacht einen Stuhl zu erschaffen, der mehr kann als nur die negativen Effekte des Sitzens zu minimieren.

Zusammen mit 30 Spezialisten, darunter Physiotherapeuten, Ärzte und Doktoranten der Biomechanik, entwarfen sie einen Bürostuhl, der sich positiv auf die Gesundheit auswirken soll.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Embody ― Chair. http://theofficemaster.com/office-furniture/herman-miller-embody-desk-chair/ [Zugriff am: 14. Sep. 2012].

Das preisgekrönte Ergebnis sollte dem Käufer durchaus 1.694,00 Euro wert sein[2], beachtet man, welche weitreichenden Auswirkungen die richtige Sitzposition hat.

Sie denken an weniger Rückenprobleme und Kopfschmerzen?

Neuste Studien belegen, dass auch die Psyche positiv beeinflusst wird. Mentale Flexibilität, erhöhte Stärke und Risikobereitschaft sind dabei nur einige der Folgen des richtigen Sitzens.[3]

Alles Eigenschaften, die gerade im Innovationsprozess zu guten Ideen beitragen können, da sie sich vorteilhaft auf die Reduktion der Kreativitätsbarrieren der Mitarbeiter auswirken[4].

Unter der Prämisse, dass „die Fähigkeit, innovative Ideen zu kreieren […] das wertvollste, aber auch am wenigsten entwickelte Potential in Unternehmen“[5] darstellt, sollten 1.694,00 Euro eine lohnende Investition sein. Doch auch bei diesem Bürostuhl hat man (wie bei allen anderen ebenfalls) mit Nachteilen zu rechnen. Beispielsweise verlängert sich die Dauer von Meetings, bei denen die Teilnehmer sitzen, nachweislich um 37 Prozent[6].

Positive Auswirkungen der richtigen Sitzhaltung auf Körper und Geist auf der einen Seite, aber längere Sitzungsdauern auf der anderen. Man fragt sich, ob keine Stühle demnach die besseren Stühle sind?

Im Meeting oder in den frühen Phasen des Innovationsprozesses schon. Gerade im Letzteren konnte, trotz der Wirkung des Sitzens, das kreative Potential der Mitarbeiter noch nicht voll ausgeschöpft werden[7]. Ein Manko, dem Unternehmen mithilfe von Kreativitätstechniken die Stirn bieten, und so die Anzahl der kreativen Ideen bereits erfolgreich steigern konnten[8]. Das volle Potential der Mitarbeiter konnte aber dennoch nicht erschlossen werden.

Ziel, der in dieser Arbeit aufgestellten These, ist es daher, die Grinberg Methode vorzustellen und branchenunabhängige Anwendungsempfehlungen zur Förderung der Ideen-Kreativität im Innovationsprozess zu entwickeln.

Dazu wird im Folgenden dieser Arbeit ein Verständnis für den Einfluss von Bewegung auf die Ideenfindung erarbeitet und die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist nachgewiesen. Im Innovationsprozess vorrangig eingesetzte Kreativitätstechniken werden dargestellt und sowohl Innovation als auch Ideen-Kreativität näher betrachtet. Die Grinberg Methode, als weitestgehend noch unbekannte Technik, wird ausführlich vorgestellt und eine Empfehlung zur Förderung der Ideen-Kreativität im Innovationsprozess erarbeitet.

2. Begrifflichkeiten

Um ein einheitliches Verständnis zu sichern, müssen vorab verwendete Begriffe erklärt werden, um im Verlauf der Arbeit darauf aufbauen zu können.

2.1 Grinberg Methode

Das volle Leistungsvermögen von Mitarbeitern zu aktivieren, stellt unter anderem im Innovationsprozess eine große Herausforderung dar. Bis heute bleiben circa 60- 70 Prozent des Potentials zur Ideenfindung ungenutzt[9]. Die Gründe können vielfältig sein. Sei es durch einen blockierenden Umgang mit neuen Ideen durch die Unternehmensleitung, einer destruktiven Philosophie gegenüber Veränderungen der gesamten Organisation oder durch Hemmungen der Angestellten, ihre kreativen Ideen zu äußern.

Gemäß der Grinberg Methode, findet sich zu jedem Verhalten ein entsprechendes Zeichen, eine Charakteristik oder Ähnliches im Körper wieder[10]. Grund genug, das Verhalten der oben beschriebenen Angestellten noch genauer zu betrachten.

Denn diese reagieren möglicherweise in Situationen, in denen neue Einfälle diskutiert werden, mit Automatismen. Sie verspannen beispielsweise im Hüftbereich, was dazu führen kann, dass die Leisten versteifen und ihre Beine weniger beweglich werden. Durch diese Verspannung wird ein flexibler Umgang mit den Meinungen Anderer oder die spontane Reaktionsfähigkeit gemindert. Auf der Erlebnisebene können sich Standhaftigkeit und Halt reduzieren, da mit starren Beinen der Kontakt zum Boden fehlt oder die unnötige Extraanstrengung zu frühzeitiger Ermüdung führt.[11]

Die Grinberg Methode akzeptiert die Verbindung zwischen Körper und Geist und nutzt die vorhandenen Wechselwirkungen. Demnach würde nicht der Verstand eingesetzt werden, um die Mitarbeiter anzuregen, mutiger neue Ideen vorzustellen, vielmehr bestünde die Arbeit darin, die körperliche Reaktion bewusst wahrzunehmen und zu stoppen, was die folgende Abbildung beschreibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bild-/ Wortmarke und Wirkungsweise der Grinberg Methode. Eigene Darstellung in Anlehnung an http://www.grinbergmethod.com/ [Zugriff am: 15. Aug. 2012].

Die Abbildung verdeutlicht die Wirkungsweise der Grinberg Methode: wonach ein bewusster Wandel eines physischen Musters das entsprechende psychische Muster verwandelt.

Unter dem Begriff „Embodiment“ sind entsprechende Wechselwirkungen wissenschaftlich beschrieben. Embodiment bedeutet Verkörperung oder Inkarnation, da davon ausgegangen wird, dass die menschliche Intelligenz einen Körper benötigt und erst durch physikalische Interaktion (Tasten, Schmecken, Riechen) die Umwelt verstanden werden kann, wodurch Intelligenz entsteht[12].

Dass sich emotionale Zustände im Körper ausdrücken (Gesichtsausdruck, Gestik, Pose usw.) ist lange bekannt. Eher unbekannt ist das Ergebnis einer Studie des Sozialpsychologen Fritz Strack. Diese belegte 1988 Folgendes: Die durch einen Bleistift im Mund angehobenen Mundwinkel führten zu einer positiveren Bewertung von Cartoons. Stifte im Mund beeinflussten folglich den Sinn für Humor. Die physische Lage bestimmter Körperteile verändert demnach bereits unmittelbar psychische Aspekte.[13]

An zunehmender Bedeutung gewinnen diese Erkenntnisse im Themenfeld der Kognitionswissenschaft[14].

Die oben erwähnten und eine weitere Studie (siehe Kapitel 5.3.2) unterstreichen und beweisen demnach die These der Grinberg Methode.

2.2 Innovation

Innovation ist ein viel verwendeter Begriff, dessen grundlegende Bedeutung in der Literatur vielfältig interpretiert wird.

Richards: „Innovation is a process whereby new ideas are put into practice”[15].

Zaltman, Duncan und Holbek: „[…] we consider as an innovation any idea, practice, or material artifact perceived to be new by the relevant unit of adoption. The adopting unit can vary from a single individual to a business firm, a city, or a state legislature”[16].

Kieser: „Als Innovation sollen alle Änderungsprozesse bezeichnet werden, die die Organisationen zum ersten Mal durchführen“[17].

Kieser bezieht sich bei der Interpretation des Begriffes vorrangig auf den Prozesscharakter, welcher erstmalig in Gang kommt und einen Wandel mit sich bringt. Das Neue, das noch nie Dagewesene in einem bestimmten Bereich, das betonen wiederum Rickards und Zaltman.

Was allen Definitionen fehlt, ist die Frage nach dem Erfolg. Ist ein Produkt, das neuartig ist, immer auch eine Innovation? Im späteren Verlauf wird auf diese Frage noch näher eingegangen.

Die vorangegangenen Zitate werfen an dieser Stelle die Frage auf, wonach Innovationen genauer differenziert werden können. Mögliche Unterscheidungskriterien nach Kieser sind:

Art der Innovation,

Level der Neuheit,

persönliche Wahrnehmung,

Ausmaß der Abweichungen für das Unternehmen und

Beweggrund[18].

Wichtig sind Differenzierungen, um Innovationen und deren unternehmensexterne und -interne Folgen besser abschätzen zu können.

Das Ausmaß der Neuheit gibt beispielsweise einen Aufschluss darüber, ob tatsächlich von einer Innovation die Rede sein kann. Innovationen können als starke, sprunghafte Veränderungen beschrieben werden. Demnach sind kleine Verbesserungen oder Veränderungen keine Innovationen.

Bereits das oben angeführte Zitat von Zaltman betont, dass Innovationen individuellen Bewertungen durch die Nutzer und Anwender unterliegen. Demnach genügt es nicht, dass Einzelne die Innovation als „neu“ einstufen. Vielmehr muss die Masse der relevanten Zielgruppe diese Wahrnehmung teilen.

Das Ausmaß der Abweichungen für die Organisation sollte frühzeitig bestimmt werden, da diese weitreichende Veränderungen erfordern können. Personeller Mehrbedarf, umgestaltete Prozessabläufe oder die Bereitstellung von finanziellen Mitteln sind nur einige Beispiele.

Die Art der Innovation kann eine „Produktinnovation, Prozessinnovation, Marktinnovation oder Sozialinnovation“[19] darstellen.

Produktinnovationen sind weiterentwickelte oder neue, marktfähige Sach- oder Dienstleistungen, die zum ersten Mal angeboten werden.

Prozessinnovationen bedeuten Umgestaltungen im Ablauf der Leistungserstellung eines Betriebes zur Effizienzsteigerung. Eine höhere Produktivität, Betriebssicherheit oder verbesserte Produktqualität können Prozessinnovationen sein.

Unter Marktinnovationen lassen sich Angebote verstehen, die so zuvor nicht am Markt verfügbar waren oder die in einen neuen Markt eingeführt werden.

Sozialinnovationen sind unternehmensinterne Veränderungen, die sich auf den Humanbereich auswirken. Ein Anstieg der Mitarbeiterzufriedenheit kann Ziel von Sozialinnovationen sein.[20]

Unabhängig davon, nach welchen Kriterien die Neuerung unterschieden wird, kann ihre Entstehung grundlegend als Prozess betrachtet werden, welcher wie folgt abgebildet werden kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Innovationsprozess. Herstatt, 1999, S. 73.

Nach Herstatt gliedert sich der Innovationsprozess in fünf Phasen, welche eng miteinander verbunden sind und fließende Übergänge ermöglichen. Das Ziel der ersten Phase ist es, eine Idee aus der Masse erarbeiteter Einfälle zu selektieren, die den größten Erfolg verspricht. Diese führt wiederum zu einer Ausrichtung und Konkretisierung der folgenden Innovationsphasen. Was Herstatt in dieser Abbildung nicht zum Ausdruck bringt, möglicherweise jedoch durch die gewählte graphische Form der Phase l andeutet, ist eine Vorphase (siehe Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Erweiterter Innovationsprozess. Eigene Darstellung in Anlehnung an Herstatt, 1999, S. 73.

Die Phase 0 ist eine Etappe, in der sich das Unternehmen für einen Innovationsprozess entscheidet und grundlegende Voraussetzungen definiert. Die strategische, dem Thema entsprechende Richtung, das Forschungs- und Entwicklungsbudget, Analysen, der Aufbau neuer Abteilungen oder Personalanpassungen sind Aufgaben, die in dieser Phase gelöst werden sollten. Die Wahl der geeigneten Kreativitätstechnik und entsprechende Vorkehrungen (Training der Mitarbeiter oder die Auswahl eines Moderators) fallen ebenfalls in die Vorphase. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird sich demnach auf einen aus 0 bis V Phasen bestehenden Innovationsprozess bezogen.

Die Basis jeder Innovation bilden Ideen, die in Phase l entstehen und die Grundlage für Erfindungen darstellen. Ideen bieten nur neue Möglichkeiten zur Lösung eines Problems an[21] und müssen deutlich von der Innovation selbst unterschieden werden. Stark vereinfacht lässt sich die Entwicklung wie folgt darstellen:

Idee à Erfindung à Innovation

Der in dem Innovationsprozess nach Herstatt angeführte Aspekt der Marktdurchdringung (Phase V), stellt eines der wichtigsten Merkmale von Innovationen dar: Das Neue soll gegenüber dem Vorhandenen einen besonderen Nutzen stiften und sich auf dem Markt oder in der Gesellschaft durchsetzen. Demnach definiert sich eine Innovation immer durch ihren Wert.

Idee à Erfindung à Nutzen à Wert à Erfolg à Innovation

Das nicht jede Erfindung von Wert ist und zur Innovation führt, davon zeugen Schutzrechte in der Patentdatenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes DPMA, die nicht verlängert wurden. Sucht man beispielsweise nach dem Begriff ‚Sitzgelegenheit’ finden sich von insgesamt 64 Patenten 42 ungeschützte Erfindungen. Die Recherche nach ‚Mikroprozessor’ ergab 616 Treffer, wovon 427 ungeschützt sind.[22]

Etwa 97,6 Prozent der realisierten Ideen können sich nicht auf dem Markt durchsetzen, sie bleiben erfolglos. Folglich sind von acht Stunden Entwicklungsarbeit mindestens sieben Stunden fruchtlos.[23]

In der ersten Phase des Innovationsprozesses definieren die Ideen das spätere Ergebnis. Solche kreativen Aufgaben sind mit den klassischen Mitteln des Managements kaum zu lenken oder zu bewerten. Sie sind ungeordnet und spontan, dabei aber materiell und personell höchst anspruchsvoll[24].

Von wirtschaftlich handelnden Organisationen wird im Innovationsprozess also verlangt ihre Kontrolle über einen bedeutenden Ressourceneinsatz aufzugeben, ohne dass eine Garantie für ein erfolgreiches Resultat besteht.

Was wie das unternehmerische Ende klingt, kann nur verstanden werden, wenn sich genauer mit dem Wesen der Kreativität auseinandergesetzt wird (siehe 2.3 Ideen-Kreativität).

Zuvor muss der Frage nach dem Grund der Innovation, welche doch ein erhebliches Verlustrisiko darstellt, nachgegangen werden.

Die erfolgreichsten Unternehmen der Branchen sind die mit den höchsten Innovationsgraden (siehe Abbildung 5), ermittelte die Innovationsstudie 2009. In dieser wurden 128 Führungskräfte deutscher Firmen zur Innovationsstärke ihres Unternehmens befragt. Nur die Organisationen, welche sich nach Aussage ihrer Führungskräfte zu den erfolgreichsten der Branche zählten, gaben an, dass der Grad an Neuheit ihrer Innovationen „hoch“ oder „sehr hoch“ ist.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Innovationsgrad. Angaben in Prozent. Innovation Navigators, 2009, S. 8.

Organisationen, die nicht zu den erfolgreichsten Firmen ihres Faches gehörten, definierten ihren Grad der Innovation höchstens mit „mittel“.

Das hier eine Wechselwirkung vorliegt ist deutlich. Aber die Frage, die diese Studie aufwirft, ist, welcher Faktor welchen bedingt. Sprich, führen Produkte, die einen sehr hohen Neuheitsgrad aufweisen, eher zum Erfolg oder können häufig gerade die erfolgreichsten Unternehmen einen hohen bis sehr hohen Innovationsgrad generieren?

Sicher ist, dass revolutionäre Neuheiten ein großes unternehmerisches Risiko darstellen, zugleich jedoch die Chance eröffnen, sich vorerst konkurrenzlos am Markt durchzusetzen.

Demnach lohnt sich besonders die Suche nach Innovationen mit einem hohen bis sehr hohen Neuheitsgehalt. Zudem fordern Dziemba und Steinle, dass Unternehmen in Zukunft immer häufiger auch über den Tellerrand der eigenen Branche hinausschauen müssen (siehe Abbildung 6), wenn sie die zukünftige Innovationskultur verstehen wollen.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Innovationslogik der Industrieökonomie und der Kreativökonomie. Dziemba/ Steinle, 2010, S. 70.

Demnach verändert sich das Wesen der Innovation von kleinen Produktverbesserungen, hin zu Neuheiten, deren revolutionärer Charakter nicht selten das Ende bestehender Produktlebenszyklen, Vermarktungsformen oder Vertriebsformen bedeutet. Schon Schumpeter beschrieb, dass mit Innovationen immer auch „schöpferische Zerstörung“[27] einhergeht. Was für ihn einen Austausch, und damit das Ende alter Produkte oder Prozesse bedeutete, nimmt heute, wo einzelne Innovationen bisher nicht bestehende Märkte eröffnen, völlig neue Dimensionen an. Laut Dziemba und Steinle ist nichts unvorstellbar in der Innovationskultur der Kreativökonomie[28], und denkt man an außergewöhnliche Neuheiten, wie das iPhone oder die Spielekonsole Wii, ist man gewillt dieser Aussage (in einzelnen Branchen unterschiedlich stark) zuzustimmen.

Demnach werden Unternehmen in den besonders stark betroffenen Zweigen, wie beispielsweise der Informations- und Kommunikationstechnologie, eine entsprechende Innovationskultur entwickeln müssen, um erfolgreich die Ära der Unvorhersagbarkeit managen zu können.

Zusammengefasst lassen sich Innovationen als neue sowie erfolgreiche Erfindungen beschreiben, die zum Wandel von Märkten beitragen können. Innovationen basieren auf Ideen, die einen Prozess einleiten und diesen entscheidend prägen.

2.3 Ideen-Kreativität

Mit Intelligenz alleine lassen sich Innovationsprobleme nicht lösen, da sie keinen eindeutigen, logisch zwingenden Hinweis auf ihre optimale Lösung vorgeben. Vielmehr produzieren Probleme im Innovationsprozess neue Fragen und fordern „originäre, schöpferische Lösungsfähigkeit“[29]. Kurzum: Kreativität wird benötigt.

Knieß definiert Kreativität als die Begabung neue Lösungen beziehungsweise neue Einfälle zu erarbeiten[30]. Schlicksupp geht noch einen Schritt weiter und beschreibt die Lösungen nicht nur als neu, sondern auch als „dem Schöpfer vorher unbekannt“[31].

Demnach entstehen neue Produkte, Einfälle oder Zusammenstellungen im Rahmen eines Prozesses, dessen Ergebnis zu Beginn noch offen ist.

Dass die Kreativität von Nutzen sein muss, beschreibt Knieß mit dem Wort: Lösung.

Einer Lösung liegt eine Aufgabe oder ein Problem zugrunde, welches durch die Lösung ganz oder teilweise hinfällig wird. Besonders in Unternehmen ist Kreativität gezielt sowie nutzenstiftend für firmenrelevante Ziele und Probleme einzusetzen.

Die Ausgaben für Techniken und Methoden zur Kreativitätsförderung wären sonst aus ökonomischer Sicht des Unternehmens sinnlos.[32]

Kreative Lösungen können vielfältig sein, beispielsweise musikalisch, architektonisch oder modisch. Im Innovationsprozess äußert sich Kreativität in Ideen. Daraus entsteht die zentrale Bedeutung des Begriffes ‚Ideen-Kreativität’ für diese Arbeit und wird im weiteren Verlauf entsprechend verwendet.

Die unternehmerische Notwendigkeit, der Ideen-Kreativität im Innovationsprozess genügend Freiraum einzugestehen, erklärt sich, sobald der Unterschied zwischen intelligenter und kreativer Denkweise näher betrachtet wird .

Der Begriff Intelligenz wird folgendermaßen definiert: Es wird rational, wertend und zensierend nach der einen, richtigen Antwort gesucht[33]. Während bei der Kreativität durch „flüssiges, flexibles und originelles Denken […] nach alternativen Aufgaben- und Problemlösungen“[34] geforscht wird. Es entsteht folglich nicht die eine sondern eine Vielzahl an Lösungen. Der richtige Umgang mit der Ideen-Kreativität wäre es demnach nicht sofort jede Idee nach möglichen Markterfolgen zu bewerten oder die Realisierbarkeit eines Einfalles sofort zu untersuchen. Beides würde sich eher als hinderlich erweisen, da durchschnittlich 60 Ideen nötig sind, um eine einzige, am Markt erfolgreiche Innovation zu entwickeln[35]. Ziel muss es folglich sein, jeden Einfall aufzunehmen und eine größtmögliche Menge an Ideen zu generieren. Erst später sollten diese nach individuellen Kriterien bewertet werden.

[...]


[1] http://www.hermanmiller.com/products/seating/work-chairs/embody-chairs.html [Zugriff am: 14. Sep. 2012].

[2] http://www.chairholder.de/product/show/produkte_id/120003207 [Zugriff am: 14. Sep. 2012].

[3] Vgl.: Huang/ Galinsky/ Gruenfeld/ Guillory, Powerful Postures versus Powerful Roles (siehe Anhang l), 2011.

[4] Vgl.: Knieß, 2006, S. 20.

[5] Schöner, 2000, S. 33.

[6] Vgl.: Bluedorn/ Turban/ Love, The effects of stand-up and sit-down meeting formats on meeting outcomes, 1999.

[7] Vgl.: Schlicksupp, 2004, S. 10.

[8] Knieß, 2006, S. IX.

[9] Vgl.: Schlicksupp, 2004, S. 10.

[10] Vgl.: http://www.jenshuettner.de/de/grinberg-methode/ Lernprozesse [Zugriff am: 25. Jul. 2012].

[11] Vgl.: Hüttner, Qualifizierter Praktiker der Grinberg Methode, schriftliche Mitteilung mail@jenshuettner.de (siehe Anhang Vl), 24. Aug. 2012.

[12] http://lexikon.stangl.eu/2175/embodiment/ [Zugriff am: 15. Aug. 2012].

[13] Vgl.: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article12642760/Wie-koerperliches-Empfinden-die-Gefuehle-beeinflusst.html [Zugriff am: 14. Aug. 2012].

[14] „Die Kognitive Psychologie ist das Teilgebiet der Psychologie, das sich mit den geistigen Tätigkeiten des Menschen befaßt wie z.B. Denken, Lernen, Problemlösen.“ Wender, 1990, S.37.

[15] Richards, 1985, S. 10.

[16] Zaltman/ Duncan/ Holbek, 1973, S. 10.

[17] Kieser, 1969, S. 742.

[18] Vgl.: Vahs/ Burmester, 2002, S. 73.

[19] Kupsch/ Marr/ Picot, 1991, S. 1077.

[20] Vgl.: Kupsch/ Marr/ Picot, 1991, S. 1077.

[21] Koltze/ Souchkov, 2011, S. 1.

[22] http://register.dpma.de/DPMAregister/pat/einsteiger [Zugriff am: 09. Aug. 2012].

[23] Vgl.: Gimpel/ Herb/ Herb, 2000, S. 1.

[24] Schöner, 2000, S 33.

[25] Innovation Navigators, Innovationsstudie 2009 (siehe Anhang ll), 2009, S. 8.

[26] Dziemba/ Steinle, 2010, S. 69.

[27] Schumpeter, 1993, S. 138.

[28] Dziemba/ Steinle, 2010, S. 69.

[29] Schlicksupp, 1981, S. 19.

[30] Knieß, 2006, S. 1.

[31] Schlicksupp, 1981, S. 20.

[32] Vgl.: Hentze/ Müller/ Schlicksupp, 1990, S. 48.

[33] Vgl.: http://lexikon.stangl.eu/542/kreativitaet/ [Zugriff am: 10. Aug. 2012].

[34] http://lexikon.stangl.eu/542/kreativitaet/ [Zugriff am: 10. Aug. 2012].

[35] Vgl.: Gimpel/ Herb/ Herb, 2000, S. 1.

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