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Was ist Pflege? Eine Arbeit über die Bedeutung, die Rezipienten, die Aufgaben und die Ziele der Pflege

Bachelorarbeit 2010 77 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Methode
2.1 Das Interview
2.2 Der Fragebogen
2.2.1 Einschluss- und Ausschlusskriterien

3. Ergebnisse
3.1 Ergebnisse der quantitativen Erhebung
3.2 Überprüfung der Hypothesen
3.3 Definition der Pflege bezogen auf die Ergebnisse

4. Diskussion

5. Literatur

6. Anhang

1. Einleitung

Pflege wächst zu einer Profession heran.[1] Vorraussetzungen einer Profession sind die politische Organisation der Berufsgruppe, eine bestimmende Berufsethik, ein eigenständiger Handlungsbereich, die gesetzliche Anerkennung, eine einheitliche Ausbildung und die wissenschaftliche Basis.[2] In Österreich gibt es (noch) keine für alle Mitglieder der Berufsgruppe verpflichtende, gesetzlich verankerte Berufsvertretung[3] und damit keinen zwingenden Ethikkodex.[4]

Seit der Einführung des Gesundheits- und Krankenpflegepflegegesetzes (GuKG) 1997 ist der Berufsgruppe gesetzlich ein eigenverantwortlicher Handlungsbereich zugeschrieben und somit ist die gesetzliche Anerkennung gegeben. Ebenso wird darin die Ausbildung einheitlich geregelt.[5] Durch die Etablierung eines Gesundheits- und Pflegestudiums wurde die Grundlage zur Entwicklung einer wissenschaftlichen Basis, der Pflegewissenschaft, geschaffen.[6]

Merkmale einer Wissenschaft sind ein ihr eigener Bereich (Gegenstand), schlussfolgerndes Denken und die Lehrbarkeit des bestehenden Wissens.[7] Der Gegenstand oder die Domäne der Pflege wird mit Hilfe von Theorien oder konzeptuellen Modellen bestimmt.[8] Dadurch kann sich ein für die Pflege spezifischer „Body of Knowledge“ entwickeln.[9] Der Weg zur Erkenntnis muss nachvollziehbar sein, d. h. nach einer bestimmten Methode erfolgen, wobei unter einer Methode ein „Verfahren nach Grundsätzen“[10] zu verstehen ist. Diese Grundsätze unterscheiden sich nach Art der Methode. Die quantitative Methode beruht auf die positivistische Philosophie, welche davon ausgeht, dass die Welt unabhängig der menschlichen Wahrnehmung existiert und mittels einer kontrollierten Vorgangsweise erforscht werden kann. Hingegen die qualitative Methode basiert auf den Grundsätzen der Postmoderne, welche von einer multiplen und subjektiven konstruierten Realität ausgeht, die durch Interaktion zwischen Forscher und Teilnehmer verstanden werden kann.[11] In der Pflege werden sowohl quantitative als auch qualitative Methoden benötigt bzw. angewandt. Die Wahl der Methode richtet sich dabei nach der Problem- bzw. Fragestellung.[12] Schließlich ist die Vorraussetzung für die Lehrbarkeit bzw. Weitergabe des (Fach-)Wissens eine klare und korrekte Fachsprache (=Terminologie).[13] Unter Terminologie wird der „Gesamtbestand der Begriffe und ihrer Benennungen in einem Fachgebiet“[14] verstanden.

Ziele der Wissenschaft sind die Wirklichkeit zu entdecken (Suche nach Wahrheit), einsichtige Erklärungen darüber abzugeben, um drittens richtige Voraussagen machen zu können.[15] Es gibt verschiedene Auffassungen darüber, wann etwas wahr ist und wie man zu einer Wahrheit gelangt. Wesentlich sind die Korrespondenz-, die Kohärenz- und die pragmatische Wahrheitstheorie. Nach der Korrespondenztheorie ist ein Satz wahr, wenn er mit den Tatsachen übereinstimmt. Die Kohärenztheorie geht davon aus, dass ein Satz wahr ist, wenn er nicht mit anderen Aussagen im Widerspruch steht. Schließlich vertritt die pragmatische Wahrheitstheorie, eine Aussage oder Theorie ist wahr, wenn sie sich als nützlich und brauchbar in ihrer Anwendung erwiesen hat.[16]

Um die Wirklichkeit zu beschreiben, zu erklären und um Voraussagen tätigen zu können, werden Theorien formuliert, wobei unter einer Theorie die konsistente Anordnung und logische Verbindung von Aussagen über einen Teil der Wirklichkeit zu verstehen ist.[17] Pflegetheorien sind Sammelbecken, die Erkenntnisse aufbewahren und Antworten auf wichtige Pflegephänomene geben. Sie beruhen u. a. auf unterschiedliche Sichtweisen der Realität. Meleis unterscheidet die Denkschule der Bedürfnisse von den Denkschulen der Interaktion und der Ergebnisse.[18] Ein Großteil dieser Pflegetheorien kommt aus dem englischsprachigen Raum.[19]

Kritisiert wird an ihnen, dass zentrale Begriffe wie Pflege und Gesundheit uneinheitlich und zu abstrakt formuliert sind. Weiters erscheinen Definitionen von Pflege als zu weitreichend und damit als unrealistisch. Zudem werden mit den Theorien Perspektiven übernommen, ohne die dahinterstehende Kultur bzw. die gesellschaftlichen Bedingungen zu beachten. Schließlich wird bemängelt, dass die Theoretikerinnen nicht Rücksicht darauf nehmen, dass die Probleme der Pflegekräfte gleichrangig mit denen der Pflegebedürftigen sind, dass also Kundenorientierung ohne Personalorientierung nicht möglich ist.[20]

Die Notwendigkeit einer einheitlichen Fachsprache als Grundlage einer Wissenschaft, welche wiederum eine Voraussetzung zur Professionalisierung einer Berufsgruppe ist, und die Tatsache, dass die vorhandenen Pflegetheorien (und damit die zentralen Begriffe) aus fremdsprachigen Räumen übernommen worden sind, führen zum Ziel dieser Arbeit:

Ziel dieser Arbeit ist es, auf der Basis von Experteninterviews und einer darauf basierenden Fragebogenerhebung professionelle Pflege zu definieren, Aufgabenbereiche festzulegen und Ziele zu formulieren.

Wie daraus erkenntlich ist, beinhaltet die Arbeit sowohl qualitative als auch quantitative Elemente. Zuerst werden praktisch arbeitende Pflegekräfte in einem halbstrukturierten Interview zu Pflege befragt, aus den Ergebnissen der Befragungen werden Kategorien gebildet, welche wiederum über den quantitativen Forschungsansatz überprüft werden.[21] Schließlich werden aufgrund beider Ergebnisse professionelle Pflege, sowie ihre Aufgaben und Ziele, in einer Definition bestimmt.

Als Grundlage dieser Arbeit dienen folgende Prämissen:

1. Es wird davon ausgegangen, dass jene Definition von Pflege wahr ist, die unter ihren Anwendern die größte Zustimmung findet und damit den größten Einfluss hat (=pragmatischer Wahrheitsbegriff).[22]
2. Pflegepersonen handeln sowohl frei als auch sozialisiert, das heißt durch die Ausbildung bzw. durch bisherige Berufserfahrungen teilweise beeinflusst.[23]
3. Pflegepersonen agieren innerhalb einer kooperativen Gruppe, deren Charakteristikum ist, dass sich die Mitglieder der Gruppe an gemeinsamen Normen orientieren.[24]
4. Pflege äußert sich zum einem dadurch, was Pflegekräfte tatsächlich in ihrer Arbeit durchführen.[25]

Bezogen auf das Thema dieser Arbeit lassen sich aus den Prämissen folgende vier Forschungsfragen ableiten:

- Welchen Einfluss hat die Ausbildung auf die Sicht von Pflege? (1. Prämisse)
- Welchen Einfluss hat der Arbeitsbereich (Krankenhaus, Hauskrankenpflege, Pflegeheim) auf die Sicht von Pflege? (2. Prämisse)
- Welchen Einfluss hat die Ausbildung auf die tatsächlich durchgeführten Tätigkeiten? (3. Prämisse)
- Welchen Einfluss hat der Arbeitsbereich auf die tatsächlich durchgeführten Tätigkeiten? (4. Prämisse)

Daraus ergeben sich folgende zu überprüfende Hypothesen:

1) Es gibt keinen eindeutigen Unterschied in den Tätigkeiten einer Berufsgruppe (diplomierte Pflegekraft, Pflegehelfer oder Altenpfleger) unabhängig von den Arbeitsbereichen.
2) Es gibt keinen eindeutigen Unterschied in den Tätigkeiten aller Pflegekräfte zwischen den Arbeitsbereichen (Krankenhaus, Pflegeheim, Hauskrankenpflege).
3) Es gibt keinen eindeutigen Unterschied bezüglich des Zieles der Pflege innerhalb der Berufsgruppen bzw. der Arbeitsbereiche.
4) Es gibt keinen eindeutigen Unterschied bezüglich der Rezipienten der Pflege innerhalb der Berufsgruppen bzw. der Arbeitsbereiche.

Die erste Prämisse, welche in keine Forschungsfrage bzw. Hypothese mündet, ist für diese Arbeit von großer Bedeutung, weil ich mich klar von der Vorstellung trennen möchte, dass es einen „wahren“ Begriff von Pflege gibt, den es zu finden gilt.[26]

Die Prämissen meiner Arbeit sind von den philosophischen Richtungen des Pragmatismus und des Positivismus, der soziologischen Richtung des Symbolischen Interaktionismus und der biopsychosozialen Theorie menschlicher Bedürfnisse nach Obrecht abgeleitet. Sie werden im Folgenden kurz skizziert. Dazu wird noch das dieser Arbeit zugrunde liegende Fachgebiet, die Terminologielehre bzw. die Terminologiearbeit, erörtert.

Der Pragmatismus

Der Pragmatismus, eine vor allem aus Amerika stammende philosophische Richtung, kennzeichnet sich durch seine anti- fundamentale Haltung, also der Ablehnung jeglicher ewigen Ideen oder Aporien, seiner Kritik an universalistischen, deterministischen Erklärungsmustern und seiner Distanzierung von Versuchen, alle Wissensformen und Wissenschaftsstrukturen auf ein einziges Methodenideal zu reduzieren. Das pragmatische Denken ist pluralistisch.[27]

Der Pragmatismus richtet seinen Schwerpunkt auf die praktische Konsequenz eines Urteils oder einer Aussage, inwiefern es also handlungsleitend wird.[28]

Der Positivismus

Als Quelle der Erkenntnis akzeptieren die Vertreter des Positivismus, z.B. August Comte, das mit den Sinnen erfahrbare, das Gegebene. Die geeignete Methode hierfür ist das in den Naturwissenschaften gebräuchliche Experiment, aufgrund dessen mit Hilfe der Mathematik die zugrunde legenden Gesetzmäßigkeiten festgestellt werden sollen.[29] Die Vertreter des Positivismus lehnen demnach metaphysische Spekulationen ab.[30] Die darauf anknüpfende juristische Wissenschaft des Rechtspositivismus versteht unter dem Begriff Recht die tatsächlich geltenden Normen in einem Staat, im Unterschied zum Naturrecht. Man geht also davon als, dass unter Recht das jenige zu verstehen ist, was im Staat als Recht gilt.[31]

Der Symbolische Interaktionismus

Ausgangspunkt für den Symbolischen Interaktionismus ist das „Individuum in Relation zu anderen Individuen in einer Gruppe.“[32] Das Individuum agiert in einem sozialen Rahmen, der gemeinsam durch Kommunikation mit den anderen geschaffen bzw. erhalten wird. Voraussetzung dafür sind die „signifikanten Symbole“. Das sind Gesten oder Wörter, die bei allen Mitgliedern zu den gleichen Reaktionen führen. Durch diese signifikanten Symbole entsteht das „Selbst“. Das „Selbst“ entsteht im Prozess der Interaktion mit der Gesellschaft, ist also nicht biologisch oder apriorisch gegeben. Der für die Gesellschaft zugängliche Teil des Selbst, ist das „me“. Es ist das objektivierte Selbst. Das „me“ ist die Summe der definierten Rollenvorgaben. Darüber hinaus verfügt das Selbst über einen beobachtenden Teil, dem „I“.[33] Das „I“ ermöglicht es, von den durch das „me“ definierten Rollenvorgaben abzuweichen, es ist die Voraussetzung für selbstbewusstes Handeln. Aus dem Dialog von „I“ and „me“ entsteht Identität.[34] Nach Blumer beruht der Symbolische Interaktionismus auf drei wesentliche Prämissen:

1. Menschen handeln Dingen, also Menschen, Institutionen oder Situationen, gegenüber aufgrund von Bedeutungen, die diese für sie besitzen.
2. Die Bedeutung entsteht aus sozialer Interaktion.
3. Diese Bedeutungen werden in interpretativen Prozessen benutzt oder geändert.[35]

Die Terminologielehre - Terminologiearbeit

Terminologielehre ist eine junge Disziplin, die sich mit der Benennung von Begriffen in den Fachsprachen beschäftigt. Die Terminologiearbeit ist eine Tätigkeit, deren Aufgabe die „Erarbeitung, Bearbeitung und Verarbeitung von Terminologie“[36] ist. Beide sind interdisziplinär. Die Ziele sind die Schaffung einer reibungslosen Kommunikation zwischen Fachleuten und damit die Verringerung von Mißverständnissen.[37]

Grundelement der Terminologiearbeit ist u. a. die Definition. Unter einer Definition wird eine „Begriffsbestimmung mit sprachlichen Mitteln“[38] verstanden. Ein Begriff wird in dieser Hinsicht als eine Denkeinheit, die durch Abstraktion von Eigenschaften bestimmter Gegenstände gebildet wird, verstanden. Wesentliche Arten von Definitionen sind die Inhaltsdefinition, die Umfangsdefinition und die Bestandsdefinition. Eine Inhaltsdefinition zielt darauf ab, die wesentlichen Merkmale eines Begriffes wieder zu geben. Sie besteht aus dem Oberbegriff und den einschränkenden Merkmalen.[39] Als Beispiel kann die Definition von Selbstpflege dienen: Selbstpflege ist „jegliche Art von Pflege (= Oberbegriff ; Anm. des Autors), bei der die Pflegebedürftigen und die Pflegenden in ein und derselben Person vereinigt sind (= einschränkende Merkmale , Anm. des Autors).“[40]

Eine Umfangsdefinition zählt alle Unterbegriffe einer Ebene aus.[41] So umfasst der Tätigkeitsbereich einer diplomierten Pflegekraft laut §13 GuKG den eigenständigen, den mitverantwortlichen und den interdisziplinären Bereich.[42]

Eine Bestandsdefinition nennt alle individuellen Gegenstände.[43] Demnach definiert sich das Metaparadigma der Pflege durch die Begriffe Person, Umwelt, Gesundheit und Pflege.[44] Die Umfangsdefinition und die Bestandsdefinition sind sich ähnlich, jedoch ändert sich die Bestandsdefinition bzw. verliert ihre Gültigkeit, sobald sich die Tatsachen ändern.[45]

Vorrangig für eine Definition ist ihre Verständlichkeit. Darum ist es von Bedeutung, dass die verwendeten Begriffe exakt definiert und einheitlich verwendet werden. Zudem sollte der Zweck einer Definition bzw. ihr Geltungsbereich explizit festgelegt werden. So wird die Definition eines Begriffes in einem Lehrbuch anders lauten als in einer Broschüre zur Laieninformation. Weiters kann ein Begriff zwischen zwei Disziplinen anders verwendet werden.[46] Als Beispiel sei der Begriff Gesundheit genannt, der je nach wissenschaftlicher Perspektive anders definiert wird.[47]

Zu den Aufgaben der Terminologiearbeit gehören neben der exakten Bestimmung von Begriffen noch die Erstellung bzw. der Aufbau von Thesauri und von Klassifikationssystemen bzw. Taxonomien, beides Aufgabengebiete, die auch für die Pflege von großer Bedeutung sind.[48]

Im nächsten Kapitel wird auf das methodische Vorgehen dieser Arbeit eingegangen. Dabei wird der Interviewfaden vorgestellt und begründet, die Interviewpartner kurz skizziert, die Ergebnisse der Interviews bzw. die daraus abgeleiteten Kategorien gezeigt und der hierauf gründete Fragebogen beschrieben. Weiters werden die Stichprobe bzw. Ein- und Ausschlusskriterien genannt bzw. begründet.

2. Methode

In dieser Arbeit wird sowohl ein qualitativer als auch ein quantitativer Zugang an die Aufgabenstellung gewählt. Der qualitative Teil besteht aus Interviews mit Pflegefachkräften zum Thema „Was ist Pflege?“, im quantitativen Teil werden aus den Ergebnissen der Interviews Kategorien gebildet, welche danach durch einen Fragebogen quantitativ überprüft werden.

2.1 Das Interview

Zentral für das qualitative Interview ist die Relevanz dessen, was die befragte Person für relevant hält, wie sie die Welt wahrnimmt und was ihre Lebenswelt charakterisiert. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die subjektive Sichtweise der befragten Person einzunehmen und zu verstehen.[49] Die Form des Interviews kann wenig bis stark strukturiert, also in der Gesprächsführung flexibel bis starr sein, wobei flexibel bedeutet, dass auf die Antworten des Befragten eingegangen wird und das Interview dadurch im Verlauf offen ist. Weiters kann ein Interview bzw. eine Befragung allgemein standardisiert oder nicht standardisiert sein. Unter Standardisierung wird in diesem Zusammenhang verstanden, dass Antwortkategorien vorgegeben werden. Nicht- standardisierte Befragungen verzichten auf eine Kategorienbildung oder diese wird erst später vollzogen.[50]

In dieser Arbeit orientiert sich das Interview an einem Leitfaden, der wie folgt aufgebaut ist:

- Was assoziieren Sie mit Pflege?
- Was ist ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen professioneller Pflege und Laienpflege?
- An wen richtet sich ihrer Meinung nach professionelle Pflege?
- Was ist ihrer Meinung nach das zentrale Ziel der Pflege?
- Was sind ihrer Meinung nach die zentralen Aufgaben der Pflege?

Die erste Frage soll den Einstieg zum Thema erleichtern und freie Gedankengänge eröffnen. Die Interviews schließen mit einer abschließenden Aufforderung, ob es noch hinsichtlich des Themas etwas Wichtiges zu sagen gibt.

Der Verlauf des Interviews ist wenig strukturiert, sodass auch spontan ergebende Fragen bzw. Themen Eingang finden konnten. So wurden zusätzlich die Qualität der Ausbildung, die Bedeutung der Dokumentation für die Pflege und die notwendigen Persönlichkeitseigenschaften für die Ausübung des Berufes in den Interviews erörtert.

Um ein möglichst weites Spektrum des Begriffes Pflege zu bekommen, kommen die interviewten Pflegekräfte, die in dieser Arbeit als Experten angesehen werden[51], aus verschiedenen Arbeitsbereichen bzw. absolvierten verschiedene Ausbildungen. Die Pflegekräfte sind im stationären geriatrischen (3), rehabilitativen (2), operativen (1) und im mobilen (1) Bereich praktisch tätig, sind vom Grad der Ausbildung Diplomkräfte (5), Altenfachbetreuer (1) und Pflegehelfer (1). Das Datum des Abschlusses der Ausbildung liegt zwischen 1978 und 2005.

Die in den Interviews getätigten Aussagen werden in einer Inhaltsanalyse ausgewertet. Dabei ist der Fokus auf die zentralen Themen dieser Arbeit, also den Rezipienten, dem Ziel und den Aufgaben der Pflege, gerichtet. Das hierfür angewendete Verfahren orientiert sich an der Methode nach Mayring, bei dessen Ziel es ist, das vorhandene Material so zu reduzieren, dass die wesentlichen Inhalte übersichtlich erhalten bleiben.[52] Für die einzelnen Themen ergeben sich folgenden Kategorien:

Rezipient der Pflege:

- Der pflegebedürftige Mensch allein (Patient, Bewohner, Klient)
- Der pflegebedürftige Mensch und seine pflegenden Angehörigen
- Die Familie*
- Eine Organisation (Betrieb, Gemeinde, Schulklasse)*

Zentrale Aufgaben der Pflege[53] :

- Grundbedürfnisse befriedigen (Frage 1-3)
- Sicherheit (Frage 4,6 und 16)
- Potentiale und Ressourcen nützen (Frage 8 und 9)
- Arztanordnungen durchführen (Frage 5, 7 und 13)
- Integration anderer Gesundheitsberufe (Frage 12)
- Emotionale Pflege (Frage 10 und 11)
- Informationsweitergabe (Frage 14, 15 und 17)

Ziel der Pflege:

- Wohlbefinden erreichen/ erhalten
- Die Selbständigkeit fördern/ erhalten
- Das Leben angenehmer machen
- Verbesserung des aktuellen Zustandes

2.2 Der Fragebogen

Im Gegensatz zum qualitativen Interview ist die schriftliche Befragung stark standardisiert. Es sind also die Antwortkategorien vorgegeben und bei allen gleich. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass die Daten direkt der Datenanalyse zugänglich sind. Die Nachteile dieser Art der Befragung liegen vor allem in der geringen Rücklaufquote und in der fehlenden Kontrolle der Erhebungssituation, da nicht gewährleistet werden kann, ob der Befragte den Fragebogen alleine ausfüllt.[54] Da (meist) kein direkter Kontakt zwischen Forscher und Proband besteht, ist es wichtig, dass der Fragebogen verständlich und klar formuliert ist. Als Faustregeln gelten für die Formulierung der Fragen die Verwendung von einfachen Wörtern, kurz formulierter Fragestellungen, direkt gestellter Fragen und dem Vermeiden von Suggestivfragen.[55]

Der Fragebogen (siehe Anhang!) ist so gestaltet, dass er möglichst mit wenig Zeitaufwand beantwortet werden kann. Zu Anfang ist kurz beschrieben, was mit dem Inhalt des Fragebogens festgestellt werden soll, die Fragen werden kurz vorgestellt und es wird auf die Freiwilligkeit der Teilnahme und die Anonymität der Teilnehmer hingewiesen. Anschließend werden die zentralen Fragen gemäß den Kategorien gestellt. Die zweite Frage hat dahingehend eine Besonderheit, da nicht nur die acht häufigsten Tätigkeiten angezeichnet, sondern diese dazu von 1 bis 8 gereiht werden, wobei 1 die häufigste Tätigkeit und 8 die am wenigsten häufigste Tätigkeit widerspiegelt. Den Abschluss bilden Angaben zur Demografie der Teilnehmer, wie das Alter, das Geschlecht, der Grad der Ausbildung, das Datum des Abschlusses und des Tätigkeitsbereiches. Die Anzahl der Tätigkeiten in Frage zwei (Aufgaben der Pflege) betragen eins bis drei Subgruppen. Diese Divergenz ergibt sich daraus, dass die konkreten Tätigkeiten aus den Erfahrungen bzw. Überlegungen des Autors stammen.

2.2.1 Einschluss- und Ausschlusskriterien

Bedingungen für eine Teilnahme an der Untersuchung sind (Einschlusskriterien):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausgeschlossen von der Teilnahme sind Pflegekräfte jeglichen Grades, die sich in Ausbildung befinden (Ausschlusskriterium).

2.2.2 Die Stichprobe

Es wurden 115 Fragebögen in den Krankenhäusern Zell am See und St. Veit, den Pflegeheimen Farmach in Saalfelden und Bruck/ Glocknerstraße und den Familien- und Sozialzentren des Salzburger Hilfswerkes in Zell am See, Saalfelden und Mittersill ausgegeben. Die Anzahl ergab sich aus der von den jeweiligen Führungskräften geschätzte Anzahl der möglichen teilnehmenden Mitarbeiter. Insgesamt nahmen 65 Pflegekräfte an der Untersuchung teil (Follow up = 74,75%). Ein Fragebogen konnte nicht gewertet werden, weil die Teilnehmerin sich in Ausbildung befand. Daher konnten 64 Fragebögen in die Auswertung einbezogen werden.

Die Zusammensetzung der Stichprobe bezüglich der Ausbildung ergibt folgendes Bild: 75% der Teilnehmer/innen sind Diplomierte Pflegekräfte, 11% Pflegehelfer/innen und 14% Altenpfleger/innen (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufteilung der Teilnehmer nach der Ausbildung (n= 64)

Bezüglich des Geschlechtes sind 86% der Teilnehmer weiblich, 14% männlich. 24% sind in der Hauskrankenpflege, 25% in einem Alten- oder Seniorenheim und 51% in einem Krankenhaus tätig (siehe Abbildung 2). Davon arbeiten 37% auf einer internen, 44% auf einer chirurgischen und 19% auf einer psychiatrischen Abteilung. Kein Teilnehmer bzw. keine Teilnehmerin arbeiten im operativen oder intensiven Bereich (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Tätigkeitsbereich der Teilnehmer/innen (n= 63)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Tätigkeitsbereich der im Krankenhaus arbeitenden (n= 32)

Die Verteilung der Ausbildungsgrade auf die Arbeitsbereiche zeigt, dass der Großteil der DGKS/P (66%) im Krankenhaus, der Pflege- und Altenhelfer im Pflegeheim tätig sind (siehe Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Verteilung der Ausbildungsgrade in den versch. Tätigkeitsbereichen (n= 64)

Das Alter der Teilnehmer liegt im Durchschnitt bei 39 Jahren (Standartabweichung = 9,6 Jahre), wobei die älteste Teilnehmerin 58 und die jüngste 22 Jahre alt ist. Der Abschluss der Ausbildung war im Durchschnitt vor 13,6 Jahren (Standartabweichung = 10,4), wobei der längste Abschluss vor 38 Jahren, der kürzeste heuer war (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Alter der Teilnehmer/innen (n= 64), Zeit seit dem Abschluss in Jahren (n= 63)

3. Ergebnisse

3.1 Ergebnisse der quantitativen Erhebung

Aufgrund der ungleichen Verteilung der Teilnehmer bezüglich der Ausbildung und der Arbeitsbereiche (s.o.) erscheint es nicht sinnvoll, die Tätigkeiten wie anfangs geplant aufgrund der vergebenen Punkte zu vergleichen. Stattdessen wurde entschieden, die Tätigkeiten nach der Häufigkeit ihrer Nennung, in Prozent, zu vergleichen.

Vergleicht man die einzelnen Ausbildungsgruppen bezüglich der prozentuell 5 häufigsten Tätigkeiten, so ergibt sich folgendes Bild: Diplomiertes Pflegepersonal gab am häufigsten die Tätigkeiten 1 (Hilfe bei der Körperpflege), 5 (Fachgemäß korrektes Verabreichen bzw. Vorbereiten der Medikamente), 3 (Hilfe bei der Ausscheidung), 8 (Mobilisation) und 4 (Kontrolle der Vitalzeichen) an (Abb. 1 zeigt die Verteilung der Tätigkeiten beim diplomierten Personal).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung 5 : %- Anteil Tätigkeiten Diplompflegepersonal (n=38)

Pflegehelfer gaben prozentuell am häufigsten die Tätigkeiten 1 (Hilfe bei der Körperpflege), 3 (Hilfe bei der Ausscheidung), 4 (Kontrolle der Vitalzeichen), 5 (Fachgemäß korrektes Verabreichen bzw. Vorbereiten der Medikamente) und 8 (Mobilisation) an (Abb. 2 zeigt die Verteilung der Tätigkeiten bei den Pflegehelfern).

[...]


[1] Vgl. Schwerdt (2003), S. 182

[2] Vgl. Arets u. a. (1999), S. 42 und 43

[3] Vgl. Ecker (2006), S. 11

[4] Der ÖGKV beruht auf freiwilliger Mitgliedschaft und beruft sich auf den Ethikkodex des ICN (Vgl. www.oegkv.at)

[5] Vgl. §14 bzw. §41 des GuKG (http://www.medizinrecht-pflegerecht.com/Berufsrecht/Gesundheitsberufe/INDEX-Berufsrecht/INDEX-GuKG.htm, 30.06.2008)

[6] Das Studium wird in Graz (www.meduni-graz.at), Wien (www.pflegewissenschaft.univie.ac.at), Salzburg (www.pmu.ac.at/671.htm), Krems (www.imc-krems.ac.at/bachelor-de/berufsbegleitend/advanced-nursing-practice/advanced-nursing-practice) und Hall in Tirol (www.pw.umit.at/page.cfm?pageid=437) angeboten

[7] Vgl. http://rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/PDF/Arbeitsmethoden.pdf, 04.07.2008

[8] Vgl. Fawcett (1998), S. 12 bzw. Hunink (1997), S. 37f

[9] Kühne- Ponesch (2004), S. 17

[10] Kant (1966), S. 858

[11] Vgl. Polit/ Beck (2004), S. 14f

[12] Vgl. Mayer (2000), S. 16f

[13] Vgl. Ditzel u. a. (2007), S. 25

[14] Arntz u. a. (2002), S. 10 zit. n. DIN 2342 Teil 1 (1992:3)

[15] Vgl. http://rosw.cs.tu-berlin.de/voelz/PDF/Arbeitsmethoden.pdf, 04.07.2008

[16] Vgl. Meleis (1999), S. 149ff bzw. Liessmann/ Zenaty/ Lacina (2007), S. 105f

[17] Vgl. Henecka (2006), S. 177

[18] Vgl. Meleis (1999), S. 299f

[19] Vgl. Meleis (1999), S. 439- 631 bzw. Fawcett (1999), S. 50- 197

[20] Vgl. Kühne- Ponesch (2004), S. 178ff

[21] Siehe dazu den Abschnitt Methode

[22] Vgl. Meleis (1999), S. 151

[23] Vgl. Etzrodt (2003), S. 212

[24] Vgl. ebd. S. 209

[25] Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Rechtspositivismus, 21.07.2008

[26] Vgl. http://www.philolex.de/universa.htm, 21.07.2008

[27] Vgl. Nagl (1998), S. 7f

[28] Vgl. Peirce (1991), S.13

[29] Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Positivismus, 21.07.2008

[30] Vgl. http://www.philolex.de/positivi.htm, 21.07.2008

[31] Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Rechtspositivismus, 21.07.2008

[32] Etzrodt (2003), S. 209

[33] Vgl. Nagl (1998), S. 98ff

[34] Vgl. ebd.

[35] Vgl. Treibel (2000), S. 118

[36] Vgl. Arntz u. a. (2002), S. 3

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. ebd. S. 59

[39] Vgl. ebd. S. 62

[40] Hattinga (1981), S. 43 zit. n. Arets (1999), S. 3

[41] Vgl. Arntz u. a. (2002), S. 62

[42] Vgl. http://www.medizinrecht-pflegerecht.com/Berufsrecht/Gesundheitsberufe/INDEX-Berufsrecht/INDEX-GuKG.htm, 30.06.2008

[43] Vgl., Arntz u. a. (2002), S. 62

[44] Vgl. Fawcett (1998), S. 18

[45] Vgl. Arntz u. a. (2002), S. 63

[46] Vgl. ebd.

[47] Vgl. Waller (1995), S. 9

[48] Vgl. Van Maanen (2002), S. 198

[49] Vgl. Froschauer/ Lueger (2003), S. 16f

[50] Vgl. Atteslander (2003), S. 120

[51] Im Gegensatz dazu wurde in der Arbeit von Spichinger u. a. (2006) die Definition der professionellen Pflege von Mitarbeiterinnen des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität von Basel gemeinsam mit einer medizinischen Expertengruppe erarbeitet

[52] Vgl. Atteslander (2003), S. 236f

* diese Kategorien wurden nach Gehring u. a. (2001), S. 11 hinzugefügt

[53] In Klammern stehen die den Kategorien zugeordneten Fragen des Fragebogens

[54] Vgl. Homburg/ Krohmer (2007), S. 268

[55] Vgl. Atteslander (2003), S. 173f

Details

Seiten
77
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656401889
ISBN (Buch)
9783656402077
Dateigröße
833 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209132
Institution / Hochschule
Medizinische Universität Graz – Pflege- und Gesundheitswissenschaft
Note
1
Schlagworte
Pflege Definition

Autor

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Titel: Was ist Pflege? Eine Arbeit über die Bedeutung, die Rezipienten, die Aufgaben und die Ziele der Pflege