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Die Entwicklung des produzierenden Gewerbes seit der Industrialisierung bis zur Gegenwart

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Relevanz des produzierenden Gewerbes
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Definition und Abgrenzung
2.1 Das produzierende Gewerbe
2.2 Industrialisierung versus industrielle Revolution
2.3 Kennzeichen der Industrialisierung

3. Der Weg zur industriellen Dienstleistungsgesellschaft
3.1 Die Rahmenbedingungen um 1800
3.2 Determinanten der Entwicklung
3.3 Die Phase der Hochindustrialisierung
3.4 Die Industrienation in der Zeit von 1914 bis in die 1970er Jahre
3.5 Der sektorale Wandel
3.6 Die Entwicklung des produzierenden Gewerbes im 21. Jahrhundert

4. Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Erwerbstätige nach Sektoren

Abbildung 2: Sektorale Anteile an Bruttowertschöpfung

Abbildung 3: Intersektorale Entwicklung

1. Zur Relevanz des produzierenden Gewerbes

Das Deutschland des 21. Jahrhunderts wird häufig als Dienstleistungs- oder Wissensgesellschaft bezeichnet. Dienstleistungen dominieren die Anteile an der gesamten Beschäftigung und dem Bruttoinlandsprodukt. Die Bedeutung des produzierenden Gewerbes im Sinne seiner Definition hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung verloren. So lag dessen Anteil ohne Baugewerbe am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2011 bei 25,60 %, während der Anteil der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei 1 % betrug (vgl. Statistisches Bundesamt 2012a, S. 10). Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte eine andere Situation. Zwar war Deutschland zu diesem Zeitpunkt keine reine Agrargesellschaft mehr, aber es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Bevölkerung vornehmlich in der Landwirtschaft Beschäftigung fanden (vgl. Hahn 2011, S. 6). Keine 100 Jahre später waren bereits mehr Menschen im produzierenden Gewerbe tätig, als in der Landwirtschaft.

1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit

Vor diesem Hintergrund thematisiert die folgende Arbeit das produzierende Gewerbe in Deutschland mit dem Ziel, einen Überblick über dessen bemerkenswerte Entwicklung von der Industrialisierung bis zur Gegenwart zu verschaffen. Zudem soll die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Entwicklungsprozesse dargestellt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach der Einleitung des Themas und der Darstellung des Aufbaus durch den ersten Abschnitt werden im Folgenden kontextrelevante Termini erläutert und definiert. Der dritte Abschnitt behandelt als inhaltlichen Schwerpunkt die Entwicklung des produzierenden Gewerbes. Im Fokus der Darstellung liegt die Entwicklung in Deutschland respektive den Regionen, die Deutschland zum betrachteten Zeitpunkt territorial definierten. Zunächst werden die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen jener Zeit skizziert, die die Basis für die Industrialisierungsprozesse bildeten. Im Anschluss werden die wesentlichen Determinanten des Entwicklungsprozesses erörtert. Dem zeitlichen Verlauf folgend werden in den weiteren Abschnitten entwicklungsrelevante Phasen bis in die heutige Zeit betrachtet. Die Arbeit endet mit einem kurzen Abriss zur Entwicklung des produzierenden Gewerbes. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.

2. Definition und Abgrenzung

2.1 Das produzierende Gewerbe

Die Definition des produzierenden Gewerbes wird im Rahmen dieser Arbeit als bekannt vorausgesetzt.

2.2 Industrialisierung versus industrielle Revolution

Hinsichtlich der Abgrenzung von Industrialisierung und industrieller Revolution liegt in der Forschung ein Disput vor. In Abhängigkeit der zugeordneten Charakteristika variiert die Bedeutung der Begriffe. So wird die industrielle Revolution zum einen als das, was mit dem Begriff Revolution einhergeht, verstanden, zum anderen wird dem Begriff eine evolutionäre Entwicklung beigemessen (vgl. Dressel 2010, S. 28 ff.; vgl. Kiesewetter 2004, S. 16 ff.). Vertreter der zweiten Variante präferieren daher den Ausdruck „Industrialisierung“. Dissens besteht auch hinsichtlich des Umfangs der Wandlungsprozesse. Diese können auf die ökonomisch-technologische Entwicklung der Produktionsprozesse reduziert werden oder aber auch die sozialen und politischen Entwicklungen mit berücksichtigen (vgl. Hahn 2011, S. 51 ff.). Infolgedessen wird im Rahmen dieser Arbeit auf die Definition sowie die absolute Datierung beider Begriffe beziehungsweise ihrer Phasen verzichtet.

2.3 Kennzeichen der Industrialisierung

Erfolgt die Betrachtung des Begriffs losgelöst von dem im vorangegangenen Abschnitt angesprochenen Disput, lassen sich industrialisierten Produktionsprozessen eindeutige Merkmale zuordnen. Neben Arbeitsteilung und Massenproduktion ist die signifikante Mechanisierung der Produktion besonders kennzeichnend. Der intensive Einsatz von Maschinen und Kapital impliziert zudem die räumliche Konzentration der Produktionsmittel. Bei einer Betrachtung über den Produktionsprozess hinaus sind die Trennung von Verwaltung und Produktion sowie die Beschäftigung von ungelernten und angelernten Arbeitskräften zu nennen (vgl. Wildmann 2010, S. 53), welche ferner einen sektoralen Wandel nach sich zieht. Hierunter ist im Kontext die Verlagerung von Beschäftigung vom primären in den sekundären Sektor zu verstehen (vgl. Nonn 2007, S. 36 f.).

3. Der Weg zur industriellen Dienstleistungsgesellschaft

3.1 Die Rahmenbedingungen um 1800

Zum Ende des 18. Jahrhunderts war das heutige Deutschland ein Konglomerat bestehend aus einer Vielzahl territorialer Herrschaftseinheiten. Zahlreiche Zoll- und Mautlinien erschwerten den gebietsübergreifenden Handel (vgl. Kiesewetter 2004, S. 31). Grund- und Gutsherrschaft behinderten wirtschaftliche Entwicklungen in der Landwirtschaft. Diese Rahmenbedingungen hatten insbesondere im Agrarsektor eine subsistenzwirtschaftliche Produktionsstruktur zur Folge (vgl. Hahn 2011, S. 6). Im Handwerk wurden liberale Strukturen und Innovationen durch die Zünfte unterdrückt (vgl. ebd., S. 6). Jenen entwicklungshemmenden Faktoren ist jedoch ein hohes wirtschaftliches Entwicklungspotenzial in Form eines in Relation zu anderen Volkswirtschaften modernen Bildungssystems sowie eines entwickelten Verwaltungsapparats und ein hoher Grad an Rechtssicherheit gegenüberzustellen. Auch die Existenz von Städten, deren Bürger über ein ausgeprägtes kaufmännisches und gewerbliches Wissen verfügten, sowie das im internationalen Vergleich technologisch weiter entwickelte Gewerbe sind hier zu nennen (vgl. ebd., 2011, S. 7). Dennoch war um 1800 die Bedeutung des gewerblichen Sektors gegenüber der Landwirtschaft gering. Wie eingangs erwähnt war die deutliche Mehrheit der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt, während etwa 21 % im Gewerbe und der Rest im Dienstleistungsbereich Beschäftigung fand. Innerhalb des gewerblichen Sektors waren 82 % der Beschäftigten in der Textilindustrie tätig, wobei das Leinengewerbe den Schwerpunkt bildete (vgl. Pierenkemper 2007, S. 5 f.). Franklin Mendels definierte in seiner 1969 verfassten Dissertation diesen Zustand als Protoindustrialisierung, worunter eine vorindustrielle Industrie zu verstehen ist. Kennzeichnend hierfür ist der Einsatz ländlicher Arbeitskräfte in für überregionale und internationale Märkte in Massenproduktion produzierenden Heimgewerben (vgl. Hahn 2011, S. 68; vgl. Cerman/Ogilvie 1994, S. 9). Zur gleichen Zeit war in England, welches nach herrschender Meinung als das Geburtsland der modernen Industrie bezeichnet werden kann, bereits ein Entwicklungsprozess im Gang, der unter dem Terminus industrielle Revolution bekannt wurde (vgl. Hansmann 2006, S. 12). Den Vorsprung in der industriellen Entwicklung verdankte England neben deutlich besseren politischen, sozialen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen auch bedeutenden technischen Innovationen wie beispielsweise der Dampfmaschine, der mechanischen Spinnmaschine oder auch dem „Puddle-Verfahren“ zur Stahlgewinnung (vgl. Hahn 2011, S. 2 f.). Welcher Faktor nun den Initialimpuls für die Entwicklung gegeben hat, ist bisher ungeklärt. Die neuere Forschung geht davon aus, dass ein Zusammenspiel sich wechselseitig beeinflussender, begünstigender Faktoren den Industrialisierungsprozess überhaupt erst ermöglicht hat (vgl. ebd. S. 61 f.).

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656370574
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209046
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
entwicklung gewerbes industrialisierung gegenwart

Autor

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