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Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 9 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte

3. Midaregami

4. Japanische Frauenzeitschriften im zwanzigsten Jahrhundert

5. Das veränderte Selbstbildnis japanischer Frauen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon vor hundert Jahren haben Frauenzeitschriften in Japan mit zunehmender Industrialisierung einen erheblichen Einfluss auf den Lebensstil der japanischen Frau (Sato 2003: 78), wobei der heutige Stil nicht mehr mit dem des 20. Jahrhunderts identisch ist. In einem Artikel über Japanerinnen zu Ende des zwanzigten Jahrhunderts besagt Miller (2003: 295): „By rejecting the ineffectual body style of the unbaked maiden, still desired by many men, women are asserting a degree of adult independence and sexual autonomy”. Während heutzutage Mittel zur Brustvergrößerung und sexuelle Offenheit in Frauenzeitschriften angepriesen werden, wäre dies in der feudalistisch geprägten Meiji-Zeit undenkbar gewesen. Eine der Frauen, die zu dieser Zeit feministische Gedankenansätze entwickelt und sich für die Rechte und die Selbstverwirklichung der japanischen Frauen einsetzte, war Yosano Akiko. Was sie zur Entstehung des neuen Idealbilds der Frau beitrug und inwiefern sich dieses Ideal von dem der Meiji-Zeit unterscheidet, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Im Einzelnen soll genauer auf Yosano Akiko und die Taishō-Debatte um die Frauenrechte eingegangen werden so wie auf Yosanos Werk Midaregami (Verwickeltes Haar), japanische Frauenzeitschriften des zwanzigsten Jahrhunderts und das veränderte Selbstbildnis japanischer Frauen.

2. Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte

Die Dichterin Yosano Akiko war Mitglied der feministischen Bewegung in der Meiji Zeit und nahm an der Taishō-Debatte um die Frauenrechte teil, deren Anfänge auf 1912 zurückdatiert werden können. Bemerkenswert ist dabei ihre eigene Situation: Sie gebar zahlreiche Kinder, kümmerte sich um ihren arbeitslos gewordenen Ehemann und das Wohlergehen ihrer Familie (Rasplica Rodd 1991: 188). Somit verdiente Yosano sich den Titel der „neuen Frau“ (atarashii onna) (Rasplica Rodd 1991: 179). Zu der Zeit als der Begriff durch ein westliches Theaterstück aufgegriffen wurde, wurde die Definition der atarashii onna umstritten gesehen und diente als Auslöser für die Debatte um die Frauenrechte (Rasplica Rodd 1991: 175–176). Yosano Akiko stellte mit dem Essay „Women’s Complete Independence“, welches im März 1918 in der Zeitschrift Fujin Kōron erschien, klar, was sie in der Debatte verlangte:

I cannot agree with the European women’s movements’ demand for special economic protection from the state for women during pregnancy and childbirth. I, who feel that it is slave morality for women to be dependent on men because of their procreational role, must refuse dependency on the state for the very same reason. ...I am convinced that couples, both the husband and the wife, must take responsibility for the economic needs of their families. (Yosano Akiko, zit. nach Rasplica Rodd 1991: 192)

Yosano forderte völlige Unabhängigkeit für alle Frauen, sowohl von ihren Ehemännern als auch vom Staat, der im Jahre 1918 noch dieselbe Gesetzgebung wie in der Feudalzeit hatte. Diese besagte, dass eine Frau nicht als Haushaltsvorstand in der Familie gewählt wurden durfte und nur ein Mann innerhalb dieser alle wichtigen Entscheidungen zu treffen hatte (Taudin Chabot 1981: 257). Yosano hatte am eigenen Leibe erfahren, dass sie erst berühmt werden konnte, nachdem sie den erfolgreichen Dichter Yosano Tekkan geheiratet hatte (Rasplica Rodd 1991: 182), weswegen sie ein gerechtes System der Krankenversicherung für berufstätige Frauen forderte damit diese auch unabhängig von ihren Männern einen Beruf ausüben konnten (Rasplica Rodd 1991: 197).

Hiratsuka Raichō, Yamakawa Kikue und Yamada Waka, ihre Mitstreiterinnen in der „Debatte um den Mutterschutz“ (bosei hogo ronsō), wie die Debatte um die Frauenrechte auch genannt wird, hatten eine andere Auffassung von den Forderungen für „die neue Frau“. Vor allem Hiratsuka kritisierte Yosano sehr stark und behauptete die meisten Frauen könnten nicht die Belastung eines arbeitslosen Ehemanns und mehreren Schwangerschaften ertragen, weswegen der Staat vor allem Müttern besonderen Schutz bieten sollte (Rasplica Rodd 1991: 193).

Yamakawa hingegen forderte eine soziale sowie eine wirtschaftliche Reform für Frauen (Rasplica Rodd 1991: 194), was im weitesten Sinne mit Yosanos Idee der Krankenversicherungsreform übereinstimmte. Yamada verteidigte das traditionelle Meiji-Ideal der “gehorsamen Frau und weisen Mutter” (ryōsai kenbo) und war der Überzeugung: „It is a woman’s natural right as a mother to receive funds for her daily needs from her husband or from the state” (Rasplica Rodd 1991: 195); es sei kein Verlust der Unabhängigkeit einer Frau sich von ihrem Mann oder dem Staat Geld anzueignen um ihre Rolle als erziehende Mutter zu erfüllen.

Nach mehreren gegenseitigen Angriffen unter den „neuen Frauen“ endete die Taishō-Debatte im Jahre 1919 mit dem gemeinsamen Ziel der Befreiung der Frau, ohne dieses Ziel erreicht zu haben. Daraufhin widmeten die Beteiligten sich zusammen mit anderen Aktivisten das Leben anderer Japanerinnen durch Bildung und politische Beteiligung zu ändern, woraufhin 1919 die Shin Fujin Kyōkai (Vereinigung Neuer Frauen) entstand (Rasplica Rodd 1991: 198).

3. Midaregami

Widmet man sich der genaueren Analyse von Yosanos Werk Midaregami, stellt man fest dass dieses Werk im Bezug auf die damalige feministische Bewegung sehr auffällig ist. Das Werk wurde 1901 als Gedichtsammlung veröffentlicht (Rasplica Rodd 1991: 179). Die Leser hatten verschiedene Meinungen über Midaregami, auffallend ist dabei die Wirkungsweise der Gedichte: „Many readers did not take the poems as pure literature, but as expressive of a kind of freedom of thought to which they aspired” (Beichman 2007: 176). Kritiker wie Hatsu Kōnosuke lobten Yosano für ihren offenen Umgang mit Sexualität: „Akiko, a virginal twenty-year-old girl, liberated Japanese sensuality.“ (Hatsu Kōnosuke, zit. nach Beichman 2007: 176).

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Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656365761
ISBN (Buch)
9783656366683
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209074
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
Schlagworte
yosano akiko debatte frauenrechte

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