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Politische Kommunikation in den Massenmedien

Von der Inszenierung politischer Persönlichkeiten und ihrer Darstellung im Rahmen politischer Talkshows

Bachelorarbeit 2012 46 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

Abstract

1. Einleitung
1.1 Thematische Grundlage
1.2 Gegenstand und Zielsetzung
1.3 Überblick und Forschungsmethode

2. Politik in den Massenmedien
2.1 Stellung der Medien
2.2 Medien als politischer Transit
2.3 Rolle der Medien als politischer Aufklärer
2.4 Politische Funktionen der Medien

3. Aufbau und Inszenierung von politischer Kommunikation
3.1 Storytelling
3.1.1 Die Geschichte richtig erzählt
3.1.2 Die richtige Verpackung - Redaktionen und das Storytelling
3.1.3 Konflikt
3.2 Edutainment für Politik
3.2.1 Der unterhaltende Politiker
3.2.2 Risiken des Edutainments

4. Medienwirksame Persönlichkeiten
4.1 TV-Konformität
4.2 Personalisierung
4.3 Medienrhetorik

5. Visuelle und dramaturgische Relevanz
5.1 Bildtechniken
5.2 Emotionalisierungsstufen beim Zuschauer

6. Die politische Talkshow
6.1 Das inszenierte Gespräch
6.2 Bedeutung für Politik und Parteien
6.3 Erfolgsgründe
6.4 Vertreter aus Politik (wer und warum?)

7. Fazit

Quellenverzeichnis

Abstract

Vorliegende Arbeit hat das Feld der politischen Kommunikation als Grundlage. Sie behandelt die bewusst gestaltete Darstellung von Politikern in den Massenmedien. Hierbei soll speziell Einblick darüber gegeben werden, welcher Mittel und Instrumente sich moderne Parteien und Politiker bedienen, um ihren Bekanntheitsgrad zu fördern und ihre Ziele zu erreichen. Die Arbeit soll Aufschluss darüber geben, welche Notwendigkeit vorherrscht, sich als große Partei der Medien anzubieten und mit diesen zu kooperieren. Diese Grundlagenerläuterung ist Basis für das besondere Beispiel eines sehr erfolgreichen TV-Formates. Der politischen Talkshow. Ziel der Arbeit ist es darzustellen, in welche Richtung sich politische Kommunikation im medialen Kontext entwickelt und warum gerade die politische Talkshow in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle einnimmt. Wissenschaftliche Grundlage der Erarbeitung ist größtenteils eine Literaturanalyse diverser Kommunikationswissenschaftler und Experten der Branche. Im Ergebnis wird deutlich, dass Methoden und Strategien von politischen Akteuren und Medienmachern zu einer eingefahrenen Form des Polittalks geführt haben. Diese wird zwar immer noch mit Quote bestätigt, die Gründe liegen jedoch nicht in der Qualität des inhaltlichen Anspruchs, sondern in den Gewohnheiten medialer Betrachtung und der Suche nach Antworten.

Topic of this bachelor thesis is political communication. It deals with the purposeful representation of politicians in mass media. Furthermore it gives information about methods and instruments which are used by political parties and politicians to support their popularity and to reach their goals. The thesis gives indication of the necessity to serve the media and cooperate with them as a political party. This explanation is the base for a specific example of a successful TV format. The political talk show. The objective of the thesis is find out in which direction political communication is developing in context of mass media and why political talk shows are so important in that connection. Scientific foundation is a literature analysis by scientists of communications and experts of the branch. Conclusion shows that political actors and media strategists pushed the kind of the political talk show into a static format. Even if the audience rating still confirms a success the reason is not content of quality. It’s much more the habit of media consumption and the search for answers.

1. Einleitung

1.1 Thematische Grundlage

In der Bundesrepublik Deutschland existieren fünf Fernseh-Vollprogramme1, neun öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalten2, insgesamt 54 Fernsehsender3, 245 Radiosender4, 1690 Zeitungsformate, 7722 Zeitschriften und unzählige Newsblogs. Man kann ohne Zweifel behaupten, Deutschland ist eine Informationsgesellschaft. Informationen erzeugen Meinungen, Meinungen sorgen für Pluralismus. Eine Voraussetzung die sich Medienschaffende für ein ganz besonderes Medienformat zu Nutze machen. Die politische Talkshow. Nirgends sonst finden gesellschaftliche und politisch relevante Diskussionen ein derart öffentliches Forum wie im Polittalk. Hitzige Debatten, konfrontative Auseinandersetzungen, brisante Konstellationen. Die Idee scheint aufzugehen. Seit Jahren stoßen Talkshows auf eine hohe Akzeptanz bei den Zuschauern und verdrängen damit andere, teils ehemals erfolgreiche Formate von ihren Sendeplätzen.5Hohe Einschaltquoten, duzende verschiedener Sendungen und häufige Partizipation Politiker der ersten Riege geben den Redaktionen und Anstalten Recht. Der Polittalk lebt. Grund genug, genauer hinzuschauen und zu überprüfen, warum das so ist. Denn wo politisch kommuniziert wird, gibt es auch, gerade bei den Verfolgern, politisches Interesse. Interessanterweise steht dieser Entwicklung eine völlig widersprüchliche Situation gegenüber. Politisch Interessierte werden seit Jahren weniger6. Zwar stabilisiert sich die Statistik in letzter Zeit7, trotzdem berührt gerade junge Menschen das Thema Politik nur peripher8. Um diese Diskrepanz aufzuklären gilt es, die politische Talkshow im Einzelnen näher zu beleuchten und eine Entwicklung in der politischen Kommunikation zu erläutern, welcher sich die politische Talkshow kräftig bedient. Der medienwirksamen Inszenierung von Politikern.

1.2 Gegenstand und Zielsetzung

Gegenstand der Arbeit ist es, eine möglichst aufschlussreiche Betrachtung moderner Methoden zu geben, welcher sich Politiker und Parteien annehmen, um möglichst positive Wirkung beim Bürger im Zusammenspiel mit Medien zu erzielen. Hierbei wird im Speziellen auf den Bereich der Fernsehmedien (Bewegbilder) eingegangen. Verfolgt wird die Frage nach der Wichtigkeit einer wirkungsvoll positiven Inszenierung politischer Persönlichkeiten im Massenmedium Fernsehen. Exemplarisch wird dabei das Format der politischen Talkshow aufgegriffen, da sie dem Anschein nach das passende Forum für jene Art von Darstellung bietet. Kernfragen dabei sollen sein: Welche Strategien der Inszenierung gibt es? Welche Voraussetzungen müssen für eine telekonforme Darstellung erfüllt werden? Was macht die Talkshow so erfolgreich und warum ist sie wie sie ist?

1.3 Überblick und Forschungsmethode

Um eine möglichst fundierte Grundlage zu schaffen beginnt die Arbeit mit der Erläuterung des Verhältnisses von Medien und Politik. In diesem Kontext wird näher darauf eingegangen, welche spezifische Rolle die Medien als politischer Informant für die Gesellschaft haben. Das nächste Kapitel beschreibt Methoden der Inszenierung politischer Personen in der modernen Informationsgesellschaft. Daraus hervorgehend sollen nachfolgend Umsetzungen der medienwirksamen Darstellung gezeigt werden. Hierbei geht es um drei Schwerpunkte. Welche Personen besonders geeignet sind, um sich im Rahmen des Fernsehens darzustellen, welcher Voraussetzungen es bedingt, um eine solche Person verkörpern zu können und welche visuellen und dramaturgischen Vorgehensweisen es seitens der Akteure und Macher bedingt, um den Zuschauer möglichst fest zu binden. Im letzten Kapitel wird auf das exemplarische Beispiel der politischen Talkshow eingegangen. Begonnen wird mit der Erläuterung des Formats. Differenzierter betrachtet folgt eine Analyse des mediengerechten Gesprächs. Die Bedeutung für die Akteure soll der nächste Abschnitt erklären, gefolgt von den Erfolgsgründen der politischen Talkshow. Abschließend wird erläutert, warum die Talkshow, speziell in Bezug auf die Gästeauswahl, bestimmte Merkmale aufweist, welche immer wiederkehren und welche Kritik sie damit hervorruft.

Das wissenschaftliche Herangehen der vorliegenden Arbeit fand generell unter Zuhilfenahme der Literaturanalyse statt. Die angewendeten Quellen weisen dabei einen Anteil an kommunikationswissenschaftlichem aber auch populärwissen- schaftlichem Charakter auf. Dies liegt begründet in der Tatsache, dass es sich bei dem Thema „Talkshow“ durchaus um einen relevanten Gegenstand der Kommunikations- und Politikwissenschaft handelt. Vor allem aber handelt es sich um ein populäres TV-Format, welches für den interessierten Zuschauer in vorwiegend populärwissenschaftlicher Literatur behandelt wird. Der Autor bittet darum, diese Ausgangslage für die Ausarbeitung zu berücksichtigen.

2. Politik in den Massenmedien

Das Verhältnis von Politik und Medien ist im Grunde so alt, wie die Medien selbst. Wobei in diesem Zusammenhang der BegriffMedienals das zu betrachten ist, wie moderne Massenmedien heute verstanden werden.

„Sammelbezeichnung für alle Kommunikationsprozesse, die sich öffentlich und allgemein zugänglich über technische Übertragungsmittel meist einseitig an ein weit verstreutes anonymes Publikum richten.“9

Gemeint sind also in erster Linie die Klassiker der Informationsmedien wie Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. In jüngerer Geschichte gesellen sich zu dieser Zusammenstellung natürlich noch die Rundfunkmedien, Ton- und Filmträger sowie die Digitalmedien hinzu. Um das Verhältnis von Politik und Medien allgemein zu betrachten, soll im vorliegenden Kontext das Medium als Informationskanal über Politik, gerichtet an den Bürger, verstanden werden. Deutschland genießt, bedingt durch seine Geschichte, eine sehr liberale und moderne Medienlandschaft. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung (Art. 5 Abs. 1 GG10) und die damit verbundene Pressefreiheit („Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […] Eine Zensur findet nicht statt.“11) sind nicht nur eine hart erkämpfte und durch die Geschichte geprägte Errungenschaften, im Zusammenhang mit Berichterstattung spricht man mittlerweile von einer einflussreichen Verantwortung der Medien. Durch die hohe Akzeptanz und starke Präsenz, sind Medien der Jetztzeit an der Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Prozesse beteiligt. Die Einflussnahme einer subjektiven Darstellung von Geschehnissen ist jedoch kein Geheimnis, das sich erst mit der Emanzipation der Medien verdeutlicht hat. Da der Bürger in der Regel nicht selbst politische Entscheidungen und Vorgänge am Platz des Geschehens verfolgt, sind sie der Informationskanal, auf den er sich verlässt. Zur Zeit der Aufklärung in Europa und der Französischen Revolution kritisierte Joseph II12die Möglichkeiten freier Publikation, welche die „Grundsätze aller Religion und Sittlichkeit, aller gesellschaftlichen Ordnung zu untergraben die Bande aller Staaten, aller Nationen aufzulösen fähig sind.“13Und das, nachdem er bereits die Rechte der Meinungsäußerung gelockert hatte. Es wird deutlich, dass die theoretische Machtposition in einer Gesellschaft mit freien Medien schon immer eine ernstzunehmende Rolle gespielt hat. Klar ist, dass solche extremen Ansichten mit dem Festhalten an Machtpositionen einer vergangenen Epoche zu tun haben. Hat man damals befürchtet, durch freie Meinungsäußerung und unzensierte Informationsweitergabe Aufruhr und Revolution herbeizuführen, so drückt sich das heute in einer weitaus liberaleren Rollenzuteilung aus.

2.1 Stellung der Medien

Die Begrifflichkeitdie vierte Gewaltordnet den Medien die inoffizielle Gleichstellung neben Legislative, Judikative und Exekutive ein. Medien haben auf verschiedene Art und Weise die Möglichkeit, die wahrgenommene Realität zu beeinflussen bis hin zur eigenen Gestaltung. Zwei fachlich perfektionierte Strategien hierbei sind:

1. Agenda Setting

Medien bilden Politische Vorgänge und Informationen nicht nur ab, sie selektieren, filtern und gestalten ihre Darstellung. So wird zwangsläufig eine subjektive Informationsvermittlung erzeugt. Der Rezipient nimmt nur noch den Ausschuss wahr und bildet sich demzufolge anhand dieser seine politische Meinung.14

2. Reziproke Effekte

Die Politik richtet sich in ihrer Themenfindung nach dem aktuellen Zeitgeschehen so wie es in und durch die Medien dargestellt wird. Reziproke Effekte werden aber auch dann geschaffen, wenn Politik sich nach den Maßregelungen der Medien richtet und politische Ereignisse mediengerecht aufbaut.

Es wird deutlich, dass die Medien einen hochrangigen Stellenwert im politischen Geschehen haben. Die Frage stellt sich, wie dieser Stellenwert zustande gekommen ist. Wie wird ein gesellschaftlicher Teil, ein Bereich oder gar eine Branche zu einem politischen Einflussnehmer? Für diese Frage ist es wichtig zu wissen, wie Politik in unserer Gesellschaft wahrgenommen wird.

2.2 Medien als politischer Transit

Niklas Luhmann beschreibt drei Arten von politischer Informationsweitergabe in modernen Gesellschaften. Die erste ist die direkte Interaktion zwischen politischen Akteuren und ihrer Umwelt. Eine Wahlkampfveranstaltung ist hier ein exemplarisches Beispiel. Gekennzeichnet ist diese Art von Informationsfluss durch die direkte Anwesenheit der Beteiligten. Die zweite Informationsweitergabe ist der Kontakt zwischen Politiker und Organisationssystemen. Hierbei beschränkt sich der Informationsaustausch auf die Weitergabe an Mitarbeiter eines oder mehrerer Organisationssysteme. Und dies selbst bei Nichtanwesenheit dieser. Im Hinblick auf eine demokratische Gesellschaftsordnung werden Informationen also bestenfalls durch Vertreter einer Gruppe bzw. des Volkes aufgenommen und verarbeitet. Nicht jedoch vom Bürger selbst. Diesen Ansatz greift eine Partei auf, um Informationen auf Organisationsebene transparenter zu gestalten. Die Piratenpartei bietet interne Beschlussfindungen, Verhandlungen und Diskussionen permanent via Onlinemedien zur Einsicht an. So heißt es im Wahlprogramm der Berliner Piratenpartei:

„Berliner werden durch die lückenhafte Wiedergabe von Sitzungen, Beratungen und Verhandlungen des Senats auf den Onlinepräsenzen des Landes Berlin und der Senatsverwaltungen nur unzureichend informiert. Jedoch ist freier Zugang, online wie auch offline, zu öffentlichen Daten, Sitzungsprotokollen, Berichten, Publikationen und Verhandlungsprotokollen Grundvoraussetzung für eine Beteiligung durch die Einwohner dieser Stadt. Alle Informationen sind unmittelbar und nachvollziehbar zu veröffentlichen.“15

Die Partei nimmt sich also bewusst diesem Thema an und lockert somit den Informationsaustausch auf Organisationssystemebene. Die dritte Ebene bezeichnet Luhmann als das Gesellschaftssystem. Hierbei handelt es sich um eine Interaktionsverflechtung zwischen Bürger und politischem Akteur. Das heißt, es findet eine kommunikative Erreichbarkeit statt. Diese Erreichbarkeit findet in modernen Gesellschaften durch Massenmedien statt. Und zwar nicht unmittelbar, sondern durch Medien vermittelt. Zwar finden sich in modernen Gesellschaften jede der drei Arten der Informationsweitergabe wieder, in „[…] hochgradig funktional differenzierten Gesellschaften sind politische Informationen jedoch zumeist massenmedial vermittelt.“16Dies macht deutlich, dass sich die Allgemeinheit politisch vorrangig über Massenmedien informieren lässt. Politikerfahrung und Meinungsbildung prägt sich durch das, was einem die Medien servieren. „Alles was wir über unsere Gesellschaft wissen, wissen wir durch Massenmedien. Es sei denn, wir sind im Urlaub.“17Die hohe Verantwortung, die den Medien damit zukommt, liegt auf der Hand. Sie sind die wichtigste und vorrangigste Quelle, um dem Volk Politik zu vermitteln. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, gibt es Maßnahmen. Eine der Wichtigsten ist der Rundfunkstaatsvertrag, welcher eine klare Aufgabe an die Medien stellt. Dieser formuliert einen wirtschaftlich und politisch unabhängigen Informationsauftrag. "Auftrag der Medien ist es, zu informieren, zu kritisieren und Orientierung zu versuchen."18Diesem Auftrag nehmen sich die Medien an. Die Ausführung erfolgt jedoch nach eigenen Regeln. Medien funktionieren nach der Regel des Dirigierens der Selbstbeobachtung einer Gesellschaft. Sie orientieren sich an der Schaffung höchstmöglicher Aufmerksamkeit immer wechselnder Themen und überlassen es der Gesellschaft am Ende selbst, wie sie diese interpretieren.19Die große Gefahr dabei ist jedoch zunehmend das Risiko des kollektiven Irrtums.20Zusammenfassend lässt sich also festhalten, Massenmedien sind der größte und wichtigste Kanal für die politische Information in der Gesellschaft. Sie richten sich nach einem klaren Auftrag, führen diesen, um funktionieren zu können, nach ihren eigenen Regeln aus. Sie filtern die Wahrnehmung politischer Vorgänge und geben so ein bedingtes Bild der Politik frei, welches zur neutralen Meinungsbildung beim Bürger reichen muss. Dem Journalismus kommt gesellschaftspolitisch die Rolle der vierten Gewalt zu. Medien sind somit als aktive Teilnehmer der politischen Kultur zu betrachten.21

2.3 Rolle der Medien als politischer Aufklärer

Wie vorhergehend beschrieben, haben (vor allem die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten) einen Informations- und Orientierungsauftrag. Angesichts des Nutzungsverhaltens und des gesellschaftlichen Stellenwerts der Massenmedien ist dieser Auftrag heute wichtiger denn je. Über kein anderes System beziehen die meisten Bundesbürger mehr Informationen als über die Medien. Indem sie den oben genannten Auftrag erfüllen, kann man von einer Funktionswirkung der Medien sprechen. Diese Funktionen der Medien sind rechtlich nirgends fixiert oder beschlossen. Trotzdem findet sich in der Kommunikationswissenschaft eine Darstellung der verschiedenen Bestimmungen der Medien wieder.

2.4 Politische Funktionen der Medien

Ein Teilbereich dieser Funktionen fällt in den Bereich des Politischen. Nachfolgend sollen nun diese Funktionen erläutert werden.

Herstellung von Öffentlichkeit

Ronneberger meint damit nicht die Versammlung an einem öffentlichen Platz.22Vielmehr spricht er von einer Öffentlichkeit die dadurch entsteht, dass „Informationen via Massenmedien veröffentlicht, also offiziell zugänglich gemacht werden.“23Es soll die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass die Willensbildung einer demokratischen Gesellschaft durch Klärung und Diskussionen von Meinungen und Standpunkten erreicht wird. Das Veröffentlichen von Programmen, Absichten, Forderungen und Zielen für alle, am politischen Prozess Beteiligten ist dafür Maßgabe.24Die Chance seine Informationen in diese Öffentlichkeit zu bringen, müssen theoretisch alle haben.25

Artikulationsfunktion

Medien sollen der Vielfalt von Interessen und Meinungen zur Artikulation verhelfen. „Das bedeutet, dass sie als Sprachrohr füralledemokratisch akzeptablen Parteien, Verbände und Interessengruppen fungieren (bzw. zu fungieren haben) und daher jeder einzelne mit seiner wirklichen Überzeugung im Darstellungsraum der Medien vertreten sein muss.“26

Korrelationsleistung

Laut Saxer haben die Medien nicht nur die Aufgabe, über ihre Möglichkeiten Standpunkte zu verbreiten, sondern diese auch sinngemäß zu reduzieren um sie auf ein übersichtliches Level zu bringen. Darüber hinaus sollen Medien Informationen verständlich formulieren, artikulieren bzw. übersetzen.27

Politische Sozialisationsleistung

Angesichts des hohen Differenzierungsgrades einer modernen Gesellschaft, wird auch das politische System immer unübersichtlicher. Die Sozialisationsfunktion hat hier die Aufgabe, vor allem die verschiedenen politischen Rollen (Wähler, Parteien, Mitglieder, Demonstranten, etc.) zu erklären. Nur unter diesen Gegebenheiten ist eine eigene Einordnung und schließlich aktive Teilnahme möglich.28

Bildungsfunktion

Laut Ronneberger ist die Bildungsfunktion eng verknüpft mit der Sozialisierungsleistung und doch differenziert zu betrachten. Ziel ist es, dem Bürger die Fähigkeit zu geben, Informationen zu empfangen und verarbeiten zu können. Diese Art von Bildung mündet in der Fähigkeit einer eigenen Meinungsbildung.29

Kritik- und Kontrollfunktion

Eine funktionierende Demokratie ist daran zu erkennen, dass in ihr auch Kritik geäußert werden darf. Kritik ist zu verstehen als eine Meinung, die mit der Meinung einer anderen Einrichtung oder Person auseinandergeht. Die Massenmedien sollen hier die verschiedenen Perspektiven/ Kritiken öffentlich darstellen, um ein transparentes Bild der Divergenzen zu erhalten.30

3. Aufbau und Inszenierung von politischer Kommunikation

Trockene Haushaltsdebatten. Ungreifbare, außenpolitische Themen. Dimensionen in Zahl und Wert, die für den Bundesbürger in keinem vorstellbaren Verhältnis stehen. Die Themengebiete heutiger politischer Inhalte können dafür sorgen, dass der Bürger Politik nur noch als bezugsferne Welten wahrnimmt. Wer als politischer Vertreter, die Aufmerksamkeit des potentiellen Wählers erreichen möchte, muss sich Verständigungsbrücken schaffen. Hierbei soll es nicht darum gehen, kommunikativ denselben Level zu erreichen, sondern vielmehr darum, sprachliche und darstellerische Mittel zu finden, um einen Rahmen von Inhalten rezeptorisch attraktiver zu gestalten.

3.1 Storytelling

Die narrative Verpackung stellt eine sehr potente Methode dieser Mittel dar. Eine Geschichte erzählen oder auch das Storytelling bedeutet im allgemeinen Vermarktungskontext, ein Produkt oder eine Marke von einer Konkurrenz zu unterscheiden, in dem man es/ sie durch eine Geschichte im Wert auflädt. Der Gegenstand wird in eine organische Hülle gewickelt und somit individuell und authentisch gestaltet. Das Mittel dieser Methode ist keinesfalls neu. Die PR und das Marketing bedienen sich hier einem uralten Bedürfnis, welches diese Strategie so erfolgreich macht. Menschen haben sich schon immer Geschichten erzählt. „Geschichten faszinieren, unterhalten, stimulieren, prägen sich ein, lassen die Welt mit anderen Augen sehen.“31Geschichten regen Denkprozesse an, die dazu führen, sich intensiv mit einem Gegenstand zu beschäftigen.

Die nutzbringenden Merkmale von Storytelling sind:

- Storytelling macht neugierig.
- Es löst Emotionen aus.
- Es vermittelt das Gefühl von Vertrautheit.
- Storytelling macht komplizierte Zusammenhänge und Vorgänge verständlich.32

Die Kunst, Politik in ein Narrativ einzubetten ist eine Aufgabe an modernes politische Handeln. Im Idealfall sollte dem Wähler eine identitätsbildende Geschichte für Deutschland erzählt werden. Diese Geschichte kann die sinnstiftende Grundlage für das Verständnis politischer Entscheidungen werden.33Sie führt im Idealfall zu einer zu Entfremdung des Politischen bzw. zur Entpolitisierung.34Aus Sicht des Politikerberaters Michael Sprenger ist das Storytelling nicht nur nützlich, sondern essentiell geworden. „Storytelling ist aus meiner Sicht ein unverzichtbares Mittel der Politik von heute, weil es der einzige Weg oder fast der einzige Weg ist, mit dem man die Wähler noch erreichen kann.“35

3.1.1 Die Geschichte richtig erzählt

Nun reicht es jedoch nicht alleine aus, einen (politischen) Gegenstand als eine Geschichte zu verpacken. Jeder weiß schon seit Kindertagen, dass es auch darauf

3. Aufbau und Inszenierung von politischer Kommunikation 10

ankommt, wer die Geschichte vorträgt bzw. wie. Die Fähigkeit, eine Geschichte authentisch zu kommunizieren ist eine Leistung, welche von einem guten Politiker beherrscht werden sollte. Wichtige Regeln hierbei sind unter anderem die Folgenden: Kurze Sätze verwenden, keine Nebensatzkaskaden benutzen, die sichere Bewegung vor der Kamera, ruhig mal ein paar Gags oder Metaphern einbringen. Zudem sind Formulierungen, die hängen bleiben sehr wichtig. Sie bilden die Agenturtauglichkeit und decken das Unterhaltungsbedürfnis der Leute ab. Wichtig außerdem zu beachten ist, dass der politische Inhalt im Vordergrund steht. Ein Kippen in Trivialität sorgt im ungünstigsten Fall für einen Wandel vom Politiker, der die Sprache der Bürger spricht hin zur Ulknudel, die man nicht mehr ernst nehmen kann. Storytelling sollte und kann keine Politik ersetzen.36

3.1.2 Die richtige Verpackung - Redaktionen und das Storytelling

Doch nicht nur aus der Perspektive der Politiker ist ein Thema, gepackt in eine gute Geschichte, ein hilfreiches, kommunikatives Transportmittel. In Bezug auf TV-Formate bemühen sich Journalisten und Redakteure redlich, ihre Inhalte in eine persönliche und empathisch adaptive Hülle zu stecken. Ein ganz deutliches Beispiel ist die Besetzung der Gäste in einer politischen Talkshow. Neben Politikern wird der Gästekreis oftmals durch Einladungen von Experten, Journalisten, Unternehmern und Bürgern aufgestockt. Der Diskussionshorizont soll damit erweitert werden.37Im Fall der TV - Show „Anne Will“ wird dies durch das sogenannte „Betroffenen-Sofa“ umgesetzt. Persönlich betroffene Personen aus dem alltäglichen Leben stellen ihre subjektiven Eindrücke und Erlebnisse zu einem Thema dar. Der Geschichte wird somit redaktionell die authentische, lebensnahe Verpackung verliehen. Die Krankenschwester, die Überstunden macht, der Gewerkschaftler, welcher sich mit den Vorständen um Tarifverhandlungen bemüht oder die Friseurin, welche unter dem geforderten Mindestlohn arbeiten muss. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen, welche aus dem wahren Leben stammt und nüchterne Reformen und Gesetze wesentlich greifbarerer macht. Dem Zuschauer soll Vielfalt und Wirklichkeitsnähe bei gleichzeitig nicht zu kurz kommender Unterhaltung geboten werden. Neben der Besetzung finden in den Radaktionen aber noch andere Vorkehrungen statt, um dem Sendungstypus, wie in einer Geschichte, einen höchstmöglichen Spannungsbogen zu geben. Es ist die Konstellation der Gesprächsgäste, die Sortierung und Formulierung der Fragen des Moderators, die konfrontativen Einspielungen von aufbereiteten Filmchen und feste

[...]


1Siehe dazu o. V. (2009): Internationales Handbuch Medien, Hrsg. Hans-Bredow-Institut, 28. Auflage, Baden Baden, S. 267.

2Siehe dazu o. V. (2011): Mitglieder der ARD, Hrsg. Ard.de, URL: http://www.ard.de/intern/mitglieder/-/ id=8146/cjedh0/index.html [Stand: 13.08.2012]

3Siehe dazu o. V. (2007): Interessantes aus der Werbewelt, Hrsg. Global Werbeagentur, URL: http://www.global-werbeagentur.de/news.html#medien [Stand: 13.08.2012]

4Ebd.

5Vgl. Gäbler, Bernd (2011): Zusammenfassung der Studie. „... und unseren täglichen Talk gib uns heute!“, Hrsg. Otto Brenner Stiftung, URL: http://www.otto-brenner-shop.de/fileadmin/ user_data/shop/ dokumente/obs_arbeitshefte/2011_08_12_AH68_Talkshow_Ergebnisse.pdf [Stand: 13.08.2012] Vgl. Schmidt, Steffen (2011):

6Politisches Interesse, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung, URL: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/ 47506/politisches-interesse?p=all [Stand: 13.08.2012]

7Vgl. o. V. (2012):Interesse der Bevölkerung für Politik von 2007 bis 2011, Hrsg. Statista, URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/168745/umfrage/interesse-der-bevoelkerung-fuer- politik/ [Stand: 13.08.2012]

8Vgl. o. V. (o. J.): Jugend und Politik, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung, URL: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/40294/jugend-und- politik?p=all [Stand: 13.08.2012]

9 Vgl. o. V. (o. J.): Massenmedien, URL: http://www.wissen.de/lexikon/massenmedien [Stand: 13.08.2012]

10Siehe dazu o. V. (2012): Grundgesetz, URL: http://dejure.org/gesetze/GG/5.html [Stand: 13.08.2012]

11 Ebd.

12Joseph II., Benedikt August Johann Anton Michael Adam (* 13. März 1741 in Wien; † 20. Februar 1790 ebenda), war ein Fürst aus dem Geschlecht Habsburg-Lothringen, Erzherzog im Erzherzogtum Österreich, wurde 1764 römisch-deutscher König und war von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ab 1780 auch König von Böhmen, Kroatien und Ungarn.

13Strasser (1962), zitiert nach Wilke, Jürgen (2008): Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte, Köln/Weimar/Wien, S. 133.

14 Vgl. Bußkamp, Heike (2002): Politiker im Fernsehtalk. Strategien der medialen Darstellung des Privatlebens von Politikprominenz, Wiesbaden, S. 19.

15 Vgl. o. V. (2011): Wahlprogramm Berlin 2011, Piratenpartei Deutschland, Landesverband Berlin, URL: http://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2012/02/Wahlprogramm-Berlin-2011.pdf, S. 10 [Stand: 13.08.2012]

16Bußkamp (2002), S. 17.

17Luhmann, Niklas (1986): Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?, Opladen, S. 9.

18Leyendecker, Hans in Konken, Michael (2005): Medienmacht und Medienmissbrauch, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung, URL:http://www.bpb.de/apuz/28622/medienmacht-und- medienmissbrauch?p=all) [Stand: 13.08.2012]

19Vgl. Meyer, Thomas/Ontrup, Rüdiger/Schicha, Christian (2000): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen, Wiesbaden, S. 35.

20Vgl. ebd., S. 139.

21 Vgl. Groebel, Jo (2009): Polittalk: (K)Ein Nachruf, in: Michel, Sascha/Girnth, Heiko (Hrsg.): Polit- Talkshows - Bühnen der Macht, Bonn, S. 71.

22Vgl. Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft, 4.,überarbeitete und aktualisierte Auflage, Wien/Köln/Weimar, S. 363.

23Ebd.

24Vgl. ebd., S. 391.

25Vgl. ebd., S. 393.

26 Vgl. ebd.

27Vgl. ebd., S. 394.

28Vgl. ebd., S. 395.

29Vgl. ebd.

30 Vgl. ebd., S. 396.

31Hasenbeck, Manfred (2008): Imagegewinn durch Storytelling, URL: http://www.kommunikationskongress.de/files/2012/05/Hasenbeck_Manfred.pdf [Stand:13.08.2012]

32Vgl. ebd.

33Neumann, Brigitte (2010): Mächtige Geschichtenerzähler, URL: http://www.dradio.de/ dlf/sendungen/marktundmedien/1254266/ [Stand:13.08.2012]

34Vgl. Altwegg, Jürg (2009): Die Märchen der Macht, URL: http://www.faz.net/ aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/politische-rhetorik-die-maerchen-der-macht-1754362.html [Stand: 13.08.2012]

35 Neumann (2010).

36Vgl. Neumann (2010).

37 Vgl. Ramsauer, Peter (2009): Politische Talkshows: Wie sie wirken und wozu sie nützen aus der Sicht eines Betroffenen, in: Michel, Sascha/Girnth, Heiko (Hrsg.): Polit-Talkshows - Bühnen der Macht, Bonn S. 61.

Details

Seiten
46
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656463580
ISBN (Buch)
9783656466703
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209051
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
2,0
Schlagworte
politische kommunikation massenmedien inszenierung persönlichkeiten darstellung rahmen talkshows

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Titel: Politische Kommunikation in den Massenmedien