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Das Verschwinden der Kindheit von Neil Postman - Kurzzusammenfassung des Buches

Exzerpt 2001 16 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Neil Postman‘s „Verschwinden der Kindheit“

Kapitel 1

Als es keine Kinder gab

Im ersten Kapitel versucht Postman zu beschreiben, warum seiner Meinung nach die Kindheit im Begriff ist zu verschwinden. Eines der Hauptprobleme sieht er darin, daß nicht mehr differenziert genug die Kinderwelt von der Erwachsenenwelt unterschieden wird, d.h. der Lebensstil der Kinder dem der Erwachsenen sehr ähnlich und mitunter gleich geworden ist. Insbesondere der Begriff der erwachsenen Schamlosigkeit führt Postman an. Die Idee des Schamgefühls beruht auf Geheimnissen, und zwar auf solchen die nur der Erwachsenenwelt vorbehalten sein sollten, z.B. rohe Redensarten, sexuelle Dinge, Tod, etc. Er bemängelt die Affinität ja und die mitunter schon beispiellose Gleichheit der Kinder und der Erwachsenen (Kleidung ist gleich, Kinderspiele weichen denen der Erwachsenen, es wird Wert auf Leistungs- und Spitzensport gelegt; Fußball, Kinder orientieren sich an der Jugendwelt, die sich wiederum an der Erwachsenenwelt orientiert...) . Im weiteren befasst sich Postman mit der chronologischen Seite dieser von ihm benannten Problematik des Nichtwahrnehmens /Ignoranz einer Kinderwelt. Sowohl in der Antike wie auch bei den Griechen und auch noch im MA war Kindheit kein Begriff, nicht im Entferntesten wie wir ihn heute verstehen, sondern nur auf das Allernotwendigsten beschränkt (z.B. Schutzbedürftigkeit ...). Er bemängelt die fehlende Sensibilität der Erwachsenen, die Unfähigkeit zur Empathie. Für das Verschwinden der Kindheit im MA macht er drei Punkte im Wesentlichen verantwortlich: 1. Fehlen der sozialen Literalität (Fähigkeit lesen und schreiben zu können), 2. Fehlen einer Idee von Erziehung, 3. Abwesenheit von Schamgefühl. Zu Punkt 2 sagt Postman: Erziehung ist unnotwendig, weil Kinder kleine Erwachsene sind. Auch ist die hohe Kindersterberate, die eine enge emotionale Bindung zum Kind gar nicht so recht zulässt, ist ein Indikator für mangelndes Einfühlungsvermögen und lässt Erziehung als unnotwendig erscheinen (Wenn ?70%? aller Kinder eh wegsterben, warum dann sich die Mühe machen erzieherisch zu investieren?). Das stetige vorsichtige und vor allem kindgerechte Heranführen des Kindes an die Erwachsenenwelt wurde daher vernachlässigt. Die Konsequenz war, daß die Kinder schon im frühesten Alter mit den Abgründen der Erw.welt schutzlos hart konfrontiert wurde. Es gab keine Idee von Erziehung. Mit der Erfindung des Buchdrucks und der daraus entstehenden sozialen Literalität rückte die Idee etwas mehr in den Mittelpunkt. Schließlich mussten Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht werden. Und das Beibringen von Sachen ist ein(e) wesentliche(r) Auftrag/Aufgabe von Erziehung. Mit dem Unterschied von Lesen und Schreiben lebten Kinder und Erwachsene nun nicht mehr in der gleichen Welt.

Neil Postman’s „Verschwinden der Kindheit“

Kapitel 2

Die Druckerpresse und der neue Erwachsene

In diesem 2. Kapitel beschreibt Postman die Veränderungen die nach der wichtigen Erfindung der Buchdruckpresse bzw. des Buchdrucks (wahrscheinlich von Gutenberg) eintraten. Welche einschlägige Wirkung sie auf den Menschen hatte, und wie sich der Mensch, durch diese Erfindung geprägt, veränderte. Die Hauptwirkung des Buchdrucks war das Entstehen der sozialen Literatur, später auch der Fachliteratur. Daraus entwickelte sich auch das Streben nach persönlichem Ruhm und individueller Leistung. Der Reiz z.B. sich durch Bücher verewigen zu können und auch zu wollen, sich einen Namen zu machen, der anderen in vielen Jahren später noch ein Begriff war. Bislang waren Schriftstücke teuer und nur einer “Elite” vorbehalten, zumal die wenigen Bücher die es gab auch noch in Latein geschrieben waren. Dies war es unter anderem was der Kirche zu Autorität verhalf. Nun aber durch den Buchdruck, durch preiswertes Vervielfältigen von Schriftstücken, lohnte es sich für ein literarisches Ansehen zu kämpfen. Der Buchdruck verknüpfte die Gegenwart mit dem “Immer”. Wer was wann geschrieben hatte war nun von Bedeutung. Jeder Verfasser entführte durch sein Werk die anderen Menschen in seine persönliche Welt. Es entstand ein Bewußtsein für persönliche Identität. Dieser Prozess der Erkenntnis, daß jedes Individuum (also auch Kinder !) eine Identität hat, einen Wert von sich aus, dauerte gut 200 Jahre bis etwa 1650.

Auch wurden nun Bücher und Ratgeber zu Kindern verfasst, ein Wissen welches mehr und mehr jedem zugänglich wurde. Die Literatur wurde zum Hoheitsgebiet der Erwachsenen, der des Lesens mächtigen. Es war seine Aufgabe, seine persönliche Herausforderung. Lesen und Schreiben wurde wichtig! Hatte man damals noch ein gleiches Wissensuniversum, änderte sich dieses mit der prinzipiellen Möglichkeit sein Wissen per Buch zu erweitern (“höhere Informationsdichte”; mehr Wissen wurde/konnte schneller durch dieses Medium vermittelt werden). Dieses neue Wissensbewußtsein brachte eine neue “Art” von Erwachsenheit. Kinder müssen aus ihrer Welt erst an die “Literarische Welt des Erwachsenen” vorsichtig herangeführt werden. Es hat ja mit “etwas verstehen zu können” zu tun. Dieses Heranführen ist ein wichtiger Baustein der Erziehung, auch heute noch.

Neil Postman’s „Verschwinden der Kindheit“

3. Kapitel

Die Wiege der Kindheit

Die Wiege oder der Beginn der Kindheit in ihren Vorläufen waren ca. im 17 Jhrd. Zu verzeichnen. Die Ansicht das es eine Kindheit gab setzte sich durch. Die Kinderwelt sonderte sich von der Erwachsenenwelt ab, und begab sich von dieser zu unterscheiden. Während in Schottland um 1560 das größte Interesse an schulischer Bildung zeigte, wollte der Katholizismus hinweg von Buch und Schrift, zurück zu Bildern und mündlich überlieferte Sprache (Autorität der Kirche). Je mehr Leute lesende Menschen werden mit eigener Meinung, desto schwieriger ist es sie auf den „richtigen Weg“ des Katholizismus zu halten/bringen. Dort wo Lese- und Schreibfähigkeit gefördert wurde, und wo es Schulen gab, da entwickelte sich die Idee von Kindheit sehr rasch, so z.B. in England. Die Schule war dazu bestimmt aus einem Kind einen Lese- und Schreibfähigen Erwachsenen zu formen, und so wurden Kinder nicht mehr als kleine Erwachsene gesehen, sondern eben als Kinder. Im schulischen Lernen erkannte man ein Wesensmerkmal der Kindheit. So z.B. war das Beherrschen des Alphabets ein erster Schritt in Richtung der Erwachsenenwelt. [[Anmerkung: - Kindheit ist kein eigenständiger Zeitraum mit einem eigenen Wert, sondern ein möglichst kurz zu haltende Übergangszeit von infancy zum Erwachsenenwelt. Schneller Erwerb des Alphabets, je schneller desto besser.]] Ein Bewußtsein entfaltete sich, daß wo die Infancy endete (das unmündige Kindesalter) die Kindheit begann (Erwerb der Sprachfähigkeit; der Beginn Lesen zu erlernen). Kinder wurden nun in Kategorien eingeteilt, verschiedene Stufen und Phasen von Kindheit, die ihre spezifische Erziehung brauchten. Es bildeten sich Peer Groups, die Gruppen von Gleichaltrigen, und es entwickelte sich eine eigene Jugendkultur. Die Kindersprache begann sich zu unterscheiden von der Erw.sprache, die Kleidung unterschied sich, es wurden Kinderspiele gespielt, etc. Mehr und mehr gab es „moderne“ Familien, geprägt von Literalität und Ansätzen von Pädagogik. Ein Bewußtsein von Individualität der Kinder (Kindheit) entwickelte sich. Zunächst nur bei „besseren Familien“, die sich dies leisten konnten, später aber wurde sie auch in den unteren Familien zum Standard, die sich ja immer an Höherem orientieren. Eine Notwendigkeit Kinder zu leiten und im vernünftigem Umfang vorsichtig an die Erw.-welt heranzuführen, war geboren. Kinder erlernten Erwachsenen Sachen wie logisches und folgerichtiges Denken, Fähigkeit unmittelbare Bedürfnisse aufzuschieben (Disziplin), Literalität zu erlernen, Leistungen auf dem Weg der Selbstbeherrschung zu erbringen, animalisches zu kontrollieren, usw. Dieses Verständnis von Kindheit brachte aber auch die Tendenz mit sich, kindliche Lebhaftigkeit zu beschränken. Werte wie Ruhe, Reglosigkeit, sich ruhig mit einem Buch zurückzuziehen, Nachdenklichkeit, Regulierung körperlicher Funktionen, wurden nun höher bewertet. Die Kindheit ist ein Prozess zum Erwachsen werden. [[ Anmerkung: Kindheit sollte aber nicht jene unliebsame Phase, in der das Kind so schnell wie möglich an die Erwachsenen Welt gewöhnt werden soll, und in die es möglich schnell einsteigen soll. Kindheit hat einen eigenen Wert, und nicht die Funktion einer Brücke zwischen Infancy und Erwachsenenwelt, welche möglichst rasch überquert werden muß]] Das Streben nach den Erwachsenenwelt war das Erziehungsziel schlechthin. Die Gefahr dieser aufkommenden Erz. ist jene der Einschränkung der natürlichen Kindheit.

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Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638112871
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2091
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Verschwinden Kindheit Neil Postman Kurzzusammenfassung Buches

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