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Die Frauen Nathanels in Hoffmanns „Der Sandmann“

Eine Analyse der Klara und der Olimpia

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurze Inhaltsangabe des ÄSandmanns“

3. Entstehungszeit und Gattung
3. 1. Zwischen Aufklärung und Romantik
3.2. Phantastische Erzählung

4. Charakterisierung und Interpretation der Frauenfiguren
4.1. Klara
4.2. Olimpia
4.3. Gegenüberstellung der Frauenfiguren

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

ÄWer wagt, durch das Reich der Träumezu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“1

Der Romantiker E.T.A. Hoffmann ist vor allem für seinen ÄSandmann“ berühmt. Einegeheimnisvolle Erzählung, die von der Tragödie des Studenten Nathanaels berichtet, welcheran seinem Kindheitstrauma zugrunde geht und sich in den Tod stürzt. Hoffmann schrieb seinedunklen Werke, seine Sammlung der Nachtstücke, aber nicht nur weil er dem Alkoholverfallen war. Ganz im Gegenteil. Hoffmann gilt als ein Alleskönner: Ernst Theodor WilhelmHoffmann wuchs ohne Vater bei seiner Mutter in Königsberg auf. Er erhielt bereits frühMusikunterricht für Geige, Klavier und Orgel. Auch als Zeichner und Maler zeigte er Talent.Mit 16 Jahren begann er schließlich in seiner Heimatstadt das Jurastudium. Hoffmann warunpolitisch und interessierte sich mehr für die Künste als für politisches Tagesgeschehen.ÄDie Kunst ist meine Beschützerin, meine Heilige!“2 Mehrere Kompositionen kreierter er inseiner Zeit in Polen, doch nach dem Tod seiner Tochter und schwerer Krankheit seiner Fraureiste er 1807 nach Berlin, wo er aus finanziellen Gründen Musikunterricht erteilte sowieRezensionen und Aufsätze verfasste. Hoffmann änderte seinen dritten Vornamen in Amadeus,um seiner Verehrung Mozarts Ausdruck zu verleihen. Während der napoleonischenBesetzung und der unruhigen Zeit schrieb Hoffmann mehrere Stücke und Erzählungen. Nachseiner Bekanntschaft mit Foqué, Chamisso und Tieck begann er seine Nachtstücke zuverfassen, zu denen auch ÄDer Sandmann“ zählt.3

ÄDer Sandmann“ ist eines der meistinterpretierten Erzählungen der deutschen Literatur, wasman an Werken wie ÄInterpretationskonflikte am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns DerSandmann“ von Tepe, Rauter und Semlov sehen kann. Viel diskutiert sind dabei die Figurender Klara und der Olimpia, welche auch in dieser Arbeit in den Fokus gerückt werden sollen.Wie verhält es sich mit der Charakterisierung der Frauen? Klara als Figur der Aufklärung?Oder steckt mehr in ihr? Wie steht sie im Verhältnis zu Olimpia? Hoffmann greift das Themades Automaten-Menschen, welches sich zu jener Zeit starker Aufmerksamkeit erfreuendurfte4, auf und thematisiert zudem das Unheimliche, welches von diesen Maschinen ausging.Auch hier ist die Frage nach der Darstellung Olimpias zu stellen und in Kontrast zu Klara zu setzen. Anschließend soll zudem auf die Schlüsselrolle Olimpias eingegangen werden, welche sie in der anhaltenden Angst Nathanaels vorm Sandmann hat.

Um aber zunächst einen Einstieg in das Thema zu finden, steht zu Beginn dieser Arbeit einekurze Inhaltsangabe seiner Erzählung. Darauf folgend sollen die Entstehungszeit zwischenAufklärung und Romantik sowie die Gattung der phantastischen Erzählungen kurz skizziertwerden. Die Analyse von Klara und Olimpia soll vornehmlich textimmanent geschehen, d.h.bestimmte Textstellen sollen näher beleuchtet und interpretiert werden. Die abschließendeGegenüberstellung der Figuren soll zudem die Konstruktion Hoffmanns verdeutlichen undIntentionen des Autors freilegen.

2. Kurze Inhaltsangabe des „Sandmanns“

Das 1817 erschienene Nachtstück der Sandmann beginnt mit drei Briefen. Der StudentNathanael schreibt an seinen Freund Lothar, um ihm von seinen jüngsten Erlebnissen zuberichten. Er schildert, wie ihm ein Wetterglashändler namens Coppola begegnete, der ihn anden Advokaten Coppelius erinnert. Dieser hatte während Nathanaels Kindheit mit dem Vateralchemistische Versuche durchgeführt, bei welchen der Vater ums Leben kam. Da ihn seineEltern immer ins Bett schickten als der Advokat sich anmeldete unter der Begründung, dassder Sandmann käme, ergriff ihn im Alter von zehn Jahren die Neugier und er versteckte sichim Arbeitszimmer seines Vaters. Zuvor hatte ihm das Kindermädchen erzählt, dass derSandmann den Kindern die Augen stähle und seinen Kindern zum Fraße vorwerfe. Als nunder Advokat Coppelius hereinkam, war für Nathanael klar, dass er der Sandmann sei, waszudem noch durch Coppelius‘ malträtierende Art und Weise, Nathanael Angst zu machen undzu behandeln, verstärkt wurde. Die Begegnung mit dem Wetterglashändler erweckte nun dieErinnerung an den grässlichen Sandmann.

Die Antwort auf diesen Brief erhält Nathanael zunächst von seiner Verlobten Klara, da er in seiner Verwirrtheit diesen an sie adressierte. Sie versucht ihn zu beruhigen und sucht nach Erklärungen für die Ereignisse. Sie glaubt, dass diese und die vermeidliche Ähnlichkeit zwischen Coppelius und Coppola nur "Phantome des eigenen Ich[s]"5seien.

Nathanael schreibt erneut an Lothar und reagiert auf Klaras Brief. Er bittet ihn, ihr keineweiteren Auskünfte über seine Probleme zu geben. Zudem berichtet Nathanael, dass sich Coppola nicht mehr in der Stadt befinde und es sich bei diesem doch nicht um den Advokaten handeln könne, da dieser einen Akzent besitze, welchen der deutschsprachige Coppelius nicht hatte. Des Weiteren seien der italienische Professor Herr Spalanzani und seine komisch starr wirkende Tochter Olimpia in das Haus gegenüber gezogen.

Auf die drei Briefe folgt ein Einschub des Erzählers, in der er seine Art, die Erzählung zu beginnen, rechtfertigt. Nur die Briefe könnten Nathanaels tragisches Schicksal und seinen Gemütszustand richtig fassen.

Nathanael steigert sich in seine düsteren Vorstellungen des Lebens hinein und glaubt, dass eseine höhere Macht gebe, die das Leben bestimmt. Der aufgeklärten Klara ist dies zuwider undsie ist von den zunehmenden Phantastereien ihres Verlobten entsetzt und zeigt Unverständnis.Bei dem Vortragen eines seiner Gedichte blockt Klara völlig ab, was in Nathanael Wutaufkommen lässt und ihn dazu verleitet, seine Verlobte zu beschimpfen. In seinemaufgewühlten Zustand kommt es daher beinahe zum Duell zwischen Lothar und Nathanael, dadieser über Nathanaels Verhalten gegenüber seiner Schwester erzürnt ist. Klara kann denKampf verhindern und Nathanael entschuldigt sich bei ihr und Lothar und beteuert seineLiebe.

Nathanael kehrt zurück an seinen Studienort, wo er aufgrund eines Brandes in der Apothekeunter seiner Wohnung umziehen muss. Von der neuen Bleibe aus hat er einen guten Blick inSpalanzanis Haus, wo er dessen Tochter Olimpia sitzen sieht. Er glaubt, dass dieseununterbrochen in seine Wohnung schaut. Sein Interesse an ihr wächst. Coppola taucht erneutbei Nathanael auf. Dieses Mal kauft er ihm aus schlechtem Gewissen ein Perspektiv ab, mitwelchem er direkt beginnt, Olimpia zu beobachten. Sie scheint schöner als je zuvor. Er ist sogefesselt, dass er Coppola nur noch lachend die Treppe hinuntersteigen hört, was einunwohles Gefühl in Nathanael hervorruft. Auf einem Fest Spalanzanis ist Nathanael derEinzige, der Olimpia zum Tanz auffordert. Er ist entzückt von ihr, gesteht ihr seine Liebe undküsst sie schließlich. Von nun an besucht er sie häufig und liest ihr seine Gedichte vor. Nursie scheint ihn vollkommen zu verstehen. Spalanzani ist erfreut über das Interesse Nathanaelsan seiner Tochter, er gibt ihm außerdem zu verstehen, dass es Olimpias Entscheidung sei, wensie heirate. Als Nathanael ihr nun einen Heiratsantrag machen möchte, gerät er in einenKampf zwischen Coppelius/Coppola6 und Spalanzani. Die beiden streiten um Olimpia undNathanael erkennt nun, dass es sich bei ihr nur um eine Holzpuppe handelt. Als der Unglückliche die blutverschmierten Glasaugen Olimpias auf dem Boden liegen sieht und Spalanzani ihm diese auf die Brust wirft, packt ihn der Wahnsinn und er springt dem bereitsverletzten Professor an die Kehle. Die durch den Lärm herangeeilten Menschenmassenkonnten jedoch Schlimmeres verhindern. Nathanael wird schließlich ins Tollhaus gebracht.

Wieder ergreift der Erzähler das Wort und berichtet davon, dass Spalanzani die Universitäthinter sich lassen musste. Auch Nathanael hat mittlerweile das Tollhaus wieder verlassen undes scheint, dass alles wieder beim Alten sei. Zusammen mit Klara, Lothar und seiner Muttergeht er in die Stadt, um letzte Einkäufe für den bevorstehenden Umzug zu machen. Um denBlick über die Stadt zu genießen, steigen Nathanael und seine Verlobte auf den Ratsturm.Lother wartet unten auf die beiden. Als Klara ihn auf einen herannahenden Buschaufmerksam macht und dieser nach seinem Perspektiv greift, richtet er dieses anstatt auf denBusch auf Klara und der Wahnsinn packt ihn erneut. Er hält sie für einen Automaten undversucht, sie den Turm herunterzustoßen. Lothar kann seine Schwester aber noch retten undsie vor dem Herabstürzen bewahren. Nathanael erblickt nun in der Menge Coppelius, welcherden Herumstehenden versichert, dass Nathanael schon selbst hinunter käme. Dieser stürzt sichdaraufhin in den Tod. Klara soll später geheiratet haben und zusammen mit ihrem Mann undden Kindern auf dem Land leben.

3. Entstehungszeit und Gattung

3. 1. Zwischen Aufklärung und Romantik

Hoffmann schrieb seinen ÄSandmann“ in einer Zeit, in der Spannungen zwischen denVertretern der Aufklärung und der Romantik zu spüren waren. Die Aufklärung war nicht nureine literarische Epoche, sondern vielmehr eine geistige Strömung. Vernunft, Erfahrung undBildung wurden angestrebt, Phantasterei und Träumerei wurden als nichtig angesehen,welches den Konflikt mit der Romantik verdeutlicht. Doch sogar in den eigenen Reihen derAufklärer wurde für das Wunderbare in der Dichtung plädiert. Ausdruck dafür ist derLiteraturstreit zwischen Johann Christoph Gottsched und den Schweizern Johann JacobBodmer und Johann Jakob Breitinger.7

[...]


1E.T.A. Hoffmann.

2Vgl. Nachwort zu: E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Das öde Haus. Husum/Nordsee, 2005. S. 64.

3Vgl. Ebd. S. 64-65.

4Vgl. Lienhard Wawrzyn: Der Automaten-Mensch: E. T. A. Hoffmanns Erzählung vom "Sandmann". Mit Bildern aus Alltag und Wahnsinn. Berlin, 1990. S. 98f.

5E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann und Das öde Haus. Husum/Nordsee, 2005. S. 14.

6Da in jener Szene nicht klar ist, um wen es sich genau handelt, werden beide Namen genannt. Nathanael hört Coppelius‘ Stimme, sieht aber Coppola. Spalanzani wiederum spricht von Coppelius.

7Vgl. Dr. Axel Sanjosé: Literaturepoche Aufklärung. Online unter: http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung?page=0%2C0 (02.01.2013).

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656365365
ISBN (Buch)
9783656366935
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209006
Institution / Hochschule
Rijksuniversiteit Groningen – Duitse taal en cultuur
Note
2,0
Schlagworte
frauen nathanels hoffmanns sandmann eine analyse klara olimpia

Autor

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