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Das PC-Spiel "Genius - Im Zentrum der Macht" als Mitte politischer Bildung

Eine Analyse anhand des Beutelsbacher Konsens

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Eignung des Beutelsbacher Konsens für die Untersuchung des PC-Spiels
2.1 Geschichte des Beutelsbacher Konsens
2.2 Akzeptanz des Beutelsbacher Konsens
2.3 Diskussionen rund um den Beutelsbacher Konsens
2.4 Fazit

3.0 Vergleich des PC-Spiels „Genius - der Weg zur Macht“ mit dem Beutelsbacher Konsens
3.1 Überwältigungsverbot
3.1.1 Wertevermittlung als Umgehung der Überwältigung
3.1.2 Verkürzung oder Tabuisierung als Form der Überwältigung
3.2 Gebot der Kontroversität
3.2.1 Kompensatorische Funktion des Lehrenden
3.2.2 Darstellung radikaler Meinungen
3.3 Prinzip der Schülerorientierung
3.3.1 Gemeinwohl in der Schülerorientierung

4.0 Fazit

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich das PC-Spiel „Genius - Der Weg zur Macht“ rezensieren. Hierzu werde ich es mit dem Beutelsbacher Konsens vergleichen und anhand diesem analysieren, inwieweit sich das PC-Spiel für den Zweck der politischen Bildung eignet.

Zuerst gehe ich der Fragestellung nach, inwieweit sich der Beutelsbacher Konsens überhaupt als Indikator für die Qualität der politischen Bildung eignet. Danach werde ich jedes der drei Grundprinzipien des Beutelsbacher Konsens zum einen allgemein mit dem PC-Spiel vergleichen und zum anderen mit einer Aufgabe, oder einer Interviewfrage, als Beispiel vergleichen. Da in dem Spiel der Lehreffekt sich auf die Aufgaben und Fragen beschränkt, werde ich mich ausdrücklich nur auf diesen Teil des Spiels beziehen und nicht weiter auf den Teil eingehen, der daraus besteht eine Stadt aufzubauen. Zuletzt werde ich in einem Fazit noch einmal zusammenfassend auf die Ausgangsfrage eingehen.

2.0 Eignung des Beutelsbacher Konsens für die Untersuchung des PC-Spiels

Um einen geeigneten Vergleich zu ziehen, muss vorerst analysiert werden, inwieweit sich der Beutelsbacher Konsens überhaupt als Indikator für einen Vergleich eignet. Hierzu ist es wichtig die Geschichte, die Akzeptanz und die heutigen Diskussionen über eine Erweiterung und über die Auslegungsspanne zu kennen.

2.1 Geschichte des Beutelsbacher Konsens

Der Beutelsbacher Konsens entstand 1976 auf einer Didaktiker-Konferenz der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Der damalige Leiter Siegfried Schiele wollte dabei alle Beteiligten in dem Richtlinienstreit um die politische Bildung zusammenbringen und die Möglichkeit eines Konsens ausloten.1 Der Richtlinienstreit war Anfang der siebziger Jahre entstanden und bezog sich auf einige didaktische Auseinandersetzungen rund um die neuen Lehrpläne für politische Bildung in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Einige sahen in dem Streit schon die Auseinanderdriftung zweier parteipolitischer Lager:

„ In der politischen Bildung zeichnete sich damit eine Verschollung ab: Es bestand die Gefahr ihre Auseinanderbrechens in eine linksträumende (SPD/FDP regierte Länder) und eine rechtsgläubige (CDU/CSU-regierte Länder) Scholle. “ 2

Dementsprechend gering fielen die Inhalte aus, auf die sich die beiden Schollen einigen konnten. Der Beutelsbacher Konsens besteht nur aus drei Grundsätzen: Dem Überwältigungsverbot, dem Kontroversitätsgebot und der Schülerorientierung. Häufig wird er deswegen auch als Minimalkonsens bezeichnet.3

Doch gerade diese Problematik bei der Entstehung des Konsens macht ihn heute um so geeigneter für den Zweck des Indikators bei der Untersuchung von politischer Bildung, wie die hier erläuterte PC-Simulation. Dadurch, dass es sich um einen Minimalkonsens handelt, ist einerseits garantiert, dass das PC-Spiel nur auf Grundvoraussetzungen der politischen Bildung untersucht wird, welche nicht schwer umsetzbare Vorschläge und umstrittene Positionen enthalten, zum anderen ist anzunehmen, dass der Konsens von beiden damaligen parteipolitischen Lagern akzeptiert wird, da beide auch an ihm mitgearbeitet haben.

2.2 Akzeptanz des Beutelsbacher Konsens

Kurz nach seiner Entstehung wurde der Beutelsbacher Konsens größtenteils positiv aufgenommen, erst einige Zeit nach dem Richtlinienstreit meldeten sich erste Kritiker zu Wort. Einigen ging der Konsens zu weit, anderen nicht weit genug.4 Doch trotz, oder gerade wegen, der belebenden Diskussion, wird der Minimalkonsens auch heute weitestgehend anerkannt:

„ Obwohl der Konsens nicht formal beschlossen wurde, wird er im Grundsatz bis heute von allen Vertretern der politischen Bildung anerkannt. “ 5

Eine derartige Akzeptanz ist bei anderen Richtlinien in der politischen Bildung nur schwer zu finden, daher scheint im Bereich der Akzeptanz kaum ein besserer Indikator zur Analyse vorhanden zu sein.

2.3 Diskussionen rund um den Beutelsbacher Konsens

Häufig wird bemängelt, dass die einzelnen Grundsätze zu große Interpretationsspielräume zulassen. Kritisiert wird zum Beispiel, dass der Grundsatz der Schülerorientierung das Gemeinwohl außer acht lässt6, oder, dass das Kontroversitätsgebot Unklarheiten über verfassungsfeindliche Gruppierungen zulässt.7 Deshalb wurde auch schon mehrfach die Diskussion angestoßen, ob einzelne Grundsätze neu formuliert werden müssten, oder, ob weitere Grundsätze hinzuzufügen seien.8

Diese Problematik macht es zu einer Notwendigkeit, nicht nur den Beutelsbacher Konsens als Indikator zu nehmen, sondern auch die Diskussion um die Grundsätze mit dem PC-Spiel zu vergleichen. Denn gerade die Interpretationsspielräume bergen die Gefahr, auf nur eine mögliche Interpretation einzugehen und somit die PC-Simulation zu einseitig zu analysieren.

2.4 Fazit

Durch den geschichtlichen Hintergrund und die allgemeine Akzeptanz ist der Beutelsbacher Konsens nicht nur als Indikator zur Analyse der Qualität des PC-Spiels geeignet, sondern geht noch weiter und zeigt die Grundvoraussetzungen der politischen Bildung. Somit trifft der Beutelsbacher Konsens eine Aussage darüber, ob sich die PC-Simulation überhaupt für den Zweck der politischen Bildung eignet und nicht wie gut es sich eignet. Da die Formulierungen allerdings eine breite Interpretation zulassen und nicht unumstritten sind, geht eine Analyse anhand der Grundsätze nicht weit genug, auch die Diskussionen rund um den Konsens müssen einbezogen werden.

3.0 Vergleich des PC-Spiels „Genius - der Weg zur Macht“ mit dem Beutelsbacher Konsens

Der Beutelsbacher Konsens besteht aus drei Grundprinzipien: Dem Überwältigungsverbot, dem Gebot der Kontroversität und dem Prinzip der Schülerorientierung. Alle Drei überschneiden sich teilweise, sind aber trotzdem, alle für sich, ein gleich stark zu beachtender Teil des Konsens und somit ein wichtiger Aspekt für die Analyse

3.1 Überwältigungsverbot

„ Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinn erwünschter Meinungen zuüberrumpeln und damit an der Gewinnung eines selbständigen Urteils zu hindern. “ 9

Dieses Prinzip erstand vor allem aus einer Kritik an den hessischen Rahmenrichtlinien, welche mitverantwortlich für den Richtlinienstreit waren. Es sollte garantieren, dass Lehrpläne offen und pluralistisch gestaltet werden. Somit bezieht es sich auch direkt auf das Verhalten des Lehrenden, was in diesem Fall, neben einem möglicherweise anwesenden Lehrer, das Spiel ist.

Das PC-Spiel wandert hierbei auf einem schmalen Grad, denn in den Aufgaben gibt es meistens nur eine richtige Antwort, andere Antworten werden durch formale Fehler unbrauchbar gemacht. Häufig verstoßen Antworten oder die Vorhaben ihrer Inhalte gegen bestehende Gesetze oder widersprechen diesen. Da die Antworten sich aber nicht nur durch die formalen Gegebenheiten unterscheiden, sondern auch Aussagen über unterschiedliche Meinungen treffen, vermittelt das Spiel häufig die Auffassung, dass auch nur eine Meinung zum Sachverhalt richtig sei. Der Benutzer wird somit dazu verleitet, die vom Spiel vorgegebene Meinung zu übernehmen. Da das Spiel versucht die Karriere eines Politikers zu simulieren, ist häufig auch die Antwort richtig, welche in der Öffentlichkeit am populärsten erscheint. Der Benutzer kommt somit schon nach kurzer Zeit zu dem Ergebnis, dass es nicht sinniger ist, jene Frage auszuwählen, welche seiner Meinung nach richtig erscheint, sondern die, welche bei den potentiellen Wählern den besten Eindruck hinterlässt. Dies verstößt gegen das Grundprinzip, auch, wenn es für das Ziel der Simulation einer politischen Karriere als legitimes Mittel erscheint.

Ein Beispiel hierfür zeigt sich im ersten Level. Dort gibt es die Aufgabe über Bürgerbegehren zu debattieren. Gleich in der ersten Frage möchte die Moderatorin wissen, was man selber von Bürgerbegehren hält. Als erste Antwortoption kann man sagen, dass man zwar sehr viel davon halte, aber die letzte Entscheidung beim Bürgermeister liege. Da der letzte Teil gesetzlich nicht korrekt ist, wird somit die gesamte Antwort als falsch gewertet. Dies zeigt deutlich, wie durch einen formalen Fehler auch eine Meinung unbrauchbar gemacht wird. Als zweite Antwortoption kann gesagt werden, dass man wenig davon halte, da Politik ein Geschäft für Profis sei. Hier gibt es zwar keinen formalen Fehler, in der Realität würde es allerdings einen sehr schlechten Eindruck hinterlassen und wird deswegen vom PC-Spiel auch als falsche Antwort gewertet. Hier zeigt sich, dass eine zwar formal richtige, aber unpopuläre Antwort als falsch angesehen wird.

[...]


1 Joachim Detjen: Politische Bildung: Geschichte und Gegenwart in Deutschland, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, Auflage 200, Seite 187

2 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 172

3 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 173

4 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 176

5 Joachim Detjen: Politische Bildung: Geschichte und Gegenwart in Deutschland, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, Auflage 2007, Seite 189

6 Manfred Mols, Hans Joachim Lauth, Christian Wagner: Politikwissenschaft: Eine Einführung, Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG, 2001, Seite 369

7 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 17

8 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 176 - 177

9 Herbert Schneider: Der Beutelsbacher Konsens, In Wolfgang W. Mickel (Hrsg.) Handbuch zur politischen Bildung, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 3. Auflage 2005, Seite 173

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656367918
ISBN (Buch)
9783656368243
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209199
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Schlagworte
pc-spiel genius zentrum macht bildung eine analyse beutelsbacher konsens

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