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Auswirkungen der AIFMD auf Hedgefonds

Seminararbeit 2012 35 Seiten

Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

A - Einleitung: Methode und Gang der Darstellung

B - Die alternative Anlageform Hedgefonds im Überblick
I. Begriffsbestimmung und Merkmale von Hedgefonds
II. Beteiligte der Hedgefonds-Struktur
1. Die Fondsgesellschaft
2. Der Fondsmanager
3. Der Adviser
4. Der Prime Broker
5. Der Administrator
6. Die Depotbank
7. Der Executing Broker
III. Hedgefonds-Strategien im Überblick
1. Marktneutrale Strategien
a) Fixed Income Arbitrage
b) Convertible Arbitrage
c) Equity Market Neutral
2. Ereignisgetriebene Strategien
a) Merger Arbitrage
b) Distressed Securities
3. Opportunistische Strategien
a) Global Macro
b) Long/Short Equity
c) Short Selling
d) Emerging Markets
4. Managed Futures

C - Zentrale Auswirkungen der AIFM-Richtlinie auf Hedgefonds
I. Auswirkungen der AIFMD auf Hedgefonds-Strategien
1. Transparenz der angewandten Strategie
2. Beschränkung des Leverage-Effekts
II. Auswirkungen der AIFMD auf Hedgefonds-Manager
1. Zulassungspflicht
2. Bedingungen für die Ausübung der Tätigkeit
3. Transparenzanforderungen
4. Regelungen speziell für Hedgefonds
5. Regulierung der Vergütung
6. Zwischenergebnis
III. Auswirkungen der AIFMD auf Anleger
1. Der Grundsatz von der Ambivalenz der Anlegerinteressen
a) Zuwachsinteresse
Transparenzregeln 1
Transparenzregeln 2
Transparenzregeln 3
b) Sicherheitsinteresse
Transparenzregeln 4
Transparenzregeln 5
2. Der Grundsatz von der Dichotomie der Anleger

D – Schlussbetrachtungen

AIFMD – Auswirkungen auf Hedgefonds

A - Einleitung: Methode und Gang der Darstellung

„Die Begriffe, die man sich von etwas macht, sind sehr wichtig.

Sie sind Griffe, mit denen man Dinge bewegen kann.“[1]

Berthold Brecht

„Regulierung von Hedgefonds“ – damit scheint der Untersuchungsgegenstand schnell abgesteckt, denn die maßgeblichen Probleme einer Untersuchung zu diesem Thema stecken im Begriff „Regulierung“ selbst. Die Inhalte, mit denen man diese Begrifflichkeit auszufüllen gedenkt, stellen eine Grenze dar. Und am Ende wird diese Grenze bestimmen, wie weit man reguliert und damit das Ergebnis ausmachen.

Regulierung kann man als Auftrag verstehen, der grenzenlos sein kann. Alles was notwendig zu regulieren ist, wird auch reguliert. Das kann ein Verbot von Hedgefonds bedeuten, oder die Einsicht, dass es nicht vernünftig wäre ein solches Gebilde unter bestimmte Normen zu zwingen. Diese Meinung scheint sich als das zu empfehlen, was man gemeinhin als „Extremposition“ im Spektrum der Ansichten bezeichnet. Interessant ist sie aus zweierlei Gründen:

Zum einen, weil mit ihr keine Entscheidung darüber getroffen ist, wann eine Regulierung notwendig sein soll. Das ist zugleich Ihre größte Schwäche – denn trotz der normalerweise gegebenen „Griffigkeit“ solcher Positionen ist diese hier unscharf.

Der zweite Grund ist, sie wird überwiegend vertreten. Unter die Extremposition fällt sowohl die Ansicht, dass der Markt Regelung genug ist und jede weitere Regelung der Marktwirtschaft Opposition ist; als auch die Ansicht, dass der „Raubtierkapitalismus“ gar nicht genug gebändigt werden kann, weil man es nicht zulassen will, dass Heuschrecken Löcher ins mühsam erkämpfte soziale System fressen[2].

Damit deckt die „Extremposition“ den überwiegenden Teil der Ansichten ab. Es wäre daher ratsam, sie zum Ausgangspunkt unserer Untersuchungen zu machen, gibt doch die Praxis den Untersuchungsgegenstand vor - Jellinek sprach von „der normativen Kraft des Faktischen“[3].

Dennoch entscheiden wir uns für eine andere Form der Bearbeitung und wählen eine zweite Position als Ausgangspunkt, weil wir wissen, dass nur „die Ungerechtigkeit die Extreme hervorbringt.“[4] Es ist die theoretisch-wissenschaftlichere (man kann auch sagen liberalere) Position. Trotzdem wollen wir sie aus dem so maßgebenden wirtschaftlichen Alltag herleiten:

„Erst wenn die Ebbe kommt, weiß man, wer nackt geschwommen ist.“[5]

Warren Buffet

Jedem sofort einsichtig ist, möchte man den Markt regulieren, es dabei nicht um die Regulierung von Schwimmengehen an sich oder von Ebbe und Flut gehen kann. Vielmehr geht es bei der Untersuchung adäquat-notwendiger Regulierungsmaßnahmen um die Frage, in wie weit man das „Nacktschwimmen“ regulieren soll. Diese Frage ist nämlich die, die übrig bleibt, geht man nach der gerade beschriebenen Substitutionsmethode vor.

Der Begriff Regulierung ist also nicht als inhaltsleerer Auftrag zu verstehen – als Hülle ohne Inhalt. Er ist vielmehr immer in Bezug zu setzen und somit relativiert zu untersuchen, nicht bloß zu einer quantitativen Regulierungsposition, sondern zu dem, was man mit der Regulierung qualitativ erreichen möchte.

Das fragt nach der Antwort, welche Qualität beabsichtigte Regulierungsmaßnahmen haben müssen oder vielmehr, zu was man sie in Bezug setzen muss. Weil Regulierung durch Gesetze gemacht wird, Gesetze aber das Ergebnis politischer Auseinandersetzungen und diese wiederrum durch normative Entscheidungen geprägt sind, kommt es auch auf diese normativen Entscheidungen an. Diesen Entscheidungen liegen wieder Interessen zugrunde, die somit als Ursprung von Regulierungsmaßnahmen zu identifizieren sind. Dabei kommt es uns wegen räumlicher und zeitlicher Grenzen nur auf unmittelbare Interessensphären an.

Zuerst sind hier die Interessen der Fondsmanager zu nennen, deren Wirken untrennbar und unmittelbar mit Bestand und Entwicklung des Fondsvermögens zusammenfällt.

Es gibt die Interessen der Anleger, die ihr Vermögen zu einem Sondervermögen zusammenfassen und die Arbeit als Fonds so erst ermöglichen.

Es gibt zuletzt eine große Auswahl von Finanzinstrumenten (Strategien) als maßgebliche am Markt sichtbare Handlungen, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden und damit den Zweck des Fonds erreichen oder nicht erreichen. Die Nebeneffekte dieser Strategien (z.B. ungedeckte Leerverkäufe) können erheblich negative Auswirkungen haben. Sie zu vermeiden kann als Funktionsschutzinteresse der Kapitalmärkte bezeichnet werden.

Diese Interessen sollten Entscheidungen über Regulierungsmaßnahmen daher zugrunde liegen und zueinander so in Bezug gesetzt werden, dass alle Interessensphären sich bestmöglich optimieren. Ob diese adäquat-wirkungsvolle Einarbeitung in die Regelungskomplexe der AIFMD-Richtlinie beachtet und hinreichend umgesetzt wurde, ist Grundlage unserer kritischen Auseinandersetzung mit diesem gesamteuropäischen Regelungsversuch.

B - Die alternative Anlageform Hedgefonds im Überblick

I. Begriffsbestimmung und Merkmale von Hedgefonds

Kaum ein anderer Begriff wird in der Finanzwelt so kontrovers diskutiert wie der des Hedgefonds. Trotz häufiger Verwendung des Begriffes in der Presse ist vielen die tatsächliche Definition von Hedgefonds oftmals unbekannt. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen „hedge“, was in der Regel mit „absichern“ zu deuten ist.[6] Diese Übersetzung suggeriert im ersten Moment eine risikoarme oder gar risikolose Anlage. Tatsächlich haben sich Hedgefonds bereits Anfang des 18. Jahrhunderts auf die Absicherung gegen Preisschwankungen bzw. das Ausnutzen von Preisunterschieden an verschiedenen Handelsplätzen konzentriert.[7]

Heutige Hedgefonds dienen entgegen des klassischen „Hedging“ allerdings nicht mehr der Absicherung gegen Risiken. Sie sind nunmehr eigenständige Fonds mit unterschiedlichen Anlagestrategien und Risikoprofilen. Die modernen Hedgefonds werden als Investment einer Fondsgesellschaft auferlegt und haben das Ziel sowohl bei fallenden als auch bei steigenden Kapitalmärkten optimale Renditen zu erwirtschaften.[8] Gewöhnlich werden Hedgefonds nicht als Fonds geführt, sondern als Limited Liability Company (LLC) oder Limited Partnership (LP)[9], da Investmentfonds international streng reguliert sind.[10] Anleger bzw. Investoren beteiligen sich folglich an einem Unternehmen und haften nur mit ihrer Einlage. Die Investoren sind hier reine Kapitalgeber, während dem Sponsor (General Partner) ferner das Fondsmanagement obliegt. Diese Gesellschaften werden häufig in regulierungsarmen Ländern in der Karibik, auch „Offshore-Regionen“ genannt, registriert, um allen erdenklichen Regulierungen zu entgehen.[11]

Hedgefonds lassen sich insbesondere durch folgende wesentlichen Merkmale charakterisieren:[12]

- Das Hauptziel ist eine außerordentliche Gewinnmaximierung mit gleichzeitiger Verlustvermeidung. Dabei sind ihre Instrumente durch uneingeschränkte Freiheiten bei der Anlagestrategie bestimmt. Allerdings ist auch ein Totalverlust möglich
- Bei jeder Marktlage sollen Gewinne erwirtschaftet und somit alle Marktschwankungen „gehedged“ werden. Hauptwerkzeuge sind hierbei Leerverkäufe[13] und die Aufnahme von Fremdkapital[14] z.B. in Form von Krediten
- Fondsmanager können sehr flexibel agieren. Sie sind weder an Wertpapierarten, noch an Weltregionen, oder an Branchen gebunden sind. Ebenso dürfen sie uneingeschränkt in Derivate, wie Optionen und Futures, investieren
- Des Weiteren müssen sich die Manager der Hedgefonds an dem von ihnen gemanagten Fonds beteiligen. Dadurch sind sie in Höhe dieser Einlage haftbar. Andererseits werden sie dafür außerordentlich hoch honoriert. Dies geschieht erfolgsabhängig mit Prämien, die in etwa 20% des erwirtschafteten Gewinns ausmachen.[15]

II. Beteiligte der Hedgefonds-Struktur

Um die Wirkungen der AIFMD auf die Anteilsinhaber und die Arbeit der Fondsmanager besser zu verdeutlichen, sollen zunächst die wichtigsten Beteiligten der Strukturen eines Hedgefonds dargestellte werden. Zu diesen zählen neben der Fondsgesellschaft selbst der Fondsmanager, der Adviser, der Prime Broker, der Administrator, die Depotbank, sowie der Executing Broker.

1. Die Fondsgesellschaft

Die Fondsgesellschaft selbst kann in verschiedenen rechtlichen Formen geführt werden.[16] Ihr Sitz ist meist außerhalb Europas oder der USA in einem Offshore-Standort wie den Caymen Islands, British Virgin Islands, Bermuda, Bahamas oder den Niederländischen Antillen.[17] Bei den europäischen Standorten werden Irland und Luxemburg bevorzugt.[18]

2. Der Fondsmanager

Die bedeutendste Stellung in der Struktur des Hedgefonds kommt dem Fondsmanager zu. Dieser ist verantwortlich für die Investmentpolitik und die Risikokontrolle und bestimmt damit maßgeblich die Anlageentscheidungen.[19] Die natürliche Person des Managers arbeitet dabei vor allem an großen Finanzplätzen wie New York oder London.[20] Demgegenüber hat das Managementunternehmen, für das der einzelne Manager arbeitet seinen Sitz zumeist offshore. Im Rahmen der AIFMD werden keine Regelungen unmittelbar für den Manager als natürliche Person getroffen, sondern die Richtlinie bezieht sich gem. Art. 4 (1) b) AIFMD auf das Managementunternehmen als juristische Person.

Im Verlauf der Arbeit sollen neben den direkten Wirkungen für das Managementunternehmen auch die indirekten Auswirkungen auf die natürliche Person des Managers dargestellt werden.

3. Der Adviser

Der Adviser kann bei dem Managementunternehmen angestellt sein oder selbstständig arbeiten.[21] Seine Tätigkeit besteht in der Beratung des Managementunternehmens.[22]

4. Der Prime Broker

Der Prime Broker tritt meist in Form einer Investmentbank auf.[23] Die Aufgaben, die er für den Hedgefonds übernimmt sind sehr diffizil und bestehen unter anderem aus der Umsetzung der Strategien der Fondsmanager und Abwicklung der Transaktionen, sowie der Bereitstellung von Fremdkapital für leverage und Wertpapierdarlehen für Leerverkäufe, die Mitwirkung bei Buchführung und Offenlegung und die Hilfe beim Aufbau des operativen Geschäfts.[24]

5. Der Administrator

Der Administrator ist meist eine spezialisierte Verwaltungsgesellschaft mit Sitz im Heimatland des Hedgefonds und damit offshore.[25] Er ist zuständig für die Buchhaltung und die Bewertung des Fondsvermögens, sowie die Registrierung bei Behörden und Berichterstattung.[26]

6. Die Depotbank

Die Depotbank (custodian) verwahrt das Fondsvermögen und wickelt Transaktionen für den Fonds ab.[27]

7. Der Executing Broker

Der Executing Broker arrangiert die Durchführung des Handels, wobei die von den Advisern arrangierten Handel meist von mehreren Executing Brokern ausgeführt werden.[28]

[...]


[1] Brecht, Werke, Bd. 14, 1461.

[2] Vgl. Müntefering, Interview mit BILD am Sonntag v. 17. April 2005, zitiert nach: Möllers, Schriftliche Stellungnahme zum Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken vom 24. Oktober 2007 (BT-Dr. 16/7438 v. 7. Dezember 2007).

[3] Jellinek, Allgemeine Staatslehre, 338.

[4] Aristoteles, Nikomachische Ethik, 1133b.

[5] Berk/DeMarzo, Finanzwirtschaft, 58.

[6] Vgl. Pichl, Hedge Funds. Eine praxisorientierte Einführung, 5.

[7] Vgl. Böttger, Strukturen und Strategien von Finanzinvestoren, 60.

[8] Vgl. Kamp/Krieger, Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland, 27.

[9] Vergleichbar mit einer deutschen GmbH & Co. KG.

[10] Vgl. Lähn, Hedge Fonds, Banken und Finanzkrisen, 265.

[11] Vgl. Böttger, Strukturen und Strategien von Finanzinvestoren, 53.

[12] Vgl. Kamp/Krieger, Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland, 27f.

[13] Verkauf von bspw. Wertpapieren und Devisen, die sich nicht im Besitz des Verkäufers befinden. Dies geschieht mit der Absicht, sie später günstiger zu erwerben und an der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis zu profitieren. Aus einem Leerverkauf entsteht eine Short-Position.

[14] Wird Fremdkapital zu geringeren Zinsen aufgenommen als mit einem Investment an Rendite erzielt wird, so kann dadurch die Rendite des Eigenkapitals erhöht werden. Der Anleger kann mehr Geld investieren und somit einen höheren Gewinn erzielen. Diese Hebelwirkung wird als Leverage-Effekt bezeichnet.

[15] Vgl. Böttger, Strukturen und Strategien von Finanzinvestoren, 54.

[16] In Deutschland beispielsweise kommt für Single- und Dachhedge-Fonds die Organisation als Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft nach §§112f. InvG oder als Investmentaktiengesellschaft i.S.d.§96 InVG in Betracht.

[17] Berg, Finanzkrisen und Hedgefonds, 40; Wentrup, Die Kontrolle von Hedgefonds, 78.

Der Anteil der Offshore Hedge-Fonds lag 2008 bei ca. 50%; Kaiser, Hedgefonds, 39.

[18] Wentrup, Kontrolle von Hedgefonds, 78.

[19] Dabei ist es nicht unüblich, dass der Manager selbst auch an dem Fonds beteiligt ist; Graef, Aufsicht über Hedgefonds, 39.

[20] Berg, Finanzkrisen und Hedgefonds, 40.

[21] Wolf, Die Regulierung von Hedgefonds, 16.

[22] Wolf, Die Regulierung von Hedgefonds, 16.

[23] Kaiser, Hedgefonds, 1.Aufl., 111.

[24] Herring/Cristea, ZIP 2004, 1627, 1628.; Lindemann, BB 2004, 2137; von Livonius, WM 2004, 60, 64, Fn.56.

[25] Kaiser, Hedgefonds, 2.Aufl., 73.

[26] Wentrup, Die Kontrolle von Hedgefonds, 79.

[27] Kaiser, Hedgefonds, 2.Aufl., 72.

[28] Wolf, Die Regulierung von Hedgefonds, 17.

Details

Seiten
35
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656367789
ISBN (Buch)
9783656369400
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209048
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Wirtschaftsrecht
Note
12
Schlagworte
Praktikerseminar Regulierung von alternativen Anlagefonds AIFMD Wirtschaftsrecht Jura Hedgefonds Hedge-Fonds Auswirkungen Hedge-Fonds Strategien Anlagefonds Transparenz

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